Wer Wasser predigt, sollte nicht Wein trinken. Zur gestrigen Debatte im Bundestag (17. März 2022) möchte ich einmal die Zeit nutzen, um die Fehlentscheidungen der vergangenen zwei Jahre zu reflektieren – und zu verzeihen. Mein neuestes Buch „Psychologie der Rache“ hilft mir hierbei.

Es war ein Satz, der in Anbetracht der damaligen Lage geradezu lächerlich klang: Jens Spahn sagte noch im April 2020: „Wir werden in ein paar Monaten wahrscheinlich viel einander verzeihen müssen.“

Mittlerweile hält die Pandemie nun knapp zwei Jahre an. Vermutlich hätte niemand gedacht, was in dieser Zeit alles möglich gewesen ist – wer eben jene Ereignisse prophezeit hätte, wäre entweder als Verschwörungsschwurbler abgestempelt worden oder eingewiesen. Ich möchte die Vorkommnisse an dieser Stelle nicht erneut revidieren, das haben sehr kluge Köpfe wie Gunnar Kaiser, Ulrike Guérot und viele andere schon zu Genüge getan.

Wer aber die damaligen Zeilen des Tagesspiegels von April 2020 liest, der wird aber zumindest nicht um ein Lächeln herumkommen:

Je länger die Covid-19-Bekämpfungsdebatte anhält, desto vernehmbarer werden Untertöne und Mutmaßungen. Will die Regierung eine Bewegungs-App, um uns zu überwachen? Schränkt sie elementare Freiheitsrechte ein, um uns zu kontrollieren? Plädiert sie für Abstandsgebote und Kontaktsperren, weil ihr Wirtschaft und Wohlstand dieses Landes egal sind?

Absurditäten dieser Art schleichen sich zunehmend in den Diskurs, und in die Vorhaltungen mischt sich Ungeduld. Kein Wunder, dass selbst die Kanzlerin mit dem Begriff „Öffnungsdiskussionsorgie“ ihre Contenance verlor.

Lehming, Tagesspiegel (2020)

Noch heute verurteilen Medien und Politiker selbst kleine Öffnungsschritte in einem ähnlichen Ton wie Angela Merkel damals mit dem Begriff „Öffnungsorgie“.

Viele Verschwörungstheorien sind mittlerweile leider wahrgeworden. Obwohl lange „als bösartig und absurd“ (Kretschmer, MP Sachsen) bekämpft, ist der Plan einer Impfpflicht realer denn je, Daten aus Corona-Apps können mittlerweile zur Strafverfolgung genutzt werden, die Bevölkerung wurde bewusst in Angst und Schrecken vor dem Virus versetzt, ungeimpfte Menschen wurden (und werden) mit Beschimpfungen wie „asozialer Trittbrettfahrer“ aus dem öffentlichen Leben geschmissen, Kabarettisten und Kritiker des offiziellen Diskurses werden diskreditiert oder von Veranstaltungen ausgeladen, die freie Meinung in öffentlich-rechtlichen Sendern wird unterbunden, Wissenschaft wird einseitig gefördert – es kommen immer die gleichen Wissenschaftler zu Wort und werden auch noch mit dem Begriff „false balance“, das Bundesverfassungsgericht nickt einfach alles ab (oder besser: alles Entscheidende), was die Regierung beschließt, der Geisterfahrer-Maßnahmen-Kurs von Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nimmt kein Ende,
und und und …

Aber irgendwann wird jeder einmal an den Punkt gelangen, an dem nicht mehr nur die eigene Verleugnung, Verhandlung, Wut oder Resignation die Reaktion auf die Hilflosigkeit gegenüber der Politik ist. Irgendwann ist man dieses Gefühls-Chaos überdrüssig und spürt, dass nun das Leben weitergelebt werden muss – ohne Reue, ohne Vorwürfe, ohne Schuldzuweisungen, ohne Trauer.

Inzwischen haben wir uns genug aufgeregt, empört, widersetzt, gehasst, verbittert, besorgt, argumentiert, gestritten, beschimpft, verleumdet, gewundert…

Wir haben mittlerweile genug Hetze und Hass gesehen, ob nun durch Schuldzuweisungen an ungeimpfte Menschen oder durch Beleidigungen und Diffamierungen gegen Menschen mit alternativen Meinungen zum Mainstram.

Nun wollen wir verzeihen, wollen wir einander wieder in die Arme nehmen, wollen wir Menschen mit anderen Ansichten und Perspektiven tolerieren. Denn es ist nicht schlimm, andere Meinungen zu haben – es ist nur schlimm, diese Meinung einander aufzuzwingen.

Wie aber kommen wir von dem derzeitigen, völlig radikalisierten, illusionierten, pervertierten und abstrusen Zustand wieder zu einer gemäßigteren Ausgangslage? Ist das wirklich so leicht, wie es sich anhört?

Ganz und gar nicht! Gewissermaßen erfordert es viel Zeit und Mühe, verspricht dafür aber auch wesentlich mehr Seelenfrieden als der bisherige Weg, den wir eingeschlagen haben.

Ganz im Sinne meines Buches „Psychologie der Rache“ ist hierfür das Gefühl der Kohärenz notwendig. Kohärenz beschreibt im Grunde genommen die „Stimmigkeit“ oder das „Selbstverständnis“, mit der sich ein Mensch in der Welt bewegt. Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass die allermeisten Menschen derzeit in einem Zustand der Inkohärenz leben – sei es, weil sie glauben, dass die Pandemie nur mit einer Impfpflicht bewältigbar sei oder weil sie glauben, dass jede Maßnahme grundsätzlich schlecht und böse war. Natürlich gibt es auch Positionen dazwischen, aber die bürgerliche Mitte hat sich längst in radikale(re) Positionen verschoben.

Wie stellen wir also das Gefühl der Kohärenz wieder her? Meine Antwort darauf ist das buddhistische Konzept „Dukkha“ (die erste Wahrheit der edlen vier Wahrheiten), was so viel wie „das Leben ist Leiden, alles Leiden ist vergänglich“ bedeutet.

Im Kontext des aktuellen Zeitgeschehens (ob es nun die Pandemie, der Krieg oder die weltweiten Hungersnöte sind) könnte Dukkha viele Bedeutungen haben.

Vielleicht könnte Dukkha bedeuten, dass die notwendigen Übel akzeptiert und integriert werden müssen? Klingt abstrakt, hat aber einen ganz realen Bezug: Was sich vorerst nicht ändern lässt, dürfte wesentlich leichter zu ertragen sein, wenn man sich damit auseinandersetzt. Nicht nur auf einer intellektuellen Ebene, sondern auch auf einer emotionalen. Und um sich emotional mit etwas zu beschäftigen braucht man eine gute Verbindung zu sich selbst. Also sollten wir vielleicht weniger auf äußere Ablenkungen setzen und mehr auf innere Impulse.

Vielleicht könnte Dukkha auch bedeuten, dass Freude und Leid für jedes Individuum zum rechten Zeitpunkt kommen werden – und sich damit natürlich auch das Karma einstellt, was sich jemand selbst aufbürdet. Tue Gutes und dir widerfährt Gutes. Tue Schlechtes und dir widerfährt Schlechtes. Klingt eigentlich ganz leicht. Ist es auch. Sagen wir mal es gäbe so etwas wie Karma. Vergiss das Karma von anderen – wie sieht es mit deinem Karma aus? Hast du dir in dieser Zeit mehr Karma aufgelastet oder etwas von deinem Karma abgebaut?

Vielleicht bedeutet Dukkha auch, dass Freude im Leben nicht vom Leid abhängig ist. Die Politik macht dir das Leben schwer? Oder Impfgegner? Dann mach es dir verdammt noch mal wieder leicht! Du bist für dein eigenes Schicksal verantwortlich, und das auch in einer Zeit, in der der Kollektivismus wieder schwer im Trend ist. Die Abkehr von der Gesellschaft ist immer zugleich auch eine Chance auf Individualisierung und damit auf Heilung. Das hat Erich Fromm so gut beschrieben wie kaum ein anderer Denker.

Dukkha ist sicherlich kein Patentrezept, kann aber bei Realisierung einen wichtigen Beitrag für das eigene Kohärenzempfinden leisten.

Schlussendlich ist Vergebung immer ein steiniger Weg, der viel Ressourcen (Geduld, Zeit, Einsicht) benötigt. Ich habe in meinem Buch „Psychologie der Rache“ mehrere selbst entwickelte Modelle integriert, die dich womöglich interessieren könnten.

Ich bin mittlerweile an dem Punkt der Vergebung angelangt. Die letzten zwei Jahre werden eh nie so aufgearbeitet werden, wie sie es eigentlich müssten. Vielleicht in ein paar Jahrzehnten, aber nicht jetzt, wo es gebraucht werden würde. Wofür also aufregen? Warum sollte ich mein Kohärenzempfinden für einen Weg verschwenden, der ohne Zweifel eine Einbahnstraße ist?

In gewisser Weise ist der Ausweg aus dieser Pandemie für mich die völlige Ausweglosigkeit. Erst wenn jeder Mensch seinen eigenen Irrgarten erkennt, seinen Irrtum eingesteht (dass die eigene Meinung wichtiger als das soziale Geschehen ist) und anfängt zu verzeihen, können wir auch kollektiv Heilen. Heilung beginnt also beim Individuum, überträgt sich aber auch aufs Kollektive.

Als Beleg für diese Behauptung lassen sich diverse Erzählungen anführen: Etwa die biblische (und wohl weltweit bekannteste) Geschichte von Jesus von Nazareth, aber auch die buddhistische Geschichte von Buddha und dem Mann, der ihm ins Gesicht spuckte. Es gibt aber auch gegenwärtige Beispiele für die Kraft der Vergebung, etwa den Dalai Lama, der der chinesischen Regierung für die Besetzung Tibets und Ermordung der Mitglieder seines Volkes verziehen hat. Die Vergebung dieser Menschen wird das entstandene Leid sicherlich nicht ungeschehen machen, dafür aber relativeren.

Auch ich möchte wieder mehr relativieren können. Ich möchte wieder mehr den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge legen. Auf meine Arbeit, meine Hobbys, meine Freundin, Freunde und Familie und natürlich auf mich selbst. Und das kann ich nun mal nicht so gut, wie wenn ständig etwas in meinem Nacken sitzt, was mich in meiner Würde, Selbstbestimmung und Freude hemmt.

Ich werde schon sehr bald 24. Viele junge Menschen in meinem Alter sprechen davon, dass Ihnen durch die Pandemie (bzw. durch andere Menschen) ihre Zeit zum Feiern, für die Uni, für Liebschaften und vieles mehr genommen wurde. Aber für mich klingt dies sehr stark nach unverarbeitetem Groll. Alle Menschen haben extreme Verluste in dieser Zeit zu beklagen – vielleicht sogar, weil andere Menschen böse oder ignorante Absichten hatten. Aber darum geht es eben für mich nicht. Diese Ansicht führt uns nur in den Abgrund.

Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, dann weiß ich, dass es kein leichter Weg war, aber dass ich immer für mich eingestanden habe, für meine Werte eingetreten bin und meine Zeit genossen habe. Und wenn der ein oder andere sich dieselbe Zeit zum Reflektieren nimmt, wird er möglicherweise auf dasselbe Ergebnis kommen … ganz ohne Schuldzuweisungen.

Herzlich
Tristan

P.S.: Natürlich schreibe ich über Vergebung nur aus meiner Perspektive und vergeben tue ich auch nur für mich. Ich glaube nicht, dass ich den Anspruch habe, eine kollektive Entschuldigung mit diesem Blogbeitrag zu verfassen. Jeder sollte dies mit sich selbst ausmachen. Mein Beitrag kann hierfür eine kleine Anregung sein, den eigenen Groll zu überwinden.


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Ob es wohl in diese dramatische Episode der Menschheitsgeschichte passt, dass ich ein Buch über die Psychologie der Rache geschrieben habe? Wer weiß. Was ich weiß ist, dass viele Menschen Angst, Wut, Hass und eben Rachegedanken haben und diese nicht richtig einordnen können. Vielleicht kann mein neues Buch hier einen Ansatzpunkt liefern…

Wie immer wenn ich ein neues Buch veröffentliche, möchte ich es hier auf meinem Blog vorstellen und einen kurzen Abschnitt aus dem Buch zu lesen geben. Ich wünsche viel Interesse und Klarheit dabei!

Kurzinfos:

Bestellen bei Tredition
Auch erhältlich bei: Amazon | Thalia | Hugendubel | buecher.de & Co.

Titel: Psychologie der Rache – Der Weg zur Vergebung
Kosten: Hardcover 17€ | Softcover 25€ | eBook 12,99€
ISBN: 978-3-347-57323-9 (Paperback), 978-3-347-57324-6 (Hardcover), 978-3-347-57325-3 (e-Book)
Verlag: Tredition
Seitenzahl: 130
Wörter: ca. 17.500
Format: Taschenbuch (19×12,5cm)
Veröffentlichungsdatum: 22. März 2022
Leseprobe: auf Tredition

Der Klappentext zum Buch lautet:

Jeder Mensch kommt in seinem Leben in Kontakt mit Rachegefühlen. Doch viel zu selten wird vor dem kritischen Moment reflektiert, wie es überhaupt zu dem Bedürfnis nach Rache gekommen ist – und was nun zur Deeskalation zu tun ist.

Dieses Buch bietet eine Perspektive über die Sinnhaftigkeit von Rachegefühlen und welche unglaubliche Kraft hinter der Vergebung steckt.

Wie komme ich dazu, ein Buch über Rache zu schreiben?

Bücher zu schreiben ist für mich eine Art, um Geschehenes zu verarbeiten. Darum werdet ihr auch eine ganz persönliche Geschichte in diesem Buch finden. Das Erlebte hat bei mir dazu geführt, dass sich Rachegedanken entwickelt haben, die ich eigentlich gar nicht haben wollte.

Aber kein Mensch ist perfekt und kann immer sofort vergeben (so auch nicht ich), weswegen ich dann versucht habe herauszufinden, weshalb diese Gedanken überhaupt da waren. Ich habe unter anderem festgestellt, dass es sehr stark auf die Perspektive des Erlebten ankommt, um das Geschehene zu verarbeiten. Dafür habe ich auch mehrere (teils auch von mir entwickelte) Modelle vorgestellt, die helfen können, Rachegedanken akzeptieren zu lernen und aktiv dazu beizutragen, um den Weg der Vergebung zu wählen.

Letztlich wird der Leser bzw. die Leserin meines Buches ja auch nicht alleine durch das Lesen von ihren Gedanken befreit – dafür ist harte Arbeit notwendig, die nur diejenigen leisten können, die auch willens sind, das Geschehene zu verarbeiten. Manchmal sind wir auch schlicht noch nicht bereit zu verzeihen. Und das ist auch in Ordnung, jeder braucht hier sein eigenes Tempo.

Ich habe jedoch auch versucht, Mut zu geben, indem ich in dem Buch schreibe, wie universell Rachegefühle sind. Auch die Helden in einer Geschichte haben Verluste zu beklagen und so kommt es nicht selten vor, dass der Protagonist unserer Lieblingsgeschichte nach Rache strebt, um seinen Verlust zu vergelten. Aber ist Rache grundsätzlich „schlecht“ oder ist es unter gewissen Umständen gerechtfertigt? Gerade wenn wir uns mit jemandem identifizieren können, haben wir das Gefühl, dass derjenige seinen Verlust vergelten darf. Ja, an mancher Stelle wirkt der Protagonisten dadurch sogar menschlich. Rachegefühle machen uns auch nicht grundsätzlich „unmenschlicher“, es kommt letztlich eher darauf an, wie mit der Situation umgegangen wird.

Ich habe mehrere Filme als Beispiele gewählt, darunter Star Wars, Lucy und Cruella. Ich habe aber auch auf Erzählungen bzw. Geschichten sowie tatsächlich passierte Geschehnisse zurückgegriffen.

Vielleicht ist der Wert dieses Buches für die Leser darin zu bemessen, dass aus einer großen Palette an unterschiedlichen Metaphern die Entstehung und der Umgang mit Rache untersucht und geschildert wird. Es ist sicherlich kein Fachbuch, dafür habe ich bewusst zu wenig Quellen genutzt, dafür aber ein ganz persönliches Buch.

Manchmal sind mehr Beschreibungen auch gar nicht unbedingt besser, deshalb möchte ich nun lieber erstmal mein Buch selbst für sich sprechen lassen.

Ein weiteres „beliebtes Motiv“ des Racheaktes, falls man das so nennen kann, ist die Brandstiftung. Ob es zwischen Mann und Frau, zwischen Mieter und Vermieter oder zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschieht: Häufig kommt es dazu, dass Menschen versuchen, das Hab und Gut des Gegenübers zu vernichten, oder auch den Menschen, um sich für erlittenes Leid Vergeltung zu verschaffen. Nicht selten schaffen es solche Geschichten auch in die Medien. Doch was steckt dahinter, dass ein Mensch Feuerteufel spielen möchte? Warum wird gerade das Feuer als Mittel zur Vergeltung genutzt?

Das Feuer ist eine sehr gute Metapher für die Rache. Natürlich ist Feuer nicht nur eine Metapher für Rache, sondern auch für Leben generell, für Energie (physisch wie psychisch), für Wärme und Geborgenheit, für Stärke und Entschlossenheit. Aber einige Eigenschaften des Feuers lassen sich sehr gut mit denen der Rache verbinden. So ist ein Feuer impulsiv und unbändig, es verschlingt alles Brennbare in seinen Flammen, wenn es nicht erstickt oder durch Wasser gelöscht wird. Insofern hat Feuer auch in semantischer Hinsicht und als symbolischer Akt nicht viel mit Gnade oder Vergebung gemein, dagegen viel mit der erbarmungslosen Macht des Hasses. Dem Gegensatz des Feuers, dem Wasser werden dagegen viele Eigenschaften zugeschrieben, die mit Gnade und Vergebung einhergehen. Wasser ist sowohl fließend und beruhigend als auch sanftmütig und rein. Außerdem kann Wasser heilen, nähren und sogar reinigen. Wird Feuer durch Wasser gelöscht, dann entstehen Rauch und Asche aus dem Brennmaterial. In gewisser Weise ist die Umwandlung von Stoffen durch das Feuer ein Akt der Zerstörung und des Hasses, entfernt auch der Rache, im Gegensatz zu Wasser, welches Erlösung bietet und den alten Zustand aufrechterhält. Natürlich kann auch ein Mensch mit Wasser Rache verüben (z. B. durch Ertränkung), dies scheint mir jedoch der wesentlich seltenere Fall zu sein. Feuer eignet sich auch für den Rachsüchtigen als das bessere Mittel der Wahl, weil das Feuer Zerstörung und Verwüstung verspricht, was auch durch die Vergeltung das Ziel der Rache ist. Ich möchte hier noch kurz etwas zu Zerstörung anbringen: In vielen Religionen wird auch der Zerstörung ein Gott zugeordnet (zum Beispiel Lucifer, Shiva, Ares…). Zerstörung ist ein natürlicher Teil der Schöpfung, der etwas Erschaffenes in den primordialen Urzustand zurückschickt. Viele Philosophen wie F. W. Schelling sehen den Akt der Zerstörung somit als etwas Reines und Unverfälschtes. 

Neben den bekannten Feuerteufeln gibt es auch Berichte über Racheangriffe durch ein Säureattentat. Dies ist wohl mit die schlimmste Form der Rache, mit welcher das Leben eines Menschen zerstört werden kann, schlimmer noch, als es mit Feuer durch die Verwüstung eines Hauses geschehen könnte. Denn es ist ein großer Schmerz, Hab und Gut zu verlieren, aber es eine wirkliche Qual, nicht mehr in den Spiegel blicken zu können, ohne Reue, Wut, Angst und Trauer zu empfinden. Säure erfüllt hierbei jedoch einen ähnlichen Auftrag wie das Feuer, denn beide sollen Zerstörung und Verwüstung anrichten, wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen des menschlichen Erlebens.

Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn euch mein Buch gefällt und ihr euch zu einem Kauf entschließen würdet. Falls ja bedanke mich an dieser Stelle schon mal und wünsche viel Spaß beim Lesen.

Herzlich
Tristan


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Die Suche nach dem Sinn und der Zufriedenheit nimmt seit einiger Zeit kontinuierlich zu. Immer mehr Bestseller erscheinen und versprechen dem Menschen, dass er durch Lesen des Buches ein Stück weit mehr zu ihm selbst findet. Wenn wir einmal von den positiven Bewertungen absehen, die zumeist darauf zielen, zu erklären, wie das Buch funktioniert oder warum Zufriedenheit für den Rezensenten so wichtig ist, bleibt häufig langfristig „kaum“ etwas Nachhaltiges von dem Buch im Gedächtnis. Eine wirkliche Veränderung, so habe ich das Gefühl, regen Ratgeber und Coaches nicht wirklich an.

Woran liegt das?

Wie entsteht Zufriedenheit?

Wie Zufriedenheit wirklich entsteht, weiß eigentlich kaum jemand. Eigentlich weiß es nur derjenige, der es spürt. Denn letztlich ist es ein Gefühl, das im Hintergrund agiert und auch in den aufbrausenden und turbulenten Zeiten anwesend ist. Wir sollten also Zufriedenheit nicht mit Glück oder Freude verwechseln. Glücklich sind wir, wenn uns etwas Gutes passiert. Freude wird ganz ähnlich wie Glück beschrieben, vielleicht ist Freude jedoch noch ein wenig mehr auf den sozialen Umstand, als auf den generellen Umstand bezogen. Dies macht kaum einen Unterschied. Einen wesentlichen Unterschied gibt es zwischen Freude/Glück und Zufriedenheit.

