Liebe Freunde und Abonnenten,

vor Kurzem habe ich wieder einmal zwei Videobeiträge erstellt, die ich für sehr wichtig befinde. Schaut sie euch gerne an und teilt sie mit euren Freunden. Im aktuellen hitzigen Diskurs der Gesellschaft kommen alte Muster und Schemen wieder hervor, die wir gehofft hatten, bereits losgeworden zu sein. Doch es hilft nichts – wenn Trauma nicht verarbeitet wurde, muss es wieder ins Gedächtnis gerufen werden, um wachzurütteln; um zu erinnern, dass wir alle menschlich sein und das Richtige tun wollen.

Diskriminierung

In der aktuellen irrationalen Debatte um die 2G-3G-Regelungen vergessen wir, dass es sich hierbei offensichtlich um Diskriminierung handelt. Diskriminierung ist nicht gleich Rassismus oder Antisemitismus. Diskriminierung fängt dort an, wo Menschen aufgrund bestimmter Merkmale aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen werden. Und das ist beispielsweise der Impfstatus, der dazu dient, bestimmte Dienstleistungen in Anspruch nehmen zu können.

Neben der Tatsache, dass ein Großteil der Menschen diese Impfungen nicht brauchen, weil nur Menschen höheren Alters und Menschen mit Vorerkrankungen eines Impfschutzes bedürfen, sorgt die Impfung auch nicht für eine Herdenimmunität, weil Geimpfte immer noch ansteckend sind. Bis auf den Schutz der Risikogruppen gibt es somit keinen Mehrwert der Impfung. Die Frage ist nur, wie lange wir dieser Illusion hinterherrennen wollen.

Je länger wir der Illusion hinterherrennen, desto mehr Menschen zwingen wir indirekt zur Impfung, weil wir sie mit den aktuellen politischen Anordnungen ab Oktober finanziell erpressen. Gleichzeitig sorgt die anhaltende Corona-Pandemie weiterhin für steigende Depressionen, Angst, häusliche Gewalt, psychosozialen Stress… kurzum: Pandemie-Erschöpfung und mangelnde Lebensqualität.

Falls mir vorgeworfen wird, ich würde die COVID-19-Verstorbenen vergessen. Das tue ich nicht. Jeder Verstorbene ist ein Verlust. Ich setze sie nur ins Verhältnis zu den Kollateralschäden, wie ich dies auch bei meiner Masterarbeit getan habe. Seit Anderthalbjahren trauern wir kollektiv um die COVID-19-Toten, vergessen aber alle anderen Toten. Leben bedeutet immer Risiko. Und dieses Risiko zu minimieren kann nicht durch die Diskriminierung von Menschen geschehen. Punkt.

Ganz bewusst schreibe ich als Beschreibung des Videobeitrages:

„Für mich hat diese Pandemie inzwischen furchtbare und angsteinflößende Ausmaße angenommen, die ich nicht anders als diskriminierend bezeichnen kann.

Wenn jemand gesellschaftlich höher gestellt wird, weil er einen medizinischen Eingriff an sich hat vornehmen lassen, für den der Verursacher (Staat, Pharma) noch nicht einmal Haftung im Falle langfristiger Folgeerscheinungen (die nicht auszuschließen sind!) übernehmen will, dann gerät die Gesellschaft als Ganzes in faschistische, selbstzerstörerische Tendenzen.

Als Kirsche auf diesem Eisbecher werden dann auch noch Menschen dazu genötigt (Alle unter 60 Jährigen, aber insbesondere die 12-17+ Jährigen), sich impfen zu lassen, die keinem Risiko ausgesetzt sind und andere durch die Impfung auch nicht schützen.

Für mich hat dieses ganze Theater nichts mehr mit Solidarität zu tun – wenn es das jemals hatte.

Ich bin nicht wütend, nicht sauer, hasserfüllt oder möchte gewalttätig werden deshalb. Ich bin einfach nur traurig, dass wir es wirklich so weit haben kommen lassen, obwohl uns die Tür zur wirklichen Welt, zum Ausgang aus der Pandemie jederzeit offen stand. Wir waren nur zu blind (und sind es immernoch!), die Tür zu sehen. Ich weiß nicht genau, was ich mir von diesem Video erhoffe. Ich wünsche mir einfach nur, dass die Spaltung der Gesellschaft nicht noch weitergeht und, dass wir bald einander wieder als gleichwertig ansehen können. Nicht als Virenschleuder. Nicht als Biocomputer. Nicht als solidarische Mitbürger. ALS MENSCHEN.“

Solidarität

Wie im oberen Video bereits angesprochen, hat diese gesellschaftliche Entwicklung für mich nichts mit Solidarität zu tun. Und ich glaube niemand weiß eigentlich inzwischen noch, was Solidarität ist.

Solidarität ist eben nicht nur das Machen, was andere sagen. Ganz speziell auch in Bezug auf die Corona Impfung. Und das habe ich im folgenden Video mit den „Ist es solidarisch, dass…“-Fragen versucht deutlich zu machen. Etwas polemisch, aber durchaus berechtigt, wie ich finde.

Alle Fragen, die ich formuliert habe und die komplette Beschreibung mit allen Quellen findet sich nun nochmal ausformuliert anbei:

