Ich bin ein Freund davon, von allem und jedem zu lernen. Das gilt auch für Animes. Wieso also nicht darüber philosophieren, was sich der Macher des legendären Mangas/Animes One Punch Man bei seinem Werk gedacht hat? Lasst uns dafür zu Beginn klären, was Geschichten für eine Bedeutung in unserem Leben haben.

Geschichten sind nicht nur dafür da, uns abends bei einem Lagerfeuer glücklich zu machen, zu trösten oder die Einsamkeit zu vertreiben. Vielmehr sind die Geschichten, die wir kennen, ganz eng an unsere Wahrnehmung geknüpft. Je nach dem, welche Geschichten wir im Leben schon gehört und durchlebt haben, reagieren wir anders auf die Chancen und Möglichkeiten in unserer Gegenwart. Ist deine persönliche Geschichte mit sehr viel Leid durchtränkt, so wirst du vermutlich die Welt anders sehen, als jemand, der immer nur Gutes erlebt und gehört hat.

Es ist kein Wunder, dass in unserem Informationszeitalter Geschichten (bzw. Informationen) die primäre Währung sind. Nachrichten, Hollywood-Filme/Serien, Youtube-Tutorials, Bücher, Musik, soziale Medien, ja sogar unsere Freunde und Familie – sie alle haben eine Geschichte zu erzählen. Gleichzeitig färben sie uns jeden Tag mit ihren Gedanken und Gefühlen und tragen dazu bei, dass wir sind, wie wir sind.

Wer glaubt, dass Geld die Währung unserer Zeit ist, den muss ich enttäuschen. Geld hat auch eine Geschichte, vielleicht sogar die älteste Geschichte der Welt, aber Geld ist nicht das, was unser Leben lebenswert macht. Wir können mit Geld bestimmte Dinge kaufen, die uns Geschichten erzählen sollen. Was wir kaufen, ist jedoch davon abhängig, was wir bereits für Geschichten erlebt haben. Damit ist Geld zwar das Mittel, um neue Geschichten zu erfahren, allerdings kann durch bestimmte Informationen und Geschichten (z.B. Nachrichten) gezielt manipuliert werden, welche Geschichten wir noch hören wollen.

Darum sind Nachrichten übrigens auch nicht ungefährlich: Nachrichten erschaffen einen Drang bzw. eine Sucht nach immer neuen Informationen. Ob diese Informationen positiv oder negativ sind, ist gar nicht unbedingt wichtig, da es bei Nachrichten primär um die Aktualität geht. Wer nicht ständig aktualisiert (wie z.B. auch bei Social Media) fühlt sich abgehängt (und dies kann Urängste triggern, aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden).

Dieser Trend wird übrigens immer weiter dadurch manifestiert, dass Informationen durch das Internet kostenfrei zur Verfügung stehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Narrativ: Zu unserer Zeit fühlt es sich an, als ob es unendlich viele Geschichten gäbe. Das Internet macht es möglich. Aber was, wenn ich euch sage, dass der Ablauf von Geschichten immer derselbe ist?

Es gibt viele Konzepte darüber, wie die basale Struktur von Geschichten aussieht. Aber vielleicht hat es bisher niemand so gut beschrieben, wie der Philosoph und Theologe Joseph Campbell.

Campbell erklärte in seinem Buch Der Heros in tausend Gestalten (Hero with a Thousand Faces), dass sich eine Geschichte für einen Helden immer nach den gleichen Motiven entwickelt, unabhängig von Religion, Abstammung, oder Zeit. Ein Held einer Geschichte sei somit ein Archetyp, der in jedem Menschen angeboren sei. Im Grunde genommen läuft es so ab: Die Reise beginnt, der Held trifft seinen Mentor, der Held muss „das Unbekannte“ bzw. einen unbekannten Bereich betreten, macht Fehler und steckt Niederlagen ein, lernt aber gleichzeitig Helfer kennen, erlernt neue Fähigkeiten, wandelt an der Schwelle des Todes (und wird manchmal wiedergeboren), erfährt eine Offenbarung und verändert sich, tut Buße, wird beschenkt (durch z.B. äußere Umstände, Gegenstände, die ihm helfen oder Freunde) und kehrt „stärker“ in die normale Welt zurück. Dann beginnt die Reise von Neuem, aber auf einem höheren Niveau. Auf dreidimensionaler Ebene ließe sich dieser Kreislauf auch als Upward Spiral (Aufwärtsspirale) vorstellen.