Diesen Unterschied biochemisch festzustellen, ist nicht falsch. Einige Menschen korrelieren Glück/Freude mit dem Glückshormon Dopamin, welches immer dann im Gehirn ausgeschüttet wird, wenn wir eine Belohnung erhalten oder eine Herausforderung bestehen. Dopamin ist somit ein Hormon, welches sich durch äußere positive Reize auszeichnet.

Serotonin, ebenfalls häufig als Glückshormon bezeichnet, ich nenne es eher das Zufriedenheitshormon, ist da anders. Serotonin wird hauptsächlich (90-95%) im Bauch produziert. In der Depressionsforschung gibt es beispielsweise die Serotonin-Mangel-Hypothese.1 Darum werden auch Selektive-Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) als Antidepressiva in der Therapie eingesetzt. Auch wenn ein solches Medikament kurzfristig Linderung verschaffen kann, so ist die Idee, ein Serotonin stärkendes Medikament bei Depressionen einzusetzen, nicht zu Ende gedacht.

Zum einen, weil eine Gabe des Vorläufers von Serotonin, die essentiellen Aminosäure L-Tryptophan (die wir jeden Tag durch die Ernährung zu uns nehmen müssen) durchaus ebenso effektiv sein kann.2,3 Aber auch dies ist wiederum nur eindimensional gedacht: Denn kurzfristig kann die L-Tryptophan-Gabe vielleicht den Serotonin-Spiegel erhöhen – aber wie sieht es langfristig aus? Die eigenen Hormone passen sich entsprechend der eigenen Gefühls- und Gedankenwelt an. Serotonin ist demnach ein Hormon, was von dir selbst als Nebenprodukt eines zufriedenen Daseins erzeugt wird. Nicht, weil du darauf aus bist, Serotonin zu erzeugen, sondern, weil deine Gefühls- und Gedankenwelt schlicht gesund ist. Du fühlst dich – umganssprachlich betrachtet – einfach wohl in deiner Haut.

Anders ist es bei Dopamin: Der Mensch jagt geradezu Belohnungen und Herausforderungen hinterher. Interessanterweise, und dies wissen die wenigsten Menschen, sorgt konstanter Dopaminüberschuss (oder ein Dopamindefizit) für eine Fehlregulierung von Serotonin. Serotonin wiederum kann auf Neurotransmitter wie Dopamin (oder auch GABA) stabilisierend wirken.4,5

Mehr dazu findest du auch in meiner ersten Podcast-Folge:

Es gibt also durchaus einen Grund dafür, warum der Körper das Serotonin „fehlreguliert“ (besser wäre aber zu sagen „anpasst“). Hier kann dann mit einer Tryptophan-Gabe unterstützt werden, aber das eigentliche Problem liegt wo anders. Aus den bisherigen Ausführungen mag dies vielleicht bereits klar sein, aber ich möchte es auch noch einmal ausführlich beleuchten, damit jeder eine erweiterte Perspektive auf das Thema Zufriedenheit erhält (und dies nicht nur biochemisch versteht, denn dies ist es gerade nicht!).

Serotonin wird, wie bereits erwähnt, hauptsächlich im Bauch produziert. Wer sich ein wenig mit anderen Lehren, als der westlichen Wissenschaft, beschäftigt hat (z.B. Ayurveda, TCM), der weiß auch, dass der Bauch gemeinhin als Sitz der Gefühle verstanden wird. Spätestens seit der post-modernen Wissenschaft hat man sich dieser Idee auch angenähert: Das Bauch-Gehirn (enterisches Nervensystem) ist laut Forschern über die gut-brain-axis (Darm-Gehirn-Achse) mit dem Gehirn verbunden. Das Bauchgehirn und die Darm-Gehirn-Achse ist inzwischen eine valide Hypothese, die das Zusammenspiel zwischen Intellekt und Emotion erklärt.

Wenn also Serotonin nicht in dem Maße vorhanden ist, wie es gewünscht wird, dann liegt das an den eigenen Bedürfnisse, Trieben, Gefühlen und Emotionen, die in irgendeiner Form nicht vom Individuum bewältigt werden können. Möglicherweise, weil sie unterdrückt werden, vielleicht auch, weil einfach nie ein Umgang mit Ihnen gepflegt wurde. Die Wurzel der Zufriedenheit ist jedenfalls nicht Serotonin, wie einige Ratgeber-Zufriedenheits-Alles-Wissen-Lehr-Coaches behaupten mögen, sondern schlicht der Mensch und sein Innenleben.

Ideen der Psychologie

In der Psychologie gibt es einige sehr interessante Ideen, weshalb Gefühle und Emotionen nicht „richtig fließen“ können (fernöstlich ausgedrückt) bzw. aufgestaut und unterdrückt werden.

Die bekannteste Idee ist wohl die des Unterbewusstseins. Nach dieser Theorie verfügt jeder Mensch über einen bewussten Anteil, dementsprechend alles was zum jeweiligen Zeitpunkt fühlt, denkt, erkennt; und über einen unbewussten Anteil in dem alle Aspekte seines individuellen Seins liegen, was er gerade nicht brauchen kann (z.B. Autofahren). Je mehr Informationen auf das Individuum einströmen, desto mehr muss es auch darauf achten, die Informationen zu verarbeiten und zu selektieren. Ansonsten können Gefühle der Überforderung folgen und Stress (erklärbar über die Hormone Cortisol und Adrenalin, ein Abkömmling von Dopamin) entstehen. Werden diese Informationen nun nicht verarbeitet, dann werden sie lediglich vom Bewusstsein ins Unbewusste „abgeschoben“. Mit der Zeit entsteht ein Berg an nicht-gelebten Erfahrungsinhalten, der Probleme auf der geistigen und körperlichen Ebene verursachen kann. Hier kommt etwa die Psychosomatik ins Spiel, die eine Deutung dieser nicht-gelebten Erfahrungsinhalte auf körperlicher Ebene versucht.

Erweitert wird diese Idee auch in der Trauma-Forschung aufgefasst. Hier geht es weniger um die Menge an Informationen, als vielmehr um die Intensität. Zu Beginn des Lebens scheint ein Mensch die Welt noch „ungefiltert“ wahrzunehmen, da ein Kind keine Möglichkeit zur Rationalisierung hat. Dementsprechend intensiv können bestimmte Erfahrungen sein, die, wenn sie nicht verstanden werden, potentiell verdrängt werden. Was genau ein Trauma für ein Kind ist, das ist ganz und gar individuell – für jedes Kind sind unterschiedliche Erfahrungen unterschiedlich positiv und negativ (vielfach auch bedingt durch den Charakter, Anlagen, Fähigkeiten).

Möglichkeiten zur Lösung des Dilemmas bietet beispielsweise die Transpersonale Psychologie über bewusstseinserweiternde Erfahrungen. Beim holotropen Atmen, in der Meditation, auf Psychedelika, in der Hypnose (oder anderen Trance-Zuständen) erhält das Individuum bewusst „Zugriff“ auf das Unterbewusstsein. Das Individuum kann in diesen Zuständen sich selbst besser kennenlernen, weil es zum einen merkt, dass es nicht nur der „bewusste Teil“ seiner selbst ist. Es merkt, dass es auch noch sehr viel mehr ist (bis hin zu transzendenten Zuständen, d.h. allumfassenden und allwissenden Erfahrungen). Zum anderen lernt es sich selbst zu relativieren. Sich selbst zu relativieren bedeutet loslassen zu können und nicht mehr starr an (vorher vielleicht noch unbewussten) Themen festzuhalten.4

Auch die „standartisierte“ Psychotherapie versucht über die Gesprächstherapie einen Zugang zum Unterbewusstsein des Individuums zu finden, allerdings ist diese Möglichkeit sehr viel begrenzter, theoretischer und mühevoller. Letztlich hat immer das Individuum die Oberhand über sein eigenes Innenleben, nicht der Therapeut. Somit kann das Individuum den Heilungsprozess verzögern, beispielsweise indem es die Verantwortung auf den Therapeuten verschiebt oder sich selbst anlügt.

Innenleben

„Was hat dies nun mit Zufriedenheit zu tun?“, magst du fragen.

Jede Menge!

Letztlich versucht jeder die eigene Zufriedenheit zu erreichen, die wenigsten wissen aber, was es ist oder interpretieren die Zufriedenheit falsch. Dies liegt auch daran, dass die Erinnerung an die Tage der eigenen Zufriedenheit zumeist stark verblassen (das Gefühl der Zufriedenheit muss durch die eigene Erfahrung der Wirklichkeit aufrechterhalten und gefüttert werden…). Auch in Anbetracht der negativen Erfahrungen, die jeder von uns macht. Negative Erfahrungen werden zumeist als sehr viel schlimmer erfunden, als positive Erfahrungen.

Und hier kommt die Krux: Eigentlich geht es gar nicht darum. Es geht nicht um positive oder negative Erfahrungen. Nur dem Glück hinterherzujagen hat noch keinen Menschen auf der Welt glücklich gemacht. Irrwitziger Weise glauben wir dies aber: Denn die negativen Erfahrungen sind es schließlich nicht, die uns zufrieden machen, oder?

„Ja, wie soll man den zufrieden werden, wenn man auf die Dinge achtet, die einen unglücklich machen?“

Gar nicht, das zieht die meisten Menschen überhaupt erst in ihren Sumpf hinein.

Beides scheint mir eine Sackgasse zu sein. Auch diejenigen, die behaupten, dass die negativen Erfahrungen uns zu dem machen, was wir sind, lenken die Aufmerksamkeit auf das Falsche. In erster Linie sollten wir uns fragen, warum wir den überhaupt in solchen Kategorien wie Lust und Unlust, wie Zufriedenheit und Unzufriedenheit, wie Glück und Pech denken?

Wenn wir unser Leben anschauen, so merken wir, dass wir ständig in einem Ritt aus Höhen und Tiefen stecken. Mal geht die gute Laune hoch, mal geht sie wieder runter. Doch unsere Misere beginnt eigentlich dort, wo wir nicht wahrnehmen, dass sich die Stimmung eigentlich dabei ist zu wandeln.

Häufig glauben wir, dass es „nicht besser werden kann“ oder „nicht noch schlimmer kommen kann.“ Doch, es geht immer noch besser oder schlimmer, aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass a) viele Menschen sich sträuben den Moment so anzunehmen, wie er gerade ist und b) wenn sich ein Kurswechsel einstellt, am alten Moment hängen bleiben.

Es gibt Momente voller Traurigkeit, genauso wie es Momente voller Freude gibt. Dies wird nicht anders bei zufriedenen und unzufriedenen Menschen sein. Nur glaube ich fest daran, dass die zufriedenen Menschen jede Situation ungeachtet von Erwartungen annehmen können. Der Moment der Bitterkeit wird ebenso ausgekostet wie der Moment der Süße und Herzhaftigkeit. Dies führt dazu, dass keine Angst vor dem Neuen entsteht („es kann ja noch schlimmer werden“) und das Alte losgelassen werden kann („es kann ja nicht noch besser werden“).

Damit es nicht zu abstrakt wird, möchte ich dir also meine Folgerung vorstellen.