  1. Ist es solidarisch, sich Impfen zu lassen, wenn für das eigene Leben keinerlei Gefahr besteht und Risikogruppen geschützt sind (Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html)?
  1. Ist es solidarisch sich impfen zu lassen, wenn immer mehr Studien zeigen, dass die Herdenimmunität nicht mehr als eine Fata Morgana ist und Geimpfte ebenso wie Ungeimpfte ansteckend sind? (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=XGaF0wHKe2Q)
  1. Ist es solidarisch, sich impfen zu lassen, wenn niemand für den Fall eines Impfschadens Verantwortung für den Betroffenen übernehmen will – ob Politik oder Big-Pharma? (Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Wer-zahlt-bei-Impfschaeden-article22740223.html)
  1. Ist es noch solidarisch, sich impfen zu lassen, wenn der Gesundheitsminister (und Kanzleramtsminister Helge Braun) bereits vor Monaten verkündet hat, wenn alle ein Impfangebot erhalten haben, endet die Pandemie und dies nun nicht geschehen ist? (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=EAtIDSt4wpg || https://www.youtube.com/watch?v=xw3qY4kS4HQ)
  1. Ist es solidarisch, seine Kinder impfen zu lassen, obwohl diese weder Treiber der Pandemie sind, noch einem Risiko für COVID-19 ausgesetzt sind? (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=JY5zKDjzbUU)
  1. Ist es solidarisch, sich impfen zu lassen oder bleibt einem nun mit den drohenden Kosten der Tests finanziell keine Wahl, gerade auch für Studenten, die in die Uni gehen wollen. (Quelle: https://www.rnd.de/beruf-und-bildung/corona-und-studium-was-bedeutet-die-3g-regel-fuer-studierende-SMMOF55LN5FY5HEBG2U6XGI3P4.html)
  1. Wir könnten dieses Spiel auch noch weiter auf die Pandemie Ausweiten und genereller Fragen „Ist es solidarisch, dass…“ 
  1. Ist es solidarisch, dass die Politik seit Beginn der Pandemie  Menschen mithilfe ihrer „Urängste“ manipuliert hat, wie aus dem offiziellen Dokument des Bundesinnenministerium hervorgeht? (Quelle: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid19.html)
  1. Ist es solidarisch, dass der Gesundheitsminister im Sommer 2020 verkündet hat „mit dem heutigen Wissen würden wir keinen Lockdown mehr machen“, nur um dieses Versprechen dann im Herbst zu brechen? (Quelle: https://www.instagram.com/p/COhr9EwH55v/)
  1. Ist es solidarisch, dass Lockdowns umgesetzt werden, weil diese möglicherweise Infektionszahlen verringern – was aber auch bis heute anhand in Deutschland gemachter Studien schwer zu beweisen ist – aber dafür Kinderarmut und -hunger in Dritte-Welt-Ländern fördert? (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7373035/ || https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-un-ernaehrungsbericht-hunger-100.html || https://www.zeit.de/zustimmung?url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2F2020%2F22%2Fhungersnot-corona-pandemie-globaler-sueden)
  1. Ist es solidarisch, dass es bis heute anscheinend keine umfangreiche Nutzen-Schaden-Abwägung zwischen Pandemiemaßnahmen und den Kollateralschäden (Depressionen, häusliche Gewalt, Angststörungen etc.) gab? (Quelle: https://www.kulturrat.de/themen/corona-vs-kultur/nutzen-risiko-abwaegung/ || https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fpubh.2020.585229/full || https://www.ebm-netzwerk.de/de/veroeffentlichungen/covid-19)
  1. Ist es solidarisch, dass die Psyche und der Sozialbereich seit Beginn der Pandemie weniger wert waren, als die Biologie, d.h. die Ansteckungsgefahr und Co.? (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32905109/ || https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32799105/ || https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7255207/ || https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7405198/ || https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33229123/)
  1. Ist es solidarisch, dass versucht wird, die Pandemie mit einem veralteten medizintheoretischen Modell zu bewältigen, dem biomedizinischen Modell, obwohl es bereits kohärentere Medizin-Theorien gibt, wie die biopsychosoziale Medizin, die Biologie, Psychologie und Soziales denselben Stellenwert einräumt? (Quelle: Meine Masterarbeit, Veröffentlichung folgt…)
  1. Ist es solidarisch, Menschen zu verleumden und diskreditieren, wenn sie eine andere Meinung zur Pandemie haben als die herrschende Politik? (s.a. https://www.volksverpetzer.de)
  1. Ist es solidarisch, dass Politiker durch Masken- und Testdeals sich selbst finanziell bereichert haben, während andere Menschen durch die Maßnahmen ihre Existenzgrundlage verloren haben? (Quelle: https://www.rnd.de/politik/maskendeals-spahn-veroffentlicht-liste-mit-40-beteiligten-abgeordneten-WKXIWSFXQJGZ5HLYL6EWE7ZNNE.html)
  1. Ist es solidarisch, dass der Gesundheitsminister minderwertige Masken an Behinderte und Obdachlose verteilen wollte, so als ob diese nichts besseres verdient hätten? (Quelle: https://www.waz.de/politik/jens-spahn-masken-hartz4-obdachlose-behinderte-id232463143.html)
  1. Ist es solidarisch, dass das Virus in Kriegsrhetorik geschildert wird und mit immer neuen Maschen versucht wird als gefährlicher darzustellen, etwa mit neuen Varianten oder Long-COVID? (Quelle: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32616882/ || https://www.nzz.ch/feuilleton/corona-und-kriegsrhetorik-ld.1560145 || https://www.derstandard.de/story/2000117220357/corona-kriegsrhetorik-und-angstmacher)
  1. Ist es solidarisch, dass Politiker wie Karl Lauterbach mit nicht nachvollziehbaren horrenden Zahlen Long-COVID schlimmer aussehen lassen, als es eigentlich ist? (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Z_OiAXHoYH0 || https://www.instagram.com/p/COhr9EwH55v/)
  1. Ist es solidarisch, dass sich bis heute nicht gefragt wurde, wie Long-COVID entsteht, ob es etwa etwas mit dem generellen Lebensstil zu tun hat, wie Studien berichten, oder ob es einfach in dem nun seit anderthalb Jahren dauernden psychosozialen Druck (Stichwort: pandemic fatigue) der Pandemie begründet ist? (Quelle: https://www.publichealth.columbia.edu/public-health-now/news/long-covid-really-chronic-fatigue-syndrome-another-name || https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33938503/ || https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33569660/)
  1. Ist es solidarisch, dass Intensivbetten abgebaut wurden (und werden), dass Krankenhäuser schließen und gleichzeitig Geld vom Bund für Intensivbetten einkassieren, die es nie gegeben hat? (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/bund-zahlt-11-5-milliarden-euro-wohin-fliesst-das-geld-fuer-leere-klinikbetten/25939296.html || https://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sr/Sendung-vom-17-02-2021-Kliniksterben-in-der-Pandemie-100.html || https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/intensivbetten-113.html)
  1. Ist es unsolidarisch, wenn Medien Statistiken verzerren und nur eine Seite beleuchten, wie sie es häufiger schon in der Geschichte getan haben? (Quelle: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/tagesschau-corona-karten-101.html || https://www.kepplinger.de/content/die-mechanismen-der-skandalisierung || https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1117944/umfrage/umfrage-zur-berichterstattung-der-schweizer-medien-zum-coronavirus/ || https://www.researchgate.net/publication/344647162_COVID-19_SARS-CoV-2_holistisch_betrachtet_-_Eine_kommunikationspsychologische_gesellschaftsphilosophische_und_biomedizinische_Analyse_der_Pandemie_reupload || https://www.sagw.ch/fileadmin/user_upload/News_Corona_Dossier.pdf)
  1. Und letztlich: Ist es solidarisch, sich selbst als solidarischen Übermensch zu repräsentieren, der sich bis auf sein Pandemieverhalten – Impfen, Maske, Testen – kaum vom westlichen Durchschnittsbürger unterscheidet, welcher jeden Tag mit seinem Kaufverhalten Kinderarbeit und Kinderarmut fördert? (Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/204477/umfrage/bedeutung-von-nachhaltigkeit-bei-der-kaufentscheidung/ || https://www.quarks.de/gesellschaft/darum-ist-uns-kinderarbeit-beim-kleiderkauf-egal/ || https://www.aktiv-gegen-kinderarbeit.de/produkt/textilien/)

