In jeder Sekunde, an jedem Tag, in jedem Jahr deines Lebens erfindest du deine Wirklichkeit. Das ist der Ansatz des radikalen Konstruktivismus. Diese erkenntnistheoretische Position geht davon aus, dass jedes Subjekt (also du & ich) aufgrund der bisherigen Erfahrungen die Wirklichkeit erschafft.

Diese Idee wird dann erkenntlich, wenn wir bedenken, dass die Erinnerungen an die Kindheit zumeist sehr schwach ausgeprägt sind und wenn wir uns an etwas erinnern, dann weil wir etwas besonders schön oder leidvoll empfanden. Es sind somit die besonderen Momente, ob positiv oder negativ, die das weitere Leben tiefgehend beeinflussen. Außerdem denken Kinder qualitativ anders als Erwachsene, da sie noch nicht so viele Erfahrungen haben, die sie in ihren Reaktionen konditioniert haben. Dies führt dazu, dass sie spontaner, leichtlebiger und eben auch naiver sind.

Das erinnert mich an die folgende Bibelstelle:

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie  3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 
5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Matthäus (18, 1-5)

Mit diesem Ausspruch war sicherlich nicht gemeint gebt die Verantwortung von euch; kümmert euch nicht um euch, sondern lasst andere für euch sorgen; seid naiv; tragt wieder Windeln wenn ihr von dieser Welt scheidet oder habt blindes Vertrauen.

Damit war gemeint, dass nur diejenigen, die reinen Herzens sind, Erlösung finden. Und Erlösung meint nicht irgendwo im Jenseits (auch wenn es dies durchaus auch umfassen kann), sondern ganz unmittelbar im Hier und Jetzt. Kinder sind unmittelbar an das Herz angebunden, denn sie sind nicht vom Verstand gelenkt.

Ein Herz ist schwach wie stark. Es kann hell leuchten und genauso kann es verdunkeln. Es kann von Gutherzigkeit erfüllt sein, ebenso wie es mit Bösartigkeit erfüllt sein kann. In gewissem Maße kann das Herz als der Heilige Gral bezeichnet werden, als das Gefäß, dass die Taten des Menschen aufwiegt. Und nur derjenige, der die Absicht hat zu heilen, zu helfen und Frieden zu stiften, gelangt durch das Tor, das nicht mit dem Verstand begriffen werden kann. Wer böses tut, dem wird wiederum böses vergolten (auch von sich selbst!)

In gewissem Maße erlebt jeder Mensch seine ganz eigene Geschichte. Die Geschichte beginnt zumeist in der Kindheit mit der Erziehung, führt über die Sozialisierung in der Schule und schließlich über den Arbeitsplatz in den Ruhestand. Das muss aber nicht so sein. Jeder darf über sich selbst entscheiden. Letztlich muss man sich nur vor sich selbst rechtfertigen.

Was alle gemeinsam haben, ist, dass jede Geschichte Höhen und Tiefen hat. Ob du nun auf dem Land lebst, im Dschungel oder in einer Großstadt. Du als Held deiner Geschichte erfährst Freude und Leid auf deinem Weg zum Ziel. Und dieses Ziel kann nur heißen: So frei zu sein, wie die Kinder und sich nicht mit dem zu quälen, was auf dem Weg passiert ist. Und auch wenn es schwer fällt, das Ziel kann immer nur sein: Loslassen.

Um nun den Bogen zu schlagen: Der radikale Konstruktivismus schlägt vor die eigene Geschichte umzuschreiben, um der Wirklichkeit näher zu kommen und mehr von den schönen Dingen des Lebens zu haben. Und dem stimme ich zu. Ich möchte allerdings ergänzen: Manche Dinge lassen sich nicht vermeiden und sollten auch nicht vermieden werden. Denn auch das Leid macht uns zu dem Menschen, der wir heute sind. Wir sollten nur Lernen alle Facetten des Lebens zu akzeptieren. Denn die Wirklichkeit ist jederzeit da.

Es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren.

Was auch immer du vor hast, sei dir deiner selbst bewusst.

Und glaube an dich.

Welche Geschichte möchtest du schreiben?

Ich möchte den Beitrag mit einem Verweis auf die Seite meines Freundes Christopher Reusch schließen, der vor kurzem begonnen hat Geschichten zu schreiben. Wer ein wenig Englisch versteht, der wird sich sicherlich an den kleinen Geschichten erfreuen.

Passend zu diesem Beitrag: THE CHILD THAT FORGOT ABOUT HEAVEN

Verlustängste: Jeder von uns hat sie. Und aus gegebenem Anlass möchte ich dieses Thema kurz auf meinem Blog anschneiden.

Verlustängste entstehen aufgrund der Angst vor einem Mangel oder einem Defizit. Das ICH oder SELBST hat demnach Angst davor sich selbst zu verlieren, unvollständig zu sein oder einen Teil von sich selbst abzugeben. Weniger wird mit der Verlustangst die Angst vor dem Verlieren (eines Wettbewerbes) gemeint, auch wenn dies ebenfalls unter Verlustangst gefasst werden kann. Letztlich kann die Verlustangst auch als Angst aufgefasst werden, bei dem das ICH Angst hat, weniger es SELBST zu sein.

Auf geistiger Ebene ist dies natürlich unsinnig, denn auf der Reise unseres Lebens werden wir bzw. unser ICH immer mehr zum SELBST, da wir erkennen, was wir sind und was wir nicht sind. Vollzieht sich ein geistiger Wandel, so merken wir, dass wir nicht unser Körper sind, nicht unsere Freunde sind, nicht die Welt an sich sind, sondern immer ein Teil des Ganzen. Wir sind Geist UND Körper, wir sind ich UND du, wir sind Träumer UND Traum, wir sind Subjekt UND Objekt. Verlustsituationen sind die ersten Erfahrungen, die dem Menschen seine materielle Trennung aufzeigen (eine Erfahrung die erstmals mit der Geburt gemacht wird) und ihn dazu ermutigen, die geistige Gemeinsamkeit zu suchen. Interessanterweise passiert auch häufig das genaue Gegenteil von Trennung, wenn ein Mensch eine Nahtoderfahrung macht (die meisten Menschen berichten von überwältigender Fülle, Liebe und Einheit).

Wird die eigene Angst vor Situationen gepflegt, in denen das ICH sich materiell von anderen/anderem abgrenzen muss und nicht akzeptieren kann, dass es ein autarkes Lebewesen ist, so kann durchaus auch von einer Angst vor Veränderungen gesprochen werden. Und, so schließt sich der Kreis, die wohl größte und jeden Menschen betreffende Veränderung ist die Geburt und der Tod (in der Transpersonalen Psychologie gilt die Geburt als URTRAUMA, der Tod als METAMORPHOSIS)

»Zu leben lernen, muss man über das ganze Leben hin, indes worüber du dich noch mehr wundern magst, das ganze Leben musst Du sterben lernen.«

Seneca

Was wir uns nun aus diesen recht abstrakten Ausführungen merken können:

  • Wir alle müssen leidvolle und schmerzhafte Erfahrungen machen, die uns näher an unser SELBST bringen
  • Einsamkeit ist der Weg in die ALL-EINS-HEIT (Einsam vs. Allein)
  • Wir können uns gegenseitig Trost spenden und uns über unsere Erfahrungen hinweghelfen, indem wir uns zuhören und füreinander da sind

In der jetzigen aufbrausenden und turbulenten Zeit brauchen wir eine starke Gemeinschaft, die sich nicht von falschen Idealen lenken lässt, sondern die die Freude am miteinander und einer wirklich bodenständigen Spiritualität wiederfindet.

Auch spirituelle Menschen sind nicht von Leid ausgenommen. Im Gegenteil: Ich sehe, dass spirituelle Menschen weit häufiger auf eine Vertrauensprobe gestellt werden, die zeigen soll, ob das Vertrauen in den großen Geist noch intakt ist und praktiziert wird. Verlusterfahrungen bringen uns häufig in Zweifel, ob dies überhaupt einen größeren Sinn haben kann und auch, wie Gott (lat. Spiritus) dies überhaupt zulassen kann (s.a. Theodizee-Frage, welche von den meisten Religionen unterschiedlich beantwortet wird).

Und dann fällt mir die Geschichte von Hiob aus der Bibel ein (bekannt auch durch die „Hiobsbotschaft“). Die Geschichte kenne ich noch aus der Zeit als Kind, als ich hin und wieder in der Kirche war und am Kindergottesdienst teilgenommen habe. Ich bin kein Fan des Christentums oder der Bibel, aber manche Geschichten (und Gleichnisse) lassen mich bis heute staunen. Und mit dieser Geschichte möchte ich diesen Blogbeitrag schließen und zum Nachdenken anregen.

Hiobs Prüfung

Bibeltext: Hiob 1-2 (Quelle der Kurzversion)

Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?

„Wärst du gerne reich? Ich meine, so richtig reich? Hiob war der reichste Mann weit und breit. Er lebte im Land Uz und dort gab es niemanden, der so reich war wie Hiob. Er hatte große Herden an Tieren. 7000 Schafe hatte er, 3000 Kamele, 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Und natürlich hatte er viele Knechte, die sich um diese Tiere kümmern. Hiob ging es gut. Gott hatte Hiob viel Reichtum geschenkt. Und Hiob liebte Gott. Er war Gott dankbar für alles, was er hatte. Für seinen Besitz, aber auch für seine Kinder. Hiob hatte 7 Söhne und 3 Töchter. Hiob liebte Gott und er tat, was Gott gefiel, er war wirklich gottesfürchtig. Manchmal machte er sich Sorgen, dass seine Kinder gesündigt haben könnten. Die Kinder trafen sich oft und feierten zusammen. Hiob wusste ja nicht, was dort geschah. Deshalb opferte er nach ihren Festen immer Brandopfer für jedes seiner Kinder. Er bat Gott: „Falls sie gesündigt haben, dann vergib ihnen bitte.“ So war Hiob. So sehr liebte er Gott. Wie sehr liebst du Gott? Gott hat so viel Gutes für dich getan. Er hat die Welt gemacht, er hat deine Familie gemacht, er hat dich gemacht. Er schenkt dir jeden Tag die Luft zum atmen, er sorgt für dich, er liebt dich. Was tust du? Liebst du Gott? Ist dir Gott wichtig? Hiob liebte Gott.

Aber manche sagten: „Hiob ist nur so gottesfürchtig, weil er so viel Reichtum von Gott bekommen hat.“ Satan selbst behauptete das. Er sagte zu Gott: „Hiob liebt dich nur, weil du ihn so reich beschenkt hast. Wenn er seinen Besitz verlieren würde, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Gott erlaubte Satan, Hiob zu prüfen: „Du kannst tun, was du willst, aber du darfst Hiob selbst nichts tun.“

So kam es, dass ein paar Tage später ein Bote zu Hiob kam. Es war einer seiner Knechte, der auf die Tiere aufpasste. Er kam sehr schnell gerannt. Hiob sah ihn schon von weitem. Er wunderte sich: „Was ist denn mit ihm los. Er sieht ganz verängstigt aus.“ Der Knecht kam näher und blieb schließlich erschöpft vor Hiob stehen. „Hiob“, stammelte er, „Hiob, es ist etwas schreckliches passiert.“ „Was ist denn los?“, wollte Hiob wissen. „Wir waren bei den Weiden“, begann der Knecht zu erzählen. „Wir haben auf die Rinder und auf die Eselinnen aufgepasst. Da kamen plötzlich Feinde aus Saba und haben uns überfallen. Sie haben alle Tiere geraubt und deine Knechte getötet. Nur ich hab es geschafft zu entkommen. Deshalb bin ich sofort zu dir gerannt, um es dir zu erzählen.“

Hiob musste sich setzen. Hiob hatte viele Rinder und Eselinnen, wisst ihr noch, wie viele? 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Sie waren jetzt alle weg und die Knechte waren getötet worden. Das war keine gute Botschaft. Es war eine sehr schlechte Botschaft. Eine Hiobsbotschaft. So sagt man dazu, wenn man eine sehr schlechte Nachricht bekommt. Jetzt weißt du auch warum. Hiob hatte eine schlechte Nachricht bekommen. Gerade hatte er sich wieder etwas davon erholt, kam ein anderer Knecht Hiobs angerannt. Schon von weitem rief er aufgeregt: „Hiob!“ Hiob beruhigte ihn: „Was ist denn los?“, fragte er. „Hiob, wir haben auf die Schafe aufgepasst“, stammelte der Knecht. „Da kam plötzlich ein Feuer vom Himmel. Die Schafe und alle Knechte sind gestorben. Alle, nur ich habe überlebt.“ Noch während der Knecht redete, kam schon ein dritter Knecht. Auch er hatte schlechte Nachrichten: „Hiob, wir haben die Kamele gehütet. Aber dann kamen die Chaldäer und haben uns angegriffen. Sie kamen von drei Seiten. Wir hatten keine Chance. Sie haben alle Kamele mitgenommen und alle Knechte getötet. Nur ich konnte entkommen.“

Drei Hiobsbotschaften auf einmal. Das war viel. Stell dir vor, du bekommst schlechte Nachrichten. Vielleicht wird dein Fahrrad geklaut, oder jemand macht dein Lieblingsspielzeug kaputt. Wie reagierst du dann? Wahrscheinlich bist du traurig. Aber was tust du dann noch? Schimpfst du auf Gott? Liebst du Gott nicht mehr? Weist du noch, was Satan über Hiob gesagt hat? Er sagte: „Hiob liebt Gott nur, weil Gott ihm so viel Reichtum geschenkt hat.“ Liebst du Gott nur, weil es dir gut geht? Oder liebst du Gott auch noch, wenn du eine schlechte Nachricht bekommst.