Eine weitere Art und Weise die Geschichte eines Helden zu beschrieben, hat Dan Harmon, Erfinder der beliebten TV-Serie Rick & Morty entwickelt. Dabei sei jedoch gesagt, dass die Grundzüge seiner Beschreibung auf Campbell zurückzuführen sind, dessen Buch Harmon kennt.

Dan Harmon beschreibt acht Schritte, in denen der Held einer Geschichte sich verändern muss, um die Reise zu bestehen. Die obere Hälfte des Tortendiagramms zeigt dabei Start bzw. Ende der Geschichte an, somit nach Campbell „das Bekannte“, während die untere Hälfte Wachstum und Veränderung anzeigt, nach Campbell „das Unbekannte“. Häufig gehen mit dem bekannten Bereich einer Geschichte Licht, Fröhlichkeit, Ordnung und Heilung/Leben einher (was sich auch filmisch gut darstellen lässt), während mit dem unbekannten Bereich das genaue Gegenteil einhergeht (Dunkelheit, Chaos, Trauer, Tod etc.). Mit dieser Dualität wird in einer Geschichte ganz bewusst gespielt. Wäre diese Dualität nicht vorhanden, wäre auch keine Veränderung zu erwarten. Sowohl in deiner eigenen Geschichte, als auch im Film und TV.

Diese acht Schritte sind: 1. Komfortzone, 2. Bedürfnis oder Wunsch, 3. Ungewohnte Situation, 4. Anpassung, 5. Kriegen, was man wollte, 6. Aber einen Preis dafür zahlen, 7. Zurück zur Gewohnheit 8. Sich geändert haben

„Alles Leben, einschließlich des menschlichen Geistes und der Gemeinschaften, die wir schaffen, marschiert im selben, sehr spezifischen Takt. Wenn Ihre Geschichte auch zu diesem Takt marschiert – ob Ihre Geschichte der große amerikanische Roman oder ein Furzwitz ist – wird sie mitschwingen. Es wird das Ego Ihres Publikums auf eine kurze Reise ins Unbewusste und zurück schicken. Ihr Publikum hat einen instinktiven Geschmack dafür und sie werden „lecker“ sagen.

Dan Harmon

Und glaubt mir nicht, sondern überprüft es. Von Arielle die kleine Meerjungfrau, über Heavy Metal Musik bis hin zu Menschen, die sich in den Urwald nach Peru auf den Weg machen, um Ayahuasca zu trinken: Sie alle machen diesen Story Circle durch.

Wie lässt sich nun die Serie One Punch Man dort einordnen? Grundsätzlich verfügen Serien auch über einen Story Cycle, auch wenn dieser etwas ausgedehnt wird. Zudem spiegelt sich der Story Cycle auch in jeder einzelnen Folge wieder und existiert damit sowohl im Mikrokosmos, als auch im Makrokosmos einer Serie.

Bei One Punch Man geht es um den Helden Saitama, einen übermächtigen Helden, der die Welt vor Monstern schützt. Und ja, Saitama sieht nicht danach aus, aber er ist so stark, dass niemand, wirklich NIEMAND ihm auch nur das Geringste anhaben kann. Selbst den Gebieter des Universums hat er schon in der ersten Staffel besiegt. Tatsächlich ist der Titel der Serie auch so gewählt, weil Saitama jeden Gegner mit nur einem einzigen Schlag platt macht. Saitama kommt eigentlich fast immer zu spät zu den wirklich wichtigen Kämpfen, in denen seine Freunde besiegt wurden, aber am Ende siegen doch immer die Guten. Oder naja, er. Aber er selbst zählt sich zu den Guten.

Und genau hier fängt das Problem an: Saitama bleibt konstant in Phase 1: Die Komfortzone. Er kommt da aber auch einfach nicht raus, so sehr er es versucht. Seine Freunde entwickeln sich im Gegensatz zu ihm weiter, auch wenn sie niemals in ihrem Leben so stark werden können, wie er. Aber Saitama hat durch seine unheimliche Stärke sein Lebensziel erreicht und kann sich nun nicht mehr weiterentwickeln. Niemand kitzelt das aus ihm heraus, was eine gute Geschichte ausmacht: Dass der Held sich verändern und anpassen muss.

Und das merkt Saitama. Versteht mich nicht falsch, die Serie One Punch Man selbst verläuft nach demselben Schema, wie jede andere Geschichte auch. Saitama ist zwar der Hauptcharakter, aber die Serie selbst besteht aus vielen kleinen Nebenhandlungen über Helden, die immer wieder mit Saitama in Kontakt kommen. Insofern sehen wir immer stärkere neue Gegner, an die sich alle Helden anpassen müssen, d.h. sich selbst überwinden müssen, um zu gewinnen. Außer Saitama.

