Die Suche nach dem Sinn und der Zufriedenheit nimmt seit einiger Zeit kontinuierlich zu. Immer mehr Bestseller erscheinen und versprechen dem Menschen, dass er durch Lesen des Buches ein Stück weit mehr zu ihm selbst findet. Wenn wir einmal von den positiven Bewertungen absehen, die zumeist darauf zielen, zu erklären, wie das Buch funktioniert oder warum Zufriedenheit für den Rezensenten so wichtig ist, bleibt häufig langfristig „kaum“ etwas Nachhaltiges von dem Buch im Gedächtnis. Eine wirkliche Veränderung, so habe ich das Gefühl, regen Ratgeber und Coaches nicht wirklich an.

Woran liegt das?

Wie entsteht Zufriedenheit?

Wie Zufriedenheit wirklich entsteht, weiß eigentlich kaum jemand. Eigentlich weiß es nur derjenige, der es spürt. Denn letztlich ist es ein Gefühl, das im Hintergrund agiert und auch in den aufbrausenden und turbulenten Zeiten anwesend ist. Wir sollten also Zufriedenheit nicht mit Glück oder Freude verwechseln. Glücklich sind wir, wenn uns etwas Gutes passiert. Freude wird ganz ähnlich wie Glück beschrieben, vielleicht ist Freude jedoch noch ein wenig mehr auf den sozialen Umstand, als auf den generellen Umstand bezogen. Dies macht kaum einen Unterschied. Einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen Freude/Glück und Zufriedenheit.

Diesen Unterschied biochemisch festzustellen, ist nicht falsch. Einige Menschen korrelieren Glück/Freude mit dem Glückshormon Dopamin, welches immer dann im Gehirn ausgeschüttet wird, wenn wir eine Belohnung erhalten oder eine Herausforderung bestehen. Dopamin ist somit ein Hormon, welches sich durch äußere positive Reize auszeichnet.

Serotonin, ebenfalls häufig als Glückshormon bezeichnet, ich nenne es eher das Zufriedenheitshormon, ist da anders. Serotonin wird hauptsächlich (90-95%) im Bauch produziert. In der Depressionsforschung gibt es beispielsweise die Serotonin-Mangel-Hypothese.1 Darum werden auch Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) als Antidepressiva in der Therapie eingesetzt. Auch wenn ein solches Medikament kurzfristig Linderung verschaffen kann, so ist die Idee, ein Serotonin stärkendes Medikament bei Depressionen einzusetzen, nicht zu Ende gedacht.

Zum einen, weil eine Gabe des Vorläufers von Serotonin, die essentiellen Aminosäure L-Tryptophan (die wir jeden Tag durch die Ernährung zu uns nehmen müssen) durchaus ebenso effektiv sein kann.2,3 Aber auch dies ist wiederum nur eindimensional gedacht: Denn kurzfristig kann die L-Tryptophan-Gabe vielleicht den Serotonin-Spiegel erhöhen – aber wie sieht es langfristig aus? Die eigenen Hormone passen sich entsprechend der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt an. Serotonin ist demnach ein Hormon, was von dir selbst als Nebenprodukt eines zufriedenen Daseins erzeugt wird. Nicht, weil du darauf aus bist, Serotonin zu erzeugen, sondern, weil deine Gefühls- und Gedankenwelt schlicht gesund ist. Du fühlst dich – umganssprachlich betrachtet – einfach wohl in deiner Haut.

Anders ist es bei Dopamin: Der Mensch jagt geradezu Belohnungen und Herausforderungen hinterher. Interessanterweise, und dies wissen die wenigsten Menschen, sorgt konstanter Dopaminüberschuss (oder ein Dopamindefizit) für eine Fehlregulierung von Serotonin. Serotonin wiederum kann auf Neurotransmitter wie Dopamin (oder auch GABA) stabilisierend wirken.4,5

Mehr dazu findest du auch in meiner ersten Podcast-Folge:

Es gibt also durchaus einen Grund dafür, warum der Körper das Serotonin „fehlreguliert“ (besser wäre aber zu sagen „anpasst“). Hier kann dann mit einer Tryptophan-Gabe unterstützt werden, aber das eigentliche Problem liegt wo anders. Aus den bisherigen Ausführungen mag dies vielleicht bereits klar sein, aber ich möchte es auch noch einmal ausführlich beleuchten, damit jeder eine erweiterte Perspektive auf das Thema Zufriedenheit erhält (und dies nicht nur biochemisch versteht, denn dies ist es gerade nicht!).