Hiob hörte nicht auf, Gott zu lieben. Er liebte Gott auch im Leid. Er wusste, dass Gott wichtiger war, als aller Reichtum, den er hatte. Aber es ging sogar noch weiter. Kurze Zeit später kam ein vierter Bote. Auch er brachte eine Hiobsbotschaft: „Deine Söhne und Töchter waren im Haus ihres ältesten Bruders. Dort haben sie gefeiert. Aber dann kam ein Orkan. Das ganze Haus ist in sich zusammengestürzt. Alle sind gestorben.“ Erst Hiobs Reichtum, und jetzt auch noch Hiobs Familie. Alles war weg. Hiob war traurig. Er war sehr traurig, er war verzweifelt. Stell dir vor, deine ganze Familie stirbt. Das ist schlimm. Hiob zerriss seine Kleidung um damit seine Traurigkeit zu zeigen. Und dann fiel er auf die Erde nieder. Er fiel vor Gott nieder und er betete.

Wenn du Leid erfährst, dann schimpfe nicht auf Gott. Dann bete zu Gott. Du kannst Gott alles Leid sagen. Du kannst Gott sagen, wie weh es dir tut und wie traurig du bist. Du kannst Gott sogar sagen, wenn du wütend auf ihn bist. Sag Gott alles, aber höre nicht auf, Gott zu lieben. Denn gerade im Leid ist Gott da, gerade im Leid hilft er dir. Gerade im Leid liebt er dich. Liebe Gott auch im Leid.

Hiob betete. Und er war Gott weiter gehorsam, er liebte Gott weiter, auch im Leid. Er sagte: (Hiob 1,21 lesen): „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ Ich glaube, Hiob konnte das sagen, weil er Gott vertraute. Er wusste, Gott liebte ihn. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiterlieben.

Satan hatte nicht Recht gehabt. Hiob liebte Gott nicht nur wegen seinem Reichtum. Gott zeigte es Satan. Aber der hatte schon wieder eine neue Idee: „Hiob liebt dich doch nur, weil er noch gesund ist, wenn er auch noch krank wäre, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Wieder erlaubte Gott Satan, Hiob zu prüfen. Manchmal erlaubt Gott Dinge in unserem Leben und wir wissen nicht warum. Manchmal will uns Gott etwas durch Leid zeigen. Manchmal leiden wir, weil wir einfach in einer Welt ohne Gott leben und es da viel Schlechtes gibt. Aber immer kannst du Gott vertrauen, weil er dich liebt. Deshalb liebe Gott auch im Leid weiter.

Hiob hatte alles verloren. Und nun wurde er auch noch krank. Vom Kopf bis zu den Füßen bekam er Geschwüre auf der Haut. Es tat weh und es juckte schrecklich. Hiob nahm sich sogar eine Tonscherbe um sich damit zu kratzen. Er litt schrecklich. Es ging ihm wirklich schlecht. Er saß auf der Erde in der Asche und konnte eigentlich gar nichts mehr tun. Hiobs Frau litt auch mit ihrem Mann. Sie hatte gesehen, was alles passiert war. Und sie war natürlich auch traurig über alles. Aber Hiobs Frau war auch sehr wütend auf Gott. Sie schimpfte: „Warum glaubst du immer noch an Gott? Warum liebst du Gott immer noch. Sage Gott ab und dann kannst du in Ruhe sterben.“ Hatte sie nicht Recht? Hatte Hiob überhaupt noch einen Grund, Gott zu lieben? Ja, er hatte es. Wisst ihr noch, was er vorher gesagt hatte: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“ Hiob wusste, dass alles, was er vorher hatte, ein Geschenk von Gott war. Aber er wusste auch, obwohl diese Geschenke Gottes nun weg waren, liebte Gott ihn immer noch. Hiob konnte Gott vertrauen. Das sagte er auch seiner Frau: „Du redest Unsinn. Wir haben so viel Gutes von Gott empfangen, warum sollten wir dann jetzt aufhören Gott zu lieben, nur weil es uns schlecht geht?“

Hiob hatte einen starken Glauben, er vertraute Gott. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiter lieben. Hiob war Gott weiter gehorsam und redete nicht schlecht über Gott. Hättest du das auch getan? Bist du bereit, Gott auch im Leid zu lieben? Wenn du weißt, dass er dich immer liebt und immer bei dir ist, dann kannst du Gott auch im Leid lieben.“

Ich sage es immer wieder: Wir leben in einem sehr verwirrenden Zeitalter. Es scheint so, als ob jeder die Wahrheit kennen würde und dennoch falsch liege. Jeder verbreitet Informationen, aber kaum jemand hat die Zeit, diese Informationen zu überprüfen. Dazu fehlt es sowohl an Zeit, als auch an relevanten Vorerfahrungen und dem eigenen Bauchgefühl.

In der allgemeinen Medienlandschaft ist es auch schlichtweg ein wenig wie im Mittelalter – wir sehen Methoden der Diffamierung, Stigmatisierung und Skandalierung, die dazu dienen, Menschen zu verleumden, die eine alternative Meinung besitzen.

Insofern unterscheiden wir uns auch bis auf die angewandten Methoden gar nicht so sehr von der mittelalterlichen Hexenjagd. Möglicherweise verbrennen wir die Andersdenkenden nicht mehr, aber in vielen Fällen verlieren sie ihren Job, was einem Todesurteil gleichkommen würde, wie auch der bekannte deutsche Physiker Hans-Peter Dürr bemerkte.

„Die Wissenschaft ist heute die Inquisition“.

Hans-Peter Dürr

Insofern hat die ursprünglich der Freiheit und Wahrheit verpflichtete Wissenschaft heute die Rolle der Religion eingenommen. Ein Wissenschaftler, der nicht dem allgemeinen Konsens der Wissenschaft folgt, wird belächelt und teilweise sogar aus der wissenschaftlichen Community ausgestoßen. Dabei waren es immer die Querdenker in der Wissenschaft, die für Umbruch und Fortschritt gesorgt haben. Wie sollte sonst auch ein Umdenken entstehen, wenn nicht durch die Akzeptanz, dass die vorherrschenden wissenschaftlichen Theorien nicht ausreichend sind und es womöglich auch niemals sein werden, um die Wirklichkeit zu erklären?

Genauso ist es auch in Politik und Gesellschaft. Was, wenn die Demokratie nicht mehr ausreichend ist und stattdessen eine Reform benötigt werden würde, um die neu entstehenden Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen? Was, wenn die Politiker einen fatalen Job in der Krise erledigen? Was, wenn die Intoleranz langsam aber sicher die Oberhand gewinnt und alle Probleme manifestiert, die sich seit Jahrzehnten in uns einbrennen, anstatt, dass die Toleranz unsere Probleme löst?

Einige Beispiele für die Intoleranz des aktuellen Geschehens:

  • Markus Söder spricht von einer Impfpflicht für Pflegepersonal – dies entspricht dem Zwang, der durch die Intoleranz über die aktuellen gesellschaftlichen Zustände geprägt wird. Gleichzeitig warnt er vor einer Terrorzelle, die durch Protestgruppen gegenüber der aktuellen Politik entstehen. Na, wie kommt denn das?
  • Wissenschaftler wie Sucharit Bhakdi, einst wegen seiner Dienste in der Erforschung des Immunsystems geschätzt, werden nun von „faktencheckern“ als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Der Höhepunkt: Der Schmähpreis „Goldenes Brett vorm Kopf“ wird Sucharit Bhakdi verliehen. Das Prof. Dr. Bhakdi gleichzeitig auch den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz trägt, wirkt ironisch.
  • Ein Zahnarzt aus Bayern droht mit Gehalts-Aus bei Verweigerung von Corona-Impfung – Kritische Abwägung scheint unerwünscht.
  • Auf die Frage des Journalisten Boris Reitschuster, warum die WHO-Studie von Stanford-Professor Ioannidis nicht in der Politik beachtet werde und welche Studien die aktuelle Lockdown-Politik rechtfertigen, geht die Sprecherin auf der Bundespressekonferenz überhaupt nicht ein (auch nicht nach Rückfrage).
  • Stichwort Cancel Culture: Immer mehr Kabarettisten (wie etwa Lisa Eckhart) werden wegen ihrer „Political Incorrectness“ von Veranstaltern ausgeladen.
  • Karl Lauterbach wird der Apokalyptiker der Jahre 2020 und 2021. Er spricht von 250.000 Toten ohne Maßnahmen. Solche offensichtlich unwissenschaftlichen Aussagen (s. Schweden verhängt keinen Lockdown oder Maskenpflicht und haben trotzdem kein exponentielles Wachstum) führen weiter in die Spaltung, Zwietracht und Intoleranz.

Ich verstehe aber auch die Schwierigkeiten, in denen sich die Politiker aktuell befinden. Bei denen sie alles rechtfertigen müssen, was sie tun. Und falls sie sich mal geirrt haben sollten, dass sie dies auch nur ungern öffentlich kenntlich machen würden. Aber dies bleibt unerlässlich, wenn wir uns eine funktionierende Demokratie in Deutschland nennen wollen. Andernfalls sind wir bestenfalls eine sich selbst erhaltende Wahl-Oligarchie, wie der emeritierte Prof. Dr. Rainer Mausfeld die Politik nannte.

Ich denke, dass wir 2021 an einen Punkt angelangt sind, an dem wir mit unserem Denken nicht mehr weiterkommen. Es gibt so viele Probleme, die sich in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten in unser Denken eingebrannt haben, dass wir entweder ein komplettes Umdenken brauchen oder gar nicht mehr Denken sollten. Etwas ähnliches berichtete auch der Philosoph Alan Watts 1971.

Wir verstehen alles durch Zahlen und Buchstaben, aber was, wenn dies nicht ausreicht?

Wenn diese Kommunikationssysteme nicht ausreichen, um die Welt zu erklären und zu verändern? Und was, wenn die Welt schon gut so ist, wie sie ist?

Vielleicht müssen wir gar nicht ständig etwas verändern und umbauen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns ändern?

Sobald diese Einsicht entsteht, dass alles gut so ist, wie es ist, tritt Entspannung ein. Diese Entspannung lehrt uns, dass wir alles haben, was wir brauchen. Sie lehrt uns, dass wir nicht immer noch mehr nehmen müssen, sondern auch etwas zurückgeben können – und, dass dies sogar noch wohltuender ist, als nur zu nehmen.

