Liebe Leser,

in letzter Zeit sind einige interessante Beiträge und Artikel von mir erschienen, auf die ich euch mit diesem Blogbeitrag kurz hinweisen möchte. Durch den Lockdown haben wir alle wohl etwas mehr Zeit zum Lesen. Vielleicht besteht also Interesse an meinen Inhalten. Hierzu füge ich jeweils entweder einen Abschnitt als Leseprobe ein und/oder gebe eine kurze Einführung in die Thematik.

Drei Beiträge für das MHRx Magazin

Das Magazin Metal Health Rx von Aesir Sports ist eine renommierte digitale Zeitschrift, die monatlich erscheint. Hierfür schreiben verschiedene Autoren Artikel über die Themen Gesundheit, Kraftsport & Training. Den Zugang zum Magazin erhaltet ihr, indem ihr das Magazin kostenpflichtig abonniert (jährlich/life-time). Inzwischen durfte ich bereits drei Artikel für das Metal Health Rx Magazin schreiben. Eine kurze Einführung in die Artikel findet ihr anbei.

Baue Stress ab & booste Wohlbefinden sowie Erholung: 3 effektive Entspannungstechniken für den Alltag

15. November 2020

»Du kennst dieses Gefühl nach harter Arbeit oder einem anstrengenden Tag genauso gut wie ich: Du bist platt, erschöpft, ausgelaugt und weißt eigentlich ganz genau, dass jetzt Entspannung notwendig ist. Wie handeln aber wohl sehr viele Menschen? Auf die Couch setzen, Fernseher anschalten und dann entweder Nachrichten oder einen Film bzw. Serien angucken.

Warum das so ist, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand der Diskussion sein. Viel wichtiger ist, dass bei diesem Verhalten die Entspannung schon mal auf der Strecke bleiben kann. Es gibt zahlreiche, sehr eindrückliche Studien, welche von der Verstärkung negativer Gefühle (1), über Angst (2) und Depressionen (3) (bei hoher Nutzung elektronischer Geräte von >6h), Suchtverstärkung (4) und Beeinflussung des Ernährungsverhaltens (5durch elektronische Geräte sprechen.

6 Stunden mag für den ein oder anderen viel erscheinen – diejenigen, die jedoch auch auf der Arbeit an einen elektronischen Bildschirm gebunden sind, erreichen relativ schnell diesen Wert. Wie auch Twenge et al. (2018) feststellten, waren bei Kindern und Jugendlichen bereits „mehr als 1 Stunde Bildschirmzeit pro Tag mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden verbunden, einschließlich weniger Neugier, geringerer Selbstkontrolle, mehr Ablenkbarkeit, größeren Schwierigkeiten, Freunde zu finden, weniger emotionaler Stabilität, schwierigerer Pflege und Unfähigkeit, Aufgaben zu erledigen.“ (6)

Die Assoziationen zwischen Bildschirmzeit und geringerem psychischen Wohlbefinden waren bei Jugendlichen größer, als noch bei jüngeren Kindern (6).«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 10/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Das Gleichgewicht bewahren: Was uns die Psychosomatik über qualitative Ernährung lehren kann

12. Oktober 2020

»Die Ernährung aus dem Standpunkt der Psychosomatik zu betrachten ist relativ ungewöhnlich – speziell auch für mich als Ernährungswissenschaftler.

Meist wird das Thema Ernährung ziemlich einseitig beleuchtet. Ob in der Ernährungswissenschaft, in Medienberichten, in sozialen Netzwerken oder im Fitnessstudio – heutzutage, so habe ich den Eindruck, geht es wesentlich mehr um den körperlichen und objektiven Aspekt der Ernährung. Also um den physikalischen Brennwert (kcal), um die biochemisch-optimale Ernährung oder Diät(Nährstoffzusammensetzung und -timing, Leistungsfähigkeit etc.) oder um den präventiven und therapeutischen Nutzen bestimmter Pflanzen(-bestandteile).

  • Schlichtweg geht es um die Frage: „Was esse ich?“ 
  • Weniger behandelt wird die Frage: „Wie esse ich?“

Der Unterschied zwischen dem „Was“ und dem „Wie“ in Bezug auf die Ernährung wird zunehmend auch von dem Forschungsfeld der Psychosomatik behandelt. Um aber die Sichtweise der Psychosomatik zu verstehen, müssen wir vorab wieder einige Prämissen klären.

Durch die Fokussierung des objektiven Nutzens der Ernährung wird zunehmend der quantitative Aspekt der Lebensmittel in den Vordergrund gerückt. Weniger wird auf die Qualität der Lebensmittel bzw. auf die Beziehung zwischen Mensch und Lebensmittel geachtet. Würde aber tatsächlich darauf geachtet werden, so würden sich plötzlich neuartige Fragen erschließen, die vorher noch nicht behandelt wurden, wie etwa: „Passt das Lebensmittel zu meiner individuellen Situation?“. Andere Fragen, wie z.B. „Welches Lebensmittel ist das Beste?“, würden dann eher in den Hintergrund rücken.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 09/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien

19. September 2020

»Das Thema Pandemie, aber vor allem die aktuelle Corona-Pandemie, ist wohl das emotionalste Thema, das es seit langem in unserer Gesellschaft gab. Einmal mehr sind Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten wichtig, die im Chaos des Internets Fakten verbreiten und somit Ruhe zwischen den sich auftuenden Camps von Befürwortern und Kritikern der aktuellen Maßnahmen stiften.