Serotonin wird, wie bereits erwähnt, hauptsächlich im Bauch produziert. Wer sich ein wenig mit anderen Lehren, als der westlichen Wissenschaft, beschäftigt hat (z.B. Ayurveda, TCM), der weiß auch, dass der Bauch gemeinhin als Sitz der Gefühle verstanden wird. Spätestens seit der post-modernen Wissenschaft hat man sich dieser Idee auch angenähert: Das Bauch-Gehirn (enterisches Nervensystem) ist laut Forschern über die gut-brain-axis (Darm-Gehirn-Achse) mit dem Gehirn verbunden. Das Bauchgehirn und die Darm-Gehirn-Achse ist inzwischen eine valide Hypothese, die das Zusammenspiel zwischen Intellekt und Emotion erklärt.

Wenn also Serotonin nicht in dem Maße vorhanden ist, wie es gewünscht wird, dann liegt das an den eigenen Bedürfnisse, Trieben Gefühlen und Emotionen, die in irgendeiner Form nicht vom Individuum bewältigt werden können. Möglicherweise, weil sie unterdrückt werden, vielleicht auch, weil einfach nie ein Umgang mit Ihnen gepflegt wurde. Die Wurzel der Zufriedenheit ist jedenfalls nicht Serotonin, wie einige Ratgeber-Zufriedenheits-Alles-Wissen-Lehr-Coaches behaupten mögen, sondern schlicht der Mensch und sein Innenleben.

Ideen der Psychologie

In der Psychologie gibt es einige sehr interessante Ideen, weshalb Gefühle und Emotionen nicht „richtig fließen“ können (fernöstlich ausgedrückt) bzw. aufgestaut und unterdrückt werden.

Die bekannteste Idee ist wohl die des Unterbewusstseins. Nach dieser Theorie verfügt jeder Mensch über einen bewussten Anteil, dementsprechend alles was zum jeweiligen Zeitpunkt fühlt, denkt, erkennt; und über einen unbewussten Anteil in dem alle Aspekte seines individuellen Seins liegen, was er gerade nicht brauchen kann (z.B. Autofahren). Je mehr Informationen auf das Individuum einströmen, desto mehr muss es auch darauf achten, die Informationen zu verarbeiten und zu selektieren. Ansonsten können Gefühle der Überforderung folgen und Stress (erklärbar über die Hormone Cortisol und Adrenalin, ein Abkömmling von Dopamin) entstehen. Werden diese Informationen nun nicht verarbeitet, dann werden sie lediglich vom Bewusstsein ins Unbewusste „abgeschoben“. Mit der Zeit entsteht ein Berg an nicht-gelebten Erfahrungsinhalten, der Probleme auf der geistigen und körperlichen Ebene verursachen kann. Hier kommt etwa die Psychosomatik ins Spiel, die eine Deutung dieser nicht-gelebten Erfahrungsinhalte auf körperlicher Ebene versucht.

Erweitert wird diese Idee auch in der Trauma-Forschung aufgefasst. Hier geht es weniger um die Menge an Informationen, als vielmehr um die Intensität. Zu Beginn des Lebens scheint ein Mensch die Welt noch „ungefiltert“ wahrzunehmen, da ein Kind keine Möglichkeit zur Rationalisierung hat. Dementsprechend intensiv können bestimmte Erfahrungen sein, die, wenn sie nicht verstanden werden, ebenfalls verdrängt werden. Was genau ein Trauma für ein Kind ist, das ist ganz und gar individuell – für jedes Kind sind unterschiedliche Erfahrungen unterschiedlich positiv und negativ (vielfach auch bedingt durch den Charakter, Anlagen, Fähigkeiten).