Der deutsche Psychiater Erich Fromm hat mit seinem Buch Haben oder Sein? (1976) einen ersten Wink mit dem Zaunpfahl unternommen. Seine Konsum- und Gesellschaftskritik beruht im Grunde genommen auf der Verschiebung der menschlichen Bedürfnisse vom Sein in Richtung des Habens (eine Entwicklung, die in den fernöstlichen Ländern genau entgegengesetzt zu sein scheint). Das Ungleichgewicht zwischen Haben und Sein bringt somit nach seinen Beobachtungen eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen hervor.

Nun wird diese Einstellung Fromm’s nachdenklich machen. Vor allem, wenn man selbst beginnt die Gestik und Mimik von Personen in der Öffentlichkeit zu studieren. Dies führt zur Erkenntnis, dass all der Wohlstand und auch die Technologie uns nicht glücklicher machen. Womöglich führt dies sogar zur Erkenntnis, dass wir uns darin verlieren.

Letztlich könnten wir als Gesellschaft sogar feststellen, dass wir den eigentlich Sinn des Lebens verfehlt haben: Zwischenmenschlichkeit, Liebe, Transzendenz. Und wir haben diese Werte durch Ungleichheit, Intoleranz und Internet/Technolgie ersetzt.

Wo wollen wir also hin?

Das kann jeder nur für sich selbst wissen. Einen Anstoß hierzu kann der einfühlsame Naturphilosoph Jochen Kirchhoff liefern. Sein Studium der Wissenschaftsgeschichte machen ihn zu einem wertvollen Denker, der einem wertvolle Impulse liefern kann, wenn man denn nur zuhören kann.

Und zuhören zu können, das ist eine Kunst. Eine Kunst, die vielleicht ein wenig mehr Toleranz in die Welt bringen kann.

Herzlich
Tristan

Stehen wir vor einer Wende?

Gestern, am 21. Dezember 2020, wurde vielfach von Medien darüber berichtet, dass Jupiter und Saturn sich sehr nahe ständen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde jedoch nur das „Sichtbare“ geschildert und nicht die geistigen Auswirkungen dieses Events. Beobachtung erfolgt schließlich nicht nur auf visueller Ebene (was sich am 21.12. aufgrund des Wetters sowieso als schwierig gestaltet hat). Dies war mir jedoch klar, da unsere Wissenschaft nicht wirklich Interesse an geistigen und subjektiven Phänomenen hat.

Darum beschäftige ich mich in diesem Beitrag einfach mal mit den geistigen Auswirkungen der „großen Konjunktion“ (Annäherung am Sternenhimmel) von Jupiter und Saturn. Es wird spannend für dich.

Bevor mich nun die ersten Leser in die New-Age Schublade stecken, möchte ich noch einmal die Urteilsfreiheit betonen. Du musst mir nicht glauben, was ich hier schreibe, aber du kannst dir zumindest erlauben, Anregungen von mir zu erhalten. Und es gibt bei diesem Thema ein Argument für mich, das muss ich so klar sagen, welches sofort die Meinung entkräftet, dass die Planeten und deren Konstellation keine Auswirkungen auf den menschlichen Geist haben.

Schau dir mal den Mond an. Der Mond ist laut Forschern winzig klein, er zählt noch nicht einmal als Planet, sondern nur als Satellit (astronomisches Objekt bzw. Trabant, dass ein anderes Objekt mit größerer Masse umkreist). Und obwohl der ☾ so winzig klein ist, hat er trotzdem die Kraft die Gezeiten auf der Welt zu beeinflussen. Ohne Mond entsteht auch kein Ebbe und Flut. Der Mond zieht das Wasser an wie ein Magnet.

Die wissenschaftliche Perspektive geht jedoch durchaus noch weiter: Ohne Mond kein Leben. Wir brauchen den Mond ebenso sehr, wie die Sonne. Der Mond stabilisiert die Rotationsachse und das Klima. Die Sonne sorgt für die notwendige Wärme und das Licht. Außerdem ist, wie wir inzwischen wissen, eine unglaubliche Feinabstimmung notwendig, damit die Planeten und deren Satelliten in ihren jeweiligen Umlaufbahnen bleiben und das Leben auf der Erde weiter existieren kann. Hinzu kommen noch viele andere astronomische Faktoren, allerdings sei an dieser Stelle nur nochmal bekundet, welches Wunder es eigentlich ist, dass wir alle am Leben sind. Die mathematische Wahrscheinlichkeit dafür ist fast gleich 0. Zumindest aus materialistischer Perspektive.

Wer nun glaubt, dass die anderen Planeten keinen Einfluss auf unser Leben haben, der unterliegt lediglich den eigenen Glaubenssätzen. Die Astrologie ist möglicherweise gar nicht so fernab der Wirklichkeit, wie viele bekennende Skeptiker glauben mögen. Schauen wir uns dazu auch einfach mal die Verbindung zwischen Planeten und Erdmetallen an.

Planeten & Metalle

In der römischen Mythologie (wie auch der griechischen Mythologie) erhielten die Planeten die Namen der Götter. Dies schien jedoch nicht wahllos zu geschehen, sondern mit einem intuitiven Gespür dafür, welche Kraft die jeweiligen Planeten auf unseren Geist und unseren Körper ausüben. Dafür gebe ich dir nun eine entsprechende Textpassage aus meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert frei, die sich mit der Verbindung zwischen dem Planeten Mars und dem Mineralstoff Eisen beschäftigt.

„Nehmen wir als Beispiel den Planeten Mars und das dazugehörige Element Eisen: Der Kriegsgott Ares (röm. Mars) ist nach der griechischen Mythologie die Verkörperung für die Willenskraft und des Krieges, welche sich im Leben besonders durch Konfrontationen und Durchhaltevermögen zeigt. Wer keine Willenskraft hat, der fühlt sich auf geistiger Ebene energielos und schlapp. Natürliche Aggressivität ist ein normaler Bestandteil der Natur, der auf das Überleben, das Bewahren der eigenen Dominanz, ausgerichtet ist. Wer die Tapferkeit [als Tugend] erlangen möchte, der muss sich in gewissem Rahmen auch seine angeborene Aggressivität  erhalten. Auf körperlicher Ebene offenbart sich das Fehlen der Aggressivität durch Eisenmangel (Anämie) im Blut. Frauen sind häufiger von Anämien betroffen als Männer.[i] Durchsetzungsvermögen ist eher eine typisch männliche Eigenschaft, weshalb Ares auch als Sinnbild männlicher Kraft und Schönheit gilt.“

Weitere Beispiele für Analogien zwischen Mineralstoffen und deren Verbindungen zu den Planeten findest du in der folgenden Tabelle oder in meinem Buch (z.B. im Falle des Kupfers).

Was geschieht nun aktuell?

Jupiter und Saturn kommen sich sehr nahe. Dies geschieht etwa alle 20 Jahre. So nah, wie am 21. Dezember 2020 waren die Planeten jedoch vermutlich zuletzt im Jahr 1623.

Auf geistiger Ebene haben wir hier zwei Symbole die sich treffen: Das Glück bzw. die Fügung, verkörpert durch Jupiter und die Themen Zeit bzw. Tod verkörpert durch Saturn. Zugleich sind die zugeordneten Organe die Leber (Jupiter) und die Knochen bzw. Haut (Saturn).

Hierbei ist recht interessant, dass die astronomische Begegnung von Jupiter und Saturn auf die Schöpfungsgeschichte der griechischen Mythologie („Theogonie“ von Hesiod) um den Kampf der Götter und Titanen übertragen werden kann. Kurze Zusammenfassung:

Die Anführer beider Lager, Zeus (Jupiter) und Kronos (Saturn), liefern sich in der Geschichte einen erbitterten und zwieträchtigen Kampf, bis Zeus seinen Vater Kronos und die anderen Titanen in den Tartaros (tiefste Region der Unterwelt) einsperrt.

Dieser Mythos ist durchaus auf unsere heutige Zeit übertragbar – wenn auch mit Vorsicht. Wir erleben gerade wieder einmal einen erbitterten Kampf zwischen den verschiedenen Aspekten des menschlichen Geistes, der sich auch auf das Zwischenmenschliche überträgt. Saturn (Kronos) als Herrscher und Sicherheitsgarant, sowie Jupiter (Zeus) als Schützer und Ordner liefern sich alle 20 Jahre einen Kampf über die Vorherrschaft im menschlichen Geist. Nun bleibt die Frage offen – wer gewinnt diesen ständigen metaphorischen Kampf?

Gewinnt Jupiter, so stehen uns glückliche Zeiten bevor, die vielleicht auch entgiftend und reinigend wirken (s. Tabelle, Jupiter als Verbindung zur Leber.). So könnten alte Wunden heilen und eine neue Zeit des Friedens entstehen.

Gewinnt Saturn, werden die Hauptthemen der nahen Zukunft Zeit und Tod. Womöglich wird die Unbarmherzigkeit und das Mistrauen auch stärker ausgeprägt. Das Tod ist aber auch schon jetzt ein Thema, wie wir alle spüren. Die Frage ist nur, ob wir den Tod auch gesellschaftlich annehmen können.

Ich formuliere dies deshalb auch so eindeutig, weil ich den Zwispalt der Menschheit auch in der aktuellen Pandemie sehe. Hierzu hatte ich auch einen Beitrag über das Thema Freiheit oder Sicherheit? verfasst. In der nächsten Zeit wird sich für mich entscheiden, ob wir den Weg der Toleranz und des Gleichgewichts gehen oder, ob wir uns weiter in Extremen verlieren. Und ob wir einmal mehr in der Geschichte der Menschheit entzweit werden.

Es gibt viele astronomische Konstellationen, die in ihrer Bedeutung für den menschlichen Geist höchst interessant sind. Ein Beispiel hierfür ist der Lunisolarkalender. Laut dem Kalender wandern Mond und Sonne genau 33 Jahre, bis sie wieder am selben Punkt zueinanderstehen, wie 33 Jahre zuvor. Nach 33 Jahren sollen sich auch die Geschehen auf der Erde wiederholen – zugleich könnte man diesen Zyklus mit einer neuen menschlichen Generation gleichsetzen. Holger A. L. Faß schreibt hierzu:

Im spirituellen Sinn erscheint mir dieser Jahrgangs-Rhythmus einleuchtender als die sonst häufig zitierte alle 20 Jahre stattfindende Begegnung von Jupiter und Saturn. Während der Jupiter-Saturn-Zyklus mehr die konkreten Verhältnisse zwischen Wachstum und Beschränkung, zwischen Hybris und Meisterschaft anzeigt, weist der 33-Jahre-Rhythmus von Sonne und Mond auf die jeweilige Geist-Seele-Verbindung der entsprechenden Generation hin.

Aus Sicht der Numerologie ist die Zahl 33 als beginnender Generationenwechsel kein Zufall. Viele Kulturen schätzten die 3er-Zahlenfolge (3,6,9) als Zahlen der Harmonie und Natürlichkeit ein. So bilden Numerologen aus Zahlenkombinationen (wie dem Geburtsdatum) Quersummen – so lange, bis eine einzige Ziffer übrig bleibt. Ausnahmen werden bei den Zahlen 11, 22 und 33 gemacht. Dabei gilt die 33 als weiseste und sehr weit fortgeschrittene Zahl. Sie verkörpert hohe Spiritualität und wird daher auch als „Meisterzahl“ bezeichnet.

Bei mehr Interesse an astrophysikalischen Themen empfehle ich dir meinen Freund Dipl. Astrophysiker Robert Sarkis-Karapetians. Er hat in zwei Interviews bei Radio Berg im November über kommende astrophysikalische Ereignisse gesprochen. Und dabei hat er auch noch über den Tellerrand geblickt und die Ereignisse ins große Ganze (z.B. Maya-Kalender) eingebunden. Vielleicht ist es am Anfang nicht ganz leicht zu verstehen, aber dafür empfehle ich dir unbedingt beide Interviews anzuhören. Und auch das Interview mit Dieter Broers ist sehr spannend.