Und um dem ganzen nochmal die Krone aufzusetzen und das Video zusammenzufassen, eignet sich folgender Abschnitt:

Wir alle wollen gute Menschen sein. Aber dieser Moralterror, wer der solidarischere Mensch ist, muss aufhören. Ich bin kein Christ mehr, da ich nicht an Religionen glaube sondern nur an freie Spiritualität, aber mit einem hat Jesus Christus recht: „Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Oder modern ausgedrückt: Wer noch nie einem anderen Menschen gesundheitlichen Schaden zugefügt hat,ob bewusst oder unbewusst, der kommentiere: „Jeder, der sich nicht impfen lässt, ist unsolidarisch!“

Was denkt ihr von den beiden Videobeiträgen?

Herzlich
Tristan


Weitere Informationen

Informationen zu Impfungen von Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.:
https://www.youtube.com/channel/UCCppnAfYzQaf2ruYrvqH5rA

Informationen zu Philosophie von Jochen Kirchhoff:
https://www.youtube.com/c/JochenKirchhoff

Von meiner Wenigkeit…

► Meine Bücher auf tredition: https://tredition.de/autoren/tristan-nolting-26224/
► Spotify: https://open.spotify.com/show/2ByiBWB03GZLkJH4Xbn8jb?si=0iw886o8RASZGpGq_jMFQw
► Meine Webseite: https://tristanstrivium.com
► Interview mit Gunnar Kaiser: https://www.youtube.com/watch?v=U5iHH_6oDRg
► Interview mit diejungebasis: https://www.youtube.com/watch?v=3ClyNkF7Wgk
► Die beiden Beiträge auch als Podcast: https://denkmalpodcast.podigee.io
► Die beiden Beiträge auf Instagram: https://www.instagram.com/tristanstrivium/

Denkmal ☼☾ – Der Podcast über Philosophie und Spiritualität von Tristan Nolting.

Hast du dir nicht auch schon einmal wunderliche Fragen im Alltag gestellt oder vielleicht in Tagträumen, auf die du keine Antwort gefunden hast? Ich auch.

Wie sollte deiner Vorstellung nach eine ideale Welt aussehen? 
Was zeigt dir ein De-ja Vù?
Sind Träume für dein Bewusstsein so real, wie der Wachzustand?

In spannenden Gesprächsrunden versuche ich mein Interesse durch Bewusstheit und Einfachheit mit Wissenschaft & Esoterik zu kombinieren. Dabei entstehen dann faszinierende Denkansätze, welche zu mehr Fantasie und Kreativität anregen können. 

Nimm dir ein wenig Zeit und lass dich von den Ideen anstacheln.

☼ Setz dich in Bewegung und die Welt mit dir ☽

In Krisenzeiten hat es niemand leicht. Weder derjenige, der unter den Folgen der Krise unmittelbar leidet, noch der, der darüber berichtet – denn derjenige wird Tag für Tag mit dem entstehenden Leid konfrontiert und dies ist ebenso real für die Gefühlslage eines Menschen. Wir Menschen könnten uns die Krise erleichtern, aber stattdessen wird nur all zu häufig noch mit dem Hammer oben drauf gehauen und jeder versucht seinen Profit aus der Krise zu machen. Warum dies aber auch in unseren wichtigsten Lebensbereichen ein Fehler sein könnte, das möchte ich dir in diesem Beitrag aufzeigen.

Ich bin wohl einer der Menschen, der am Wenigsten durch die Folgen der Krise gelitten hat. Dennoch bin ich nicht ungeschoren davongekommen: Die Erfahrung des kollektiven Leids, der kollektiven Unfreiheit und des Schmerzes ist für mich aber auch für viele andere Menschen ein extrem leidvoller Prozess. Woran dies liegt? Ich würde mal schätzen an der Fähigkeit des Menschen (und damit auch meiner Fähigkeit) zur Empathie syn. zum Mitgefühl. Und Mitgefühl heißt primär: Ich fühle mit anderen mit.

Wenn wir uns versuchen würden, an Ken Wilbers Integraler Theorie zu orientieren, so wäre das Mitgefühl auf der Ebene des Subjektiven und Intersubjektiven anzusiedeln. Mehr noch: Ich würde sagen, dass das Mitgefühl die Ebene des Subjektiven (Individuum/Innen) und Intersubjektiven (System/Innen) verbindet. Ohne Empathie gibt es keine Brücke, keine Verbindung des Individuums mit anderen Individuen und dem Kollektiv. Ohne Empathie könnte dem Individuum „schnurz piep-egal sein“, was mit anderen Individuen und dem Kollektiv passiert.

Dass Empathie jedoch eine dem Menschen grundsätzlich angeborene Fähigkeit darstellt, die er jedoch sowohl verlernen als auch vergessen kann, dafür gibt es zahlreiche Hinweise (vor allem anhand von Kindern).