Möglichkeiten zur Lösung des Dilemmas bietet beispielsweise die Transpersonale Psychologie über bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Beim holotropen Atmen, in der Meditation, auf Psychedelika, in der Hypnose (oder anderen Trance-Zuständen) erhält das Individuum bewusst „Zugriff“ auf das Unterbewusstsein. Das Individuum kann in diesen Zuständen sich selbst besser kennenlernen, weil es zum einen merkt, dass es nicht nur der „bewusste Teil“ seiner selbst ist. Es merkt, dass es auch noch sehr viel mehr ist (bis hin zu transzendenten Zuständen, d.h. allumfassenden und allwissenden Erfahrungen). Zum anderen lernt es sich selbst zu relativieren. Sich selbst zu relativieren bedeutet loslassen zu können und nicht mehr starr an (vorher vielleicht noch unbewussten) Themen festzuhalten.4

Auch die „normale“ Psychologie versucht über die Gesprächstherapie einen Zugang zum Unterbewusstsein des Individuums zu finden, allerdings ist diese Möglichkeit sehr viel begrenzter, theoretischer und mühevoller. Letztlich hat immer das Individuum die Oberhand über sein eigenes Innenleben, nicht der Therapeut. Somit kann das Individuum den Heilungsprozess verzögern, beispielsweise indem es die Verantwortung auf den Therapeuten verschiebt oder sich selbst anlügt.

Innenleben

„Was hat dies nun mit Zufriedenheit zu tun?“, magst du fragen.

Jede Menge!

Letztlich versucht jeder die eigene Zufriedenheit zu erreichen, die wenigsten wissen aber, was es ist oder interpretieren die Zufriedenheit falsch. Dies liegt auch daran, dass die Erinnerung an die Tage der eigenen Zufriedenheit zumeist stark verblassen (das Gefühl der Zufriedenheit muss durch die eigene Erfahrung der Wirklichkeit aufrechterhalten und gefüttert werden…). Auch in Anbetracht der negativen Erfahrungen, die jeder von uns macht. Negative Erfahrungen werden zumeist als sehr viel schlimmer erfunden, als positive Erfahrungen.

Und hier kommt die Krux: Eigentlich geht es gar nicht darum. Es geht nicht um positive oder negative Erfahrungen. Nur dem Glück hinterherzujagen hat noch keinen Menschen auf der Welt glücklich gemacht. Irrwitziger Weise glauben wir dies aber: Denn die negativen Erfahrungen sind es schließlich nicht, die uns zufrieden machen, oder?

„Ja, wie soll man den zufrieden werden, wenn man auf die Dinge achtet, die einen unglücklich machen?“

Gar nicht, das zieht die meisten Menschen überhaupt erst in ihren Sumpf hinein.

Beides scheint mir eine Sackgasse zu sein. Auch diejenigen, die behaupten, dass die negativen Erfahrungen uns zu dem machen, was wir sind, lenken die Aufmerksamkeit auf das Falsche. In erster Linie sollten wir uns fragen, warum wir den überhaupt in solchen Kategorien wie Lust und Unlust, wie Zufriedenheit und Unzufriedenheit, wie Glück und Pech denken?

Wenn wir unser Leben anschauen, so merken wir, dass wir ständig in einem Ritt aus Höhen und Tiefen stecken. Mal geht die gute Laune hoch, mal geht sie wieder runter. Doch unsere Misere beginnt eigentlich dort, wo wir nicht wahrnehmen, dass sich die Stimmung eigentlich dabei ist zu wandeln.

Häufig glauben wir, dass es „nicht besser werden kann“ oder „nicht noch schlimmer kommen kann.“ Doch, es geht immer noch besser oder schlimmer, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass a) viele Menschen sich sträuben den Moment so anzunehmen, wie er gerade ist b) wenn sich ein Kurswechsel einstellt, am alten Moment hängen bleiben.