Es geht gar nicht so sehr um die äußeren Geschehnisse, sondern um dein Innenleben. Sicherlich wird sich Leid niemals vermeiden lassen, genauso, wie sich die Freude nicht verbannen lässt. Beide Aspekte sind Seiten derselben Münze.

Hermann Hesse schrieb sehr passend in seinem Buch „Der Steppenwolf“ über das Innenleben:

Immerhin hat unser Steppenwolf wenigstens die faustische Zweiheit in sich entdeckt, er hat herausgefunden, dass der Einheit seines Leibes nicht eine Seeleneinheit innewohnt, sondern dass er bestenfalls nur auf dem Wege, in langer Pilgerschaft zum Ideal dieser Harmonie begriffen ist. Er möchte entweder den Wolf in sich überwinden und ganz Mensch werden oder aber auf den Menschen verzichten und wenigstens als Wolf ein einheitliches, unzerrissenes Leben leben. Vermutlich hat er nie einen wirklichen Wolf genau beobachtet – er hätte dann vielleicht gesehen, dass auch die Tiere keine einheitliche Seele haben, dass auch bei ihnen hinter der schönen straffen Form des Leibes eine Vielfalt von Strebungen und Zuständen wohnt, dass auch der Wolf Abgründe in sich hat, dass auch der Wolf leidet. […] Der sympathische, aber sentimentale Mann, der das Lied vom seligen Kinde singt, möchte ebenfalls zur Natur, zur Unschuld, zu den Anfängen zurück und hat ganz vergessen, dass die Kinder keineswegs selig sind, dass sie vieler Konflikte, dass sie vieler Zwiespältigkeiten, dass sie aller Leiden fähig sind. Zurück führt überhaupt kein Weg, nicht zum Wolf, noch zum Kinde. Am Anfang der Dinge ist nicht Unschuld und Einfalt; alles Erschaffene, auch das scheinbar Einfachste, ist schon schuldig, ist schon vielspältig, ist in den schmutzigen Strom des Werdens geworfen und kann nie mehr, nie mehr stromaufwärts schwimmen. Der Weg in die Unschuld, ins Unerschaffene, zu Gott führt nicht zurück, sondern vorwärts, nicht zum Wolf oder Kind, sondern immer weiter in die Schuld, immer tiefer in die Menschwerdung hinein.

Hermann Hesse: Der Steppenwolf. suhrkamp, S. 82

Zufriedenheit entsteht durch dich als Resultat, dass du dich mit dir selber befasst. Dies heißt nicht, dass du den Dingen des Lebens hinterherjagen sollst, sondern, dass du deinen inneren Reife- und Wandlungsprozess beobachten und erleben sollst, sodass sich die Zufriedenheit ganz natürlich daraus entwickeln kann. Leid ist auch im Selbstwerdungsprozess inbegriffen. Das größte Leid ist es aber, nie wirklich zu lernen, wer man selbst ist.

Der Zufriedenheit hinterherzujagen ist also ein Paradoxon. Auch die Biochemie, Psychologie, Philosophie oder eine sonstige Wissenschaft verstehen zu wollen, hilft da nicht weiter. Kein Konzept mag dies zu leisten. Zufriedenheit kommt (nur!) durch dich, dich als ganzheitliches Wesen mit allen Aspekten des Seins (Bios, Psyche, Soziales etc.). Also fang damit an, dich mit dem zu fassen, was wichtig ist.

Mit dir selbst.

Herzlich
Tristan

Literaturverzeichnis

1Neumeister A. (2003). Tryptophan depletion, serotonin, and depression: where do we stand?. Psychopharmacology bulletin37(4), 99–115.

2Jenkins, T. A., Nguyen, J. C., Polglaze, K. E., & Bertrand, P. P. (2016). Influence of Tryptophan and Serotonin on Mood and Cognition with a Possible Role of the Gut-Brain Axis. Nutrients8(1), 56. https://doi.org/10.3390/nu8010056

3Kikuchi, A. M., Tanabe, A., & Iwahori, Y. (2021). A systematic review of the effect of L-tryptophan supplementation on mood and emotional functioning. Journal of dietary supplements18(3), 316–333. https://doi.org/10.1080/19390211.2020.1746725

4Kapur, S., & Remington, G. (1996). Serotonin-dopamine interaction and its relevance to schizophrenia. The American journal of psychiatry153(4), 466–476. https://doi.org/10.1176/ajp.153.4.466

5Petty, F., Davis, L. L., Kabel, D., & Kramer, G. L. (1996). Serotonin dysfunction disorders: a behavioral neurochemistry perspective. The Journal of clinical psychiatry57 Suppl 8, 11–16.

6Croissier, G. R. (2017). Die magische Wunde: Wandlung und Heilung in der Transpersonalen Psychologie (Bd.1) (Fabrica libri) (Originalauflage Aufl.). Pomaska-Brand.

In Krisenzeiten hat es niemand leicht. Weder derjenige, der unter den Folgen der Krise unmittelbar leidet, noch der, der darüber berichtet – denn derjenige wird Tag für Tag mit dem entstehenden Leid konfrontiert und dies ist ebenso real für die Gefühlslage eines Menschen. Wir Menschen könnten uns die Krise erleichtern, aber stattdessen wird nur all zu häufig noch mit dem Hammer oben drauf gehauen und jeder versucht seinen Profit aus der Krise zu machen. Warum dies aber auch in unseren wichtigsten Lebensbereichen ein Fehler sein könnte, das möchte ich dir in diesem Beitrag aufzeigen.

Ich bin wohl einer der Menschen, der am Wenigsten durch die Folgen der Krise gelitten hat. Dennoch bin ich nicht ungeschoren davongekommen: Die Erfahrung des kollektiven Leids, der kollektiven Unfreiheit und des Schmerzes ist für mich aber auch für viele andere Menschen ein extrem leidvoller Prozess. Woran dies liegt? Ich würde mal schätzen an der Fähigkeit des Menschen (und damit auch meiner Fähigkeit) zur Empathie syn. zum Mitgefühl. Und Mitgefühl heißt primär: Ich fühle mit anderen mit.

Wenn wir uns versuchen würden, an Ken Wilbers Integraler Theorie zu orientieren, so wäre das Mitgefühl auf der Ebene des Subjektiven und Intersubjektiven anzusiedeln. Mehr noch: Ich würde sagen, dass das Mitgefühl die Ebene des Subjektiven (Individuum/Innen) und Intersubjektiven (System/Innen) verbindet. Ohne Empathie gibt es keine Brücke, keine Verbindung des Individuums mit anderen Individuen und dem Kollektiv. Ohne Empathie könnte dem Individuum „schnurz piep-egal sein“, was mit anderen Individuen und dem Kollektiv passiert.

Dass Empathie jedoch eine dem Menschen grundsätzlich angeborene Fähigkeit darstellt, die er jedoch sowohl verlernen als auch vergessen kann, dafür gibt es zahlreiche Hinweise (vor allem anhand von Kindern).

  • Neben genetischen Einflüssen sind auch soziale Umstände für die Ausprägung der Empathie wichtig – grundsätzlich besitzt der Mensch jedoch die (biologische/psychologische) Ausstattung, um empathisch sein zu können.1
  • Ein gutes Beispiel hierfür sind die Spiegelneuronen. Inzwischen wissen wir, dass die Spiegelneuronen nicht nur für das Lernen zuständig sind, sondern, dass durch sie die Sozialität und das Zusammenleben mit anderen Menschen möglich wird. Babys weinen also aufgrund der angeborenen Lernfähigkeit (Spiegelneuronen), wenn sie andere Babys weinen hören.2
  • In bewusstseinserweiternden Zuständen, wie sie durch Ayahuasca hervorgerufen werden können, kann die Erfahrung des Kollektiven Bewusstseins gemacht werden.3 Hierbei spielt Empathie eine zentrale Rolle.
  • Auch ganz real erfahrbar: Wenn die jemand anderes eine Geschichte erzählt und du still-schweigend zuhörst und dich in die Person und in den Moment der Geschichte hineinversetzt, so bist du in dem Moment empathisch, da du die Geschichte nachempfindest.
  • … fallen dir weitere Beispiele ein?

Ich gehe jedenfalls von einem Menschen aus, der die Fähigkeit besitzt, empathisch zu sein. Und ich gehe auch noch einen Schritt weiter: Ich postuliere, dass die Empathie eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen überhaupt ist.

Leider lernen Kinder in der Schule nicht, mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen. Stattdessen lernen sie Gedichtsanalye, Stochastik und viele Dinge mehr, die sie größtenteils nie wieder in ihrem Leben brauchen. Das Fehlen essentieller Kenntnisse und Fähigkeiten ist ein Hauptproblem für mich, wenn es zu solchen Krisen kommt, wie der aktuellen Pandemie. Denn auch, wenn alle immer wenn „Solidarität“ sprechen, so weiß doch niemand wirklich, was dies bedeutet. Allerdings wird der Begriff immer genau dort benutzt, wo eigentlich Empathie gebraucht wird. Solidarität ist in gewisser Weise ein Ersatzbegriff für die fehlende Empathie der Menschen. Vielleicht ist Solidarität sogar zu einem internalisierten (d.h. durch gesellschaftliche Werte anerzogenes Verhalten) Dogma geworden, welches der Empathie eher hinderlich ist.

EmpathieSolidarität
Angeboren, ErlernbarInternalisiertes Konstrukt
Individuelle und kollektive Werte bedeutsamKollektive Werte bedeutsamer
Ausgewogene EntscheidungsfindungSystematisierte Entscheidungsfindung
ICH & DU GefühlWIR Gefühl
Instinkt & IntuitonÜberzeugungen

Der Begriff Solidarität wird heute vielfach (Flutkatastrophe, Klimawandel, COVID-19-Krise) benutzt, wenn an die Mitmenschen appelliert wird, um sie zum uneigennützigen Handeln zu bewegen. Es wird kein Raum gelassen, um eine eigenmächtige und selbstbewusste Entscheidung zu treffen, sondern es wird ein Raum erschaffen, indem nur das Kollektiv zählt. Diese sehr reduktionistische Ansicht (Flachland, wie Ken Wilber sagen würde), führt letztlich zur Aushöhlung des Menschen, wie bei einem Kürbis an Halloween.

Versteh mich nicht falsch, anderen zu helfen ist eine wunderbare Eigenschaft eines Menschen. Allerdings empfinde ich diese als für den Menschen „qualitativer“ oder „zufriedenstellender“, wenn sie aus eigenem Antrieb stattfindet. Dem Menschen wird heute nicht mehr zugesprochen, Entscheidungen zu seinem eigenen Wohl und dem anderer fällen zu können. Statt den Menschen gewähren zu lassen, wird der natürliche Egoismus ausgeheblt und versucht mit der Brechstange zu bekämpfen. Dabei ist es nicht nur schwierig, sondern unmöglich die angeborenen Bedürfnisse des Menschen langfristig zu unterdrücken, ohne, dass er Schaden nimmt.

