Wer Wasser predigt, sollte nicht Wein trinken. Zur gestrigen Debatte im Bundestag (17. März 2022) möchte ich einmal die Zeit nutzen, um die Fehlentscheidungen der vergangenen zwei Jahre zu reflektieren – und zu verzeihen. Mein neuestes Buch „Psychologie der Rache“ hilft mir hierbei.

Es war ein Satz, der in Anbetracht der damaligen Lage geradezu lächerlich klang: Jens Spahn sagte noch im April 2020: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“

Mittlerweile hält die Pandemie nun knapp zwei Jahre an. Vermutlich hätte niemand gedacht, was in dieser Zeit alles möglich gewesen ist – wer eben jene Ereignisse prophezeit hätte, wäre entweder als Verschwörungsschwurbler abgestempelt worden oder eingewiesen. Ich möchte die Vorkommnisse an dieser Stelle nicht erneut revidieren, das haben sehr kluge Köpfe wie Gunnar Kaiser, Ulrike Guérot und viele andere schon zu Genüge getan.

Wer aber die damaligen Zeilen des Tagesspiegels von April 2020 liest, der wird aber zumindest nicht um ein Lächeln herumkommen:

Je länger die Covid-19-Bekämpfungsdebatte anhält, desto vernehmbarer werden Untertöne und Mutmaßungen. Will die Regierung eine Bewegungs-App, um uns zu überwachen? Schränkt sie elementare Freiheitsrechte ein, um uns zu kontrollieren? Plädiert sie für Abstandsgebote und Kontaktsperren, weil ihr Wirtschaft und Wohlstand dieses Landes egal sind?

Absurditäten dieser Art schleichen sich zunehmend in den Diskurs, und in die Vorhaltungen mischt sich Ungeduld. Kein Wunder, dass selbst die Kanzlerin mit dem Begriff „Öffnungsdiskussionsorgie“ ihre Contenance verlor.

Lehming, Tagesspiegel (2020)

Noch heute verurteilen Medien und Politiker selbst kleine Öffnungsschritte in einem ähnlichen Ton wie Angela Merkel damals mit dem Begriff „Öffnungsorgie“.

Viele Verschwörungstheorien sind mittlerweile leider wahrgeworden. Obwohl lange „als bösartig und absurd“ (Kretschmer, MP Sachsen) bekämpft, ist der Plan einer Impfpflicht realer denn je, Daten aus Corona-Apps können mittlerweile zur Strafverfolgung genutzt werden, die Bevölkerung wurde bewusst in Angst und Schrecken vor dem Virus versetzt, ungeimpfte Menschen wurden (und werden) mit Beschimpfungen wie „asozialer Trittbrettfahrer“ aus dem öffentlichen Leben geschmissen, Kabarettisten und Kritiker des offiziellen Diskurses werden diskreditiert oder von Veranstaltungen ausgeladen, die freie Meinung in öffentlich-rechtlichen Sendern wird unterbunden, Wissenschaft wird einseitig gefördert – es kommen immer die gleichen Wissenschaftler zu Wort und werden auch noch mit dem Begriff „false balance“, das Bundesverfassungsgericht nickt einfach alles ab (oder besser: alles Entscheidende), was die Regierung beschließt, der Geisterfahrer-Maßnahmen-Kurs von Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt kein Ende,
und und und …

Aber irgendwann wird jeder einmal an den Punkt gelangen, an dem nicht mehr nur die eigene Verleugnung, Verhandlung, Wut oder Resignation die Reaktion auf die Hilflosigkeit gegenüber der Politik ist. Irgendwann ist man dieses Gefühls-Chaos überdrüssig und spürt, dass nun das Leben weitergelebt werden muss – ohne Reue, ohne Vorwürfe, ohne Schuldzuweisungen, ohne Trauer.

Inzwischen haben wir uns genug aufgeregt, empört, widersetzt, gehasst, verbittert, besorgt, argumentiert, gestritten, beschimpft, verleumdet, gewundert…

Wir haben mittlerweile genug Hetze und Hass gesehen, ob nun durch Schuldzuweisungen an ungeimpfte Menschen oder durch Beleidigungen und Diffamierungen gegen Menschen mit alternativen Meinungen zum Mainstram.