Interview 1

Interview 2


Interview mit Dieter Broers

Hoffen wir auf ein klärendes, friedvolles und empfindsames Jahr 2021.

Bis bald,
dein Tristan.


Literaturverzeichnis

[i]TD Johnson-Wimbley und DY Graham “Diagnosis and management of iron deficiency anemia in the 21st century” Therapeutic advances in gastroenterology vol. 4(3): S. 177-184 (2011).

Hin und wieder gibt es Tage, an denen ich mich frage, wie stark unser eigenes Verhalten bezüglich Selbstmanipulation ist. Insbesondere frage ich mich das heute, am 14. Oktober, nachdem ich „ausversehen“ meine Publikation COVID-19 holistisch betrachtet mit über 4000 Aufrufen bei researchgate gelöscht habe. Seufz.

Eigentlich lief alles super. Ich habe am 12. Oktober erfolgreich mein drittes Buch veröffentlicht und viel Zuspruch erhalten. Ich übe mich selbst immer weiter in gesunden Gewohnheiten und lese genug. Und im Studium läuft auch alles rund.

Was noch suboptimal läuft, sind hingegen meine überzogenen Ambitionen an mich selbst bezüglich meines Online-Auftritts. Dabei geht es weniger um meine Webseite, meine Bücher oder Podcast-Episoden, sondern eher meine Auftritte, die live und in Farbe stattfinden.

Irgendwie habe ich den perfektionistischen Drang mich selbst optimal darzustellen. Nach gründlicher Erforschung meiner Innenwelt habe ich jedoch festgestellt, dass dies nicht aus narzisstischen Selbstdarstellungsgründen erfolgt, sondern eher an meinem Anspruch liegt, mein Wissen optimal aufbereitet weiterzugeben. Und da glaube ich, dass ich ziemlich viele Dinge gleichzeitig berücksichtigen müsste.

Ich müsste schließlich nicht nur auf meine Rhetorik (Gestik, Mimik) achten, sondern auch auf meine Logik (Argumentation, Präzision, Klarheit), Grammatik (Wortschatz, Fachsprache) und Stimme (Akkustik, Phonetik). Beim Schreiben ist dies kein Problem für mich. Hier habe ich schließlich genügend Zeit, um nachzudenken, auszuholen und mich zu verbessern.

Sicherlich ist dies auch kein Problem bei einem Gespräch mit einem guten Gesprächspartner. Allerdings müsste ich hierfür eben auch selbst so entspannt sein, dass ich keinen Druck verspüre. Und Druck verspüre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, dass es um etwas (für mich, aber auch für andere) wichtiges geht.

Wer entspannt ist, der wird alle diese aufgezählten Merkmale einer Gesprächsführung ganz automatisch berücksichtigen. Einfach, weil die Kontrolle abgegeben werden kann und ein freier Redefluss ganz ohne Anforderungen entstehen kann. Dies erinnert mich auch an die Lektüre von Erich Fromm: „Haben oder Sein“:

Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, mit einem Menschen zusammenzutreffen, der bekannt oder berühmt oder auch durch persönliche Qualitäten ausgezeichnet ist, oder einem Menschen, von dem man etwas bekommen möchte, einen guten Job oder Liebe und Bewunderung? Viele sind unter diesen Umständen nervös und ängstlich und »bereiten sich vor« auf die wichtige Begegnung. Sie überlegen sich, welche Themen den anderen interessieren könnten, sie planen im Voraus die Eröffnung des Gesprächs, manche konzipieren die ganze Unterredung, soweit es ihren Part betrifft. Mancher macht sich vielleicht Mut, indem er sich vor Augen hält, was er alles hat: seine früheren Erfolge, sein charmantes Wesen (oder seine Fähigkeit, andere einzuschüchtern, falls dies mehr Erfolg verspricht), seine gesellschaftliche Stellung, seine Beziehungen, sein Aussehen und seine Kleidung. Mit einem Wort, er veranschlagt im Geiste seinen Wert und darauf gestützt bietet er nun im Gespräch seine Waren an. Wenn er dies sehr geschickt macht, wird er in der Tat viele Leute beeindrucken, wiewohl dies nur zum Teil seinem Auftreten und weit mehr der mangelnden Urteilsfähigkeit der meisten Menschen zuzuschreiben ist. Der weniger Raffinierte wird mit seiner Darbietung nur geringes Interesse erwecken; er wird hölzern, unnatürlich und langweilig wirken.

Im Gegensatz dazu steht die Haltung des Menschen, der nichts vorbereitet und sich nicht aufplustert, sondern spontan und produktiv reagiert. Ein solcher Mensch vergisst sich selbst, sein Wissen, seine Position; sein Ich steht ihm nicht im Wege; und aus genau diesem Grund kann er sich voll auf den anderen und dessen Ideen einstellen. Er gebiert neue Ideen, weil er nichts festzuhalten trachtet. Während sich der »Habenmensch« auf das verlässt, was er hat, vertraut der »Seinstypus« auf die Tatsache, dass er ist, dass er lebt und dass etwas Neues entstehen wird, wenn er nur den Mut hat, loszulassen und zu antworten. Er wirkt im Gespräch lebendig, weil er seine Spontaneität nicht durch ängstliches Pochen auf das, was er hat, abwürgt. Seine Lebendigkeit ist ansteckend, und der andere kann dadurch häufig seine Ichbezogenheit durchbrechen. Die Unterhaltung hört auf, ein Austausch von Waren (Informationen, Wissen, Status) zu sein und wird zu einem Dialog, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wer recht hat.

Erich Fromm: Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, dtv (48. Auflage 2020).

Was wäre, wenn ich diese Kontrolle habe nicht abgeben können?

Ich wäre nicht mehr gewesen, als der Sisyphos. Sisyphos ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die nach Homer eine Strafe in der Unterwelt erhalten hat. Diese Strafe besteht darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet der Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und so muss er stets von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb eine Aufgabe, die trotz großer Mühen nie abgeschlossen wird, Sisyphusarbeit.

Der Versuch die Kontrolle zu behalten, wenn die eigenen Werke wichtiger erscheinen als der Autor, können durchaus in Selbstmanipulation enden. So war ich in der Position mit einem Menschen über meine Arbeit zu sprechen, der eine sehr hohe Reichweite hat, habe aber kurz dem Gespräch geschafft durch einen winzigen Fehler gleich meine ganze Arbeit (von researchgate) zu löschen. Und damit auch meine Reichweite.

Sicherlich, ich bin mir darüber im Klaren, dass die Reichweite meiner Arbeit nicht das ausschlaggebende Kriterium meines Selbstbewusstseins ist. Vielmehr erfreut es mich, wie viele Menschen ich durch meine Arbeit positiv beeinflussen konnte. Jedoch haben viele Menschen die Arbeit auch einfach deshalb gelesen, weil sie so viele Aufrufzahlen hatte.

Wer in unserer Gesellschaft keinen Doktortitel hat, der wird selten angehört. Greta Thunberg ist da eher eine Ausnahme und wurde auch nur deshalb angehört, weil sie eine Vertreterin einer sehr großen Volksgruppe ist (die sich für das Aufhalten des Klimawandels verantwortlich sehen). Ohne die Menschen, die hinter ihr stehen, wäre sie somit auch niemals angehört worden.

Um sich selbst also Gehör zu verschaffen, braucht man in unserer Zeit definitiv entweder Glaubwürdigkeit (im Sinne wissenschaftlicher Titel und Arbeiten) oder Popularität.

Diese Entwicklung hat natürlich Vor- und Nachteile. Zum einen ist es heutzutage durch Medien wie Social Media (Youtube, Instagram & Co.) möglich, sich selbst Reichweite zu verschaffen. Zum anderen wird man nur ernst genommen, wenn man auch etwas vorweisen kann. Wie würden also heutzutage ein Platon, Aristoteles oder Sokrates bestehen, die alle keine Titel hatten, aber sich immerhin selbst als „Philosophen“ titulierten?

Eine schwierige Frage, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Aber vielleicht hat die Authentizität der eigenen Person doch einen größeren Anteil an der Beantwortung dieser Frage, als ich denke. Vielleicht sind es auch einfach gerade jene Personen, die die Kontrolle abgeben können und sich nicht an dem bemessen, was sie erreicht haben, die aus der Masse hervorstechen?

Womöglich gibt es also ein Licht am Ende des Tunnels. Die stetige Selbsterkenntnis, die ich seit meinem ersten Buch Odyssee im 21. Jahrhundert predige, sorgt für einen Wandel der eigenen Perspektive. Weg von dem Beweis der eigenen Glaubwürdigkeit, hin zur wirklichen Offenbarung, Transparenz und zum Selbstbewusstsein außerhalb materialistischer Errungenschaften.

Ähnlich ist es auch bei der Neuauffassung der Geschichte von Sisyphos durch Albert Camus.

Von Albert Camus wurde diese Geschichte in „Der Mythos des Sisyphos“ anders beschrieben, als von bisherigen Autoren. Entgegen der allgemeinen Auffassung, dass Sisyphos Höllenqualen aufgrund seiner sinnlosen Mühe leidet, da er sein Ziel niemals erreicht und immer wieder von vorne anfangen muss, schreibt Camus in den letzten beiden Sätzen seies Essays:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Rowohlt TB (25. Auflage 2000).

Vielleicht ist der Weg das Ziel? Und vielleicht kann ich mich auch einfach damit zufriedengeben, dass ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde? Schließlich gibt es niemand anderen, der dafür verantwortlich ist, dass ich jetzt gerade zufrieden bin, außer mir selbst.

Die Arbeit an sich selbst sollte schließlich auch niemals zum Erliegen kommen. Sonst werden wir uns immer wieder manipulieren. Und der Felsbrocken wird immer kurz vorm Ziel wieder zum Anfang rollen. Auch ein Sisyphos könnte das gerade durch seine Strafe erkannt haben.

Danke fürs Lesen.

Herzlich,
euer Tristan.


Du willst mehr von mir lesen oder hören? Dann schau doch mal hier:

Hier veröffentliche ich jeden Tag meiner Reise von Porto nach Santiago de Compostela auf dem Caminho Português Costa (8. August 2020 bis 19. August 2020) ein paar Zeilen über meine Reise und Abenteuer. Ich freue mich sehr, wenn ich euch inspirieren kann, diesen Weg auch zu gehen. Ich gehe bereits zum zweiten Mal den Jakobsweg (Caminho Português), da ich beim ersten Mal viel über mich selbst lernen durfte. Der Weg ist somit zugleich Arbeit an mir selbst und Selbstfindung. Wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der den Weg auch schon gehen wollte und will, dann lass ihm doch dieses Journal zukommen. Vielleicht darf ich ja den ein oder anderen Menschen inspirieren.

Meine Route wird vrsl. (Portugal) Porto – Vila do Conde – Viana do Castelo – Caminha – (Spanien) Tui – Redondela – Pontevedra – Caldas de Reis – Santiago de Compostela – (und dann mit dem Bus zurück nach Portugal) Porto

7. August 2020

Es ist der Abend (20:00 Uhr) vor Abflug. Ich habe Seitenstechen. Vor Aufregung? In jedem Fall bin ich gespannt. Es ist ähnlich wie letztes Jahr. Man macht sich alle möglichen Gedanken, was einen erwarten könnte. Aber planen kann man selbst eh nicht. Man kann sich nur gut vorbereiten. Daher werde ich jetzt auch noch fünf Mal meine Packliste durchgehen. Auch wenn ich es nicht verhindern kann, dass das Universum mich immer genau eine essentielle Sache vergessen lässt, hoffe ich, alles Nötige zu haben. Und ich werde nun noch ein wenig meditieren. So richtig schön nichts tun. Das habe ich lange nicht mehr so wirklich. Denn in unserer schnelllebigen Zeit versucht man doch irgendwie alles, um den Lebenslauf zu füllen. Davon nehme ich nun schon mal einen Tag vor Abflug Abstand. Jakobsweg – ich komme.