Mir persönlich sind immer zwei Dinge ganz wichtig, welche die Menschen aus den Informationen mitnehmen können, die ich anbiete:

  • Konstruktive Kritik gegen jede Art von Meinung zu äußern.
  • Sich nicht von Meinungen beeinflussen zu lassen, sondern zu beobachten, unwiderlegbare Fakten zu sammeln und diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzusetzen.

Beides sehe ich leider bei den wenigsten Inhalten im Internet, dabei ist es gerade diese Denkweise, die den Wissenschaftler auszeichnet. Und auch im Metal Health Rx Magazin finde ich diese Denkweise glücklicherweise vor. Damit betrachte ich dich nun auch im folgenden Artikel als Wissenschaftler, der eben diese Denkweise anwendet.

Es ist im Sinne der Wissenschaft ganz wichtig jedes Thema erst einmal mit der nüchternen Klarheit eines Wissenschaftlers zu betrachten. Dadurch erlaubst du dir nämlich nicht von Anfang an zu bestimmten Themen „Nein, das ist unmöglich“ zu sagen, sondern sagst grundsätzlich „Vielleicht ist da was dran“.

Der Religionsphilosoph Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter schrieb ebenso in „Eine philosophische Abhandlung des neuen Coronavirus“ über eine Notwendigkeit zur Meinungsvielfalt, um wissenschaftliches Scheuklappendenken während der aktuellen Pandemie zu vermeiden und gesellschaftliche Konflikte zu minimieren (1). Darum geht es auch schließlich: Die Diversität an Meinungen belebt den Konsens und durch den Konsens finden wir zu Fakten. Darum ist auch keine Meinung auszuschließen.

Dieser Beitrag hat also die Aufgabe zum Konsens beizutragen und nicht etwa Recht für sich zu beanspruchen. Karl Popper, einer der bedeutendsten Denker und Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts sagte einst sehr passend: „Der Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt zu lernen, als recht zu behalten.“ (2)

Dieser Beitrag soll dich also zu einer Perspektive anregen, die aus einem, für die bisherige Diskussion, recht ungewöhnlichen Standpunkt vertreten wird. Nämlich aus einem metaphysischen (ontologischen) Standpunkt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass du eine Menge über die Beziehung zwischen den Themen „Pandemie“ und „Gesundheit“ dazulernst.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 08/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Analyse: COVID-19 (SARS-CoV-2) in Germany

1. November 2020

Passend zum Artikel Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien für das Metal Health Magazin ist auch meine COVID-19 Analyse, welche ich im Oktober auf Englisch übersetzt habe und mit einem 10-seitigen Update versehen habe. Obwohl ich von dem Thema in den letzten Wochen abgewichen bin, da ich gemerkt habe, dass die Emotionen in diesem Thema überhand nehmen, würde ich auch hier gerne nochmal die wichtige Passage am Ende der Analyse einfügen. Die Übersetzung findet ihr auf meinem Blog.

[…]

»To me, trusting experts on their opinion cannot be future standard. Every citizen is responsible for informing himself/herself to estimate the current situation. For the lockdown-policy on the 2ndof November, for example, every citizen has to express concerns and considerations, in particular when it comes to one’s own economic existence.[i] And also to question the prevailing opinion of the government and to make them change their political course in the interest of everyone’s health, but especially for kids, as childhood researcher Michael Hüter warns the German policy: „A whole generation has been collectively traumatized.“

I myself started to recognize the importance of Plato’s Trivium, especially when I read news reports, social media posts and watch television narratives about SARS-CoV-2. In his Trivium, Plato defined the logical errors, which are very helpful to weigh others arguments. If, for example, someone is claiming to know something about SARS-CoV-2, just because some scientist said something about it, the logical errors help recognizing it as an appeal to authority. Authority can never replace arguments, otherwise society would not act rational. Another example could be the appeal to fear, which was used many times as an instrument to achieve certain political regulations. There are few more examples and I can just recommend it to use it in relation to question given opinions.

Finally, I want to remind the reader again about the importance of one’s own health. No one else can be responsible for the physical and mental health than the individual who owns the body. We as a society cannot not expect that scientists rescue us if ourselves forget about the importance of a healthy lifestyle and disease prevention. Starting with ourselves, we can also remind other people to go out and enjoy nature, food and our communication with others. If we try to isolate ourselves completely, the situation will get even worse. The immune system should be again at the center of our attention. To not only prevent diseases, but also to make life for everybody highly enjoyable again.«

Hier geht’s zum researchgate Artikel // zur deutschen Übersetzung

Blogbeitrag: Freiheit oder Sicherheit?

13. November 2020

Es sind alte Frage, die jedoch aktueller sind, denn je: Was ist uns wichtiger, Freiheit oder Sicherheit? Was sind wir bereit an Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu erlangen? Kann es so etwas wie Sicherheit überhaupt geben? Und (wann) sind wir bereit, beide Aspekte miteinander in Einklang zu bringen?

Diese Fragen habe ich versucht in meinem aktuellen Blogbeitrag zu beantworten. Ich habe anhand der aktuellen „Pandemie“, aber auch durch das Beispiel von OSHO und seinen Sannyasins gezeigt, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Prioritäten haben. Je nachdem, welcher Typ man selbst tendenziell ist – Sicherheitsfanatiker oder Freiheitsidealist – verhält man sich in Gefahrensituationen anders. Letztendlich geht es jedoch immer um das nackte Überleben:

Die Freiheit dient dazu, das Überleben zum Erleben zu machen, wohingegen die Sicherheit danach strebt, das Überleben grundsätzlich zu sichern. Bei einem anfallenden Risiko ist es klar, dass die Bewertung des Risikos unterschiedlich ausfällt. Und, dass damit die Konflikte beginnen.