  • Neben genetischen Einflüssen sind auch soziale Umstände für die Ausprägung der Empathie wichtig – grundsätzlich besitzt der Mensch jedoch die (biologische/psychologische) Ausstattung, um empathisch sein zu können.1
  • Ein gutes Beispiel hierfür sind die Spiegelneuronen. Inzwischen wissen wir, dass die Spiegelneuronen nicht nur für das Lernen zuständig sind, sondern, dass durch sie die Sozialität und das Zusammenleben mit anderen Menschen möglich wird. Babys weinen also aufgrund der angeborenen Lernfähigkeit (Spiegelneuronen), wenn sie andere Babys weinen hören.2
  • In bewusstseinserweiternden Zuständen, wie sie durch Ayahuasca hervorgerufen werden können, kann die Erfahrung des Kollektiven Bewusstseins gemacht werden.3 Hierbei spielt Empathie eine zentrale Rolle.
  • Auch ganz real erfahrbar: Wenn die jemand anderes eine Geschichte erzählt und du still-schweigend zuhörst und dich in die Person und in den Moment der Geschichte hineinversetzt, so bist du in dem Moment empathisch, da du die Geschichte nachempfindest.
  • … fallen dir weitere Beispiele ein?

Ich gehe jedenfalls von einem Menschen aus, der die Fähigkeit besitzt, empathisch zu sein. Und ich gehe auch noch einen Schritt weiter: Ich postuliere, dass die Empathie eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen überhaupt ist.

Leider lernen Kinder in der Schule nicht, mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen. Stattdessen lernen sie Gedichtsanalye, Stochastik und viele Dinge mehr, die sie größtenteils nie wieder in ihrem Leben brauchen. Das Fehlen essentieller Kenntnisse und Fähigkeiten ist ein Hauptproblem für mich, wenn es zu solchen Krisen kommt, wie der aktuellen Pandemie. Denn auch, wenn alle immer wenn „Solidarität“ sprechen, so weiß doch niemand wirklich, was dies bedeutet. Allerdings wird der Begriff immer genau dort benutzt, wo eigentlich Empathie gebraucht wird. Solidarität ist in gewisser Weise ein Ersatzbegriff für die fehlende Empathie der Menschen. Vielleicht ist Solidarität sogar zu einem internalisierten (d.h. durch gesellschaftliche Werte anerzogenes Verhalten) Dogma geworden, welches der Empathie eher hinderlich ist.

EmpathieSolidarität
Angeboren, ErlernbarInternalisiertes Konstrukt
Individuelle und kollektive Werte bedeutsamKollektive Werte bedeutsamer
Ausgewogene EntscheidungsfindungSystematisierte Entscheidungsfindung
ICH & DU GefühlWIR Gefühl
Instinkt & IntuitonÜberzeugungen

Der Begriff Solidarität wird heute vielfach (Flutkatastrophe, Klimawandel, COVID-19-Krise) benutzt, wenn an die Mitmenschen appelliert wird, um sie zum uneigennützigen Handeln zu bewegen. Es wird kein Raum gelassen, um eine eigenmächtige und selbstbewusste Entscheidung zu treffen, sondern es wird ein Raum erschaffen, indem nur das Kollektiv zählt. Diese sehr reduktionistische Ansicht (Flachland, wie Ken Wilber sagen würde), führt letztlich zur Aushöhlung des Menschen, wie bei einem Kürbis an Halloween.

Versteh mich nicht falsch, anderen zu helfen ist eine wunderbare Eigenschaft eines Menschen. Allerdings empfinde ich diese als für den Menschen „qualitativer“ oder „zufriedenstellender“, wenn sie aus eigenem Antrieb stattfindet. Dem Menschen wird heute nicht mehr zugesprochen, Entscheidungen zu seinem eigenen Wohl und dem anderer fällen zu können. Statt den Menschen gewähren zu lassen, wird der natürliche Egoismus ausgeheblt und versucht mit der Brechstange zu bekämpfen. Dabei ist es nicht nur schwierig, sondern unmöglich die angeborenen Bedürfnisse des Menschen langfristig zu unterdrücken, ohne, dass er Schaden nimmt.

Und hier komme ich wieder zum Anfang zurück: Das Leid, welches entstanden ist, ist vielfach nicht nur durch die Krise zu erklären („das böse Virus“, „der böse Klimawandel“, „das böse Unwetter“), sondern auch durch die Unfähigkeit des Menschen, Empathie zu zeigen.

Der Mensch kann keine Empathie mehr zeigen, weil er weder gelernt hat, mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen, noch die Sinnhaftigkeit in eben jener Handlung sieht. Wie aus diversen psychologischen Arbeiten hervorgeht (Psychoneuroimmunologie, Traumaforschung, Analytische Psychologie), kann eben jener fehlende Umgang mit den eigenen Gefühlen sich langfristig auch in Krankheit manifestieren. Und dieser Trend, der sich bereits vor der Krise etabliert hat, kommt nun nur noch stärker zur Geltung.

Wie können wir diesen Trend umkehren? Dafür müssen wir uns folgende Frage stellen:

Worauf kommt es für dich an?

Nun, darauf wirst du deine ganz eigene Antwort finden. Und dies ist auch gut so. Das, was dich zufrieden macht (und dazu gehört auch die Integration der eigenen Schattenseite, wie der Psychologe C.G. Jung bemerken würde), führt dich letztlich auch dazu, empathischer zu werden. Denn: Empathisch kann nur derjenige sein, der mit sich selbst im reinen ist. Wie soll ein Mensch jemand anderes verstehen und mit ihm mitfühlen können, wenn er sich selbst noch nicht einmal versteht? Dazu C.G. Jung in seiner Biographie Erinnerungen, Träume, Gedanken4:

„Die Hoffnung auf größere Freiheit wird durch vermehrte Staatssklaverei zunichte gemacht, nicht zu sprechen von den fürchterlichen Gefahren, denen uns die glänzendsten Entdeckungen der Wissenschaft aussetzen. Je weniger wir verstehen, wonach unsere Väter und Vorväter gesucht haben, desto weniger verstehen wir uns selbst, und helfen mit allen Kräften, die Instinkt – und Wurzellosigkeit des Einzelmenschen zu vermehren, so daß er als Massenpartikel nur noch dem «Geist der Schwere» folgt. Verbesserungen nach vorne, d. h. durch neue Methoden oder «gadgets» sind zwar unmittelbar überzeugend, aber auf die Dauer zweifelhaft und auf alle Fälle teuer bezahlt. Keinesfalls erhöhen sie das Behagen, die Zufriedenheit oder das Glück im großeii und ganzen. Sie sind meist hinfällige Versüßungen des Daseins […]“

Das Gefühl der Kohärenz, die allgemeine Stimmung („Gestimmtheit“) ist in diesem Sinne auch für das Kollektiv von äußerster Wichtigkeit. Das Indivduum kann sich niemals vollständig dem kollektiven Prozess entziehen, selbst wenn es sich von der Gesellschaft abspalten würde. Die Verbindung ist immer da und dies ist auch gut so. Denn über die eigenen Gefühle hat das Individuum einen Zugang zum Kollektiv und auch noch allgemeiner zur Wirklichkeit. Wenn das Individuum lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen ohne diese Erfahrung zu einer Werteinstellung für alle Menschen machen zu wollen, kann möglicherweise wesentlich leichter mit solchen Krisen umgegangen werden.