8. August 2020

Es ist abends, 20 Uhr in Porto. In Deutschland ist es 21 Uhr. In Porto sind 19 Grad, in Düsseldorf sind 32 Grad. Also alles richtig gemacht. Der Schrittzähler zeigt 18.500 Schritte. Bei 30km pro Tag schlägt das Tacho schon mal auf bis zu 40.000-50.000 Schritte. Also, da geht noch einiges mehr. Ich sitze zufrieden im Gewächsgarten der Pilgerherberge und resümiere den Tag.

Heute kam ich mir ein wenig wie der Protagnoist Saitama der Serie One Punch Man vor. Saitama, der unbesiegbare Held der Serie, kommt immer zu spät, um ein Monster/Bösewicht zu besiegen, schafft es aber immer noch gerade eben die Welt zu retten. Alle anderen haben bravourös versagt. Und Saitama siegt mit nur einem einzigen Schlag.

Das trifft es bei mir ziemlich gut. Ich weiß genau, dass mein Urlaubsanfang immer das Schwerste ist. Und so auch dieses Mal. Mein Zug war zu spät, aber ich kam gerade noch rechtzeitig am Flughafen an. Natürlich war der Flug auch zu spät. Die Busfahrerin, die uns vom Flughafen in die Innenstadt von Porto bringen sollte, nahm nur Kleingeld an. Ich sprintete rein und kaufte mir eine Cola. Als ich wieder rauskam, fährt sie gerade weg. Halbe Stunde später: Der Busfahrer nahm doch Scheine an. Vielen Dank. Und zu guter letzt merkte ich: Die Herberge, die ich online reserviert habe, war die, die letztes Jahr überfüllt war und bei der ich keinen Platz mehr bekommen habe, wodurch ich ein 85€ teurer Hotel nehmen musste, weil um die Uhrzeit nichts anderes aufhatte. Wie witzig. Das hilft meinem verlorenen Geld zwar auch nicht mehr… aber immerhin läuft es wie bei Saitama: Mit einigen Verlusten bin ich am Ende des ersten Tages wohlbehalten angekommen und habe zumindest die ersten Übel abgewendet.

Auch, wenn mir der Tag super lang vorkam und ich nun sehr erschöpft bin, so haben einige Ereignisse mir den Tag verbessert. Darunter das Glücksgefühl im Urlaub zu sein, die Alltagssorgen hinter sich zu lassen und die freundlichen Menschen aus Portugal zu sehen. 🇵🇹

Aber auch hier merkt man, dass die Corona-Stimmung angekommen ist. Die Menschen wirken misstrauischer als letztes Jahr. Und dennoch sind sie fantastische Gastgeber. Sogar die Besten, die es auf der Welt geben soll, laut Raimund Joos, Pilgerführer und Reisebuchautor. Das Stichwort lautet: Saudade.

Nachdem ich in der Herberge eingecheckt habe (einer der Schönsten, ich der ich je war!) und mich ein bisschen in Porto umgesehen habe, mache ich es mir gemütlich und versuche zu entspannen. Dabei bekomme ich allerdings eine Situation von diesem Tag nicht aus dem Kopf. Die Krönung des Tages war heute mal ein Deutscher.

Ich sitze im Zug. Ein Ehepaar kommt mit Fahrrädern herein.

Der Ehemann fragt lauthals:

„Fährt dieser Zug nach Linz?“

Ein Mitfahrer antwortet:

„Dieser Zug fährt nach Rechts.“

„Also fährt er nicht nach Linz?“

„Der Zug fährt nach Koblenz.“

„Liegt das denn auf dem Weg?“

Ehefrau sichtlich genervt:

„Ja, auf unserem Plan steht, dass Linz in Richtung Koblenz liegt.“

Ehemann: „Aber der Zug fährt doch nach rechts!“

Mitfahrer: „Alle Züge fahren nach rechts.“

Ehemann: „Okay also sind wir hier falsch.“

20 Sekunden später.

Das Ehepaar kommt wieder herein.

Ehemann: „Wir müssen doch nach Koblenz.“

Ehefrau (»Genervt bis zum geht nicht mehr«): „Ich habs dir doch gesagt!“

Ehemann: „Tut mir leid, ich hab es nicht gesehen. Ich dachte wir müssen nach Linz.“

Und das ging knapp 10 Minuten in der Manier. Nach der Geschichte will ich echt gerne Mal nach Linz und wissen, was es da Spannendes gibt. 😂

Wie dem auch sei: Mein Tag neigt sich dem Ende zu. Und ich bin gespannt, was mich morgen erwartet. Heute ist zwar die Reise gestartet – aber die richtige Wanderung folgt erst morgen. Es gibt viel zu entdecken.

Nun entspanne ich erstmal mit der Katze, die sich hier in meine Füße verliebt hat. Kein Scherz – davon gibt es Videos. Sie will glaube ich meine Füße heiraten. Immer diese Fußfetischisten…

Ich freue mich sehr auf die weitere Reise.

Bis morgen, euer Tristan.

P.S. Ich sag ja, eine Sache vergesse ich immer. In diesem Fall: Flip Flops.

Innenhof der Herberge in Porto

9. August 2020

Es ist 20 Uhr abends. Heute bin ich von Porto nach Vila do Conde gelaufen. Das Wetter lag den ganzen Tag über bei 19-21 Grad mit dicken Wolken und Niesel. In Düsseldorf waren es knapp 33 Grad bei Sonnenschein. Der Tag heute war irgendwas zwischen mittelmäßig und katastrophal. Aber meine Laune ist trotzdem recht positiv. 🙂

Wie kam es dazu?

Die Nacht habe ich vermutlich kein Auge zugetan. Obwohl wir nur zu dritt im Raum mit 12 Betten waren, hat man jedes Knarzen des Bettes gehört. Und ich war zu faul, um meine Ohrstöpsel aus dem Schließfach zu holen.

Nachdem ich gegen 6:40 Uhr aufgestanden bin (40 Minuten vor meinem Wecker) hat mich als erstes Pie empfangen – so habe ich die Katze genannt, welche sich den Abend über mit meinen Füßen vergnügt hat. Pie heißt auf Spanisch „Fuß“. Passt ganz gut denke ich. Zumal Pie mich (bzw. meine Füße) nicht hat gehen lassen, bis ich versprochen habe, dass ich am 18. August wiederkomme und für eine Nacht bleibe. Am 19. geht nämlich mein Flieger von Porto zurück nach Köln/Bonn. Glücklicherweise ist sie dann mit einem Fauchen abgehauen. Katzen sind schon schlau. Und manchmal etwas unheimlich.

Als ich dann los bin, habe ich noch im Hinterkopf gehabt, wie ich am Vorabend zu einem Pilgerer (dessen Name mir leider entfallen ist) gesagt habe: „I think tomorrow will be very exhausting for me“ (Übersetzt: Ich habe das Gefühl morgen wird sehr anstrengend für mich). Leider wusste ich nicht, wie recht ich hatte.

Am Ende meines Tages habe ich 53.000 Schritte bei 39km und 8h Laufzeit (1h Pause). Gegen 17:30 Uhr bin ich angekommen. Mir tut gefühlt alles im Unterkörper weh. Hüfte, Wade, Knie und Füße. Kein Wunder, wenn man die längste Strecke des Weges direkt an den Anfang legt. Solltet ihr also mal den Küstenweg des Caminho Portugues machen – dann bleibt am besten in einer der Herbergen vor Vila do Conde.

Und obwohl es bewölkt war, habe ich mir zusätzlich noch einen Sonnenbrand eingefangen. Ich höre noch die Stimme meiner besseren Hälfte Céline in meinem Kopf, wie sie sagte: „Aber nimm die Sonnencreme mit.“ Aber so schlau bin ich leider nicht. In dem Fall lasse ich es eher drauf ankommen. Aber jedem das Seine. Ich muss jetzt mit dem Sonnenbrand leben.

Unterwegs habe ich leider nur drei Pilgerer gesehen, wobei ich mich nur mit einem länger unterhalten habe. Mit Chris, einem Vertriebler aus Stuttgart. Er wirkte ganz sympathisch – wir hatten jedoch unterschiedliche Pläne und haben uns dann getrennt. Sei‘s drum. Man sieht sich eh immer wieder. Schade nur, dass hier so wenig los ist.

Die Strecke von Porto bis nach Vila do Conde sieht überall relativ ähnlich aus. Strand, Holzsteg und viele Bars. Das Flair Portugals kommt so richtig durch. Mich konnte nichts davon abhalten, meine Füße ins Wasser zu stecken. Ich wäre auch noch reingesprungen, wenn mir nicht alles wehtun würde. Also hoffentlich morgen.

Zum Schluss bei der Ankunft dann die letzte schlechte Nachricht des Tages: Alle Herbergen sind entweder wegen Corona geschlossen oder voll. Also, dann ein Einzelzimmer für 40€. Sind immerhin 30€ über dem Budget, aber dafür eine ruhige Nacht. Und was Billigeres gab es eh nicht mehr.

Was mich heute froh gestimmt hat war, dass ich mit dem Schreiben angefangen habe und auch direkt einige Impulse hatte. Ich hoffe dies mehrt sich über die nächsten Tage. Aber daran habe ich keinen Zweifel. Auch mit Qui-Gong würde ich gerne noch beginnen. Dafür habe ich mir speziell ein Buch mitgenommen, welches die Basics der chinesischen Energie-Heilkunst lehrt.

Abschließend findet ihr noch einige Bilder von meinem Weg. Es war teilweise wirklich ein atemberaubender Weg. Auch wenn es nicht mit dem traditionellen Weg, den ich letztes Jahr gegangen bin, zu vergleichen ist. Muss man aber auch nicht vergleichen. Beides hat seinen Charme.

Ich versuche mich nun noch ein wenig zu entspannen und bin in freudiger Erwartung, was noch in den nächsten 10 Tagen passiert.

Herzlich, euer Tristan.

Entspannendes Meeresrauschen von Caminho Português Costa.
Holzbrücke an der Küste Portugals (Lavra – Matasinhos).
Eine mit Steinen verzierte Häuserwand in Vila Châ.
Mit vielen Blumen verzierter Platz in Vila do Conde.

10. August 2020

Wow, was ein Tag. Ich glaube, dass war der anstrengendste Tag meines Lebens – mit Ausnahme von meinem Geburtstag. 😂

Aber heute war tatsächlich ein unglaublicher Leidenstag für mich. Direkt nach dem Aufwachen hatte ich die blendende Idee, weil ich ja nicht wollte, dass die Herbergen nochmal überfüllt sind, ein Albergue (so heißen die Herbergen hier) online zu reservieren. Entgegen der Meinung von Pilgerführern halte ich das für eine valide Option, denn keiner will am Ende ohne Bleibe dastehen oder einen immens hohen Preis zahlen.

Aber wenn man reserviert, dann mit Köpfchen. Die heutigen Schmerzen in den Füßen und Hüfte sind allein auf meine Naivität zurückzuführen, dass ich dachte, ich könne von Vila do Conde nach Viana do Castelo an einem Tag laufen. Sind ja nur 50km. Also, was haben mir jugendlicher Leichtsinn und und ein zu starker Kämpfergeist am Ende eingebracht?

Es tut so weh, wie es aussieht.

Meine Strecke war noch geprägt von den Schmerzen von gestern. Das war etwas schade, weil ich so die Küste, die Städte und die Grünflächen nicht so sehr genießen konnte, wie ich gewollt hätte.

Lustige Sidefacts am Rande: 50km Gehen ist eine olympische Disziplin. Der Rekordhalter ist diese Strecke in unter 4:30h gegangen! Ich habe für fast 67km von morgens 7 Uhr bis abends 21 Uhr gebraucht. Mit 2 Stunden Pause (ich habe aber vermutlich weniger gemacht) wären das knapp 10 Stunden! Und ja, es tut sehr weh anderthalb Marathons zu gehen ohne Training. Bitte nicht nachmachen… 😉

Auch Viana do Castelo habe ich nur einige Minuten gesehen, da ich erst gegen 8 Uhr angekommen bin und dann direkt noch zum nächsten Supermarkt musste, weil ich keinen Proviant mehr hatte.

Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie erschöpft ich bin. Daher werde ich einfach eine kurze Pro und Contra Liste zusammenstellen, was an diesem Tag positiv und negativ war.

Positiv:

  • Das Meeresrauschen, das perfekte und nicht zu heiße Wetter (17-22° bei Niesel, Wolken und am Ende des Tages Sonne) und der portugiesische Charme kleiner Ortschaften haben mir den Tag verbessert
  • Unterwegs habe ich ab Vila do Conde mehr Schilder gesehen, was mir sehr bei der Orientierung geholfen hat
  • Ich habe die Pilgerer Jùlio (aus Spanien) und Hannah (aus Ägypten) kennengelernt. Beide leben seit einem Jahr zusammen in Madrid (klein ist die Welt oder?). Ich konnte mich mit ihnen gut über gemeinsame Erfahrungen austauschen, wie das Meditieren und Ayahuasca-Zeremonien. Da die beiden aber etwas geschlendert sind, bin ich dann nach knapp einer Stunde schnell weitergezogen.
  • Ich konnte viel Inspiration sammeln
  • Ich bin über mich und meine Grenzen hinausgewachsen
  • Der Glücksmoment, als ich das Ziel erreicht habe, war unbezahlbar
  • Ich habe nun alleine ein Mehrbettzimmer. Die Herberge ist sehr modern. Es sind nur vier andere Pilgerer hier. Also, ich freu mich auf den Schlaf und darauf, die Schmerzen zu vergessen 😴

Negativ:

  • Ich Mein Körper schmerzte noch vom Vortag und brennt nun wie Hölle. Ich kriege kaum ein Bein hoch – habe aber keine Blasen… immerhin 😁
  • Ich habe mir viel zu viel für diesen Tag vorgenommen und konnte dann nicht nachgeben und vor Viana do Castelo übernachten. Zu viel Ehrgeiz – kann positiv aber auch negativ sein. In diesem Fall negativ.
  • Unterwegs überkamen mich Gefühle, dass dieser Weg nie aufhören würde. Das hat mich sehr niedergeschlagen gestimmt.
  • Der Jakobsweg hat viel zu viele Abzweigungen genommen, die nicht hätten sein müssen. Kultur schön und gut – aber in diesem Fall hat es mir nichts gebracht außer Schmerzen. Vielleicht hätte ich mich schon früher (vor Anha) mit Google Maps lotsen sollen.
  • Die 200 Treppenstufen auf dem Berg kurz vor dem Ziel und das Nicht-Finden der Herberge (weil sie von außen aussieht wie eine Garage) haben mir dann den Rest gegeben.

Ich verabschiede mich heute mit einigen Bildern vom Weg und einem: Ich bin dankbar für diesen Tag – auch wenn er über alle Maßen astrengend war.

Jakobsweg-Schild auf dem Holzsteg an der Küste von Póvoa de Varzim.
Beschilderung für die Strecke (Luftlinie) zu verschieden Orten in Mar.
Endlich: der Blick auf Viana do Castelo.

11. August 2020

Heute wollte mich mein Pilgerbuch verapplen. Kein Scherz, im Buch steht: Von Viana do Castelo nach Caminha sind es ca. 28-30km. Das war zwar immer noch viel nach den letzten beiden Tagen, aber immerhin keine 40-50km. Ich bin den ganzen Tag den Jakobsweg-Schildern gefolgt (bzw. dem Pilgerbuch, welches den gleichen Weg angezeigt hat). Und bei wie viel Kilometer war ich am Ende des Tages? 43,5km und 52.500 Schritte.

Ich habe gestern noch darüber gewitzelt, dass ich zwar keine Blasen habe, meine Füße dafür aber morgen aussehen, wie eine einzige riesige Blase. Was gestern noch Scherz war, ist heute schon Realität. Mein Füße sind von unten quasi weiß! Und dazu noch super sensibel. Wer nochmal 42,5km mit schmerzenden Füßen, die sich anfühlen, als laufe man auf Nägeln, geht, der darf sich nicht wundern.

Ich bin die ganze Zeit am hin und her überlegen, ob ich nun einen Tag aussetzen soll. Das wird mir dann mein Bauchgefühl morgen beim Frühstück sagen. De facto brauche ich jetzt aber erstmal jede Menge Ruhe. Zum Glück habe ich mir heute ein Einzelzimmer gebucht. Die 35€ sind mir dann auch egal. Es gibt kaum etwas, was so wichtig ist wie Ruhe und gesunden Schlaf. 🌙

Nach wie vor habe ich nicht viele Pilgerer unterwegs gesehen. Und auch niemanden, bei dem die Chemie gestimmt hat, wie bei mir und Barbara letztes Jahr. Das muss schon was besonderes sein, wenn man sich direkt zu Anfang des Weges kennenlernt und dann gemeinsam bis zum Ende läuft. ☺️

Außerdem gab es heute wieder etwas mehr Küste zu sehen, als gestern. Besonders spannend war es jedoch nicht. Ich denke, die erste Strecke (von Porto nach Vila do Conde) war bisher die Schönste. Und ich freue mich auch schon, ab der portugiesischen Stadt Valença wieder den traditionellen Weg zu gehen.

Übrigens ist Caminha ein sehr liebliches Städtchen. Durch die Hügel kann man auch inmitten der Stadt die Küste sehen. Die Leute sitzen auf den Dächern. Und der traditionelle Baustil und Architektur (mit Kirchen & Co.) verleihen einen anmutigen Eindruck. Hier kann man es gut aushalten.

Hier noch ein paar schöne Bilder. Und jetzt gehts ab in die Heia. 150km in drei Tagen. Darauf bin ich schon ein wenig Stolz… 😇

Heute mein schlimmster Erzfeind: Treppen
Aussicht auf Âncora
Der Nebel hüllt die Küste Vila Praia de Âncora ein.
Ein bisschen Kultur: Die Igreja Matriz de Caminha

12. August 2020

Wahnsinn, was heute für ein Tag war. Das war einer dieser Tage, an denen man sich fühlt, als ob alles wie für einen bestimmt war. Vieles ist zusammengekommen und hat mich so auf den richtigen Weg gebracht. Aber gehen wir alles zusammen chronologisch durch, damit ihr es auch verstehen könnt.

Als ich heute morgen aufgewacht bin, hatte ich zwar noch Schmerzen in den Füßen, diese waren jedoch schon wesentlich besser als gestern. Tigerbalsam bewirkt wirklich Wunder. Trotzdem hat es heute morgen geregnet und der erste Blick aus dem Fenster sagte mir: „Du hast keine Lust zu wandern. Nicht mit den Füßen und nicht bei dem Wetter.“

Irgendetwas hat sich dennoch in mir dagegen gewehrt, heute mal Pause einzulegen. Wahrscheinlich mein Ideal, die gesamte Strecke nacheinander abzuarbeiten. Außerdem sagte mir auch mein Zeitplan: Heute musst du nach Tui. Also habe ich meine Entscheidung bis zum Frühstück vertagt.

8:30 Uhr beim Frühstück: Kaffee, Brötchen, Käse und ein Ei. Ich so am vor mich hinschlemmen, als mich plötzlich ein Mann einen Tisch weiter anspricht: „Today is a good day to take some rest, hm?“ (Heute ist ein guter Tag, um mal Pause zu machen, oder?) Und dann machte er eine Kopfbewegung und zeigte Richtung Fenster. Ohne zu realisieren, wie recht er hatte nickte ich nur zustimmend und entgegnete: „Well, yes. I probably need it today“ (Ja, ich werde es vermutlich heute brauchen).

Nachdem er mich nach meiner Herkunft gefragt hatte, stellten wir schnell fest, dass wir beide aus Deutschland kamen. Naja, bei ihm waren es eher die ersten 43 Jahre seines Lebens (in Tübingen).

Michael, 65, lebt seitdem er 43 ist in Rio de Janeiro. Und laut eigener Aussage als Vagabund.

Ihm scheint es dafür ziemlich gut zugehen. Er erzählte, dass er jetzt mit seiner brasilianischen Freundin ein Baby bekomme und nun nach Portugal ziehen wolle. Und dafür ein Haus suche. Dann zeigte er mir eine Designer-Wohnung in Caminha. „Schick, schick“, gestehe ich. „Wenn ich den Jakobsweg nochmal gehe, wieder an Caminha vorbeikomme und wir uns treffen, dann lädst du mich aber in dein Haus ein.“ Michael lachte und willigte ein. Als das Gespräch dann aber zu Corona wechselte, entschloss ich mich schleunigst zu gehen.

Sorry, aber bei dem Corona-Thema muss ich sehr viel Toleranz aufbringen. Ich habe nichts zu seinen Aussagen hinzugefügt. Naja, vielleicht in meinem Kopf. Zumindest ist es für mich sehr anstrengend mit Menschen über Corona zu sprechen, die jeden Abend nur 15 Minuten Nachrichten gucken. Ungefähr so anstrengend, wie die Katze Pie aus Porto von meinen Füßen wegzulocken. Denn um sich wirklich als umfassend informiert zu bezeichnen, erwarte ich schon ein bisschen mehr als nur an der Oberfläche zu kratzen.

Dennoch, die Begegnung hat mich stutzen lassen. Ich habe das als Hinweis gesehen, heute mal Pause zu machen. Ich habe dann im Anschluss meinen Bus nach Valença gebucht und mir so 20km gespart. Am Ende des Tages bin ich immernoch bei 16km und 22.220 Schritten, aber meinen Füßen geht es wesentlich besser. Es war also ein ziemlich entspannter Tag.

Lustigerweise habe ich noch in Caminha das Pilgerpärchen (hört sich an wie bei Schwiegertochter gesucht) Jùlio und Hannah wiedergetroffen. Ich habe mich sehr gefreut die beiden zu sehen. Die beiden wollen nun mit der Fähre nach Lissabon, falls ich es richtig verstanden habe. Macht für mich zwar wenig Sinn, weil Lissabon in der anderen Richtung liegt, aber was solls. Kurz nach meinem Plausch musste ich dann auch schon zum Bus. Ich konnte es mir aber nicht verkneifen ein Bild von den beiden zu machen, als sie gegangen sind. Es sah einfach zu lustig aus, wie der Rucksack größer ist als Hannah selbst.

Hannah und ihr Rucksack. Für alles gewappnet.

Nachdem ich 30 Minuten angestrengt auf den Bus gewartet habe, und ich mich 1000 Mal gefragt habe, ob er denn auch kommt, ging es dann nach Valença. Ihr könnt euch sicher sein: Wenn auf der Fahrkarte 13:15 Uhr steht, heißt das 13:30 Uhr. Das ist Gesetz in Portugal. Die Busfahrter brauchen immer genau 15 Minuten länger, als angegeben. Ob wegen Pause oder Stau. Also habe ich es eher als mentales Training angesehen, um mit meiner überpünktlichen deutschen Ader besser umzugehen.

Die Busfahrt von Caminha nach Valença war sehr angenehm. Wesentlich interessanter und schöner war aber die Strecke von Tui nach Valença. Diese Strecke bin ich letztes Jahr zusammen mit meiner Pilgerfreundin Barbara gegangen. Zwischen Tui und Valença liegt der Fluss Rio Miño. Valenças Altstadt liegt in einer wunderschönen Burg, die man auf dem Pilgerweg durchquert, wie ihr auf den Bildern seht. Von der Burg aus kann man Spanien (bzw. Tui und angrenzende Städte) sehen. Nach einigen Fotos bin ich dann über die spanischenGrenze und habe mir noch einige Stempel in Tui geholt.

Das habe ich übrigens die ganze Zeit vergessen: Um ein Pilgerzeugnis zu bekommen, muss man mindestens 100km vor Santiago de Compostela Stempel sammeln (in der Regel tut man das aber auch vorher schon). Die Stempel kann man sich bei Bars, Restaurants, Herbergen und/oder Kirchen holen. Je nachdem, wer einen Stempel besitzt.