Und hier komme ich wieder zum Anfang zurück: Das Leid, welches entstanden ist, ist vielfach nicht nur durch die Krise zu erklären („das böse Virus“, „der böse Klimawandel“, „das böse Unwetter“), sondern auch durch die Unfähigkeit des Menschen, Empathie zu zeigen.

Der Mensch kann keine Empathie mehr zeigen, weil er weder gelernt hat, mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen, noch die Sinnhaftigkeit in eben jener Handlung sieht. Wie aus diversen psychologischen Arbeiten hervorgeht (Psychoneuroimmunologie, Traumaforschung, Analytische Psychologie), kann eben jener fehlende Umgang mit den eigenen Gefühlen sich langfristig auch in Krankheit manifestieren. Und dieser Trend, der sich bereits vor der Krise etabliert hat, kommt nun nur noch stärker zur Geltung.

Wie können wir diesen Trend umkehren? Dafür müssen wir uns folgende Frage stellen:

Worauf kommt es für dich an?

Nun, darauf wirst du deine ganz eigene Antwort finden. Und dies ist auch gut so. Das, was dich zufrieden macht (und dazu gehört auch die Integration der eigenen Schattenseite, wie der Psychologe C.G. Jung bemerken würde), führt dich letztlich auch dazu, empathischer zu werden. Denn: Empathisch kann nur derjenige sein, der mit sich selbst im reinen ist. Wie soll ein Mensch jemand anderes verstehen und mit ihm mitfühlen können, wenn er sich selbst noch nicht einmal versteht? Dazu C.G. Jung in seiner Biographie Erinnerungen, Träume, Gedanken4:

„Die Hoffnung auf größere Freiheit wird durch vermehrte Staatssklaverei zunichte gemacht, nicht zu sprechen von den fürchterlichen Gefahren, denen uns die glänzendsten Entdeckungen der Wissenschaft aussetzen. Je weniger wir verstehen, wonach unsere Väter und Vorväter gesucht haben, desto weniger verstehen wir uns selbst, und helfen mit allen Kräften, die Instinkt – und Wurzellosigkeit des Einzelmenschen zu vermehren, so daß er als Massenpartikel nur noch dem «Geist der Schwere» folgt. Verbesserungen nach vorne, d. h. durch neue Methoden oder «gadgets» sind zwar unmittelbar überzeugend, aber auf die Dauer zweifelhaft und auf alle Fälle teuer bezahlt. Keinesfalls erhöhen sie das Behagen, die Zufriedenheit oder das Glück im großeii und ganzen. Sie sind meist hinfällige Versüßungen des Daseins […]“

Das Gefühl der Kohärenz, die allgemeine Stimmung („Gestimmtheit“) ist in diesem Sinne auch für das Kollektiv von äußerster Wichtigkeit. Das Indivduum kann sich niemals vollständig dem kollektiven Prozess entziehen, selbst wenn es sich von der Gesellschaft abspalten würde. Die Verbindung ist immer da und dies ist auch gut so. Denn über die eigenen Gefühle hat das Individuum einen Zugang zum Kollektiv und auch noch allgemeiner zur Wirklichkeit. Wenn das Individuum lernt, mit seinen Gefühlen umzugehen ohne diese Erfahrung zu einer Werteinstellung für alle Menschen machen zu wollen, kann möglicherweise wesentlich leichter mit solchen Krisen umgegangen werden.

Dazu nochmal C.G. Jung an anderer Stelle über den Sinn des Lebens (S. 363-364):

Ich bin zufrieden, daß mein Leben so gegangen ist. Es war reich und hat mir viel gebracht. Wie hätte ich so viel erwarten können? Es waren lauter nicht zu erwartende Dinge, die sich ereigneten. Manches hätte vielleicht anders sein können, wenn ich selber anders gewesen wäre. So war es aber, wie es sein mußte; denn es ist geworden dadurch, daß ich so bin, wie ich bin […] Ich habe Wunderbares von Menschen erfahren und habe selber mehr geleistet, als ich von mir erwartete. Ich kann mir kein endgültiges Urteil bilden, weil das Phänomen Leben und das Phänomen Mensch zu groß sind. Je älter ich wurde, desto weniger verstand oder erkannte oder wußte ich mich. Ich bin über mich erstaunt, enttäuscht, erfreut. Ich bin betrübt, niedergeschlagen, enthusiastisch. Ich bin das alles auch und kann die Summe nicht ziehen. Ich bin außerstande, einen definitiven Wert oder Unwert festzustellen, ich habe kein Urteil über mich und mein Leben. In nichts bin ich ganz sicher. Ich habe keine definitive Überzeugung – eigentlich von nichts. Ich weiß nur, daß ich geboren wurde und existiere, und es ist mir, als ob ich getragen würde. Ich existiere auf der Grundlage von etwas, das ich nicht kenne. Trotz all der Unsicherheit fühle ich eine Solidität des Bestehenden und eine Kontinuität meines Soseins. Die Welt, in die wir hineingeboren werden, ist roh und grausam und zugleich von göttlicher Schönheit. Es ist Temperamentssache zu glauben, was überwiegt: die Sinnlosigkeit oder der Sinn. Wenn die Sinnlosigkeit absolut überwöge, würde mit höherer Entwicklung die Sinnerfülltheit des Lebens in zunehmendem Maße verschwinden. Aber das ist nicht – oder scheint mir – nicht der Fall. Wahrscheinlich ist, wie bei allen metaphysischen Fragen, beides wahr: das Leben ist Sinn und Unsinn, oder es hat Sinn und Unsinn.

Hier komme ich zum eigentlichen Sinne des Beitrags zurück: Ich möchte dir einmal verdeutlichen wie wichtig Freundschaft ist. Sowohl für das Kollektiv, als auch für das Individuum.

Denn in Freundschaften lernt das Indviduum Vertrauen und Geborgenheit außerhalb des „sicheren“ Umfelds Familie. Dies trägt enorm zur eigenen Lebensqualität bei, denn wer ständig Angst hat, vor lauernden Gefahren, der hat gar nicht erst die Möglichkeit, sich mit sich selbst zu befassen und sich um seine Stimmung zu kümmern. In diesem Sinne können Freundschaften auch Ängste lindern, indem Menschen ihre Gefühle mitteilen. Und dazu gehören auch Zukunftsängste über Viren, Klimawandel und Unwetter.

Auch die Harvard University meint nach Abschluss ihrer 75-jährigen Langzeitstudie: Die zufriedensten Menschen haben die qualitativsten Beziehungen bzw. Freundschaften (nicht die meisten!).5 Dies merken wir auch ganz unmittelbar an den Veränderungen in der Gefühlslage, an der Beeinflussung des Ernährungsverhalten u.v.m., wenn unsere Beziehungen gerade nicht so gut laufen oder stressig sind (bspw. auf dem Arbeitsplatz oder in der eigenen Beziehung).

Meine abschließende Frage: Wann hast du deinen Freunden das letzte Mal deine Wertschätzung gezeigt? Vielleicht bewirkt dies so einiges bei dir… aber auch im Kollektiv…

Literaturverzeichnis

1 Warrier, V., Grasby, K., Uzefovsky, F. et al. (2018). Genome-wide meta-analysis of cognitive empathy: heritability, and correlates with sex, neuropsychiatric conditions and cognition.Mol Psychiatry 231402–1409. https://doi.org/10.1038/mp.2017.122

2 Dewar, G. (2016). The social world of newborns: Why babies are born to learn from our sensitive, loving care. ParentingScience. URL: http://parentingscience.com/newborns-and-the-social-world/

3 Rätsch, C., Müller-Ebbeling, C. & Adelaars, A. (2006). Ayahuasca: Rituale, Zaubertränke und visionäre Kunst aus Amazonien. AT Verlag, 3. Auflage, S. 247 ff. ISBN: 3038002704.

4 Jaffe, A. & Jung, C.G. (1993). Erinnerungen, Träume, Gedanken. Walter. ISBN: 3530407348

5 The Harvard Gazette (2017). Good genes are nice, but joy is better. Health & Medicine. URL: https://news.harvard.edu/gazette/story/2017/04/over-nearly-80-years-harvard-study-has-been-showing-how-to-live-a-healthy-and-happy-life/

Verlustängste: Jeder von uns hat sie. Und aus gegebenem Anlass möchte ich dieses Thema kurz auf meinem Blog anschneiden.

Verlustängste entstehen aufgrund der Angst vor einem Mangel oder einem Defizit. Das ICH oder SELBST hat demnach Angst davor sich selbst zu verlieren, unvollständig zu sein oder einen Teil von sich selbst abzugeben. Weniger wird mit der Verlustangst die Angst vor dem Verlieren (eines Wettbewerbes) gemeint, auch wenn dies ebenfalls unter Verlustangst gefasst werden kann. Letztlich kann die Verlustangst auch als Angst aufgefasst werden, bei dem das ICH Angst hat, weniger es SELBST zu sein.

Auf geistiger Ebene ist dies natürlich unsinnig, denn auf der Reise unseres Lebens werden wir bzw. unser ICH immer mehr zum SELBST, da wir erkennen, was wir sind und was wir nicht sind. Vollzieht sich ein geistiger Wandel, so merken wir, dass wir nicht unser Körper sind, nicht unsere Freunde sind, nicht die Welt an sich sind, sondern immer ein Teil des Ganzen. Wir sind Geist UND Körper, wir sind ich UND du, wir sind Träumer UND Traum, wir sind Subjekt UND Objekt. Verlustsituationen sind die ersten Erfahrungen, die dem Menschen seine materielle Trennung aufzeigen (eine Erfahrung die erstmals mit der Geburt gemacht wird) und ihn dazu ermutigen, die geistige Gemeinsamkeit zu suchen. Interessanterweise passiert auch häufig das genaue Gegenteil von Trennung, wenn ein Mensch eine Nahtoderfahrung macht (die meisten Menschen berichten von überwältigender Fülle, Liebe und Einheit).

Wird die eigene Angst vor Situationen gepflegt, in denen das ICH sich materiell von anderen/anderem abgrenzen muss und nicht akzeptieren kann, dass es ein autarkes Lebewesen ist, so kann durchaus auch von einer Angst vor Veränderungen gesprochen werden. Und, so schließt sich der Kreis, die wohl größte und jeden Menschen betreffende Veränderung ist die Geburt und der Tod (in der Transpersonalen Psychologie gilt die Geburt als URTRAUMA, der Tod als METAMORPHOSIS)

»Zu leben lernen, muss man über das ganze Leben hin, indes worüber du dich noch mehr wundern magst, das ganze Leben musst Du sterben lernen.«

Seneca

Was wir uns nun aus diesen recht abstrakten Ausführungen merken können:

  • Wir alle müssen leidvolle und schmerzhafte Erfahrungen machen, die uns näher an unser SELBST bringen
  • Einsamkeit ist der Weg in die ALL-EINS-HEIT (Einsam vs. Allein)
  • Wir können uns gegenseitig Trost spenden und uns über unsere Erfahrungen hinweghelfen, indem wir uns zuhören und füreinander da sind

In der jetzigen aufbrausenden und turbulenten Zeit brauchen wir eine starke Gemeinschaft, die sich nicht von falschen Idealen lenken lässt, sondern die die Freude am miteinander und einer wirklich bodenständigen Spiritualität wiederfindet.