Dazu nochmal C.G. Jung an anderer Stelle über den Sinn des Lebens (S. 363-364):

Ich bin zufrieden, daß mein Leben so gegangen ist. Es war reich und hat mir viel gebracht. Wie hätte ich so viel erwarten können? Es waren lauter nicht zu erwartende Dinge, die sich ereigneten. Manches hätte vielleicht anders sein können, wenn ich selber anders gewesen wäre. So war es aber, wie es sein mußte; denn es ist geworden dadurch, daß ich so bin, wie ich bin […] Ich habe Wunderbares von Menschen erfahren und habe selber mehr geleistet, als ich von mir erwartete. Ich kann mir kein endgültiges Urteil bilden, weil das Phänomen Leben und das Phänomen Mensch zu groß sind. Je älter ich wurde, desto weniger verstand oder erkannte oder wußte ich mich. Ich bin über mich erstaunt, enttäuscht, erfreut. Ich bin betrübt, niedergeschlagen, enthusiastisch. Ich bin das alles auch und kann die Summe nicht ziehen. Ich bin außerstande, einen definitiven Wert oder Unwert festzustellen, ich habe kein Urteil über mich und mein Leben. In nichts bin ich ganz sicher. Ich habe keine definitive Überzeugung – eigentlich von nichts. Ich weiß nur, daß ich geboren wurde und existiere, und es ist mir, als ob ich getragen würde. Ich existiere auf der Grundlage von etwas, das ich nicht kenne. Trotz all der Unsicherheit fühle ich eine Solidität des Bestehenden und eine Kontinuität meines Soseins. Die Welt, in die wir hineingeboren werden, ist roh und grausam und zugleich von göttlicher Schönheit. Es ist Temperamentssache zu glauben, was überwiegt: die Sinnlosigkeit oder der Sinn. Wenn die Sinnlosigkeit absolut überwöge, würde mit höherer Entwicklung die Sinnerfülltheit des Lebens in zunehmendem Maße verschwinden. Aber das ist nicht – oder scheint mir – nicht der Fall. Wahrscheinlich ist, wie bei allen metaphysischen Fragen, beides wahr: das Leben ist Sinn und Unsinn, oder es hat Sinn und Unsinn.

Hier komme ich zum eigentlichen Sinne des Beitrags zurück: Ich möchte dir einmal verdeutlichen wie wichtig Freundschaft ist. Sowohl für das Kollektiv, als auch für das Individuum.

Denn in Freundschaften lernt das Indviduum Vertrauen und Geborgenheit außerhalb des „sicheren“ Umfelds Familie. Dies trägt enorm zur eigenen Lebensqualität bei, denn wer ständig Angst hat, vor lauernden Gefahren, der hat gar nicht erst die Möglichkeit, sich mit sich selbst zu befassen und sich um seine Stimmung zu kümmern. In diesem Sinne können Freundschaften auch Ängste lindern, indem Menschen ihre Gefühle mitteilen. Und dazu gehören auch Zukunftsängste über Viren, Klimawandel und Unwetter.

Auch die Harvard University meint nach Abschluss ihrer 75-jährigen Langzeitstudie: Die zufriedensten Menschen haben die qualitativsten Beziehungen bzw. Freundschaften (nicht die meisten!).5 Dies merken wir auch ganz unmittelbar an den Veränderungen in der Gefühlslage, an der Beeinflussung des Ernährungsverhalten u.v.m., wenn unsere Beziehungen gerade nicht so gut laufen oder stressig sind (bspw. auf dem Arbeitsplatz oder in der eigenen Beziehung).

Meine abschließende Frage: Wann hast du deinen Freunden das letzte Mal deine Wertschätzung gezeigt? Vielleicht bewirkt dies so einiges bei dir… aber auch im Kollektiv…

Literaturverzeichnis

1 Warrier, V., Grasby, K., Uzefovsky, F. et al. (2018). Genome-wide meta-analysis of cognitive empathy: heritability, and correlates with sex, neuropsychiatric conditions and cognition.Mol Psychiatry 231402–1409. https://doi.org/10.1038/mp.2017.122

2 Dewar, G. (2016). The social world of newborns: Why babies are born to learn from our sensitive, loving care. ParentingScience. URL: http://parentingscience.com/newborns-and-the-social-world/

3 Rätsch, C., Müller-Ebbeling, C. & Adelaars, A. (2006). Ayahuasca: Rituale, Zaubertränke und visionäre Kunst aus Amazonien. AT Verlag, 3. Auflage, S. 247 ff. ISBN: 3038002704.

4 Jaffe, A. & Jung, C.G. (1993). Erinnerungen, Träume, Gedanken. Walter. ISBN: 3530407348

5 The Harvard Gazette (2017). Good genes are nice, but joy is better. Health & Medicine. URL: https://news.harvard.edu/gazette/story/2017/04/over-nearly-80-years-harvard-study-has-been-showing-how-to-live-a-healthy-and-happy-life/

Es ist dunkel. Das erste was ich höre ist eine lauter und greller Maschinenton, der immer im Abstand von 3 Sekunden auftritt. Einige Zeit später nehme ich eine tiefe männliche Stimme wahr: »Der Patient wird wach, das EKG schlägt aus. Sein Herzschlag beschleunigt sich.« Dann wendet sich die Stimme an mich: »Können Sie mich hören? Bitte antworten Sie und öffnen Sie langsam ihre Augen.«

Ich versuche meine Augen zu öffnen und nehme erste Lichtstrahlen wahr. Zuerst wirkt alles noch verschwommen, dann wird das Bild klarer: Ich bin in einem weißen Zimmer, welches durch Jalousien verdunkelt wird. In meinem Arm befindet sich die spitze Nadel einer Kanüle. Obwohl ich vermutlich mit Schmerzmitteln vollgepumpt bin, spüre ich den schmechenden Schmerz der Nadel deutlich. Langsam wird es mir bewusst: Ich bin im Krankenhaus. 