Mehr im aktuellen Blogbeitrag

Blogbeitrag: Planton’s Trivium

26. Oktober 2020

Wie können wir Wahrheit erlangen?

Diese Fragen hat viele Philosophen beschäftigt. Besonders aber Platon, wie man an seinen Dialogen mit Sokrates (z.B. Phaidon) oder seinem Höhlengleichnis erkennt. Um seinen Argumentationspartner in seinen Aussagen nach Wahrheitsgehalt zu überprüfen, hat Platon ein ziemlich schlaues Tool entwickelt: Die logischen Irrtümer.

Mehr im Blogbeitrag

Buch: Atmen • Nicht-Atmen

10. Oktober 2020

Ich habe es bereits mehrfach vorgestellt… aber es wird trotzdem nicht alt. Mein Poesie und Geschichtenbuch Atmen • Nicht-Atmen könnt ihr gratis als eBook von mir erhalten, indem ihr meinen Newsletter abonniert. Ich habe von vielen schon sehr positive und inspirierende Rückmeldungen erhalten. Dafür möchte ich mich schon mal bedanken!

Als kleines Dankeschön möchte ich noch eine kleine Geschichte einfügen. Ich hoffe sie gefällt euch. Falls ihr mehr lesen möchtet, abonniert einfach meinen Blog. Dann schicke ich euch mein eBook zu!

Der Brauch

»Ein Muslim, ein Buddhist und ein Jude treffen sich im Schlossgarten, um darüber zu diskutieren, welche Tradition die Wahrheit gefunden hat. Der Muslim argumentiert, dass Gott die eine Wahrheit ist und, dass der heilige Kampf der einzige Weg ist, die Wahrheit (Gott) zu finden. Denn Wahrheit bedeutet Errettung und wer gerettet werden will, der muss bereit sein, für die Rettung zu sterben.

Der Buddhist bestreitet, dass ein materieller Tod wirklich notwendig sei, um zu dem zu finden, der im Koran als „Gott“ dargestellt wird. Ihresgleichen höchstes Ziel sei das Nirwana, das nur durch den noblen Pfad des Buddhas in stiller Meditation gefunden werden kann. 

Schließlich ist der Jude empört und witzelt über des Buddhisten Pfad. Buddha habe nicht einmal Muße gehabt, um eine Schrift zu hinterlassen. Und gerade, als der Jude ausführen wollte, dass sich der echte Gott, Jahve, der Eine, nur den Juden offenbart, unterbrach sie ein Fremder. Und er spricht:

„Wie ich sehe, streitet ihr über eure Herkunft. Aber bevor ihr weiterredet, geht dort vornhin in diese Richtung, dort werdet ihr einen Mann sitzen sehen, der kann euch weiterhelfen.“

Und die drei machen sich auf und wandern entlang des Schlossgartens, bis sie am blumengeschmückten Springbrunnen ankommen. Dort sitzt ein alter Mann mit langem Haar und Robe. Und als sie vor ihm stehen, da bittet er sie, sich zu setzen. Er schaut ihnen tief in die Augen und stößt einen tiefen Seufzer aus.

Und in den nächsten Stunden hören sie Gleichnisse über Leben und Tod, über die rechte Art, sich frei zu machen, über die rechte Atmung und über die Streitschlichtung. Denn laut dem alten Mann gehe es darum, allen Religionen, Lehren und Traditionen Wahrheit zuzugestehen.

Der Muslim, der Buddhist und der Jude waren nicht nur entzückt, sondern lauschten voller Stille und Ehrfurcht. Und als der Mann sich erhob und ging, denn er hatte schließlich nichts mehr hinzuzufügen, da fielen sich die drei Gottesfürchtigen in die Arme. Sie versprachen sich nicht mehr zu streiten. Denn dazu war kein Grund mehr. Sie erkannten, dass sie dieselbe Herkunft hatten, diese Herkunft nur aus anderen Blickwinkeln betrachteten. Von nun an akzeptierten sie den Glauben der anderen.

Aber nicht nur das. Sie zogen sogar umher und verbreiteten die Lehre des alten Mannes. Denn sie wollten die tolerante Lehre weitergeben und allen Streit der Welt lösen.

Aber irgendwo auf ihrem Weg der Erlösung verliefen sie sich. Denjenigen, die ihren Glauben behalten wollten, warfen sie Dummheit und Ignoranz vor. Und ehe sie sich versahen, verkamen ihre Worte in einer Tradition, die nur denen Frieden brachte, die sie praktizierten. Und alle anderen, die die Lehre nicht achteten, wurden zu Übeltätern und Ungebildeten, die es zu bekehren oder auszulesen galt.

Welch ein Jammer. Der Streit der drei Gläubigen wurde zwar geschlichtet, dafür entbrannte jedoch ein viel heftigerer Streit. Ein Streit, der nicht mit der Vergebung aller Menschen endete, sondern einem Exklusivrecht, dass ihrer Tradition galt. Aber nein, eine Tradition kann man es wohl nicht mehr nennen. Ein sinnentleerter Brauch, das kommt dem Ganzen näher.«

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Danke für die Aufmerksamkeit! Ich wünsche reges Interesse beim Lesen. Und natürlich eine unbändige Gesundheit und Lebensfreude für den kalten Winter, der uns bevorsteht.