Auch spirituelle Menschen sind nicht von Leid ausgenommen. Im Gegenteil: Ich sehe, dass spirituelle Menschen weit häufiger auf eine Vertrauensprobe gestellt werden, die zeigen soll, ob das Vertrauen in den großen Geist noch intakt ist und praktiziert wird. Verlusterfahrungen bringen uns häufig in Zweifel, ob dies überhaupt einen größeren Sinn haben kann und auch, wie Gott (lat. Spiritus) dies überhaupt zulassen kann (s.a. Theodizee-Frage, welche von den meisten Religionen unterschiedlich beantwortet wird).

Und dann fällt mir die Geschichte von Hiob aus der Bibel ein (bekannt auch durch die „Hiobsbotschaft“). Die Geschichte kenne ich noch aus der Zeit als Kind, als ich hin und wieder in der Kirche war und am Kindergottesdienst teilgenommen habe. Ich bin kein Fan des Christentums oder der Bibel, aber manche Geschichten (und Gleichnisse) lassen mich bis heute staunen. Und mit dieser Geschichte möchte ich diesen Blogbeitrag schließen und zum Nachdenken anregen.

Hiobs Prüfung

Bibeltext: Hiob 1-2 (Quelle der Kurzversion)

Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?

„Wärst du gerne reich? Ich meine, so richtig reich? Hiob war der reichste Mann weit und breit. Er lebte im Land Uz und dort gab es niemanden, der so reich war wie Hiob. Er hatte große Herden an Tieren. 7000 Schafe hatte er, 3000 Kamele, 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Und natürlich hatte er viele Knechte, die sich um diese Tiere kümmern. Hiob ging es gut. Gott hatte Hiob viel Reichtum geschenkt. Und Hiob liebte Gott. Er war Gott dankbar für alles, was er hatte. Für seinen Besitz, aber auch für seine Kinder. Hiob hatte 7 Söhne und 3 Töchter. Hiob liebte Gott und er tat, was Gott gefiel, er war wirklich gottesfürchtig. Manchmal machte er sich Sorgen, dass seine Kinder gesündigt haben könnten. Die Kinder trafen sich oft und feierten zusammen. Hiob wusste ja nicht, was dort geschah. Deshalb opferte er nach ihren Festen immer Brandopfer für jedes seiner Kinder. Er bat Gott: „Falls sie gesündigt haben, dann vergib ihnen bitte.“ So war Hiob. So sehr liebte er Gott. Wie sehr liebst du Gott? Gott hat so viel Gutes für dich getan. Er hat die Welt gemacht, er hat deine Familie gemacht, er hat dich gemacht. Er schenkt dir jeden Tag die Luft zum atmen, er sorgt für dich, er liebt dich. Was tust du? Liebst du Gott? Ist dir Gott wichtig? Hiob liebte Gott.

Aber manche sagten: „Hiob ist nur so gottesfürchtig, weil er so viel Reichtum von Gott bekommen hat.“ Satan selbst behauptete das. Er sagte zu Gott: „Hiob liebt dich nur, weil du ihn so reich beschenkt hast. Wenn er seinen Besitz verlieren würde, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Gott erlaubte Satan, Hiob zu prüfen: „Du kannst tun, was du willst, aber du darfst Hiob selbst nichts tun.“

So kam es, dass ein paar Tage später ein Bote zu Hiob kam. Es war einer seiner Knechte, der auf die Tiere aufpasste. Er kam sehr schnell gerannt. Hiob sah ihn schon von weitem. Er wunderte sich: „Was ist denn mit ihm los. Er sieht ganz verängstigt aus.“ Der Knecht kam näher und blieb schließlich erschöpft vor Hiob stehen. „Hiob“, stammelte er, „Hiob, es ist etwas schreckliches passiert.“ „Was ist denn los?“, wollte Hiob wissen. „Wir waren bei den Weiden“, begann der Knecht zu erzählen. „Wir haben auf die Rinder und auf die Eselinnen aufgepasst. Da kamen plötzlich Feinde aus Saba und haben uns überfallen. Sie haben alle Tiere geraubt und deine Knechte getötet. Nur ich hab es geschafft zu entkommen. Deshalb bin ich sofort zu dir gerannt, um es dir zu erzählen.“

Hiob musste sich setzen. Hiob hatte viele Rinder und Eselinnen, wisst ihr noch, wie viele? 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Sie waren jetzt alle weg und die Knechte waren getötet worden. Das war keine gute Botschaft. Es war eine sehr schlechte Botschaft. Eine Hiobsbotschaft. So sagt man dazu, wenn man eine sehr schlechte Nachricht bekommt. Jetzt weißt du auch warum. Hiob hatte eine schlechte Nachricht bekommen. Gerade hatte er sich wieder etwas davon erholt, kam ein anderer Knecht Hiobs angerannt. Schon von weitem rief er aufgeregt: „Hiob!“ Hiob beruhigte ihn: „Was ist denn los?“, fragte er. „Hiob, wir haben auf die Schafe aufgepasst“, stammelte der Knecht. „Da kam plötzlich ein Feuer vom Himmel. Die Schafe und alle Knechte sind gestorben. Alle, nur ich habe überlebt.“ Noch während der Knecht redete, kam schon ein dritter Knecht. Auch er hatte schlechte Nachrichten: „Hiob, wir haben die Kamele gehütet. Aber dann kamen die Chaldäer und haben uns angegriffen. Sie kamen von drei Seiten. Wir hatten keine Chance. Sie haben alle Kamele mitgenommen und alle Knechte getötet. Nur ich konnte entkommen.“

Drei Hiobsbotschaften auf einmal. Das war viel. Stell dir vor, du bekommst schlechte Nachrichten. Vielleicht wird dein Fahrrad geklaut, oder jemand macht dein Lieblingsspielzeug kaputt. Wie reagierst du dann? Wahrscheinlich bist du traurig. Aber was tust du dann noch? Schimpfst du auf Gott? Liebst du Gott nicht mehr? Weist du noch, was Satan über Hiob gesagt hat? Er sagte: „Hiob liebt Gott nur, weil Gott ihm so viel Reichtum geschenkt hat.“ Liebst du Gott nur, weil es dir gut geht? Oder liebst du Gott auch noch, wenn du eine schlechte Nachricht bekommst.

Hiob hörte nicht auf, Gott zu lieben. Er liebte Gott auch im Leid. Er wusste, dass Gott wichtiger war, als aller Reichtum, den er hatte. Aber es ging sogar noch weiter. Kurze Zeit später kam ein vierter Bote. Auch er brachte eine Hiobsbotschaft: „Deine Söhne und Töchter waren im Haus ihres ältesten Bruders. Dort haben sie gefeiert. Aber dann kam ein Orkan. Das ganze Haus ist in sich zusammengestürzt. Alle sind gestorben.“ Erst Hiobs Reichtum, und jetzt auch noch Hiobs Familie. Alles war weg. Hiob war traurig. Er war sehr traurig, er war verzweifelt. Stell dir vor, deine ganze Familie stirbt. Das ist schlimm. Hiob zerriss seine Kleidung um damit seine Traurigkeit zu zeigen. Und dann fiel er auf die Erde nieder. Er fiel vor Gott nieder und er betete.

Wenn du Leid erfährst, dann schimpfe nicht auf Gott. Dann bete zu Gott. Du kannst Gott alles Leid sagen. Du kannst Gott sagen, wie weh es dir tut und wie traurig du bist. Du kannst Gott sogar sagen, wenn du wütend auf ihn bist. Sag Gott alles, aber höre nicht auf, Gott zu lieben. Denn gerade im Leid ist Gott da, gerade im Leid hilft er dir. Gerade im Leid liebt er dich. Liebe Gott auch im Leid.

Hiob betete. Und er war Gott weiter gehorsam, er liebte Gott weiter, auch im Leid. Er sagte: (Hiob 1,21 lesen): „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ Ich glaube, Hiob konnte das sagen, weil er Gott vertraute. Er wusste, Gott liebte ihn. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiterlieben.

Satan hatte nicht Recht gehabt. Hiob liebte Gott nicht nur wegen seinem Reichtum. Gott zeigte es Satan. Aber der hatte schon wieder eine neue Idee: „Hiob liebt dich doch nur, weil er noch gesund ist, wenn er auch noch krank wäre, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Wieder erlaubte Gott Satan, Hiob zu prüfen. Manchmal erlaubt Gott Dinge in unserem Leben und wir wissen nicht warum. Manchmal will uns Gott etwas durch Leid zeigen. Manchmal leiden wir, weil wir einfach in einer Welt ohne Gott leben und es da viel Schlechtes gibt. Aber immer kannst du Gott vertrauen, weil er dich liebt. Deshalb liebe Gott auch im Leid weiter.

Hiob hatte alles verloren. Und nun wurde er auch noch krank. Vom Kopf bis zu den Füßen bekam er Geschwüre auf der Haut. Es tat weh und es juckte schrecklich. Hiob nahm sich sogar eine Tonscherbe um sich damit zu kratzen. Er litt schrecklich. Es ging ihm wirklich schlecht. Er saß auf der Erde in der Asche und konnte eigentlich gar nichts mehr tun. Hiobs Frau litt auch mit ihrem Mann. Sie hatte gesehen, was alles passiert war. Und sie war natürlich auch traurig über alles. Aber Hiobs Frau war auch sehr wütend auf Gott. Sie schimpfte: „Warum glaubst du immer noch an Gott? Warum liebst du Gott immer noch. Sage Gott ab und dann kannst du in Ruhe sterben.“ Hatte sie nicht Recht? Hatte Hiob überhaupt noch einen Grund, Gott zu lieben? Ja, er hatte es. Wisst ihr noch, was er vorher gesagt hatte: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“ Hiob wusste, dass alles, was er vorher hatte, ein Geschenk von Gott war. Aber er wusste auch, obwohl diese Geschenke Gottes nun weg waren, liebte Gott ihn immer noch. Hiob konnte Gott vertrauen. Das sagte er auch seiner Frau: „Du redest Unsinn. Wir haben so viel Gutes von Gott empfangen, warum sollten wir dann jetzt aufhören Gott zu lieben, nur weil es uns schlecht geht?“

Hiob hatte einen starken Glauben, er vertraute Gott. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiter lieben. Hiob war Gott weiter gehorsam und redete nicht schlecht über Gott. Hättest du das auch getan? Bist du bereit, Gott auch im Leid zu lieben? Wenn du weißt, dass er dich immer liebt und immer bei dir ist, dann kannst du Gott auch im Leid lieben.“

Ich sage es immer wieder: Wir leben in einem sehr verwirrenden Zeitalter. Es scheint so, als ob jeder die Wahrheit kennen würde und dennoch falsch liege. Jeder verbreitet Informationen, aber kaum jemand hat die Zeit, diese Informationen zu überprüfen. Dazu fehlt es sowohl an Zeit, als auch an relevanten Vorerfahrungen und dem eigenen Bauchgefühl.