Aber etwas ist merkwürdig: Die beiden Ärzte, von denen ich stark hoffe, dass sie Ärzte sind, stehen in Schutzkleidung vor mir: Gummianzug, Handschuhe, Schutzhelm. Sie sehen aus, als würden sie sich auf eine Expedition in einen hochgiftigen Sumpf vorbereiten. Es scheint mitten am Tag zu sein und die Sonne scheint, denn auch wenn die Jalousien des Krankenhauszimmers heruntergezogen sind, treffen einige Lichtstrahlen auf den Helm der Schutzkleidung und reflektieren diesen, sodass ich das Gesicht der Ärzte nicht erkennen kann. Voller Verwunderung starre ich die beiden Gestalten an und hoffe, dass sie die Kleidung nur anhaben, um sich einen Scherz zu erlauben. 

Mein Magen fühlt sich flau an.

Die Stimme, die mich gebeten hat, die Augen zu öffnen, stammt von einem Mann, genauer gesagt scheint der Mann links von mir zu stehen. Ich schaue nach rechts und schließe von der Körperhaltung darauf, dass die rechte Gestalt in Schutzanzug eine Frau ist. Die Frau fängt an mit mir zu reden:

»Wissen Sie, wo sie sind?«

»Im Krankenhaus?«, entgegne ich. Auch wenn man es schon weiß, so ist das Aussprechen immer noch mal schlimmer, als es nur zu denken. Denn dann muss man es akzeptieren und kann es vor sich selbst nicht mehr leugnen. »Richtig. Was ist das Letzte, woran sie sich erinnern können?« fragte mich die Ärztin.

Ich schwieg für eine Weile, unfähig mein Unglück zu realisieren. Ich antwortete: »Ich war auf dem Weg in mein Büro… Habe ich dort einen Unfall gehabt?«

Der andere Arzt übernahm wieder: »Ja, sie sind in einen Autounfall verwickelt gewesen. Es war nicht ihre Schuld. Sie waren nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Derjenige, der Schuld am Unfall hatte, ist im Gegensatz zu Ihnen mit weniger Schaden davongekommen. Sie hingegen…«

Der Arzt zögerte. »Was?«, fragte ich. »Sie lagen etwa 12 Jahre im Koma. Wir hatten kaum noch Hoffnung, dass sie überhaupt aufwachen. Wir sind froh, dass Sie nun wieder hier bei uns sind.«

Stille.

Das war einer dieser Momente, in der sich die Zeit merkwürdig plastisch vorkommt. Als ob die Welt auf dem Kopf stehen würde. Oder, als ob ich unfähig wäre, einfachste Worte zu verstehen – dabei hatte ich jedes Wort verstanden, ich konnte es nur nicht realisieren.

»12 Jahre?!«, platzte es aus mir heraus. 

»Ich weiß, es ist schwierig zu verarbeiten«, sagte der Arzt, »aber je früher sie damit anfangen…«. Da unterbrach ihn die Ärztin und meinte: »Nehmen sie sich so viel Zeit dafür, wie sie brauchen. Es ist nicht leicht und wir versuchen sie dabei zu unterstützen, wo wir können.«

Für einen Moment tat ich dies als schlechten Scherz ab. Niemand liegt 12 Jahre lang im Koma. Ich meine, irgendwann werden doch einfach die Maschinen abgeschaltet. Und immerhin stehen die Ärzte hier noch nicht einmal in Person vor mir, sondern versteckten sich hinter ihrer Schutzkleidung. Das ist lächerlich. Als ob ich die Pest hätte. Die Ärzte spürten mein Unbehagen und auch, wenn ihr ihre Mimik nicht durch die Schutzkleidung sehen konnte, erkannte ich die Verlegenheit der Ärzte. 

Dann siegten meine Zweifel und mein Verstand über meine Hoffnung. Ich sagte den Ärzten, ich wolle alles wissen: Welches Jahr wir haben, was in der Zwischenzeit passiert ist, wie es meiner Familie geht usf. Die Ärzte versicherten mir, ich würde alles erfahren. Zu meinem Schutz dürfe ich meine Familie erst in ein paar Tagen sehen. Doch ich würde Unterstützung von einem Psychiater erhalten, der mich schon am nächsten Tag besuchen würde. Nun bräuchte ich erst mal etwas Ruhe. Soll mir nur Recht sein. Auch wenn ich warten hasse, so hasse ich es noch mehr mit Figuren aus Among Us zu sprechen.

Abgesehen von meinem geistigen Ausnahmezustand und meiner Verwirrtheit ging es mir gut. Ich war schon immer recht anpassungsfähig gewesen. Meine Erinnerungen waren bis auf den Unfall vorhanden. Soweit ich es beurteilen konnte, waren auch sonst alle kognitiven Fähigkeiten vorhanden. Es waren keine Wunden mehr vom Unfall auf dem Körper zu sehen, allerdings sind in der Zwischenzeit meine Muskeln atrophiert, sodass ich in den nächsten Wochen ein intensives Aufbautraining absolvieren musste, um wieder laufen und meine anderen Muskeln beanspruchen zu können. Außerdem wurden noch einige Tests mit mir durchgeführt, inwiefern ich sonst körperlich oder kognitiv eingeschänkt war. Das Körperliche wieder geradezubiegen war vermutlich auch nicht das Problem. Viel schwieriger war es wohl, sich von dem Schock zu erholen. In einer falschen Zeit aufzuwachen bedeutete, dass sich meine Familie, Freunde und Mitmenschen verändert hatten und ich meine Wohnung verloren hatte. Ich hatte 12 Jahre an Lebenszeit verloren, geschweige denn von den Ereignissen, die sich in der Zwischenzeit ergeben hatten und die ich verpasst hatte. Die sich nun einstellende Traurigkeit war für mich ein Produkt aus dem Verlust an Lebenszeit und Lebensqualität. Ich war inzwischen gealtert und meine Vitalität hat sich extrem gemindert. Und auch wenn ich mich in der Zeit nach dem Aufwachen elendig fühlte und in Selbstmitleid versank, so wusste ich doch, dass ich mich davon erholen würde. Aber ich weiß nicht, ob mein Psychiater dabei eine so große Hilfe war.