Seid achtsam,
euer Tristan.

Meine Bachelorarbeit habe ich im Fach Oecotrophologie über das Thema Zusammenhang zwischen Aspekten der Achtsamkeit und Übergewicht geschrieben (2020). Die Schlüsse, die ich durch die Literaturrecherche und Umfrage zu dieser Studie gezogen habe, sind, wie ich finde, hochaktuell.

Die Ergebnisse verdeutlichen einmal mehr, wie maßgeblich und unterschiedlich die Auswirkungen von Stress auf den menschlichen Organismus sind.

In diesem Blogbeitrag möchte ich einige Grundkenntnisse vermitteln, indem ich einen Ausschnitt aus der Theorie meiner Bachelorarbeit veröffentliche, der dir helfen kann, dich in stressigen Situationen besser zurecht zu finden. Wenn du verstehst, wie du selbst funktioniert, bist du entsprechend entspannt und handlungsfähig.

Außerdem gibt es noch andere aktuelle Themen, als nur COVID-19. Auch bei Übergewicht sprechen einige Forscher von einer weltweiten Pandemie.

Die vollständige Arbeit, sowie die Umfrage und Auswertung zur Überprüfung meiner Arbeitshypothesen, findest du auf researchgate. Doch nun zur Theorie…

Bachelorarbeit

[…] Durch die steigenden Zahlen an übergewichtigen Menschen wird zugleich deutlich, dass mit herkömmlichen medikamentösen, chirurgischen, ernährungstherapeutischen und psychologische Therapien keine eindeutige Wirksamkeit erzielt werden kann. Bisherige Behandlungen scheinen eher einen kurzfristigen Effekt zu haben, jedoch keinen langfristig wirksamen. Wenn dem so wäre, würde sich die Anzahl der Menschen, die von der Krankheit geheilt wurden, in der Statistik des Deutschen Statistischen Bundesamtes widerspiegeln. Stattdessen ist es so, dass entweder mehr Menschen übergewichtig werden, als geheilt werden oder kein langfristiger Therapieerfolg erzielt wird. So kommen auch Ruban et al. in der Studie Current treatments for obesity(2019) zu demselben Ergebnis, nämlich, dass herkömmliche Therapien in ihrer Wirksamkeit begrenzt sind und neue Therapien gebraucht werden.[i]

Einen anderen Ansatz verfolgt die eingangs erwähnte Psychosomatik. Als Medizinkunde, welche einen non-dualistischen Therapieansatz verfolgt, versucht sie alle körperlichen Symptome auf die Psyche des Menschen zurückzuführen. Ausgehend von dem physikalischen Ursache-Wirkungs-Prinzip, überträgt die Heilkunde somit den Geist des Menschen auf die Materie, welche laut Psychosomatik erst dann auf körperlicher Ebene eine Wirkung entfalten kann (Problem), wenn es im Geiste einen Grund für das Problem gibt (Ursache).[ii]Definitionen für die Psychosomatik wurden bereits aufgeführt. Welche Ursache sieht die Heilkunde nun bei der Thematik des Übergewichts?

Der bereits angeführte Arzt und Psychotherapeut Dr. Rüdiger Dahlke sieht in Übergewicht die Problematik des konstanten Überangebots an Nahrung, mit der Folge, dass wir Emotionen, Erwartungen und speziell Stress puffern können. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln dient dabei auch als Anreiz für das Belohnungssystem sich kurzfristig Glück über den Botenstoff Dopamin zu verschaffen. Wer ungelöste psychische Probleme mit sich trägt, der wird konstant das dopaminerge Belohnungssystem aktivieren wollen, um sich nicht den eigenen Problemen beschäftigen zu müssen.14

Hinzu kommt die Tatsache, dass, obwohl die Universalität der fünf Grundgeschmacksqualitäten anerkennt werden (süß, sauer, bitter, salzig, umami), auch festgestellt wird, dass sich Menschen meist sehr stark in ihrer Fähigkeit unterscheiden, diese Qualitäten wahrzunehmen und zu genießen. Die Gründe für diese Unterschiede zwischen den Menschen sind nicht eindeutig. Die Genetik-Wissenschaftlerin Danielle Reed und ihre Kollegen führen diese Unterschiede auf eine Kombination von Erfahrungen zurück, die bereits in jungen Jahren begonnen haben. Somit kommt der objektiven Gültigkeit der gustatorischen Sinneswahrnehmung (Geschmack) eine subjektive Komponente hinzu, welche dadurch bestimmt wird, ob ein Mensch in stressigen Situationen trotz des Stresses gerne isst oder diesen Stress durch andere Verhaltensweisen kompensiert.[iii]Folgende Gleichungen können somit aus den bisherigen Erklärungen abgeleitet werden:

Stress + Sensibilität gustatorischer Sinneswahrnehmungen = erhöhter Appetit

Stress + Resistenz gustatorischer Sinneswahrnehmungen = Appetitlosigkeit

Eine weitere Theorie, die an meine Ausführungen anknüpft, ist die Selfish Brain-Theorievon Achim Peters.[iv]Der deutsche Adipositas-Forscher führt an, dass „Nicht Stress an sich unser Hauptproblem ist, sondern unsere Anpassung an chronischen psychosozialen Stress. Sie führt bei vielen dazu, dass sie, je nach Typ, entweder zu dick werden oder hager und depressiv.“ (vgl. Peters, 2011).37Er begründet diese Annahme anhand seines Modells, da sich das Gehirn im Falle eines Energiemangels egoistisch verhalten würde. Dies führt dazu, dass versucht wird, Energie über das sympathische Nervensystem vom Körper anzufordern, welches es dann bei Energiemangel in der Folge aus der Umgebung (durch Nahrungsmittel) beschaffen muss, um weiterhin Energie, in Form von Glukose, an das Gehirn weiterzuleiten (diesen Mechanismus nennt Peters Brain Pull). Im Gehirn wird Glukose vorrangig für die übergreifende Regulation lebenswichtiger Prozesse (wie den Herzschlag, die Atmung etc.), für Denkprozesse und für das Belohnungssystem genutzt. Da das Gehirn sehr viel mehr Energie im Vergleich zu anderen Organen verbraucht (bis zu 20%), reguliert der Organismus so den Energieverbrauch zu Gunsten des Gehirns.

Der Grund, warum manche Menschen durch Depressionen und Verstimmungen reagieren, andere wiederum durch eine erhöhte Nahrungsaufnahme, ist laut Achim Peters in der Anpassungsfähigkeit des Individuums begründet. Wenn ein Individuum einen leichten, aber chronischen Stressreiz empfindet, dann wird der Brain-Pull automatisch dafür sorgen, dass durchgängig mehr Glukose angefordert wird, vor allem durch ein vermehrtes Hunger-Gefühl. Wenn das Individuum sich also an den psychosozialen Dauerstress gewöhnt, so reagiert das Stresssystem (Zentrales Nervensystem) mit einer langfristig geringeren Frequenz an Stresshormonen. Eine inadäquate Stressreaktion des Körpers sorgt dann unterschwellig für ein vermehrtes Hungergefühl, da der Brain-Pull inkompetent wird. Ein zu hohes Stressempfinden sorgt wiederum genau für das Gegenteil, ein vermindertes Hungergefühl. Dies führt dann eher zu Depressionen bzw. Verstimmungen und einer Handlungsunfähigkeit in der eigenen Situation. Der Unterschied zwischen diesen beiden Typen, dem stresssensitiven Typ A, der eher zu einer verringerten Nahrungsaufnahme tendiert, und dem stressresistenten Typ B, hat sich inzwischen auch empirisch beobachten und nachweisen lassen. Flaa et al. konnten in ihrer Studie die chronisch leicht-verringerten Adrenalin-Werte (Stresshormone) in Verbindung mit Übergewicht setzen. Sie folgerten, dass die Adrenalinreaktion auf psychischen Stress ein negativer Prädiktor für den zukünftigen BMI ist.[v]

Zusammenfassend lässt sich somit aussagen, dass das eigene Empfinden über die akute und chronische Situation dazu beiträgt, ob ein Individuum Übergewicht aufbaut oder nicht. Dabei spielen sowohl genetische (Geschmackswahrnehmung), epigenetische (Erfahrungen), als auch subjektive Faktoren (Stress, Sehnsüchte) eine nicht zu vernachlässigende Rolle. 

Menschen, die lernen mit ihrer eigenen Wahrnehmung umzugehen, werden also vermutlich dazu tendieren, trotz der stressigen Umstände eine Zufriedenheit aufzubauen, die von Belohnungen in Form von Nahrungsmitteln unabhängig ist. Damit verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der kurzfristigen Stresslinderung zu einem langfristigen Zustand psychischer Widerstandsfähigkeit gegenüber stressigen Situationen. Diese Widerstandsfähigkeit wird in der Psychologie auch als Resilienz bezeichnet. In mehreren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass Achtsamkeitstechniken einen positiven Einfluss auf die Resilienz eines Individuums haben kann, ob bei Studenten, Krankenschwestern, Hausfrauen oder bei Militärsoldaten.[vi],[vii],[viii]

Somit schließt sich der Kreis zur bereits erwähnten Achtsamkeit. Achtsamkeit wird als ein Zustand der aktiv auf die Gegenwart gelenkten Aufmerksamkeit beschrieben. Somit findet eine Vergegenwärtigung des Jetzt bzw. gegenwärtigen Momentes statt. Darin sind alle Tätigkeiten eingeschlossen, die das Bewusstsein des Menschen in der Gegenwart verankern und ihm helfen zur Ruhe zu finden. Ursprünglich stammt diese Technik aus den fernöstlichen Kulturen, speziell dem Buddhismus.[ix]Die positiven Effekte auf das Wohlergehen sind zunehmend in den Fokus von Wissenschaftlern gerückt, sodass mit der Zeit schon einige Studien über die Auswirkungen von Achtsamkeit (engl. mindfulness) durchgeführt wurden.

An dieser Stelle werden zwei Definitionen eingebracht. Die Erste stammt von Jon Kabat-Zinn. Er sieht die Achtsamkeit als absichtvolle, gegenwärtige und nicht wertende Aufmerksamkeit (vgl. Kabat-Zinn, 1982, S. 33-47).[x]Die zweite Definition stammt von Daniel Goleman, welcher den Begriff der Emotionalen Intelligenz (EQ), als Erweiterung des Intelligenzquotienten (IQ) zum Umgang mit sich selbst, in das wissenschaftliche Interesse gerückt hat. Er sieht die Achtsamkeit mehr als die Wahrnehmung der inneren Zustände, der emotionalen Kontrolle und der Entwicklung der eigenen Empathie(Goleman, 2007).[xi]Was beide Theorien miteinander verbindet, ist die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das Innere, anstatt auf äußere Ereignisse. Man kann somit darauf schließen, dass durch die Achtsamkeit gelernt wird, wieder mehr auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören.