Die Rolle von Saitama könnte also nicht irrwitziger und ironischer sein. Er ist der einzige Charakter, der stets „er selbst bleiben darf.“ Es gibt schlichtweg keinen Antrieb und keine Veränderung mehr für Saitama als Helden. Und hier erhalten wir auch einen Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt. Er hat eine sehr leidvolle Geschichte und wusste nie, wo er hingehört. Eines Tages hat ein Monster seinen Kampfgeist geweckt und er hatte das Ziel, der stärkste Held aller Zeiten zu werden. Daraufhin hat er – laut ihm – so verrückt trainiert, dass er unbesiegbar wurde (und ihm die Haare ausgefallen sind). Seine Leidenschaft für das Heldendasein schien also so extrem zu sein, dass er der Allerbeste wurde. Jedoch für einen Preis, den er zahlen musste, ebenso wie jeder andere Held auch.

Er fühlt sich abgestumpft, leer und völlig angstfrei. Angstfreiheit kann für die einen etwas Gutes bedeuten. Es kann aber auch die totale Gleichgültigkeit bedeuten. Letztlich ist Mut auch nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung trotz Angst zu handeln.

Jeder Mensch verbindet einen Helden mit Mut. Saitama braucht diesen Mut nicht mehr, gerade weil er schon der allerstärkste Held ist. Vielleicht fehlt ihm deshalb die Leidenschaft für seinen Beruf als Held. Wieso anstrengen und mutig sein, wenn er sowieso weiß, dass er gewinnt? Diese Frage bringt ihn in eine tiefe Depression.

Aber, wer die Serie versteht, der merkt, dass Saitama sich doch verändert: Nicht als Held, aber als Mensch. Zu Beginn der Serie war er alleinstehend, ohne Freunde oder Beruf. Inzwischen hat er einen Schüler, einen Freund und wird von der Heldenliga als hauptberuflicher Held eingestuft (wenn auch in einer Klasse, die ihm nicht gerecht wird). Er lernt wieder Gefühle zu fühlen, nicht auf dem Schlachtfeld, aber bei seinen Freunden. Während die anderen Charaktere der Serie noch darum kämpfen, die Stärksten oder Mächtigsten zu sein, lernt Saitama, worauf es wirklich ankommt. Vielleicht ist Saitama in der Serie fehl am Platz – wie ein Gott aus einem anderen Universum – aber genau das macht den Charme der Serie aus.

Übertragen auf das echte Leben wirft die Serie einige ernsthafte Fragen auf, mit denen auch wir im Alltag konfrontiert werden. Exemplarisch:

  • Wozu weiterkämpfen, wenn wir unser Ziel erreicht haben?
  • Liegt der Sinn des Lebens in Macht, Stärke und Überlegenheit oder eher in Ebenbürtigkeit und Austausch?
  • Brauchen wir Ideale, um nicht der Gleichgültigkeit unseres Daseins zu erliegen?
  • Erfahren diejenigen, die stark und machtvoll sind, automatisch einen Gott-Komplex?

Und zum Abschluss findet ihr noch ein Video, in dem sich Saitama über seine Misere klar wird… und durch einen guten Freund eine Anregung erhält, seine Ideale zu überdenken.

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Die Schattenseite unseres Selbst

Quellen finden sich in COVID-19 (SARS-CoV-2) holistisch betrachtet

Aufgrund der kommenden „Pandemie-Monate“ kam mir die Idee, einfach mal einen Beitrag über Angst zu verfassen. Um Angst zu verstehen und auch einordnen zu können, wann sie angebracht ist, müssen wir verstehen, wofür sie da ist.

Angst ist eine Grundemotion des Menschen. Angst macht mobil und leistungsfähig. Angst ist der Antrieb, der viele Menschen jeden Morgen aufstehen lässt. Zum Beispiel aus dem Grund, dass man Angst hat, kein Geld zu verdienen und auf der Straße zu landen.

Angst entsteht jedoch nicht grundsätzlich aufgrund bestimmter Glaubenssätze. Wenn hier eine Bärin mit ihren Jungtieren vor mir steht, dann muss ich handlungsfähig sein und weglaufen. Da wäre es eher nachteilig, wenn ich desinteressiert weiter meinen Blogbeitrag schreibe.

Merke also: Angst induziert den bekannten Kampf-Flucht-Trieb, der in jedem Menschen und jedem Tier vorhanden ist. Angst ist die Emotion, die der Erhaltung des eigenen Lebens dient.

Jemand, der gar keine Angst hat, ist nicht lebensfähig, denn derjenige würde sich selbst ständig in Gefahr bringen (Da ist eine Klippe? Was soll’s). Eine gewisse Grundangst ist notwendig, um nicht zu sterben.