Es gibt Momente voller Traurigkeit, genauso wie es Momente voller Freude gibt. Dies wird nicht anders bei zufrieden und unzufriedenen Menschen sein. Nur glaube ich fest daran, dass die zufriedenen Menschen jede Situation ungeachtet von Erwartungen annehmen können. Der Moment der Bitterkeit wird ebenso ausgekostet wie der Moment der Süße und Herzhaftigkeit. Dies führt dazu, dass keine Angst vor dem Neuen entsteht („es kann ja nicht schlimmer werden“) und das Alte losgelassen werden kann („es kann ja nicht noch besser werden“).

Damit es nicht zu abstrakt wird, möchte ich dir also meine Folgerung vorstellen.

Es geht gar nicht so sehr um die äußeren Geschehnisse, sondern um dein Innenleben. Sicherlich wird sich Leid niemals vermeiden lassen, genauso, wie sich die Freude nicht verbannen lässt. Beide Aspekte sind Seiten derselben Münze.

Hermann Hesse schrieb sehr passend in seinem Buch „Der Steppenwolf“ über das Innenleben:

Immerhin hat unser Steppenwolf wenigstens die faustische Zweiheit in sich entdeckt, er hat herausgefunden, dass der Einheit seines Leibes nicht eine Seeleneinheit innewohnt, sondern dass er bestenfalls nur auf dem Wege, in langer Pilgerschaft zum Ideal dieser Harmonie begriffen ist. Er möchte entweder den Wolf in sich überwinden und ganz Mensch werden oder aber auf den Menschen verzichten und wenigstens als Wolf ein einheitliches, unzerrissenes Leben leben. Vermutlich hat er nie einen wirklichen Wolf genau beobachtet – er hätte dann vielleicht gesehen, dass auch die Tiere keine einheitliche Seele haben, dass auch bei ihnen hinter der schönen straffen Form des Leibes eine Vielfalt von Strebungen und Zuständen wohnt, dass auch der Wolf Abgründe in sich hat, dass auch der Wolf leidet. […] Der sympathische, aber sentimentale Mann, der das Lied vom seligen Kinde singt, möchte ebenfalls zur Natur, zur Unschuld, zu den Anfängen zurück und hat ganz vergessen, dass die Kinder keineswegs selig sind, dass sie vieler Konflikte, dass sie vieler Zwiespältigkeiten, dass sie aller Leiden fähig sind. Zurück führt überhaupt kein Weg, nicht zum Wolf, noch zum Kinde. Am Anfang der Dinge ist nicht Unschuld und Einfalt; alles Erschaffene, auch das scheinbar Einfachste, ist schon schuldig, ist schon vielspältig, ist in den schmutzigen Strom des Werdens geworfen und kann nie mehr, nie mehr stromaufwärts schwimmen. Der Weg in die Unschuld, ins Unerschaffene, zu Gott führt nicht zurück, sondern vorwärts, nicht zum Wolf oder Kind, sondern immer weiter in die Schuld, immer tiefer in die Menschwerdung hinein.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf. suhrkamp, S. 82

Zufriedenheit entsteht durch dich als Resultat, dass du dich mit dir selber befasst. Dies heißt nicht, dass du den Dingen des Lebens hinterherjagen sollst, sondern, dass du deinen inneren Reife- und Wandlungsprozess beobachten und erleben sollst, sodass sich die Zufriedenheit ganz natürlich daraus entwickeln kann. Leid ist auch im Selbstwerdungsprozess inbegriffen. Das größte Leid ist es aber, nie wirklich zu lernen, wer man selbst ist.

Der Zufriedenheit hinterherzujagen ist also ein Paradoxon. Auch die Biochemie, Psychologie, Philosophie oder eine sonstige Wissenschaft verstehen zu wollen, hilft da nicht weiter. Kein Konzept mag dies zu leisten. Zufriedenheit kommt (nur!) durch dich, dich als ganzheitliches Wesen mit allen Aspekten des Seins (Bios, Psyche, Soziales etc.). Also fang damit an, dich mit dem zu fassen, was wichtig ist.

Mit dir selbst.