Weil ich schließlich meine Füße schonen wollte, bin ich dann auch recht zügig zur Herberge. Auch hier habe ich wieder großes Glück bei meiner Unterkunft: Die Besitzerin Angéles und ihr Mann sind unglaublich freundlich und zuvorkommend. Sie hat zudem eine sehr interessante Art gleichzeitig Spanisch und Englisch zu sprechen. Und Ich habe meinen eigenen Schlafsaal. und die Herberge ist modern und hell. 100%iger Treffer.

Morgen gehts dann von Tui nach Redondela. Das werden wieder knapp über 30km. Ich lasse nun erstmal meine Seele baumeln. Und natürlich meine Füße. Und Zeit zum Schreiben und Lesen habe ich auch noch wenig.

Blick von Portugal (Caminha) auf Spanien (A Pasaxe)
Die „grüne“ Burg von Valença
Blick von Valença auf Tui (rechts hinter der Brücke)
Grenzüberquerung: Der Rio Miño und Tui.
Ladies and Gentleman, welcome to Spain!
Wünscht man Pilgerern auf dem Weg nach Santiago
Wie ich mich heute gefühlt habe

13. August 2020

Es ist morgens, 5:45 Uhr. Ich werde wach und höre laute spanische Musik aus dem Bettsaal nebenan. Ich gehe also raus und sage dem Typen er soll die Musik ausmachen. Bis 6:30 Uhr habe ich dann noch vergebens nach Schlaf gesucht. Manche Menschen haben echt Nerven. Aber ich lasse mir nicht von diesem Anfang den Tag verderben. Voller Motivation stehe ich also auf und gehe gegen 7 Uhr los.

Der Tag heute war mehr als positiv. Ich bin knapp 42km gegangen bis nach Redondela. Ich habe somit O Porriño übersprungen. Viele schöne Erinnerungen an letztes Jahr kamen hoch und ich konnte einige tolle Fotos schiessen, die ihr gleich seht. Zudem habe ich zwei Deutsche kennengelernt, die mir heute (unabhängig voneinander) eine große Freude bereitet haben.

Gerade raus aus O Porriño treffe ich Klaus-Maria. Einen 75-Jährigen, der heute Geburtstag hat. Wir sind ein Stück zusammen gegangen und ich kann euch sagen: Der Mann war herzlich, wie ich selten einen Menschen erlebt habe. Wie Lao Tse schon sagte: „Wer freundlich ist, der liegt niemals falsch.“ Freundlichkeit selbst ist pure Weisheit für mich. Wenn ich mal so werde, kann ich mich glücklich schätzen. Zum Abschied haben wir noch ein Bild gemacht… aber das gehört nicht ins Internet. ☺️

Als ich gegen Abend in der Herberge ankomme, treffe ich Bea – ebenso wie Klaus-Maria aus Bayern. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge und tauschen uns aus. Gefühlt kann unseren Redeschwall nichts stoppen. Normalerweise bin ich immer in dem Gespräch derjenige, der tausend Autoren und Wissenschaftler aufzählt, von denen man unbedingt gehört haben muss. Diesen Part übernimmt diesmal Bea. 😂 Es fallen Namen wie Joe Dispenza, Gregg Braden und noch viele mehr. Wir unterhalten uns über Gesundheit, Krankheit, Psychologie und Medizin. Also hauptsächlich über Heilung.

Später werde ich noch ein wenig mit ihr weitersprechen. Ich kann euch aber sagen: Auf eine solche Begegnung habe ich die ganze Zeit gewartet. Denn darum geht es beim Caminho. Den Menschen und ihren Geschichten zu zuhören. Und je mehr man für sich selbst mitnehmen kann, umso besser…

Falls ihr euch fragt wie meine Ernährung hier aussieht. Die ist relativ simpel. Ich esse viel Brot, Früchte und Saft. Außerdem habe ich fermentierte Joghurtdrinks für mich wiederentdeckt. B-Vitamine, Zink und Eisen können nicht schaden, gerade wenn die Muskeln schmerzen. Wer günstig essen möchte, kann zudem die Pilgermenüs probieren. Ich habe einige getestet und kann sagen, dass alle relativ günstig sind (10-6€), jedoch von der Qualität stark schwanken. Satt machen sie auf jeden Fall – wer aber Wert auf Qualität trotz des Preises legt, der fährt mit meiner Ernährung besser.

Das war‘s auch schon für heute. Ich freue mich gleich noch auf meine Nudelsuppe und das Gespräch mit Bea und hoffe, dass ich wieder für morgen so fit bin, wie heute.

Pilgerdenkmal in Tui
Geht vor O Porriño unbedingt die alternative Strecke (links), sonst landet ihr in einem Industriegebiet. Dort war ich letztes Jahr unterwegs und es ist die pure Hölle, gerade bei Hitze. Links habt ihr hauptsächlich Wald.
So schön ist der Jakobsweg
Ich habe mir die richtige Jahreszeit rausgesucht… 😍

14. August 2020

Heute ist einer dieser Grübler-Tage, die ich hin und wieder habe. Die hat aber wohl jeder. Gerade dann gerät man leicht mal in Versuchung sich abzulenken. Eigentlich aber sollte man wohl noch mehr als sonst in sich hineinhören.

Das ist mir heute leider nicht so gut gelungen. Ich konnte mir zwar eine Auszeit nehmen, da ich insgesamt nur 20km Strecke von Redondela bis Pontevedra gegangen bin und schon gegen 13 Uhr angekommen bin, leider hat das komische Gefühl in meinem Bauch mich aber davon angehalten, mich wirklich mit mir selbst zu beschäftigen. Und dazu kam dann auch noch Langeweile, weil Pontevedra eine echte Betonwüste ist.

Außerdem habe ich dieses Mal nicht das Gefühl, was ich das letztes Mal hatte. Ich weiß nicht, ob es an den Umständen liegt oder an mir. Vielleicht kommt es ja auch noch. Aber diese heilige Ruhe (»holy peace«, wie meine Jakobswegbegleitung Barbara es nannte) habe ich nicht.

Ich kann das komische Gefühl nicht genau beschreiben was es ist – ich würde nicht sagen, dass es Heimweh ist. Aber ich habe heute das Gefühl gehabt, lieber wo anders zu sein. Insbesondere, weil hier wirklich jeder und überall in Spanien mit Maske rumläuft. Das ist mir ein bisschen unheimlich, zumal es einfach nicht notwendig ist. Nicht notwendig in dem Sinne, dass die Spanier sie selbst tragen (müssen, laut Gesetz, auch wenn die Polizei das hier eher weniger zu interessieren scheint), wenn niemand in der Nähe ist. Dass es wissenschaftlich wenig Evidenz gibt, dass eine Maske sinnvoll ist, im die Verbreitung von Erregern zu verringern, habe ich hier bereits hier dargestellt. Aber das Tragen der Maske ohne Sinn und Verstand ist ja die Höhe. Hier eine Untersuchung einer Forscherin über die negativen Auswirkungen des Masken-Tragens auf die Psyche.

Dazu kommt, dass das RKI seit heute Spanien wieder als Risikogebiet eingestuft hat – und ich mich somit zu Hause erstmal auf einen PCR-Test freuen darf, der entscheidet, ob ich in Quarantäne komme. Das Gefühl hatte ich übrigens eine Stunde, bevor ich davon gehört habe. Vielleicht war es also eine schlechte Vorahnung? 🤔

Ich möchte natürlich nicht voreilig urteilen. Ich habe immer noch 4 wundervolle Tage vor mir. Aber heute hat dieses Gefühl im Urlaub zu sein, einfach Mal ausgesetzt. Vielleicht kennt ihr das ja – wenn der Ort, an dem man gerade ist, sich anfühlt, als wäre man nicht richtig. Auch, wenn ich weiß, dass das natürlich Quatsch ist.

Jeder Ort kann sich anfühlen wie Zuhause. Man müsste sich nur vollends hingeben können. Und vielleicht schaffe ich das ja auch noch die nächsten Tage… ☺️

Die Route von Redondela nach Pontevedra war übrigens sehr grün, wenn auch steil und anstrengend zu gehen. Außerdem bin ich an meinem Lieblingsort auf dem Caminho Portugues vorbeigekommen – Arcade. Die Stadt liegt direkt am Ria de Vigo, am Fluss der in den Atlantik fließt. Die Komposition des Flusses, mit den altmodischen Häusern, den Hügeln und Brücken wirkt einfach ästhetisch auf mich…

Da ich heute meinen Füßen eine Pause gegönnt habe, werden die über 30km morgen dann wieder etwas langwieriger.

Und hier wie immer zum Abschluss noch ein paar Bilder. Ich hoffe ihr hattet heute alle einen schönen und entspannten Tag. ☀️

Wegweiser nach Santiago de Compostela in Redondela
Arcade 😍
Blick von der Brücke in Arcade auf den Ria de Vigo
Capela de Peregrina in Pontevedra

15. August 2020

8:13 Uhr. Klick und der Anruf ist beendet. Stille. Vögel zwitschern im Hintergrund. Ich hole tief Luft und stoße einen lauten Seufzer aus. Damit stehe ich vor der Entscheidung, ob ich heute schon zurück muss. GANZ zurück. Wie es dazu kam?

Ich bin heute vermutlich 5 Mal oder öfter während des Schlafes aufgewacht, weil mein Bettnachbar so laut und unryhtmisch geschnarcht hat, dass selbst die Gummi-Ohrstöpsel, die normalerweise alle Geräusche filtern, nichts gebracht haben. Um 7 Uhr erlöst mich mein Wecker aus dem (Halb)Schlaf und ich stehe auf. Es ist noch dunkel.

Etwas verschlafen laufe ich aus meinem Hostel von Pontevedra los. Den Weg kenne ich schon und dennoch ist die Strecke aus der Betonwüste Pontevedra ins Grüne wieder einmal reizvoll.

Sonnenaufgang in Pontevedra
Blick von der Brücke am Ortsausgang
Ein Regenbogen nach leichtem Regen

Ich bin knapp eine Stunde unterwegs, da schickt mir Bea, die ich zwei Tage vorher kennengelernt habe, eine Whatsapp-Sprachnachricht. Sie sei beunruhigt wegen der Reisewarnung aus Deutschland. Ich schicke eine Sprachnachricht zurück und versichere ihr, dass wir beim Zurückfliegen lediglich einen PCR-Test und zwei Tage in Quarantäne bleiben müssen (bei negativem Testergebnis), sonst ist alles tutti. Zehn Minuten später ruft sie mich an.

Wir stellten fest, dass wir die Nacht nach dem Kennenlernen (14.08.) auch in demselben Hostel geschlafen haben, uns aber nicht gesehen haben. Wir scherzten ein wenig, dann wurde es ernst.

„Ich habe mit ein paar Spaniern gesprochen. Sie meinen, dass diese Woche möglicherweise noch die Grenze zugemacht wird. Ich habe gedacht ich laufe heute noch nach Caldas de Reis (knapp 30km) und dann fahre ich mit dem Taxi nach Santiago. Ich hole mir lediglich meinen Stempel und dann sehe ich zu, dass ich schnell über die Grenze nach Portugal komme, um nicht in Spanien bleiben zu müssen. Bist du dabei?“

Ich leicht verdutzt. Ich stammele: „Naja, mein Plan ist eigentlich ganz normal weiterzulaufen. Ich weiß nicht, ich würde es mir glaube ich nochmal überlegen und dann sage ich dir Bescheid.“ Sie antwortet: „Okay, halt mich auf dem Laufenden.“

Klick und der Anruf ist beendet. […]

Da stand ich nun also und wusste nicht weiter. Und was macht man, wenn man nicht weiter weiß? Mama, Papa oder Freundin fragen. In meinem Fall Papa und Freundin.

Mein Papa schreibt: „Die Grenze zwischen Portugal und Spanien war 3 1/2 Monate strikt zu, ich würde lieber wieder über die Grenze. Am Ende stehst du da mit dem Stempel, musst aber da bleiben. Das wäre ungut.“

Meine Freundin Céline schreibt: „Ich würde lieber auf Nummer sicher gehen.“

Da stehe ich also, 50km vor dem Ziel. Soll ich jetzt wirklich nach all den Schmerzen, nach der Anstrengung und der Leistung kurz vor dem Ziel umdrehen?