Wir müssen also unterscheiden zwischen gegenwärtigen, realen Gefahren, bei denen die Angst berechtigt ist, um davon zu laufen und zwischen Zukunftsängsten. Die Psychologie determiniert diese beiden Arten genauer als Furcht (Gegenwart) und Angst (Zukunft).

Ist Angst berechtigt?

Furcht erfüllt die Funktion des Überlebens. Welche Funktion erfüllt jedoch die Angst?

Dafür müssten wir in uns hineinhorchen und schauen, wie häufig Ängste, Nöte, Sorgen und sonstige Existenzprobleme tatsächlich berechtigt sind. Ich würde schlicht und ergreifend einfach mal gar nicht (bis kaum) sagen. Stelle doch einfach mal eine Liste zusammen, die deine Sorgen beinhaltet, die tatsächlich berechtigt sind. Du wirst staunen.

Das Problem ist Folgendes: Wenn mein eigenes Handeln von Angst bestimmt ist, dann werde ich niemals mein volles Potenzial ausschöpfen können. Angst ist eine nervenschädigende, immunsystemschwächende und die Lebensqualität mindernde Emotion, die langfristig Energiemangel erschafft und die Freude am Leben nimmt. Ein Künstler, Tänzer oder Musiker muss völlig angstfrei sein, sonst wird er sein Meisterwerk nicht erschaffen können.

Wieso dauerhafte Angst schädlich ist, lässt sich auch sehr einfach biochemisch nachvollziehen.

Das primäre Hormon, welches während einer Angstreaktion ausgeschüttet wird, ist Adrenalin. Adrenalin mobilisiert Energieressourcen, stoppt (für den Moment) unnütze und energieverbrauchende Körperprozesse und macht somit leistungsfähig. Dies an sich ist ein völlig normaler physiologischer Prozess, der bei einem gesunden Menschen reibungslos abläuft.

Problematisch wird es, wenn das Hormon Adrenalin durch die (sympathikotone) Daueranspannung zu oft und zu lange aktiviert wird. Das führt nämlich zur vermehrten Aktivierung des reziproken Hormons Cortisol (chronischer Stress), welches die entzündlichen (inflammatorischen) Schäden im Körper durch seine antientzündlichen Eigenschaften puffern soll. Bekannt ist unter anderem auch das artverwandte Medikament Cortison, das genau hier eingesetzt wird – bei hohen Entzündungswerten.

Cortisol ist an sich nicht gut oder böse, sondern ist sogar für das hormonelle Gleichgewicht des zentralen Nervensystems (ZNS) notwendig. Alle Hormone sind wichtig! Erst wenn durch das eigene Verhalten das körperliche System fehlreguliert wird, entstehen langfristig körperliche und geistige Probleme.

Hier setzen nicht nur Medikamente an, sondern auch diverse psychologische Therapien. Durch die Veränderung des eigenen Verhaltens (Ursache) kann eine Verringerung bestimmter Auswirkungen (Schmerzen, Angstzustände, Panikattacken, Diabetes etc.) erreicht werden.

Dafür müssen jedoch die eigenen Glaubenssätze aufgelöst werden. Und daraus wird häufig eine Kunst gemacht. Dabei ist es eigentlich einfacher, als man denkt.

Glaubenssätze können nur durch das erworbene Wissen (Erfahrungen) widerlegt werden!

Je intensiver die eigene Erfahrung, desto besser lässt sich der eigene Glaubenssatz auflösen. Dabei wird sicherlich viel Zeit benötigt, um langfristige Verhaltensmuster aufzulösen – dennoch: Der eigene Glauben kann immer nur durch die Erkenntnis und Erfahrung negiert werden. Um zu überprüfen, ob sich der Glaubenssatz tatsächlich aufgelöst hat, kann man immer die eigene Entspannung in der entsprechenden (Angst-)Situation überprüfen. Wer wahrlich seine Glaubenssätze aufgelöst hat, der ist völlig entspannt.

Somit folgt zur Beantwortung der Frage: Angst hat sowohl einen realen Ursprung als auch einen fiktiven. In den häufigsten Fällen handelt es sich jedoch um fiktive Angst und nicht um Furcht. Die fiktive Angst gilt es im Sinne der eigenen Gesundheit und Zufriedenheit möglichst zu minimieren. Sonst wird es langfristig ziemlich „ungemütlich“.