Nun gibt es eine Reihe von Bedürfnissen, die der Psychologe Abraham Maslow in seinem sozialpsychologischen Modell definiert hat: Darin unterscheidet er zwischen Defizitbedürfnissen und Wachstumsbedürfnissen. Die Bedürfnisse des Menschen sind zur Veranschaulichung in einer Pyramide angeordnet worden, beginnend mit überlebenswichtigen Defizitbedürfnissen, wie etwa den physiologischen Bedürfnissen (Essen, Trinken, Atmen, Schlaf), Sicherheitsbedürfnissen und sozialen Bedürfnissen. Darauf folgen die Wachstumsbedürfnisse, wie die Individualität und die Selbstverwirklichung, die der Mensch für sein Überleben nicht unbedingt benötigt.[xii]Was wir aus diesem Modell lernen, ist, dass die Nahrungsaufnahme zu einem der essentiellsten Verlangen des Menschen gehört. Wenn das Nahrungsmittelbedürfnis und die Befriedigung dessen nicht gewährleistet sind, so rücken die Wachstumsbedürfnisse in den Hintergrund. So sagte schon der bekannte Lyriker Bertolt Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“(Brecht, 1928, S. 26).[xiii]Wachstumsbedürfnisse sind ein wichtiger Teil des Menschen, der dazu beiträgt, dass Zufriedenheit erlangt werden kann. Ist der Prozess der Nahrungsmittelaufnahme gestört, so werden auch die Wachstumsbedürfnisse entsprechend vernachlässigt.

Somit hat die psychologische Verfassung, mit der ein Mensch Nahrungsmittel verzehrt und die Weise, wie er sie verzehrt einen enormen Einfluss auf das körperliche Gewicht. Dies verweist uns auf eine Thematik, die in der Literatur auch als das Henne-Ei Problembekannt ist: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?Und im Falle des Übergewichtes: Was kam zuerst, das Lebensmittel, welches die psychologische Verfassung ändert und zum Konsum verleitet oder die psychologische Verfassung, welche durch Stress (Distress) zur erhöhten Nahrungsmittelaufnahme führt?

Die Beantwortung dieser Frage ist recht simpel: Tiere weisen in ihrer gewohnten Umgebung (Habitat) kein Übergewicht auf. Erst der Eingriff des Menschen in die Lebensweise des Tieres führt zur krankhaften Verfettung. In vielen Fällen dienen z.B. Mäuse und Ratten als Versuchstiere für Übergewicht, gerade weil Tiere sehr leicht zu mästen sind. Im natürlichen Lebensraum ist ein Tier immer an seine Umgebung angepasst und muss sich stets auf die Futtersuche begeben. Somit ist die Erklärung für Übergewicht auch in der heutigen Umgebung und Verfügbarkeit der Nahrungsmittel zu suchen, wie Rüdiger Dahlke es erklärte. Denn der Mensch muss nur noch einen geringen Energieaufwand betreiben, um Nahrungsmittel zu konsumieren.[xiv]Diese Bequemlichkeit, ausgehend von der kulturellen Entwicklung einer bewegungsarmen und sicheren Umgebung, führt den Menschen überhaupt in die Möglichkeit, vermehrt Gewicht zuzulegen. Dabei begründet sich das Problem des steigenden Übergewichtes der Gesellschaft nicht in der Umgebung, sie ermöglicht das Problem nur. 

Die Harvard-University gibt in einem Artikel (Harvard Mental Health Letter) an, dass eine erhöhte Nahrungsmittelaufnahme mit Stress verbunden ist.[xv]Dabei ist die Kompensation des Stressreizes von Mensch zu Mensch verschieden und äußert sich bei Menschen, die eine Tendenz zu Übergewicht haben dadurch, dass durch den gustatorischen Stimulus eine Stresslinderung verschafft wird. Damit verlagert sich das Problem des Übergewichtes von bisherigen Erklärungsmodellen, welche die Außenwelt fixiert haben, auf die Innenwelt des Menschen, denn dort herrscht der Drang vermehrt das Belohnungszentrum über Dopamin zu aktivieren und Stress zu reduzieren. Die stetige Bereitschaft des Menschen Nahrungsmittel zu konsumieren, mehr als er für sein Überleben braucht, wird erst dann möglich, wenn Stress als psychischer Druck von der Außenwelt auf die Innenwelt verstanden wird.