Knapp 5 Minuten lang rattert mein Kopf. Schließlich sage ich mir, dass ich auf mein Bauchgefühl höre und den ersten Impuls achte, der mir in den Sinn kommt. Ich erinnere mich an das ungute Gefühl von gestern, als ich in Pontevedra ankam. Langsam realisiere ich, dass es eine Vorahnung über den Ort sein würde, an dem ich mir selber eine Niederlage eingestehen muss.

Ich schaue also, ob ich meinen Flixbus von Santiago umbuchen kann. Bingo. Dann schaue ich nach, ob ein Flixbus von Caldas de Reis kommt. Negativ. Aber von Pontevedra. Wieder Bingo. Leider. Meine Vorahnung hat sich also bewahrheitet.

Dann die nächste Frage: Nach Porto zurück? Dann müsste ich noch bis Mittwoch (4 Tage) da bleiben. Das wäre mir zu lang. Ich war ja schon zweimal da. Also zum Flughafen? Und schon gucke ich nach, ob es eine günstige Flugverbindung gibt. Noch heute von Porto nach Köln.

Ryanair, Fehlanzeige. Suchportale ebenso. Und was finde ich zum Schluss? Porto nach Düsseldorf mit Eurowings, 76€. Sogar noch besser, als nach Köln. Damit setze ich zwar meinen Flug bei Ryanair in den Sand, aber ich schaffe es noch heute zurück.

Ich mache mich auf den Rückweg nach Pontevedra. Mein Bus von Pontevedra nach Porto zum Flughafen kommt gegen 13:10 Uhr. Mein Flug geht gegen 18:45 Uhr. Ich brauche knapp 2 Stunden mir dem Bus. Das passt perfekt.

Kurz danach rufe ich Bea an und erzähle ihr von meinem Plan. Sie lacht und fragt mich, ob ich nicht gerade übertreibe. Sie habe das Hotel Sandemann in Portugal kontaktiert und die meinten, sie wüssten 48 Stunden vor Grenzschließung Bescheid. Sie würden ihr Bescheid geben. Zugleich verstehe sie aber auch meine Entscheidung. Zu Zeiten von Corona sind manchmal besondere Maßnahmen erforderlich. Wir legen auf mir dem Schlusssatz: „Wenn sehen uns ja gleich, wenn du jetzt zurück nach Pontevedra musst.“

Nach einigen Kilometern sehe ich sie. Ich verabschiede mich herzlich von ihr und sie fügt beim Weggehen hinzu: „Du warst die netteste Begegnung, die ich hatte.“ „Dito.“, entgegne ich ihr glücklich und winke.

„So, dass wird nun noch ein langweiliger Tag, an dem ich so richtig meinen Frust ausleben kann.“, denke ich mir insgeheim. „Aber immernoch besser als in einem Land gefangen zu sein, in dem die Leute lieber Maske tragen, als zu atmen.“

Von 10 Uhr bis 13 Uhr treibe ich mich in den Cafés von Pontevedra rum. Von 13 Uhr bis 15 Uhr fahre ich Bus. Dann ist Zeitumstellung. Am Flughafen von Porto bin ich also so gegen 14:30 Uhr (wegen etwas Verspätung). Ab durch die Kontrolle und nun darf ich erstmal drei Stunden warten, um dann wieder drei Stunden im Flugzeug zu warten. Achja und am Ende darf ich noch eine Stunde mit den Öffis nachhause fahren. Ich bin wahrscheinlich so gegen 23:45 Uhr zuhause.

Wie ihr seht, hat meine Reise leider kein wirkliches Happy End erfahren. Zumindest verspüre ich das noch nicht hier, während ich am Flughafen sitze. Gerade kommt mir irgendwie alles surreal vor. Ich hoffe aber das stellt sich nach einigen Tagen ein, wenn ich die 48h Quarantäne abgesessen habe und froh bin, wieder gesund zuhause angekommen zu sein.

Ein kleiner Trost für mich: Die nächsten Tage soll es eh in Spanien regnen. Das wäre nicht so cool zum Wandern gewesen.

Ich werde euch noch einen Epilogue verfassen (am 19.08, also dem eigentlichen Ende meiner Reise), was ich vom Jakobsweg lernen durfte und wie ich mit meinen Erfahrungen und Begegnungen umgegangen bin und auch noch werde.

Dieses Mal war der Jakobsweg sehr anstrengend und nicht so sehr entspannend, wie ich gehofft hatte. Aber wie sagt man so schön? Alle guten Dinge sind drei. Nächstes Mal aber ohne Corona-Hysterie.

Ich danke allen Lesern, die mein Pilgerjournal aufmerksam verfolgt haben und hoffe, dass ich euch inspirieren konnte, den Weg auch in Zukunft zu gehen. Ich kann euch aber raten abzuwarten, bis die Corona-Situation weniger hysterisch ist.

DANKE.

Herzlich, euer Tristan.

Epilogue

Ein paar Tage später…

Ich fühle mich gut. Ich empfinde weder Frust, noch Reue oder Trauer. Ganz im Gegenteil, ich bin froh, wieder in Deutschland zu sein.

Das mit den Erwartungen ist ja immer so eine Sache. Man will, dass etwas genauso wird, wie man es sich vorstellt – dabei warten womöglich andere Abenteuer auf einen Selbst, als man gerne hätte. Die Lektionen, die ich dieses Mal hatte, waren nicht dieselben, wie vom letzten Jakobsweg. Und das ist auch gut und richtig so.

Ich musste weder in Santiago de Compostela ankommen, noch meine Füße wund laufen. Ich musste weder die spannendsten Menschen kennenlernen, noch diesen Weg völlig alleine bestreiten. Ich musste auch nicht im Luxus leben, genauso wie ich nicht alles super günstig bekommen musste.

Diese Erkenntnis hat etwas beruhigendes. Denn Leben bedeutet nicht im Superlativ zu Leben. Wir müssen nicht immer Extremerlebnisse haben um zu lernen. Extremerlebnisse brauchen wir nur, wenn wir alltägliche Erlebnisse nicht genügend wertschätzen können. Dann wird das Erleben fade/öde und wir brauchen einen Kick, um es wieder spannend zu machen.

Es liegt an uns selber, die Wertschätzung in unser Leben zu bringen. Wie wir das tun, ist letztendlich individuell. Vielleicht tust du dir selbst mit Yoga oder Meditation gut. Vielleicht auch mit einer gesunden Ernährung. Vielleicht hälst dich mit einem Spaziergang in der Natur gesund und legst ab und zu das Handy weg. All das sind Dinge, die wir tun können, um nicht nur mehr zu uns selbst zu finden, sondern auch einfach zu genießen, wie wir jetzt gerade sind. Alles auf einmal zu tun ist gar nicht notwendig. Hauptsache, wir lernen wieder ein bisschen mehr auf Körper und Geist zu hören und schalten ab und zu einfach ab.

Was bedeutet das für mich?

Hin und wieder habe ich Tage, da nervt mich mein Handy sehr und ich würde es am liebsten einfach wegsperren. Dann vergesse ich aber auch die guten Seiten am Handy und, dass es eigentlich ein zweischneidiges Schwert ist. Aber eine Waffe ist nur so gut, wie der Krieger. Es kann niemals das Handy an der Einstellung oder Übernutzung Schuld haben – sondern (wenn es so etwas wie Schuld gibt) nur derjenige, der nicht ausgeglichen genug ist, um auch Mal das Handy wegzulegen.

Darum fokussiere ich mich in nächster Zeit erstmal wieder mehr auf mich selbst und gebe Social Media & Co. etwas weniger Freiraum.

Ich hoffe, euch hat mein kleines Digitales Tagebuch gefallen. Vielleicht kommt bei euch auch eines Tages der Punkt, wo ihr merkt, dass der Jakobsweg euch ruft. Und wenn ihr den Ruf hört, dann folgt ihm einfach. Beachtet einfach die metaphorischen Muscheln auf eurem Weg, wo auch immer ihr seid… ☺️

Fin

„Durch Meditation über die wahre Natur des Geistes reinigen wir störende Gedanken und Gefühle.“

Dalai Lama

Der Ursprung des Wortes Meditation liegt in den Begriffen meditari (Latein) und medomai (Griechisch). Beides bedeutet übersetzt etwa nachdenken oder nachsinnen.

Meditation ist eine Übung für Körper und Geist, die seit langem zur Steigerung der Ruhe und körperlichen Entspannung, zur Verbesserung des psychischen Gleichgewichts, zur Bewältigung von Krankheiten und zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens eingesetzt wird. Seit Jahrtausenden werden Körper- und Geistesübungen kulturell genutzt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Advaita Vedanta (die Philosophie der Upanishaden) dient zur Reflektion und Reinigung durch Techniken wie Neti Neti (Negierung des Nicht Selbst), Itti Itti (Verbindung mit dem ganz Großen) oder Atma Viccharana (Selbsterforschung)
  • Yoga-Lehre (Indische Philosophie & Lehre, von Sanskrit योग, zusammenbinden) beschreibt geistige Konzentration durch körperliche, meditative Übungen – es werden verschiedene Yoga-Techniken verwendet, wie etwa Kundalini-Yoga, Mantra-Yoga oder Raja-Yoga
  • Buddhismus, Hinduismus, Taoismus: Mediation als Weg zur Erleuchtung, Erkenntnis und Gesundheit
  • Christentum: lat. contemplatio, wie auch Martin Luther erwähnte, zur geistigen Klärung und Erlangung eines achtsamen Bewusstseinszustandes
  • Wissenschaftliche Studien und Theorien sehen Vorteile der Meditation in Prävention und Therapie von Krankheiten, in der Verbesserung der Resilienz (psych. Widerstandsfähigkeit), der Stressbewältigung, Achtsamkeit, Konzentration sowie beim Lernen.

Wie die Mediation konkret aussehen kann, ist sehr individuell und dient dem Zweck, mit dem meditiert wird. Da bei der Meditation ein Raum geschaffen wird, in dem keine Gedanken, sondern hauptsächlich Gefühle gelebt werden sollen, sind diese auch für den Ausgang der Meditation entscheidend. Vorher ist es somit sinnvoll zu klären, warum meditiert wird und welche Techniken hierfür hilfreich sind.

Möchte ich Erleuchtung erfahren? Dann könnte die buddhistische Lehre helfen.
Möchte ich den Alltagsstress verarbeiten? Dann versuche den taoistischen Ansatz.
Möchtest zu mehr Gesundheit gelangen? Dann erlerne die wissenschaftliche Praxis.

Meditation bietet Chancen für jeden Menschen, der bewusst nach innen schauen möchte. Besonders in der westlichen Zivilisation wird uns der nach außen gerichtete Blick immer mehr zum Verhängnis. Anstatt uns auf Selbst-Liebe und Selbstbewusstsein zu konzentrieren, suchen wir nach Anerkennung und Belohnungen. Anstatt in uns Ruhe und Frieden zu stiften, versuchen wir dafür in der Welt dafür zu kämpfen. Mit erheblichen Folgen.

Ich möchte dich also dazu einladen, dein Ich kennenzulernen. In der Schule wird dies nicht beigebracht. Also ist es nun deine Aufgabe. Aber was könnte schon spannender sein, als sich selbst neu zu entdecken? Wie viele Facetten das Selbst wohl hat…

In jedem Falle freue ich mich, dass mehr Menschen zur Meditation gelangen. Durch die Praxis der Meditation habe ich viele Erkenntnisse und Einsichten haben dürfen. Und dazu musste ich mich nicht unbedingt im Schneidersitz hinsetzen und die Stille suchen (auch wenn ich es empfehlen würde). Ihr könnt auch eine Meditationsführung ausprobieren, wie diese hier:

Ich freue mich, wenn meine Blogartikel und Podcastfolgen dir gefallen. Wieso abonnierst du nicht meine Seite, mein Instagram oder Facebook? @tristanstrivium @denkmalpodcast

Danke und bis bald.

Herzlich,
Tristan.