Nun wollen wir verzeihen, wollen wir einander wieder in die Arme nehmen, wollen wir Menschen mit anderen Ansichten und Perspektiven tolerieren. Denn es ist nicht schlimm, andere Meinungen zu haben – es ist nur schlimm, diese Meinung einander aufzuzwingen.

Wie aber kommen wir von dem derzeitigen, völlig radikalisierten, illusionierten, pervertierten und abstrusen Zustand wieder zu einer gemäßigteren Ausgangslage? Ist das wirklich so leicht, wie es sich anhört?

Ganz und gar nicht! Gewissermaßen erfordert es viel Zeit und Mühe, verspricht dafür aber auch wesentlich mehr Seelenfrieden als der bisherige Weg, den wir eingeschlagen haben.

Ganz im Sinne meines Buches „Psychologie der Rache“ ist hierfür das Gefühl der Kohärenz notwendig. Kohärenz beschreibt im Grunde genommen die „Stimmigkeit“ oder das „Selbstverständnis“, mit der sich ein Mensch in der Welt bewegt. Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass die allermeisten Menschen derzeit in einem Zustand der Inkohärenz leben – sei es, weil sie glauben, dass die Pandemie nur mit einer Impfpflicht bewältigbar sei oder weil sie glauben, dass jede Maßnahme grundsätzlich schlecht und böse war. Natürlich gibt es auch Positionen dazwischen, aber die bürgerliche Mitte hat sich längst in radikale(re) Positionen verschoben.

Wie stellen wir also das Gefühl der Kohärenz wieder her? Meine Antwort darauf ist das buddhistische Konzept „Dukkha“ (die erste Wahrheit der edlen vier Wahrheiten), was so viel wie „das Leben ist Leiden, alles Leiden ist vergänglich“ bedeutet.

Im Kontext des aktuellen Zeitgeschehens (ob es nun die Pandemie, der Krieg oder die weltweiten Hungersnöte sind) könnte Dukkha viele Bedeutungen haben.

Vielleicht könnte Dukkha bedeuten, dass die notwendigen Übel akzeptiert und integriert werden müssen? Klingt abstrakt, hat aber einen ganz realen Bezug: Was sich vorerst nicht ändern lässt, dürfte wesentlich leichter zu ertragen sein, wenn man sich damit auseinandersetzt. Nicht nur auf einer intellektuellen Ebene, sondern auch auf einer emotionalen. Und um sich emotional mit etwas zu beschäftigen braucht man eine gute Verbindung zu sich selbst. Also sollten wir vielleicht weniger auf äußere Ablenkungen setzen und mehr auf innere Impulse.

Vielleicht könnte Dukkha auch bedeuten, dass Freude und Leid für jedes Individuum zum rechten Zeitpunkt kommen werden – und sich damit natürlich auch das Karma einstellt, was sich jemand selbst aufbürdet. Tue Gutes und dir widerfährt Gutes. Tue Schlechtes und dir widerfährt Schlechtes. Klingt eigentlich ganz leicht. Ist es auch. Sagen wir mal es gäbe so etwas wie Karma. Vergiss das Karma von anderen – wie sieht es mit deinem Karma aus? Hast du dir in dieser Zeit mehr Karma aufgelastet oder etwas von deinem Karma abgebaut?

Vielleicht bedeutet Dukkha auch, dass Freude im Leben nicht vom Leid abhängig ist. Die Politik macht dir das Leben schwer? Oder Impfgegner? Dann mach es dir verdammt noch mal wieder leicht! Du bist für dein eigenes Schicksal verantwortlich, und das auch in einer Zeit, in der der Kollektivismus wieder schwer im Trend ist. Die Abkehr von der Gesellschaft ist immer zugleich auch eine Chance auf Individualisierung und damit auf Heilung. Das hat Erich Fromm so gut beschrieben wie kaum ein anderer Denker.

Dukkha ist sicherlich kein Patentrezept, kann aber bei Realisierung einen wichtigen Beitrag für das eigene Kohärenzempfinden leisten.