Aber auch aus einem anderen Aspekt heraus ist die fiktive Angst als kritisch für den Menschen zu beurteilen: Angst schränkt die Wahrnehmung ein. Man fühlt sich selbst eingeengt von seiner Umgebung und von seinem Weltbild. Letztendlich resultiert dauerhafte Angst in einem ständigen Gefühl der Bedrohung. Und wie ich in meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert schrieb, fühlen sich Personen ständig bedroht und versuchen alles zu eliminieren, was ihnen Angst macht. Mit verheerenden Folgen.

Beispiel COVID-19

Dunkles Licht. Schaurige Bilder. Blut, Viren und ein Arztkittel. Die Unsicherheit des Mannes in Weiss, der sonst immer alles weiß, sorgt für Unsicherheit. Der Laie, der keine Eigenkompetenz besitzt, muss dem Spezialisten glauben, damit das eigene Heil gesichert wird. Die eigene Verantwortung abzugeben schafft Abhängigkeit und Steuerbarkeit. Wer nicht der Regierung glaubt, muss tief in die Tasche greifen. Andersdenken ist teuer.

Jene Situation hat uns in den letzten Monaten ereilt. Wie der Forscher Mohideenbawa Riswan ganz folgerichtig erkannt hat, ist alleine das Wort Pandemie zu einem Schrecken für die Menschheit geworden. COVID-19 (bzw. der Erreger SARS-CoV-2) löst vielmehr Angst aus als real begründete Furcht.

Viele Studien behaupten, dass der Ausbruch der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) weltweit tiefgreifende soziale und psychologische Auswirkungen hat. Untersuchungen zeigen, dass die Covid-19-Epidemie mit Angst, Angst und Depression, Unruhe bei Beschäftigten im Gesundheitswesen und in der Öffentlichkeit verbunden ist. Soziale Isolation, Angst und andere chronische psychische Belastungen können zu Selbstmordgedanken bei schutzbedürftigen Menschen, Personen mit psychischen Störungen und in Gebieten mit hoher Covid-19-Prävalenz führen.

Mohideenbawa Riswan (2020).

Diese wissenschaftliche Arbeit gibt jedoch nur einen kleinen Einblick in die tatsächlichen Kollateralschäden. Soziale Verwahrlosung, wirtschaftliche Totalschäden und Insolvenzen, Anstieg an Erkrankungen wie Krebs und Diabetes, Hunger und Armut in dritte Welt-Ländern (bis zu 150 Millionen Opfer) und steigendes gesellschaftliches Missvertrauen sind Folgen der aktuellen Politik, die häufig in dem ganzen politischen Schauspiel rund um die Infektionszahlen vergessen werden. Da rudert auch die WHO mit den anfänglichen Lockdown-Empfehlungen zurück.

Sieht man sich die harten Fakten von COVID-19 (bzw. dem Erreger SARS-CoV-2) an, dann erscheint rein logisch eine Sorge über eine mögliche Erkrankung bzw. einen tödlichen Verlauf als nahezu irrwitzig. Viel begründeter wäre es, sich mit den Folgen der Politik für Wirtschaft, Soziales und Umwelt zu befassen.

Doch hier fünf harte Fakten über SARS-CoV-2:



Diese fünf Fakten über SARS-CoV-2 würden einem rational denkenden Menschen die Angst vor dem „Killer-Virus“ nehmen. Doch „der unsichtbare Feind“, wie er nach wie vor genannt wird, wird vielfach in den Medien falsch dargestellt. Falsch insofern, als das die Verhältnismäßigkeit des Erregers nicht eindeutig aufgezeigt wird und die Bevölkerung nach wie vor in Daueranspannung gehalten wird. Hier eine kurze Auflistung an Panik-Überschriften bekannter Nachrichtenportale.

Spiegel: „Corona-Pandemie in Europa: Die zweite Welle rollt“ (14.10.20)
Zeit Online: „Die zweite Welle wird uns viel härter treffen“ (14.10.20)
t-online: „Deutschland im Corona-Herbst Die Angst vor dem totalen Kontrollverlust“ (18.10.20)
Frankfurter Allgemeine: „ANSTIEG DER CORONA-INFEKTIONEN Die Deutschen hamstern wieder“ (18.10.20)
Der Spiegel: „Anstieg an Corona-Infektionen in der Schweiz – So steil wie die Alpen“ (18.10.20)
tagesschau: „Corona-Pandemie – In Italien ist die Angst zurück“ (16.10.20)
RTL: „Politiker warnen, Virologen sind alarmiert, die Menschen in Sorge – Angst vor neuem Corona-Lockdown in Deutschland wird größer“ (17.10.20)

Wie ich auch schon in meiner Analyse vom Mai aufzeigte, werden hier ganz bestimmte psychologische Manipulationstechniken verwendet, die den Leser unter anderem dazu bringen, mehr Nachrichten zu konsumieren (und mehr Klicks zu generieren). Gerade auch einfach deshalb, weil die Medien den Eindruck vermitteln, dass hier in Deutschland eine ernsthafte Gefahr besteht. Eine Gefahr durch steigende Infektionszahlen. Und da muss man ja auf dem Laufenden bleiben. Ist ja klar.