Herzlich
Tristan

Literaturverzeichnis

1Neumeister A. (2003). Tryptophan depletion, serotonin, and depression: where do we stand?. Psychopharmacology bulletin37(4), 99–115.

2Jenkins, T. A., Nguyen, J. C., Polglaze, K. E., & Bertrand, P. P. (2016). Influence of Tryptophan and Serotonin on Mood and Cognition with a Possible Role of the Gut-Brain Axis. Nutrients8(1), 56. https://doi.org/10.3390/nu8010056

3Kikuchi, A. M., Tanabe, A., & Iwahori, Y. (2021). A systematic review of the effect of L-tryptophan supplementation on mood and emotional functioning. Journal of dietary supplements18(3), 316–333. https://doi.org/10.1080/19390211.2020.1746725

4Kapur, S., & Remington, G. (1996). Serotonin-dopamine interaction and its relevance to schizophrenia. The American journal of psychiatry153(4), 466–476. https://doi.org/10.1176/ajp.153.4.466

5Petty, F., Davis, L. L., Kabel, D., & Kramer, G. L. (1996). Serotonin dysfunction disorders: a behavioral neurochemistry perspective. The Journal of clinical psychiatry57 Suppl 8, 11–16.

6Croissier, G. R. (2017). Die magische Wunde: Wandlung und Heilung in der Transpersonalen Psychologie (Bd.1) (Fabrica libri) (Originalauflage Aufl.). Pomaska-Brand.

Die Schattenseite unseres Selbst

Quellen finden sich in COVID-19 (SARS-CoV-2) holistisch betrachtet

Aufgrund der kommenden „Pandemie-Monate“ kam mir die Idee, einfach mal einen Beitrag über Angst zu verfassen. Um Angst zu verstehen und auch einordnen zu können, wann sie angebracht ist, müssen wir verstehen, wofür sie da ist.

Angst ist eine Grundemotion des Menschen. Angst macht mobil und leistungsfähig. Angst ist der Antrieb, der viele Menschen jeden Morgen aufstehen lässt. Zum Beispiel aus dem Grund, dass man Angst hat, kein Geld zu verdienen und auf der Straße zu landen.

Angst entsteht jedoch nicht grundsätzlich aufgrund bestimmter Glaubenssätze. Wenn hier eine Bärin mit ihren Jungtieren vor mir steht, dann muss ich handlungsfähig sein und weglaufen. Da wäre es eher nachteilig, wenn ich desinteressiert weiter meinen Blogbeitrag schreibe.

Merke also: Angst induziert den bekannten Kampf-Flucht-Trieb, der in jedem Menschen und jedem Tier vorhanden ist. Angst ist die Emotion, die der Erhaltung des eigenen Lebens dient.

Jemand, der gar keine Angst hat, ist nicht lebensfähig, denn derjenige würde sich selbst ständig in Gefahr bringen (Da ist eine Klippe? Was soll’s). Eine gewisse Grundangst ist notwendig, um nicht zu sterben.

Wir müssen also unterscheiden zwischen gegenwärtigen, realen Gefahren, bei denen die Angst berechtigt ist, um davon zu laufen und zwischen Zukunftsängsten. Die Psychologie determiniert diese beiden Arten genauer als Furcht (Gegenwart) und Angst (Zukunft).

Ist Angst berechtigt?

Furcht erfüllt die Funktion des Überlebens. Welche Funktion erfüllt jedoch die Angst?

Dafür müssten wir in uns hineinhorchen und schauen, wie häufig Ängste, Nöte, Sorgen und sonstige Existenzprobleme tatsächlich berechtigt sind. Ich würde schlicht und ergreifend einfach mal gar nicht (bis kaum) sagen. Stelle doch einfach mal eine Liste zusammen, die deine Sorgen beinhaltet, die tatsächlich berechtigt sind. Du wirst staunen.

Das Problem ist Folgendes: Wenn mein eigenes Handeln von Angst bestimmt ist, dann werde ich niemals mein volles Potenzial ausschöpfen können. Angst ist eine nervenschädigende, immunsystemschwächende und die Lebensqualität mindernde Emotion, die langfristig Energiemangel erschafft und die Freude am Leben nimmt. Ein Künstler, Tänzer oder Musiker muss völlig angstfrei sein, sonst wird er sein Meisterwerk nicht erschaffen können.