Schlussendlich ist Vergebung immer ein steiniger Weg, der viel Ressourcen (Geduld, Zeit, Einsicht) benötigt. Ich habe in meinem Buch „Psychologie der Rache“ mehrere selbst entwickelte Modelle integriert, die dich womöglich interessieren könnten.

Ich bin mittlerweile an dem Punkt der Vergebung angelangt. Die letzten zwei Jahre werden eh nie so aufgearbeitet werden, wie sie es eigentlich müssten. Vielleicht in ein paar Jahrzehnten, aber nicht jetzt, wo es gebraucht werden würde. Wofür also aufregen? Warum sollte ich mein Kohärenzempfinden für einen Weg verschwenden, der ohne Zweifel eine Einbahnstraße ist?

In gewisser Weise ist der Ausweg aus dieser Pandemie für mich die völlige Ausweglosigkeit. Erst wenn jeder Mensch seinen eigenen Irrgarten erkennt, seinen Irrtum eingesteht (dass die eigene Meinung wichtiger als das soziale Geschehen ist) und anfängt zu verzeihen, können wir auch kollektiv Heilen. Heilung beginnt also beim Individuum, überträgt sich aber auch aufs Kollektive.

Als Beleg für diese Behauptung lassen sich diverse Erzählungen anführen: Etwa die biblische (und wohl weltweit bekannteste) Geschichte von Jesus von Nazareth, aber auch die buddhistische Geschichte von Buddha und dem Mann, der ihm ins Gesicht spuckte. Es gibt aber auch gegenwärtige Beispiele für die Kraft der Vergebung, etwa den Dalai Lama, der der chinesischen Regierung für die Besetzung Tibets und Ermordung der Mitglieder seines Volkes verziehen hat. Die Vergebung dieser Menschen wird das entstandene Leid sicherlich nicht ungeschehen machen, dafür aber relativeren.

Auch ich möchte wieder mehr relativieren können. Ich möchte wieder mehr den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge legen. Auf meine Arbeit, meine Hobbys, meine Freundin, Freunde und Familie und natürlich auf mich selbst. Und das kann ich nun mal nicht so gut, wie wenn ständig etwas in meinem Nacken sitzt, was mich in meiner Würde, Selbstbestimmung und Freude hemmt.

Ich werde schon sehr bald 24. Viele junge Menschen in meinem Alter sprechen davon, dass Ihnen durch die Pandemie (bzw. durch andere Menschen) ihre Zeit zum Feiern, für die Uni, für Liebschaften und vieles mehr genommen wurde. Aber für mich klingt dies sehr stark nach unverarbeitetem Groll. Alle Menschen haben extreme Verluste in dieser Zeit zu beklagen – vielleicht sogar, weil andere Menschen böse oder ignorante Absichten hatten. Aber darum geht es eben für mich nicht. Diese Ansicht führt uns nur in den Abgrund.

Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, dann weiß ich, dass es kein leichter Weg war, aber dass ich immer für mich eingestanden habe, für meine Werte eingetreten bin und meine Zeit genossen habe. Und wenn der ein oder andere sich dieselbe Zeit zum Reflektieren nimmt, wird er möglicherweise auf dasselbe Ergebnis kommen … ganz ohne Schuldzuweisungen.

Herzlich
Tristan

P.S.: Natürlich schreibe ich über Vergebung nur aus meiner Perspektive und vergeben tue ich auch nur für mich. Ich glaube nicht, dass ich den Anspruch habe, eine kollektive Entschuldigung mit diesem Blogbeitrag zu verfassen. Jeder sollte dies mit sich selbst ausmachen. Mein Beitrag kann hierfür eine kleine Anregung sein, den eigenen Groll zu überwinden.


Weitere Informationen

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Ob es wohl in diese dramatische Episode der Menschheitsgeschichte passt, dass ich ein Buch über die Psychologie der Rache geschrieben habe? Wer weiß. Was ich weiß ist, dass viele Menschen Angst, Wut, Hass und eben Rachegedanken haben und diese nicht richtig einordnen können. Vielleicht kann mein neues Buch hier einen Ansatzpunkt liefern…

Wie immer wenn ich ein neues Buch veröffentliche, möchte ich es hier auf meinem Blog vorstellen und einen kurzen Abschnitt aus dem Buch zu lesen geben. Ich wünsche viel Interesse und Klarheit dabei!