In der allgemeinen Medienlandschaft ist es auch schlichtweg ein wenig wie im Mittelalter – wir sehen Methoden der Diffamierung, Stigmatisierung und Skandalierung, die dazu dienen, Menschen zu verleumden, die eine alternative Meinung besitzen.

Insofern unterscheiden wir uns auch bis auf die angewandten Methoden gar nicht so sehr von der mittelalterlichen Hexenjagd. Möglicherweise verbrennen wir die Andersdenkenden nicht mehr, aber in vielen Fällen verlieren sie ihren Job, was einem Todesurteil gleichkommen würde, wie auch der bekannte deutsche Physiker Hans-Peter Dürr bemerkte.

„Die Wissenschaft ist heute die Inquisition“.

Hans-Peter Dürr

Insofern hat die ursprünglich der Freiheit und Wahrheit verpflichtete Wissenschaft heute die Rolle der Religion eingenommen. Ein Wissenschaftler, der nicht dem allgemeinen Konsens der Wissenschaft folgt, wird belächelt und teilweise sogar aus der wissenschaftlichen Community ausgestoßen. Dabei waren es immer die Querdenker in der Wissenschaft, die für Umbruch und Fortschritt gesorgt haben. Wie sollte sonst auch ein Umdenken entstehen, wenn nicht durch die Akzeptanz, dass die vorherrschenden wissenschaftlichen Theorien nicht ausreichend sind und es womöglich auch niemals sein werden, um die Wirklichkeit zu erklären?

Genauso ist es auch in Politik und Gesellschaft. Was, wenn die Demokratie nicht mehr ausreichend ist und stattdessen eine Reform benötigt werden würde, um die neu entstehenden Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen? Was, wenn die Politiker einen fatalen Job in der Krise erledigen? Was, wenn die Intoleranz langsam aber sicher die Oberhand gewinnt und alle Probleme manifestiert, die sich seit Jahrzehnten in uns einbrennen, anstatt, dass die Toleranz unsere Probleme löst?

Einige Beispiele für die Intoleranz des aktuellen Geschehens:

  • Markus Söder spricht von einer Impfpflicht für Pflegepersonal – dies entspricht dem Zwang, der durch die Intoleranz über die aktuellen gesellschaftlichen Zustände geprägt wird. Gleichzeitig warnt er vor einer Terrorzelle, die durch Protestgruppen gegenüber der aktuellen Politik entstehen. Na, wie kommt denn das?
  • Wissenschaftler wie Sucharit Bhakdi, einst wegen seiner Dienste in der Erforschung des Immunsystems geschätzt, werden nun von „faktencheckern“ als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Der Höhepunkt: Der Schmähpreis „Goldenes Brett vorm Kopf“ wird Sucharit Bhakdi verliehen. Das Prof. Dr. Bhakdi gleichzeitig auch den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz trägt, wirkt ironisch.
  • Ein Zahnarzt aus Bayern droht mit Gehalts-Aus bei Verweigerung von Corona-Impfung – Kritische Abwägung scheint unerwünscht.
  • Auf die Frage des Journalisten Boris Reitschuster, warum die WHO-Studie von Stanford-Professor Ioannidis nicht in der Politik beachtet werde und welche Studien die aktuelle Lockdown-Politik rechtfertigen, geht die Sprecherin auf der Bundespressekonferenz überhaupt nicht ein (auch nicht nach Rückfrage).
  • Stichwort Cancel Culture: Immer mehr Kabarettisten (wie etwa Lisa Eckhart) werden wegen ihrer „Political Incorrectness“ von Veranstaltern ausgeladen.
  • Karl Lauterbach wird der Apokalyptiker der Jahre 2020 und 2021. Er spricht von 250.000 Toten ohne Maßnahmen. Solche offensichtlich unwissenschaftlichen Aussagen (s. Schweden verhängt keinen Lockdown oder Maskenpflicht und haben trotzdem kein exponentielles Wachstum) führen weiter in die Spaltung, Zwietracht und Intoleranz.

Ich verstehe aber auch die Schwierigkeiten, in denen sich die Politiker aktuell befinden. Bei denen sie alles rechtfertigen müssen, was sie tun. Und falls sie sich mal geirrt haben sollten, dass sie dies auch nur ungern öffentlich kenntlich machen würden. Aber dies bleibt unerlässlich, wenn wir uns eine funktionierende Demokratie in Deutschland nennen wollen. Andernfalls sind wir bestenfalls eine sich selbst erhaltende Wahl-Oligarchie, wie der emeritierte Prof. Dr. Rainer Mausfeld die Politik nannte.

Ich denke, dass wir 2021 an einen Punkt angelangt sind, an dem wir mit unserem Denken nicht mehr weiterkommen. Es gibt so viele Probleme, die sich in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten in unser Denken eingebrannt haben, dass wir entweder ein komplettes Umdenken brauchen oder gar nicht mehr Denken sollten. Etwas ähnliches berichtete auch der Philosoph Alan Watts 1971.

Wir verstehen alles durch Zahlen und Buchstaben, aber was, wenn dies nicht ausreicht?

Wenn diese Kommunikationssysteme nicht ausreichen, um die Welt zu erklären und zu verändern? Und was, wenn die Welt schon gut so ist, wie sie ist?

Vielleicht müssen wir gar nicht ständig etwas verändern und umbauen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns ändern?

Sobald diese Einsicht entsteht, dass alles gut so ist, wie es ist, tritt Entspannung ein. Diese Entspannung lehrt uns, dass wir alles haben, was wir brauchen. Sie lehrt uns, dass wir nicht immer noch mehr nehmen müssen, sondern auch etwas zurückgeben können – und, dass dies sogar noch wohltuender ist, als nur zu nehmen.

Der deutsche Psychiater Erich Fromm hat mit seinem Buch Haben oder Sein? (1976) einen ersten Wink mit dem Zaunpfahl unternommen. Seine Konsum- und Gesellschaftskritik beruht im Grunde genommen auf der Verschiebung der menschlichen Bedürfnisse vom Sein in Richtung des Habens (eine Entwicklung, die in den fernöstlichen Ländern genau entgegengesetzt zu sein scheint). Das Ungleichgewicht zwischen Haben und Sein bringt somit nach seinen Beobachtungen eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen hervor.

Nun wird diese Einstellung Fromm’s nachdenklich machen. Vor allem, wenn man selbst beginnt die Gestik und Mimik von Personen in der Öffentlichkeit zu studieren. Dies führt zur Erkenntnis, dass all der Wohlstand und auch die Technologie uns nicht glücklicher machen. Womöglich führt dies sogar zur Erkenntnis, dass wir uns darin verlieren.

Letztlich könnten wir als Gesellschaft sogar feststellen, dass wir den eigentlich Sinn des Lebens verfehlt haben: Zwischenmenschlichkeit, Liebe, Transzendenz. Und wir haben diese Werte durch Ungleichheit, Intoleranz und Internet/Technolgie ersetzt.

Wo wollen wir also hin?

Das kann jeder nur für sich selbst wissen. Einen Anstoß hierzu kann der einfühlsame Naturphilosoph Jochen Kirchhoff liefern. Sein Studium der Wissenschaftsgeschichte machen ihn zu einem wertvollen Denker, der einem wertvolle Impulse liefern kann, wenn man denn nur zuhören kann.

Und zuhören zu können, das ist eine Kunst. Eine Kunst, die vielleicht ein wenig mehr Toleranz in die Welt bringen kann.

Herzlich
Tristan

Stehen wir vor einer Wende?

Gestern, am 21. Dezember 2020, wurde vielfach von Medien darüber berichtet, dass Jupiter und Saturn sich sehr nahe ständen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde jedoch nur das „Sichtbare“ geschildert und nicht die geistigen Auswirkungen dieses Events. Beobachtung erfolgt schließlich nicht nur auf visueller Ebene (was sich am 21.12. aufgrund des Wetters sowieso als schwierig gestaltet hat). Dies war mir jedoch klar, da unsere Wissenschaft nicht wirklich Interesse an geistigen und subjektiven Phänomenen hat.

Darum beschäftige ich mich in diesem Beitrag einfach mal mit den geistigen Auswirkungen der „großen Konjunktion“ (Annäherung am Sternenhimmel) von Jupiter und Saturn. Es wird spannend für dich.

Bevor mich nun die ersten Leser in die New-Age Schublade stecken, möchte ich noch einmal die Urteilsfreiheit betonen. Du musst mir nicht glauben, was ich hier schreibe, aber du kannst dir zumindest erlauben, Anregungen von mir zu erhalten. Und es gibt bei diesem Thema ein Argument für mich, das muss ich so klar sagen, welches sofort die Meinung entkräftet, dass die Planeten und deren Konstellation keine Auswirkungen auf den menschlichen Geist haben.

Schau dir mal den Mond an. Der Mond ist laut Forschern winzig klein, er zählt noch nicht einmal als Planet, sondern nur als Satellit (astronomisches Objekt bzw. Trabant, dass ein anderes Objekt mit größerer Masse umkreist). Und obwohl der ☾ so winzig klein ist, hat er trotzdem die Kraft die Gezeiten auf der Welt zu beeinflussen. Ohne Mond entsteht auch kein Ebbe und Flut. Der Mond zieht das Wasser an wie ein Magnet.

Die wissenschaftliche Perspektive geht jedoch durchaus noch weiter: Ohne Mond kein Leben. Wir brauchen den Mond ebenso sehr, wie die Sonne. Der Mond stabilisiert die Rotationsachse und das Klima. Die Sonne sorgt für die notwendige Wärme und das Licht. Außerdem ist, wie wir inzwischen wissen, eine unglaubliche Feinabstimmung notwendig, damit die Planeten und deren Satelliten in ihren jeweiligen Umlaufbahnen bleiben und das Leben auf der Erde weiter existieren kann. Hinzu kommen noch viele andere astronomische Faktoren, allerdings sei an dieser Stelle nur nochmal bekundet, welches Wunder es eigentlich ist, dass wir alle am Leben sind. Die mathematische Wahrscheinlichkeit dafür ist fast gleich 0. Zumindest aus materialistischer Perspektive.

Wer nun glaubt, dass die anderen Planeten keinen Einfluss auf unser Leben haben, der unterliegt lediglich den eigenen Glaubenssätzen. Die Astrologie ist möglicherweise gar nicht so fernab der Wirklichkeit, wie viele bekennende Skeptiker glauben mögen. Schauen wir uns dazu auch einfach mal die Verbindung zwischen Planeten und Erdmetallen an.

Planeten & Metalle

In der römischen Mythologie (wie auch der griechischen Mythologie) erhielten die Planeten die Namen der Götter. Dies schien jedoch nicht wahllos zu geschehen, sondern mit einem intuitiven Gespür dafür, welche Kraft die jeweiligen Planeten auf unseren Geist und unseren Körper ausüben. Dafür gebe ich dir nun eine entsprechende Textpassage aus meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert frei, die sich mit der Verbindung zwischen dem Planeten Mars und dem Mineralstoff Eisen beschäftigt.