Wieso dauerhafte Angst schädlich ist, lässt sich auch sehr einfach biochemisch nachvollziehen.

Das primäre Hormon, welches während einer Angstreaktion ausgeschüttet wird, ist Adrenalin. Adrenalin mobilisiert Energieressourcen, stoppt (für den Moment) unnütze und energieverbrauchende Körperprozesse und macht somit leistungsfähig. Dies an sich ist ein völlig normaler physiologischer Prozess, der bei einem gesunden Menschen reibungslos abläuft.

Problematisch wird es, wenn das Hormon Adrenalin durch die (sympathikotone) Daueranspannung zu oft und zu lange aktiviert wird. Das führt nämlich zur vermehrten Aktivierung des reziproken Hormons Cortisol (chronischer Stress), welches die entzündlichen (inflammatorischen) Schäden im Körper durch seine antientzündlichen Eigenschaften puffern soll. Bekannt ist unter anderem auch das artverwandte Medikament Cortison, das genau hier eingesetzt wird – bei hohen Entzündungswerten.

Cortisol ist an sich nicht gut oder böse, sondern ist sogar für das hormonelle Gleichgewicht des zentralen Nervensystems (ZNS) notwendig. Alle Hormone sind wichtig! Erst wenn durch das eigene Verhalten das körperliche System fehlreguliert wird, entstehen langfristig körperliche und geistige Probleme.

Hier setzen nicht nur Medikamente an, sondern auch diverse psychologische Therapien. Durch die Veränderung des eigenen Verhaltens (Ursache) kann eine Verringerung bestimmter Auswirkungen (Schmerzen, Angstzustände, Panikattacken, Diabetes etc.) erreicht werden.

Dafür müssen jedoch die eigenen Glaubenssätze aufgelöst werden. Und daraus wird häufig eine Kunst gemacht. Dabei ist es eigentlich einfacher, als man denkt.

Glaubenssätze können nur durch das erworbene Wissen (Erfahrungen) widerlegt werden!

Je intensiver die eigene Erfahrung, desto besser lässt sich der eigene Glaubenssatz auflösen. Dabei wird sicherlich viel Zeit benötigt, um langfristige Verhaltensmuster aufzulösen – dennoch: Der eigene Glauben kann immer nur durch die Erkenntnis und Erfahrung negiert werden. Um zu überprüfen, ob sich der Glaubenssatz tatsächlich aufgelöst hat, kann man immer die eigene Entspannung in der entsprechenden (Angst-)Situation überprüfen. Wer wahrlich seine Glaubenssätze aufgelöst hat, der ist völlig entspannt.

Somit folgt zur Beantwortung der Frage: Angst hat sowohl einen realen Ursprung als auch einen fiktiven. In den häufigsten Fällen handelt es sich jedoch um fiktive Angst und nicht um Furcht. Die fiktive Angst gilt es im Sinne der eigenen Gesundheit und Zufriedenheit möglichst zu minimieren. Sonst wird es langfristig ziemlich „ungemütlich“.

Aber auch aus einem anderen Aspekt heraus ist die fiktive Angst als kritisch für den Menschen zu beurteilen: Angst schränkt die Wahrnehmung ein. Man fühlt sich selbst eingeengt von seiner Umgebung und von seinem Weltbild. Letztendlich resultiert dauerhafte Angst in einem ständigen Gefühl der Bedrohung. Und wie ich in meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert schrieb, fühlen sich Personen ständig bedroht und versuchen alles zu eliminieren, was ihnen Angst macht. Mit verheerenden Folgen.

Beispiel COVID-19

Dunkles Licht. Schaurige Bilder. Blut, Viren und ein Arztkittel. Die Unsicherheit des Mannes in Weiss, der sonst immer alles weiß, sorgt für Unsicherheit. Der Laie, der keine Eigenkompetenz besitzt, muss dem Spezialisten glauben, damit das eigene Heil gesichert wird. Die eigene Verantwortung abzugeben schafft Abhängigkeit und Steuerbarkeit. Wer nicht der Regierung glaubt, muss tief in die Tasche greifen. Andersdenken ist teuer.