Steigende Infektionszahlen haben aber tatsächlich sehr wenig mit der realen Gefahr einer Erkrankung zu tun. Die Chance, sich zu infizieren ist gering. Die Chance zu erkranken ist noch sehr viel geringer. Und dann noch als gesunder Mensch an COVID-19 zu sterben – die Angst ist vollkommen irrational. Besonders für diejenigen, die eine gesunde Lebensweise besitzen, Hygiene praktizieren und zu kranken Menschen Abstand halten.

Angst vor Corona-Viren zu haben, ist insgesamt völlig unbegründet. Die Angst abzulegen ist aber sehr schwer, gerade wenn man jeden Tag Nachrichten liest und mit einer Vielzahl an negativen Spekulationen konfrontiert wird. Hier hat man keine Möglichkeit die Erfahrung zu machen, dass Corona für weite Teile der Bevölkerung ungefährlich ist. Außerdem beugt man sich doch immer lieber der Einheitsmeinung, als ein Außenseiter zu sein. Aus der Gruppe ausgestoßen zu werden, signalisiert ebenso Angst. Angst, alleine nicht überleben zu können. Darum passt man sich lieber der Gemeinschaft an, mit der man sich identifiziert.

Drei bekannte psychologische Phänomene sind für die weitere Beobachtung und Entwicklung der Corona-Pandemie wichtig zu verstehen:

  • Der Werther-Effekt beschreibt ein Nachahmungphänomen. In diesem Fall lösen ausführliche Medienberichte über einen Selbstmord eine signifikante Zahl von Nachahmungs-Suiziden aus. Der Ursprung des Effektes geht auf den Goethe-Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ aus dem Jahr 1774 zurück. Damals löste das Buch eine regelrechte Suizid-Epidemie unter jungen Menschen aus.
  • Confirmation Bias wird die kognitive Falle genannt, in der wir dazu neigen, einmal gefasste Meinungen beizubehalten bis sie sich verfestigen – kurz: Schubladendenken. Der Weg dorthin ist selektive Wahrnehmung: Wir nehmen nur noch solche Informationen auf, die in unser Weltbild passen. Der Rest wird ausgeblendet.
  • Herdentrieb: Menschen folgen der Masse lieber, als wenn sie alleine darstehen. Dies hat auch schon Gustave Le Bons in seinem Werk Psychologie der Massen (1895) postuliert (für näheres zu Le Bons siehe meine Analyse). Interessant war hierbei auch das Konformitätsexperiment von Asch (1951), bei dem gezeigt werden konnte, dass je größer die Gruppe ist, desto höher auch die Konformität der Teilnehmer ist.

Für die weitere Entwicklung des Geschehens ist es unabdingbar, dass wir alle uns entspannen. Wir alle wollen nicht in einem Zeitalter des Informationskrieges leben, sondern in einem Zeitalter des Friedens. Und hierfür ist es wichtig, sich jeden Tag erneut für den Frieden einzusetzen. Nur dadurch können wir einen friedlichen Austausch untereinander aufrechterhalten und das geschaffene Mistrauen untereinander überwinden.

Ich bitte inständig darum, SARS-CoV-2 für das zu nutzen, wofür es hätte gut sein können. Für die Realisierung, dass die Gesundheit und die eigene Zufriedenheit das höchste Gut im Leben eines Menschen ist und, dass wir uns alle mehr darauf konzentrieren sollten. Gerade auch, um weitere pandemieartige Zustände zu vermeiden. Angst ist hinderlich und stellt für mich keine Grundlage für eine nachhaltige Gesellschaft dar. Entspannung ist unabdingbar, um das gesundheitliche Gleichgewicht zu bewahren.

DANKE.

Herzlich,
euer Tristan.

Hin und wieder gibt es Tage, an denen ich mich frage, wie stark unser eigenes Verhalten bezüglich Selbstmanipulation ist. Insbesondere frage ich mich das heute, am 14. Oktober, nachdem ich „ausversehen“ meine Publikation COVID-19 holistisch betrachtet mit über 4000 Aufrufen bei researchgate gelöscht habe. Seufz.