Kurzinfos:

Bestellen bei Tredition
Auch erhältlich bei: Amazon | Thalia | Hugendubel | buecher.de & Co.

Titel: Psychologie der Rache – Der Weg zur Vergebung
Kosten: Hardcover 17€ | Softcover 25€ | eBook 12,99€
ISBN: 978-3-347-57323-9 (Paperback), 978-3-347-57324-6 (Hardcover), 978-3-347-57325-3 (e-Book)
Verlag: Tredition
Seitenzahl: 130
Wörter: ca. 17.500
Format: Taschenbuch (19×12,5cm)
Veröffentlichungsdatum: 22. März 2022
Leseprobe: auf Tredition

Der Klappentext zum Buch lautet:

Jeder Mensch kommt in seinem Leben in Kontakt mit Rachegefühlen. Doch viel zu selten wird vor dem kritischen Moment reflektiert, wie es überhaupt zu dem Bedürfnis nach Rache gekommen ist – und was nun zur Deeskalation zu tun ist.

Dieses Buch bietet eine Perspektive über die Sinnhaftigkeit von Rachegefühlen und welche unglaubliche Kraft hinter der Vergebung steckt.

Wie komme ich dazu, ein Buch über Rache zu schreiben?

Bücher zu schreiben ist für mich eine Art, um Geschehenes zu verarbeiten. Darum werdet ihr auch eine ganz persönliche Geschichte in diesem Buch finden. Das Erlebte hat bei mir dazu geführt, dass sich Rachegedanken entwickelt haben, die ich eigentlich gar nicht haben wollte.

Aber kein Mensch ist perfekt und kann immer sofort vergeben (so auch nicht ich), weswegen ich dann versucht habe herauszufinden, weshalb diese Gedanken überhaupt da waren. Ich habe unter anderem festgestellt, dass es sehr stark auf die Perspektive des Erlebten ankommt, um das Geschehene zu verarbeiten. Dafür habe ich auch mehrere (teils auch von mir entwickelte) Modelle vorgestellt, die helfen können, Rachegedanken akzeptieren zu lernen und aktiv dazu beizutragen, um den Weg der Vergebung zu wählen.

Letztlich wird der Leser bzw. die Leserin meines Buches ja auch nicht alleine durch das Lesen von ihren Gedanken befreit – dafür ist harte Arbeit notwendig, die nur diejenigen leisten können, die auch willens sind, das Geschehene zu verarbeiten. Manchmal sind wir auch schlicht noch nicht bereit zu verzeihen. Und das ist auch in Ordnung, jeder braucht hier sein eigenes Tempo.

Ich habe jedoch auch versucht, Mut zu geben, indem ich in dem Buch schreibe, wie universell Rachegefühle sind. Auch die Helden in einer Geschichte haben Verluste zu beklagen und so kommt es nicht selten vor, dass der Protagonist unserer Lieblingsgeschichte nach Rache strebt, um seinen Verlust zu vergelten. Aber ist Rache grundsätzlich „schlecht“ oder ist es unter gewissen Umständen gerechtfertigt? Gerade wenn wir uns mit jemandem identifizieren können, haben wir das Gefühl, dass derjenige seinen Verlust vergelten darf. Ja, an mancher Stelle wirkt der Protagonisten dadurch sogar menschlich. Rachegefühle machen uns auch nicht grundsätzlich „unmenschlicher“, es kommt letztlich eher darauf an, wie mit der Situation umgegangen wird.

Ich habe mehrere Filme als Beispiele gewählt, darunter Star Wars, Lucy und Cruella. Ich habe aber auch auf Erzählungen bzw. Geschichten sowie tatsächlich passierte Geschehnisse zurückgegriffen.

Vielleicht ist der Wert dieses Buches für die Leser darin zu bemessen, dass aus einer großen Palette an unterschiedlichen Metaphern die Entstehung und der Umgang mit Rache untersucht und geschildert wird. Es ist sicherlich kein Fachbuch, dafür habe ich bewusst zu wenig Quellen genutzt, dafür aber ein ganz persönliches Buch.