Jene Situation hat uns in den letzten Monaten ereilt. Wie der Forscher Mohideenbawa Riswan ganz folgerichtig erkannt hat, ist alleine das Wort Pandemie zu einem Schrecken für die Menschheit geworden. COVID-19 (bzw. der Erreger SARS-CoV-2) löst vielmehr Angst aus als real begründete Furcht.

Viele Studien behaupten, dass der Ausbruch der Coronavirus-Krankheit (Covid-19) weltweit tiefgreifende soziale und psychologische Auswirkungen hat. Untersuchungen zeigen, dass die Covid-19-Epidemie mit Angst, Angst und Depression, Unruhe bei Beschäftigten im Gesundheitswesen und in der Öffentlichkeit verbunden ist. Soziale Isolation, Angst und andere chronische psychische Belastungen können zu Selbstmordgedanken bei schutzbedürftigen Menschen, Personen mit psychischen Störungen und in Gebieten mit hoher Covid-19-Prävalenz führen.

Mohideenbawa Riswan (2020).

Diese wissenschaftliche Arbeit gibt jedoch nur einen kleinen Einblick in die tatsächlichen Kollateralschäden. Soziale Verwahrlosung, wirtschaftliche Totalschäden und Insolvenzen, Anstieg an Erkrankungen wie Krebs und Diabetes, Hunger und Armut in dritte Welt-Ländern (bis zu 150 Millionen Opfer) und steigendes gesellschaftliches Missvertrauen sind Folgen der aktuellen Politik, die häufig in dem ganzen politischen Schauspiel rund um die Infektionszahlen vergessen werden. Da rudert auch die WHO mit den anfänglichen Lockdown-Empfehlungen zurück.

Sieht man sich die harten Fakten von COVID-19 (bzw. dem Erreger SARS-CoV-2) an, dann erscheint rein logisch eine Sorge über eine mögliche Erkrankung bzw. einen tödlichen Verlauf als nahezu irrwitzig. Viel begründeter wäre es, sich mit den Folgen der Politik für Wirtschaft, Soziales und Umwelt zu befassen.

Doch hier fünf harte Fakten über SARS-CoV-2:



Diese fünf Fakten über SARS-CoV-2 würden einem rational denkenden Menschen die Angst vor dem „Killer-Virus“ nehmen. Doch „der unsichtbare Feind“, wie er nach wie vor genannt wird, wird vielfach in den Medien falsch dargestellt. Falsch insofern, als das die Verhältnismäßigkeit des Erregers nicht eindeutig aufgezeigt wird und die Bevölkerung nach wie vor in Daueranspannung gehalten wird. Hier eine kurze Auflistung an Panik-Überschriften bekannter Nachrichtenportale.

Spiegel: „Corona-Pandemie in Europa: Die zweite Welle rollt“ (14.10.20)
Zeit Online: „Die zweite Welle wird uns viel härter treffen“ (14.10.20)
t-online: „Deutschland im Corona-Herbst Die Angst vor dem totalen Kontrollverlust“ (18.10.20)
Frankfurter Allgemeine: „ANSTIEG DER CORONA-INFEKTIONEN Die Deutschen hamstern wieder“ (18.10.20)
Der Spiegel: „Anstieg an Corona-Infektionen in der Schweiz – So steil wie die Alpen“ (18.10.20)
tagesschau: „Corona-Pandemie – In Italien ist die Angst zurück“ (16.10.20)
RTL: „Politiker warnen, Virologen sind alarmiert, die Menschen in Sorge – Angst vor neuem Corona-Lockdown in Deutschland wird größer“ (17.10.20)

Wie ich auch schon in meiner Analyse vom Mai aufzeigte, werden hier ganz bestimmte psychologische Manipulationstechniken verwendet, die den Leser unter anderem dazu bringen, mehr Nachrichten zu konsumieren (und mehr Klicks zu generieren). Gerade auch einfach deshalb, weil die Medien den Eindruck vermitteln, dass hier in Deutschland eine ernsthafte Gefahr besteht. Eine Gefahr durch steigende Infektionszahlen. Und da muss man ja auf dem Laufenden bleiben. Ist ja klar.