Eigentlich lief alles super. Ich habe am 12. Oktober erfolgreich mein drittes Buch veröffentlicht und viel Zuspruch erhalten. Ich übe mich selbst immer weiter in gesunden Gewohnheiten und lese genug. Und im Studium läuft auch alles rund.

Was noch suboptimal läuft, sind hingegen meine überzogenen Ambitionen an mich selbst bezüglich meines Online-Auftritts. Dabei geht es weniger um meine Webseite, meine Bücher oder Podcast-Episoden, sondern eher meine Auftritte, die live und in Farbe stattfinden.

Irgendwie habe ich den perfektionistischen Drang mich selbst optimal darzustellen. Nach gründlicher Erforschung meiner Innenwelt habe ich jedoch festgestellt, dass dies nicht aus narzisstischen Selbstdarstellungsgründen erfolgt, sondern eher an meinem Anspruch liegt, mein Wissen optimal aufbereitet weiterzugeben. Und da glaube ich, dass ich ziemlich viele Dinge gleichzeitig berücksichtigen müsste.

Ich müsste schließlich nicht nur auf meine Rhetorik (Gestik, Mimik) achten, sondern auch auf meine Logik (Argumentation, Präzision, Klarheit), Grammatik (Wortschatz, Fachsprache) und Stimme (Akkustik, Phonetik). Beim Schreiben ist dies kein Problem für mich. Hier habe ich schließlich genügend Zeit, um nachzudenken, auszuholen und mich zu verbessern.

Sicherlich ist dies auch kein Problem bei einem Gespräch mit einem guten Gesprächspartner. Allerdings müsste ich hierfür eben auch selbst so entspannt sein, dass ich keinen Druck verspüre. Und Druck verspüre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, dass es um etwas (für mich, aber auch für andere) wichtiges geht.

Wer entspannt ist, der wird alle diese aufgezählten Merkmale einer Gesprächsführung ganz automatisch berücksichtigen. Einfach, weil die Kontrolle abgegeben werden kann und ein freier Redefluss ganz ohne Anforderungen entstehen kann. Dies erinnert mich auch an die Lektüre von Erich Fromm: „Haben oder Sein“:

Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, mit einem Menschen zusammenzutreffen, der bekannt oder berühmt oder auch durch persönliche Qualitäten ausgezeichnet ist, oder einem Menschen, von dem man etwas bekommen möchte, einen guten Job oder Liebe und Bewunderung? Viele sind unter diesen Umständen nervös und ängstlich und »bereiten sich vor« auf die wichtige Begegnung. Sie überlegen sich, welche Themen den anderen interessieren könnten, sie planen im Voraus die Eröffnung des Gesprächs, manche konzipieren die ganze Unterredung, soweit es ihren Part betrifft. Mancher macht sich vielleicht Mut, indem er sich vor Augen hält, was er alles hat: seine früheren Erfolge, sein charmantes Wesen (oder seine Fähigkeit, andere einzuschüchtern, falls dies mehr Erfolg verspricht), seine gesellschaftliche Stellung, seine Beziehungen, sein Aussehen und seine Kleidung. Mit einem Wort, er veranschlagt im Geiste seinen Wert und darauf gestützt bietet er nun im Gespräch seine Waren an. Wenn er dies sehr geschickt macht, wird er in der Tat viele Leute beeindrucken, wiewohl dies nur zum Teil seinem Auftreten und weit mehr der mangelnden Urteilsfähigkeit der meisten Menschen zuzuschreiben ist. Der weniger Raffinierte wird mit seiner Darbietung nur geringes Interesse erwecken; er wird hölzern, unnatürlich und langweilig wirken.

Im Gegensatz dazu steht die Haltung des Menschen, der nichts vorbereitet und sich nicht aufplustert, sondern spontan und produktiv reagiert. Ein solcher Mensch vergisst sich selbst, sein Wissen, seine Position; sein Ich steht ihm nicht im Wege; und aus genau diesem Grund kann er sich voll auf den anderen und dessen Ideen einstellen. Er gebiert neue Ideen, weil er nichts festzuhalten trachtet. Während sich der »Habenmensch« auf das verlässt, was er hat, vertraut der »Seinstypus« auf die Tatsache, dass er ist, dass er lebt und dass etwas Neues entstehen wird, wenn er nur den Mut hat, loszulassen und zu antworten. Er wirkt im Gespräch lebendig, weil er seine Spontaneität nicht durch ängstliches Pochen auf das, was er hat, abwürgt. Seine Lebendigkeit ist ansteckend, und der andere kann dadurch häufig seine Ichbezogenheit durchbrechen. Die Unterhaltung hört auf, ein Austausch von Waren (Informationen, Wissen, Status) zu sein und wird zu einem Dialog, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wer recht hat.