Manchmal sind mehr Beschreibungen auch gar nicht unbedingt besser, deshalb möchte ich nun lieber erstmal mein Buch selbst für sich sprechen lassen.

Ein weiteres „beliebtes Motiv“ des Racheaktes, falls man das so nennen kann, ist die Brandstiftung. Ob es zwischen Mann und Frau, zwischen Mieter und Vermieter oder zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschieht: Häufig kommt es dazu, dass Menschen versuchen, das Hab und Gut des Gegenübers zu vernichten, oder auch den Menschen, um sich für erlittenes Leid Vergeltung zu verschaffen. Nicht selten schaffen es solche Geschichten auch in die Medien. Doch was steckt dahinter, dass ein Mensch Feuerteufel spielen möchte? Warum wird gerade das Feuer als Mittel zur Vergeltung genutzt?

Das Feuer ist eine sehr gute Metapher für die Rache. Natürlich ist Feuer nicht nur eine Metapher für Rache, sondern auch für Leben generell, für Energie (physisch wie psychisch), für Wärme und Geborgenheit, für Stärke und Entschlossenheit. Aber einige Eigenschaften des Feuers lassen sich sehr gut mit denen der Rache verbinden. So ist ein Feuer impulsiv und unbändig, es verschlingt alles Brennbare in seinen Flammen, wenn es nicht erstickt oder durch Wasser gelöscht wird. Insofern hat Feuer auch in semantischer Hinsicht und als symbolischer Akt nicht viel mit Gnade oder Vergebung gemein, dagegen viel mit der erbarmungslosen Macht des Hasses. Dem Gegensatz des Feuers, dem Wasser werden dagegen viele Eigenschaften zugeschrieben, die mit Gnade und Vergebung einhergehen. Wasser ist sowohl fließend und beruhigend als auch sanftmütig und rein. Außerdem kann Wasser heilen, nähren und sogar reinigen. Wird Feuer durch Wasser gelöscht, dann entstehen Rauch und Asche aus dem Brennmaterial. In gewisser Weise ist die Umwandlung von Stoffen durch das Feuer ein Akt der Zerstörung und des Hasses, entfernt auch der Rache, im Gegensatz zu Wasser, welches Erlösung bietet und den alten Zustand aufrechterhält. Natürlich kann auch ein Mensch mit Wasser Rache verüben (z. B. durch Ertränkung), dies scheint mir jedoch der wesentlich seltenere Fall zu sein. Feuer eignet sich auch für den Rachsüchtigen als das bessere Mittel der Wahl, weil das Feuer Zerstörung und Verwüstung verspricht, was auch durch die Vergeltung das Ziel der Rache ist. Ich möchte hier noch kurz etwas zu Zerstörung anbringen: In vielen Religionen wird auch der Zerstörung ein Gott zugeordnet (zum Beispiel Lucifer, Shiva, Ares…). Zerstörung ist ein natürlicher Teil der Schöpfung, der etwas Erschaffenes in den primordialen Urzustand zurückschickt. Viele Philosophen wie F. W. Schelling sehen den Akt der Zerstörung somit als etwas Reines und Unverfälschtes. 

Neben den bekannten Feuerteufeln gibt es auch Berichte über Racheangriffe durch ein Säureattentat. Dies ist wohl mit die schlimmste Form der Rache, mit welcher das Leben eines Menschen zerstört werden kann, schlimmer noch, als es mit Feuer durch die Verwüstung eines Hauses geschehen könnte. Denn es ist ein großer Schmerz, Hab und Gut zu verlieren, aber es eine wirkliche Qual, nicht mehr in den Spiegel blicken zu können, ohne Reue, Wut, Angst und Trauer zu empfinden. Säure erfüllt hierbei jedoch einen ähnlichen Auftrag wie das Feuer, denn beide sollen Zerstörung und Verwüstung anrichten, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen des menschlichen Erlebens.

Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn euch mein Buch gefällt und ihr euch zu einem Kauf entschließen würdet. Falls ja bedanke mich an dieser Stelle schon mal und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Herzlich
Tristan


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