Steigende Infektionszahlen haben aber tatsächlich sehr wenig mit der realen Gefahr einer Erkrankung zu tun. Die Chance, sich zu infizieren ist gering. Die Chance zu erkranken ist noch sehr viel geringer. Und dann noch als gesunder Mensch an COVID-19 zu sterben – die Angst ist vollkommen irrational. Besonders für diejenigen, die eine gesunde Lebensweise besitzen, Hygiene praktizieren und zu kranken Menschen Abstand halten.

Angst vor Corona-Viren zu haben, ist insgesamt völlig unbegründet. Die Angst abzulegen ist aber sehr schwer, gerade wenn man jeden Tag Nachrichten liest und mit einer Vielzahl an negativen Spekulationen konfrontiert wird. Hier hat man keine Möglichkeit die Erfahrung zu machen, dass Corona für weite Teile der Bevölkerung ungefährlich ist. Außerdem beugt man sich doch immer lieber der Einheitsmeinung, als ein Außenseiter zu sein. Aus der Gruppe ausgestoßen zu werden, signalisiert ebenso Angst. Angst, alleine nicht überleben zu können. Darum passt man sich lieber der Gemeinschaft an, mit der man sich identifiziert.

Drei bekannte psychologische Phänomene sind für die weitere Beobachtung und Entwicklung der Corona-Pandemie wichtig zu verstehen:

  • Der Werther-Effekt beschreibt ein Nachahmungphänomen. In diesem Fall lösen ausführliche Medienberichte über einen Selbstmord eine signifikante Zahl von Nachahmungs-Suiziden aus. Der Ursprung des Effektes geht auf den Goethe-Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ aus dem Jahr 1774 zurück. Damals löste das Buch eine regelrechte Suizid-Epidemie unter jungen Menschen aus.
  • Confirmation Bias wird die kognitive Falle genannt, in der wir dazu neigen, einmal gefasste Meinungen beizubehalten bis sie sich verfestigen – kurz: Schubladendenken. Der Weg dorthin ist selektive Wahrnehmung: Wir nehmen nur noch solche Informationen auf, die in unser Weltbild passen. Der Rest wird ausgeblendet.
  • Herdentrieb: Menschen folgen der Masse lieber, als wenn sie alleine darstehen. Dies hat auch schon Gustave Le Bons in seinem Werk Psychologie der Massen (1895) postuliert (für näheres zu Le Bons siehe meine Analyse). Interessant war hierbei auch das Konformitätsexperiment von Asch (1951), bei dem gezeigt werden konnte, dass je größer die Gruppe ist, desto höher auch die Konformität der Teilnehmer ist.

Für die weitere Entwicklung des Geschehens ist es unabdingbar, dass wir alle uns entspannen. Wir alle wollen nicht in einem Zeitalter des Informationskrieges leben, sondern in einem Zeitalter des Friedens. Und hierfür ist es wichtig, sich jeden Tag erneut für den Frieden einzusetzen. Nur dadurch können wir einen friedlichen Austausch untereinander aufrechterhalten und das geschaffene Mistrauen untereinander überwinden.

Ich bitte inständig darum, SARS-CoV-2 für das zu nutzen, wofür es hätte gut sein können. Für die Realisierung, dass die Gesundheit und die eigene Zufriedenheit das höchste Gut im Leben eines Menschen ist und, dass wir uns alle mehr darauf konzentrieren sollten. Gerade auch, um weitere pandemieartige Zustände zu vermeiden. Angst ist hinderlich und stellt für mich keine Grundlage für eine nachhaltige Gesellschaft dar. Entspannung ist unabdingbar, um das gesundheitliche Gleichgewicht zu bewahren.

DANKE.

Herzlich,
euer Tristan.