Erich Fromm: Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, dtv (48. Auflage 2020).

Was wäre, wenn ich diese Kontrolle habe nicht abgeben können?

Ich wäre nicht mehr gewesen, als der Sisyphos. Sisyphos ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die nach Homer eine Strafe in der Unterwelt erhalten hat. Diese Strafe besteht darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet der Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und so muss er stets von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb eine Aufgabe, die trotz großer Mühen nie abgeschlossen wird, Sisyphusarbeit.

Der Versuch die Kontrolle zu behalten, wenn die eigenen Werke wichtiger erscheinen als der Autor, können durchaus in Selbstmanipulation enden. So war ich in der Position mit einem Menschen über meine Arbeit zu sprechen, der eine sehr hohe Reichweite hat, habe aber kurz dem Gespräch geschafft durch einen winzigen Fehler gleich meine ganze Arbeit (von researchgate) zu löschen. Und damit auch meine Reichweite.

Sicherlich, ich bin mir darüber im Klaren, dass die Reichweite meiner Arbeit nicht das ausschlaggebende Kriterium meines Selbstbewusstseins ist. Vielmehr erfreut es mich, wie viele Menschen ich durch meine Arbeit positiv beeinflussen konnte. Jedoch haben viele Menschen die Arbeit auch einfach deshalb gelesen, weil sie so viele Aufrufzahlen hatte.

Wer in unserer Gesellschaft keinen Doktortitel hat, der wird selten angehört. Greta Thunberg ist da eher eine Ausnahme und wurde auch nur deshalb angehört, weil sie eine Vertreterin einer sehr großen Volksgruppe ist (die sich für das Aufhalten des Klimawandels verantwortlich sehen). Ohne die Menschen, die hinter ihr stehen, wäre sie somit auch niemals angehört worden.

Um sich selbst also Gehör zu verschaffen, braucht man in unserer Zeit definitiv entweder Glaubwürdigkeit (im Sinne wissenschaftlicher Titel und Arbeiten) oder Popularität.

Diese Entwicklung hat natürlich Vor- und Nachteile. Zum einen ist es heutzutage durch Medien wie Social Media (Youtube, Instagram & Co.) möglich, sich selbst Reichweite zu verschaffen. Zum anderen wird man nur ernst genommen, wenn man auch etwas vorweisen kann. Wie würden also heutzutage ein Platon, Aristoteles oder Sokrates bestehen, die alle keine Titel hatten, aber sich immerhin selbst als „Philosophen“ titulierten?

Eine schwierige Frage, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Aber vielleicht hat die Authentizität der eigenen Person doch einen größeren Anteil an der Beantwortung dieser Frage, als ich denke. Vielleicht sind es auch einfach gerade jene Personen, die die Kontrolle abgeben können und sich nicht an dem bemessen, was sie erreicht haben, die aus der Masse hervorstechen?

Womöglich gibt es also ein Licht am Ende des Tunnels. Die stetige Selbsterkenntnis, die ich seit meinem ersten Buch Odyssee im 21. Jahrhundert predige, sorgt für einen Wandel der eigenen Perspektive. Weg von dem Beweis der eigenen Glaubwürdigkeit, hin zur wirklichen Offenbarung, Transparenz und zum Selbstbewusstsein außerhalb materialistischer Errungenschaften.

Ähnlich ist es auch bei der Neuauffassung der Geschichte von Sisyphos durch Albert Camus.

Von Albert Camus wurde diese Geschichte in „Der Mythos des Sisyphos“ anders beschrieben, als von bisherigen Autoren. Entgegen der allgemeinen Auffassung, dass Sisyphos Höllenqualen aufgrund seiner sinnlosen Mühe leidet, da er sein Ziel niemals erreicht und immer wieder von vorne anfangen muss, schreibt Camus in den letzten beiden Sätzen seies Essays:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Rowohlt TB (25. Auflage 2000).

Vielleicht ist der Weg das Ziel? Und vielleicht kann ich mich auch einfach damit zufriedengeben, dass ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde? Schließlich gibt es niemand anderen, der dafür verantwortlich ist, dass ich jetzt gerade zufrieden bin, außer mir selbst.

Die Arbeit an sich selbst sollte schließlich auch niemals zum Erliegen kommen. Sonst werden wir uns immer wieder manipulieren. Und der Felsbrocken wird immer kurz vorm Ziel wieder zum Anfang rollen. Auch ein Sisyphos könnte das gerade durch seine Strafe erkannt haben.

Danke fürs Lesen.

Herzlich,
euer Tristan.


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