»Erzählen sie mir alles, was nach meinem Unfall passiert ist.«, überging ich hektisch die freundliche Begrüßung des Psychiaters. Ich ignorierte einfach Mal, dass er ebenso wie die anderen Ärzte in diesem Krankenhaus Schutzkleidung trug. Immerhin konnte ich sein Gesicht durch den Schutzhelm sehen, meine Augen waren wieder besser geworden und das Licht blendete nicht mehr so sehr. Auf seinem Schild stand: Dr. Lachmit.

Dr. Lachmit runzelte die Stirn und überlegte vermutlich, wo er anfangen sollte. »Wie sie sicherlich noch wissen, John, war Ihr Unfall im September 2018. Heute ist der 21. August 2030. Ihrer Familie geht es gut, Sie waren lange Zeit besorgt um Sie, wurden aber informiert, dass Sie aufgewacht sind und freuen sich, sie in den nächsten Tagen wiederzusehen.« Ich stieß einen Seufzer aus. »Immerhin das«, dachte ich mir. Ich wusste, dass sie in der Zwischenzeit vermutlich die Hoffnung aufgegeben hatten. Aber ich konnte es Ihnen nicht verdenken. »Und was ist sonst passiert?«, fragte ich. »Warum läuft hier jeder in Schutzkleidung herum, ist Ebola ausgebrochen?«

Dr. Lachmit lachte: »Gott sei dank nicht das auch noch.« Dann wieder Stille. Ich sah ihn fragend an. Er merkte, dass er nicht um diese Antwort herum kam. Auch er seufzte jetzt und schilderte mir die Entwicklung der letzten Jahre.

»Ende 2019 ist das sogenannte SARS-CoV-2-Virus in China ausgebrochen, oder wie jeder es inzwischen nur noch nennt: das Corona-Virus. Wenn sie mich fragen, ist die Bezeichnung etwas irreführend, da es viele Coronaviren gibt, aber wie dem auch sei. Seit dem Ausbruch hat sich die Welt ganz schön geändert. Einige Zeit lang versuchten die Regierungen der Welt die Verbreitung des Virus mit verschiedenen Lockdowns zu begrenzen. Dies hat zu einer erheblichen Anzahl an sozialen und psychologischen Schäden in der Gesellschaft geführt, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Existenzen, die vernichtet wurden. Dennoch war die Mehrheit der Gesellschaft für diese Maßnahmen.

Im Jahr 2022 kam es dann zu einem erheblichen Anstieg an Toten. Keiner weiß so genau warum. Manche sagen, die Regierungen hätten einen Weg gefunden, das Virus schlimmer aussehen zu lassen, als es ist. Andere sagen, dies sei durch die Impfung entstanden. Wieder andere sagen, dass die langfristigen Schäden („Long-Covid“) einer Infektion mit dem Corona-Virus daran Schuld seien. Was genau die Ursache ist, weiß niemand so genau.

Die offizielle Version ist, dass das Corona-Virus die Gesellschaft vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Diese Herausforderungen könnten noch Jahrzehnte dauern und die Regierung tue alles dafür, um diese Herausforderungen zu meistern. Genauer spezifiziert wird es nicht. Der Bevölkerung reicht es jedenfalls. Seitdem verbringen die Menschen den Großteil ihres Tages zu Hause, mehr noch, als vor dem Corona-Virus. Lebensmittel bringen Drohnen nachhause. Die herkömmliche Arbeit haben bis auf einige wenige Ausnahmen Maschinen übernommen. Die Menschen arbeiten nun Vollzeit im Home-Office. Immerhin wird den Menschen eine Stunde am Tag gewährt, um draußen Spazieren zu gehen. Treffen dürfen sie sich nur über Social Media. Haushaltsfremder Kontakt ist genau wie Sport jedoch verboten, da dies die Verbreitung des Corona-Virus fördern soll. Durch die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2022 hat die Regierung auch die rechtliche Befugnis, dies durchzusetzen. Verstöße werden mit Freiheitsstrafen in Isolation verbüßt.«

Dr. Lachmit sah mich schweigend an. Ich wusste nicht so recht, was ich sagen sollte. »Es ist nicht unbedingt eine Dystopie«, sagte Dr. Lachmit, »aber lebenswert ist es auch nicht unbedingt… Wir nehmen es jedenfalls hin, weil wir wissen, dass es für eine gute Sache ist. Das sollten sie auch. Was du vielleicht noch wissen solltest: Versuche keinen Ärger zu machen. Jeder, der seinem Frust in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit freien Lauf gegeben hat, wurde von den Medien und Regierungen als asozial und unsolidarisch diffamiert. Friedlicher Protest ist erlaubt, begrenzt sich aber auf Kommentare in Internet-Plattformen von Zuhause aus, bei denen der Upload-Filter dafür sorgt, dass keine überscharfe Kritik oder Beleidigungen veröffentlicht werden. Kanäle müssen sich an die Richtlinien zur Meinungsfreiheit halten, sonst werden sie gebannt.

Du wirst dich nach deinem Krankenhausaufenthalt unverzüglich in dein Appartement begeben. Deine Familie hatte es in der Zwischenzeit untervermietet. Ich habe mit deiner Mutter per Telefon gesprochen, sie meint, du kannst nach deinem Aufbautraining wieder dort einziehen. Mehr wirst du von deiner Familie erfahren.

Kann ich dir noch irgendwie behilflich sein? Hast du Fragen? Wir haben nicht mehr allzu viel Zeit.«

Nein, ich hatte eigentlich keine Fragen. Oder besser gesagt, ich wollte nicht nachfragen. Ich wollte ehrlich gesagt aufwachen, wie aus einem Albtraum. Dr. Lachmit hatte recht. Eine solche Welt ist nicht wirklich lebenswert. Aber was tun? Alternativen gibt es auch nicht, oder? Ich konnte schließlich nicht einfach wegrennen. Weder körperlich, noch geistig. Es schwirrten so viele Gedanken in meinem Kopf umher. Zu viele, als ich im Stande wäre, alle gleichzeitig zu verarbeiten. 