So zeigten Schneidermann et al. (2005) in einer Studie einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Stress und Gesundheit auf.[xvi]Sie folgerten, dass junge und gesunde Personen sich an einen akuten Stressreiz anpassen können und dadurch normalerweise keine langfristige Gesundheitsbelastung entsteht. Wenn die Bedrohung jedoch unablässig ist, insbesondere bei älteren oder immungeschwächten Personen, können die langfristigen Auswirkungen von Stressoren die Gesundheit schädigen. Somit stellen langfristige Herausforderungen, welche als negativ bewertet werden, nicht nur eine Beeinträchtigung der Lebensqualität auf psychologischer Ebene dar, sondern im Umkehrschluss auch auf biochemisch messbarer Ebene.[xvii]

Der Zusammenhang zwischen Biochemie und Psychologie ist über das zentrale Nervensystem eindeutig erklärbar. Das ZNS ist mit dem Begriff der Mittelkraftnach Friedrich Schiller vergleichbar.[xviii]Die Mittelkraft fungiert als Transmitter zwischen Körper und Geist. Die Mittelkraft wird durch einen extrinsischen (äußeren) und intrinsischen (inneren) Stimulus beeinflusst, den bereits mehrfach erwähnten Stress. Abhängig von Art, Zeitpunkt und Schweregrad des spezifischen Stimulus, kann Stress verschiedene Wirkungen auf den Körper ausüben, die von Veränderungen der Homöostase über lebensbedrohliche Wirkungen bis hin zum Tod reichen.[xix]Der Wirkungsbereich der sogenannten Stresshormone (Adrenalin und Cortisol) hat nicht nur einen Einfluss auf Neurotransmitter (Dopamin, Serotonin, Acetylcholin etc.), die Botenstoffe des Gehirns, sondern einen Einfluss auf den kompletten Körper des Menschen.[xx]

Vereinfacht dargestellt gelangt ein Stressreiz über die Sinneswahrnehmungen zum Gehirn, woraufhin dann über den sympatho-adrenalen Signalweg des zentralen Nervensystems eine Ausschüttung der Neurotransmitter Noradrenalin und Acetylcholin verursacht wird.[xxi]Ihre Aufgabe besteht in der nervalen Reizweiterleitung über das Rückenmark zur Nebenniere, wo die Ausschüttung von Adrenalin ausgelöst wird. Die Auswirkungen von Adrenalin auf den Organismus sind vermehrte Durchblutung des Gehirns, Aktivierung der Bronchien, erhöhte Muskelspannung, Blutgerinnung, Libido Hemmung, Verdauungshemmung und erhöhte Herzfrequenz. Damit wird auch die Aufgabe des Sympathikus für das Überleben klar, denn die Verarbeitung findet im Stammhirn statt, einem der ältesten Teile des Gehirns.[xxii]Der auch als Reptiliengehirnbezeichnete Teil des Gehirns soll den Organismus auf die Situation Kampf oder Flucht vorbereiten, sodass Lebewesen vor lebensgefährlichen Situationen flüchten oder bereit sind zu kämpfen.[xxiii],[xxiv]

Dieses akute System zum Schutz des Überlebens (Sympathikus-Nebennierenmark-Achse, SAM) wird unterstützt durch die sogenannte zweite Stressachse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, HPA). Beide Stressachsen sind über Adrenalin und Cortisol miteinander verbunden. Ein vermehrter Anstieg an Adrenalin führt zur Rückkopplung mit dem Stresshormon Cortisol, welches durch das in der Nebennierenrinde gebildete Adreno-Corticotrope-Hormon (ACTH) angeregt wird. Auf der einen Seite wird so durch Cortisol eine entzündungshemmende Reaktion verursacht, welche die vermehrte Aktivität, Leistungsbereitschaft und Anspannung puffern soll, auf der anderen Seite wird über den Hypothalamus die Aktivität von Adrenalin gehemmt.[xxv]

Eine verlängerte oder übertriebene Stressreaktion kann eine Cortisol-Dysfunktion auslösen. Dadurch kann die Aktivität der SAM-Achse sowie die Ausschüttung von Adrenalin nicht mehr richtig durch die HPA-Achse (Cortisol) gepuffert werden, sodass chronische Entzündungen entstehen, welche sich in verschiedenen Erkrankungen äußern können, wie etwa Typ-2-Diabetes, Depressionen und Angstzuständen. Typ-2-Diabetes steht in der Literatur in direktem Zusammenhang mit Übergewicht.[xxvi],[xxvii],[xxviii],[xxix]Damit kommt dem zentralen Nervensystem über die Aktivierung des Sympathikus (bzw. Parasympathikus, dem entgegengesetzten Signalweg) eine zentrale Rolle bei der Regulation des Körpergewichts durch das Hormonprofil zu. Die Wichtigkeit erkennt man auch daran, dass die Dysregulation des Stresssystems während der Wachstums- und Entwicklungsphase von Kindern häufig zu psychiatrischen Störungen führen.[xxx]

Negativer Stress (Distress) ist im Leben unvermeidlich, jedoch sind Herausforderungen auch mit positivem Stress (Eustress) und Erfolg verbunden. Menschen haben die Möglichkeit zu ändern, wie sie einen Stressreiz empfinden und darauf reagieren. Übertriebene Reaktionen eines Menschen nach einer kognitiven Fehleinschätzung potenzieller Gefahren für das eigene Leben können die Cortisolsekretion fehlregulieren und die Festigung angstbasierter Erinnerungen an Schmerzen oder andere potenzielle Gefahren verschlimmern. Bewältigung, kognitive Neubewertung oder Konfrontation von Stressoren können jedoch die Cortisolsekretion justieren und chronischen, wiederkehrenden physischen und mentalen Schmerzen vorbeugen.[xxxi]Stressmanagement-Techniken sind dabei im alltäglichen Leben für die langfristige Gesundheit von entscheidender Bedeutung.