»Ja, ich würde gerne noch etwas wissen.«, sagte ich zu Dr. Lachmit. 

»Bitte.«

»Wie viele Menschen sind denn an dem Virus gestorben? Und was halten sie davon?«

»Nun, eine genaue Zahl kennt niemand. Inzwischen ist nur noch die Inzidenz bekannt, welche laut Regierung konstant >250 liegt. Bis 2021 sollen etwa 100.000 Menschen an dem Virus gestorben sein. Ab 2022 wurde eine Politik fokussiert, die die Fallsterblichkeit und Todesfälle ausschließt und lediglich die 7-Tage-Inzidenz zentriert. Viele Wissenschaftler waren sich zum damaligen Zeitpunkt einig, dass dies eine gute Lösung darstellen wird. Was ich persönlich davon halte… Nun, mir steht eine Meinung nicht zu. Ich bin lediglich Psychiater. Das überlasse ich den Virologen und Epidemiologen. Wie bereits gesagt, ich denke, wir tun das Richtige.« Dann schaute Dr. Lachmit auf die Uhr, verabschiedete sich mit einem: »Ich muss zum nächsten Patienten.«, und huschte aus dem Krankenhauszimmer. Und ich war wieder allein.

Die nächsten Tage verbrachte ich in Einsamkeit. Bis auf den automatischen Servierservice, der mir mein klinisches Krankenhaus essen brachte, bekam ich niemanden zu Gesicht. Ich hatte viel Zeit, mir Gedanken über das Virus zu machen, über das alle sprachen. Zu einer Meinung kam ich jedoch nicht. Dafür wusste ich zu wenig.

In jeder Sekunde, an jedem Tag, in jedem Jahr deines Lebens erfindest du deine Wirklichkeit. Das ist der Ansatz des radikalen Konstruktivismus. Diese erkenntnistheoretische Position geht davon aus, dass jedes Subjekt (also du & ich) aufgrund der bisherigen Erfahrungen die Wirklichkeit erschafft.

Diese Idee wird dann erkenntlich, wenn wir bedenken, dass die Erinnerungen an die Kindheit zumeist sehr schwach ausgeprägt sind und wenn wir uns an etwas erinnern, dann weil wir etwas besonders schön oder leidvoll empfanden. Es sind somit die besonderen Momente, ob positiv oder negativ, die das weitere Leben tiefgehend beeinflussen. Außerdem denken Kinder qualitativ anders als Erwachsene, da sie noch nicht so viele Erfahrungen haben, die sie in ihren Reaktionen konditioniert haben. Dies führt dazu, dass sie spontaner, leichtlebiger und eben auch naiver sind.

Das erinnert mich an die folgende Bibelstelle:

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie  3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 
5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Matthäus (18, 1-5)

Mit diesem Ausspruch war sicherlich nicht gemeint gebt die Verantwortung von euch; kümmert euch nicht um euch, sondern lasst andere für euch sorgen; seid naiv; tragt wieder Windeln wenn ihr von dieser Welt scheidet oder habt blindes Vertrauen.

Damit war gemeint, dass nur diejenigen, die reinen Herzens sind, Erlösung finden. Und Erlösung meint nicht irgendwo im Jenseits (auch wenn es dies durchaus auch umfassen kann), sondern ganz unmittelbar im Hier und Jetzt. Kinder sind unmittelbar an das Herz angebunden, denn sie sind nicht vom Verstand gelenkt.

Ein Herz ist schwach wie stark. Es kann hell leuchten und genauso kann es verdunkeln. Es kann von Gutherzigkeit erfüllt sein, ebenso wie es mit Bösartigkeit erfüllt sein kann. In gewissem Maße kann das Herz als der Heilige Gral bezeichnet werden, als das Gefäß, dass die Taten des Menschen aufwiegt. Und nur derjenige, der die Absicht hat zu heilen, zu helfen und Frieden zu stiften, gelangt durch das Tor, das nicht mit dem Verstand begriffen werden kann. Wer böses tut, dem wird wiederum böses vergolten (auch von sich selbst!)

In gewissem Maße erlebt jeder Mensch seine ganz eigene Geschichte. Die Geschichte beginnt zumeist in der Kindheit mit der Erziehung, führt über die Sozialisierung in der Schule und schließlich über den Arbeitsplatz in den Ruhestand. Das muss aber nicht so sein. Jeder darf über sich selbst entscheiden. Letztlich muss man sich nur vor sich selbst rechtfertigen.

Was alle gemeinsam haben, ist, dass jede Geschichte Höhen und Tiefen hat. Ob du nun auf dem Land lebst, im Dschungel oder in einer Großstadt. Du als Held deiner Geschichte erfährst Freude und Leid auf deinem Weg zum Ziel. Und dieses Ziel kann nur heißen: So frei zu sein, wie die Kinder und sich nicht mit dem zu quälen, was auf dem Weg passiert ist. Und auch wenn es schwer fällt, das Ziel kann immer nur sein: Loslassen.

Um nun den Bogen zu schlagen: Der radikale Konstruktivismus schlägt vor die eigene Geschichte umzuschreiben, um der Wirklichkeit näher zu kommen und mehr von den schönen Dingen des Lebens zu haben. Und dem stimme ich zu. Ich möchte allerdings ergänzen: Manche Dinge lassen sich nicht vermeiden und sollten auch nicht vermieden werden. Denn auch das Leid macht uns zu dem Menschen, der wir heute sind. Wir sollten nur Lernen alle Facetten des Lebens zu akzeptieren. Denn die Wirklichkeit ist jederzeit da.

Es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren.

Was auch immer du vor hast, sei dir deiner selbst bewusst.

Und glaube an dich.

Welche Geschichte möchtest du schreiben?

Ich möchte den Beitrag mit einem Verweis auf die Seite meines Freundes Christopher Reusch schließen, der vor kurzem begonnen hat Geschichten zu schreiben. Wer ein wenig Englisch versteht, der wird sich sicherlich an den kleinen Geschichten erfreuen.

Passend zu diesem Beitrag: THE CHILD THAT FORGOT ABOUT HEAVEN