Eine Möglichkeit zur Prävention vor Übergewicht wäre demnach die Erhaltung des Gleichgewichtes (Homöostase) des zentralen Nervensystems. Ein Gleichgewicht kann nur eingehalten werden, wenn zwei entgegengesetzte zelluläre Schalter in ihrem physiologischen Bereich arbeiten. Zellschalter können wiederum lediglich im pathologischen Bereich arbeiten, wenn der entgegengesetzte Zellschalter nicht genügend Pufferkapazitäten besitzt, dementsprechend nicht genügend aktiviert wird. Eine Cortisol-Dysfunktion sollte demnach nicht möglich sein, wenn die vermehrte Aktivierung des Sympathikus durch den Parasympathikus (auch als Heilnerv bekannt) gepuffert wird. Dadurch erhält der Körper Zeit zur Regeneration der Entzündungen durch Abbau des Cortisols. Ist übermäßig viel Cortisol vorhanden, wird der Rezeptor zur Ausschüttung des Stresshormons resistent und der Körper kann die entstandenen Entzündungen nicht mehr regenerieren.[xxxiii]Damit liegt die Aufmerksamkeit nun auf der Aktivierung des Parasympathikus zur Erhaltung der Homöostase.

Eine Alternative, welche für therapeutische Zwecke genutzt wird, ist die kognitive Neubewertung des Stressreizes. In der Therapie können gezielt Stressfaktoren in ihrer Ursache erkannt und neubewertet werden, sodass in der Folge bestimmte Stressreize weniger stark den sympathischen Signalweg aktivieren.[xxxiv],[xxxv]Der Nachteil dieser Praktik liegt in der Abhängigkeit von einem Therapeuten, der bei der Behandlung von psychologischen Problemen und Stress häufig erforderlich ist. 

Neben therapeutischen Interventionen kann aber auch Sport präventiv wirken. Dabei schützt Bewegung nicht nur durch den erhöhten Kalorienverbrauch vor Übergewicht, sondern auch über Anpassungen im neuroendokrinen System, sodass die hormonelle Stressreaktion (auf Ebene eines submaximalen Trainings) den zirkulierenden basalen Stresshormonspiegel verringern kann. Die Verringerung der hormonellen Stressreaktion durch Bewegungstraining hat Auswirkungen auf den Umgang mit vielen chronischen stressbedingten Gesundheitsproblemen. Allerdings kann die Überbeanspruchung des sympathischen Nervensystems durch Sport auch zu Problemen führen:Übermäßiges Training begünstigt die Entwicklung chronischer Müdigkeit, was auch als Zustand des Übertrainingssyndroms bekannt ist.[xxxvi]Sport führt jedoch in gemäßigter Form durch eine Aktivierung des Sympathikus zu einer verbesserten Aktivierung des Parasympathikus.[xxxvii],[xxxviii]Da Sport jedoch nicht zu den typischen Achtsamkeitstechniken gezählt wird, trotz der Aktivierung ähnlicher biochemischer Signalwege, ist er in dieser Arbeit nicht weiter relevant.[xxxix]

Was Achtsamkeitstechniken, wie etwa die Meditation, Yoga und weitere Entspannungsübungen gemeinsam haben, ist nicht nur die Aktivierung des biochemischen Signalwegs über das parasympathische Nervensystem. Durch die Fokussierung der Aufmerksamkeit zur Verringerung von Ablenkung werden intrinsische Erfahrungen wie Emotionen, Gefühle und Gedanken erkannt und ausgelebt. Dies hat eine Veränderung des neuronalen Netzwerkes im Sinne der kognitiven Neubewertung ohne bewusste Verarbeitung zur Folge. Somit helfen Achtsamkeitstechniken auch bei der Interpretation von neuen oder konditionierten Erfahrungen ohne Therapeuten. Dabei kommen Joseph Wielgosz et al. (2019) in ihrer Literaturauswertung sogar zu dem Schluss, dass richtig konzipierte und durchgeführte Achtsamkeitsinterventionen vergleichbar mit etablierten schulmedizinischen Behandlungen von Depressionen, Angstzuständen, Schmerzen und Konsum von Drogen sind.[xl]Eine Meta-Analyse von Blanck et al. (2016) zeigte, dass die regelmäßige Durchführung von Achtsamkeitsübungen bei Angstzuständen und Depressionen vorteilhaft ist, auch ohne in therapeutische Rahmenbedingungen integriert zu sein.[xli]Vorläufige Beweise stützen auch mögliche Anwendungen bei Essstörungen, posttraumatischem Stress und weiteren schweren psychischen Erkrankungen. Achtsamkeitsübungen sind laut dem Forscher William Marchand (2012) zudem auch vorteilhaft für die allgemeine psychische Gesundheit und das Stressmanagement bei gesunden Personen.[xlii]Damit bergen Achtsamkeitstechniken ein großes Potenzial für die Behandlung mit psychotherapeutischen Methoden und zur Stressreduktion. […]

Das war’s auch schon. Gar nicht so schwer… oder? 😉

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Herzlich
dein Tristan.


Inhaltsverzeichnis

[i]Ruban, Aruchuna et al. (2019). Current treatments for obesity. Clin Med Lond. 19 (3): S- 205–212. doi:10.7861/clinmedicine.19-3-205.

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[xlii]Marchand, William R. (2012). Mindfulness-based stress reduction, mindfulness-based cognitive therapy, and Zen meditation for depression, anxiety, pain, and psychological distress. J Psychiatr Pract. 18 (4): S. 233‐252. doi:10.1097/01.pra.0000416014.53215.86.