„Nehmen wir als Beispiel den Planeten Mars und das dazugehörige Element Eisen: Der Kriegsgott Ares (röm. Mars) ist nach der griechischen Mythologie die Verkörperung für die Willenskraft und des Krieges, welche sich im Leben besonders durch Konfrontationen und Durchhaltevermögen zeigt. Wer keine Willenskraft hat, der fühlt sich auf geistiger Ebene energielos und schlapp. Natürliche Aggressivität ist ein normaler Bestandteil der Natur, der auf das Überleben, das Bewahren der eigenen Dominanz, ausgerichtet ist. Wer die Tapferkeit [als Tugend] erlangen möchte, der muss sich in gewissem Rahmen auch seine angeborene Aggressivität  erhalten. Auf körperlicher Ebene offenbart sich das Fehlen der Aggressivität durch Eisenmangel (Anämie) im Blut. Frauen sind häufiger von Anämien betroffen als Männer.[i] Durchsetzungsvermögen ist eher eine typisch männliche Eigenschaft, weshalb Ares auch als Sinnbild männlicher Kraft und Schönheit gilt.“

Weitere Beispiele für Analogien zwischen Mineralstoffen und deren Verbindungen zu den Planeten findest du in der folgenden Tabelle oder in meinem Buch (z.B. im Falle des Kupfers).

Was geschieht nun aktuell?

Jupiter und Saturn kommen sich sehr nahe. Dies geschieht etwa alle 20 Jahre. So nah, wie am 21. Dezember 2020 waren die Planeten jedoch vermutlich zuletzt im Jahr 1623.

Auf geistiger Ebene haben wir hier zwei Symbole die sich treffen: Das Glück bzw. die Fügung, verkörpert durch Jupiter und die Themen Zeit bzw. Tod verkörpert durch Saturn. Zugleich sind die zugeordneten Organe die Leber (Jupiter) und die Knochen bzw. Haut (Saturn).

Hierbei ist recht interessant, dass die astronomische Begegnung von Jupiter und Saturn auf die Schöpfungsgeschichte der griechischen Mythologie („Theogonie“ von Hesiod) um den Kampf der Götter und Titanen übertragen werden kann. Kurze Zusammenfassung:

Die Anführer beider Lager, Zeus (Jupiter) und Kronos (Saturn), liefern sich in der Geschichte einen erbitterten und zwieträchtigen Kampf, bis Zeus seinen Vater Kronos und die anderen Titanen in den Tartaros (tiefste Region der Unterwelt) einsperrt.

Dieser Mythos ist durchaus auf unsere heutige Zeit übertragbar – wenn auch mit Vorsicht. Wir erleben gerade wieder einmal einen erbitterten Kampf zwischen den verschiedenen Aspekten des menschlichen Geistes, der sich auch auf das Zwischenmenschliche überträgt. Saturn (Kronos) als Herrscher und Sicherheitsgarant, sowie Jupiter (Zeus) als Schützer und Ordner liefern sich alle 20 Jahre einen Kampf über die Vorherrschaft im menschlichen Geist. Nun bleibt die Frage offen – wer gewinnt diesen ständigen metaphorischen Kampf?

Gewinnt Jupiter, so stehen uns glückliche Zeiten bevor, die vielleicht auch entgiftend und reinigend wirken (s. Tabelle, Jupiter als Verbindung zur Leber.). So könnten alte Wunden heilen und eine neue Zeit des Friedens entstehen.

Gewinnt Saturn, werden die Hauptthemen der nahen Zukunft Zeit und Tod. Womöglich wird die Unbarmherzigkeit und das Mistrauen auch stärker ausgeprägt. Das Tod ist aber auch schon jetzt ein Thema, wie wir alle spüren. Die Frage ist nur, ob wir den Tod auch gesellschaftlich annehmen können.

Ich formuliere dies deshalb auch so eindeutig, weil ich den Zwispalt der Menschheit auch in der aktuellen Pandemie sehe. Hierzu hatte ich auch einen Beitrag über das Thema Freiheit oder Sicherheit? verfasst. In der nächsten Zeit wird sich für mich entscheiden, ob wir den Weg der Toleranz und des Gleichgewichts gehen oder, ob wir uns weiter in Extremen verlieren. Und ob wir einmal mehr in der Geschichte der Menschheit entzweit werden.

Es gibt viele astronomische Konstellationen, die in ihrer Bedeutung für den menschlichen Geist höchst interessant sind. Ein Beispiel hierfür ist der Lunisolarkalender. Laut dem Kalender wandern Mond und Sonne genau 33 Jahre, bis sie wieder am selben Punkt zueinanderstehen, wie 33 Jahre zuvor. Nach 33 Jahren sollen sich auch die Geschehen auf der Erde wiederholen – zugleich könnte man diesen Zyklus mit einer neuen menschlichen Generation gleichsetzen. Holger A. L. Faß schreibt hierzu:

Im spirituellen Sinn erscheint mir dieser Jahrgangs-Rhythmus einleuchtender als die sonst häufig zitierte alle 20 Jahre stattfindende Begegnung von Jupiter und Saturn. Während der Jupiter-Saturn-Zyklus mehr die konkreten Verhältnisse zwischen Wachstum und Beschränkung, zwischen Hybris und Meisterschaft anzeigt, weist der 33-Jahre-Rhythmus von Sonne und Mond auf die jeweilige Geist-Seele-Verbindung der entsprechenden Generation hin.

Aus Sicht der Numerologie ist die Zahl 33 als beginnender Generationenwechsel kein Zufall. Viele Kulturen schätzten die 3er-Zahlenfolge (3,6,9) als Zahlen der Harmonie und Natürlichkeit ein. So bilden Numerologen aus Zahlenkombinationen (wie dem Geburtsdatum) Quersummen – so lange, bis eine einzige Ziffer übrig bleibt. Ausnahmen werden bei den Zahlen 11, 22 und 33 gemacht. Dabei gilt die 33 als weiseste und sehr weit fortgeschrittene Zahl. Sie verkörpert hohe Spiritualität und wird daher auch als „Meisterzahl“ bezeichnet.

Bei mehr Interesse an astrophysikalischen Themen empfehle ich dir meinen Freund Dipl. Astrophysiker Robert Sarkis-Karapetians. Er hat in zwei Interviews bei Radio Berg im November über kommende astrophysikalische Ereignisse gesprochen. Und dabei hat er auch noch über den Tellerrand geblickt und die Ereignisse ins große Ganze (z.B. Maya-Kalender) eingebunden. Vielleicht ist es am Anfang nicht ganz leicht zu verstehen, aber dafür empfehle ich dir unbedingt beide Interviews anzuhören. Und auch das Interview mit Dieter Broers ist sehr spannend.


Interview 1

Interview 2


Interview mit Dieter Broers

https://www.youtube.com/watch?v=yHU42EWXVmw

Hoffen wir auf ein klärendes, friedvolles und empfindsames Jahr 2021.

Bis bald,
dein Tristan.


Literaturverzeichnis

[i]TD Johnson-Wimbley und DY Graham “Diagnosis and management of iron deficiency anemia in the 21st century” Therapeutic advances in gastroenterology vol. 4(3): S. 177-184 (2011).

Liebe Leser,

in letzter Zeit sind einige interessante Beiträge und Artikel von mir erschienen, auf die ich euch mit diesem Blogbeitrag kurz hinweisen möchte. Durch den Lockdown haben wir alle wohl etwas mehr Zeit zum Lesen. Vielleicht besteht also Interesse an meinen Inhalten. Hierzu füge ich jeweils entweder einen Abschnitt als Leseprobe ein und/oder gebe eine kurze Einführung in die Thematik.

Drei Beiträge für das MHRx Magazin

Das Magazin Metal Health Rx von Aesir Sports ist eine renommierte digitale Zeitschrift, die monatlich erscheint. Hierfür schreiben verschiedene Autoren Artikel über die Themen Gesundheit, Kraftsport & Training. Den Zugang zum Magazin erhaltet ihr, indem ihr das Magazin kostenpflichtig abonniert (jährlich/life-time). Inzwischen durfte ich bereits drei Artikel für das Metal Health Rx Magazin schreiben. Eine kurze Einführung in die Artikel findet ihr anbei.

Baue Stress ab & booste Wohlbefinden sowie Erholung: 3 effektive Entspannungstechniken für den Alltag

15. November 2020

»Du kennst dieses Gefühl nach harter Arbeit oder einem anstrengenden Tag genauso gut wie ich: Du bist platt, erschöpft, ausgelaugt und weißt eigentlich ganz genau, dass jetzt Entspannung notwendig ist. Wie handeln aber wohl sehr viele Menschen? Auf die Couch setzen, Fernseher anschalten und dann entweder Nachrichten oder einen Film bzw. Serien angucken.

Warum das so ist, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand der Diskussion sein. Viel wichtiger ist, dass bei diesem Verhalten die Entspannung schon mal auf der Strecke bleiben kann. Es gibt zahlreiche, sehr eindrückliche Studien, welche von der Verstärkung negativer Gefühle (1), über Angst (2) und Depressionen (3) (bei hoher Nutzung elektronischer Geräte von >6h), Suchtverstärkung (4) und Beeinflussung des Ernährungsverhaltens (5durch elektronische Geräte sprechen.

6 Stunden mag für den ein oder anderen viel erscheinen – diejenigen, die jedoch auch auf der Arbeit an einen elektronischen Bildschirm gebunden sind, erreichen relativ schnell diesen Wert. Wie auch Twenge et al. (2018) feststellten, waren bei Kindern und Jugendlichen bereits „mehr als 1 Stunde Bildschirmzeit pro Tag mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden verbunden, einschließlich weniger Neugier, geringerer Selbstkontrolle, mehr Ablenkbarkeit, größeren Schwierigkeiten, Freunde zu finden, weniger emotionaler Stabilität, schwierigerer Pflege und Unfähigkeit, Aufgaben zu erledigen.“ (6)

Die Assoziationen zwischen Bildschirmzeit und geringerem psychischen Wohlbefinden waren bei Jugendlichen größer, als noch bei jüngeren Kindern (6).«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 10/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Das Gleichgewicht bewahren: Was uns die Psychosomatik über qualitative Ernährung lehren kann

12. Oktober 2020

»Die Ernährung aus dem Standpunkt der Psychosomatik zu betrachten ist relativ ungewöhnlich – speziell auch für mich als Ernährungswissenschaftler.

Meist wird das Thema Ernährung ziemlich einseitig beleuchtet. Ob in der Ernährungswissenschaft, in Medienberichten, in sozialen Netzwerken oder im Fitnessstudio – heutzutage, so habe ich den Eindruck, geht es wesentlich mehr um den körperlichen und objektiven Aspekt der Ernährung. Also um den physikalischen Brennwert (kcal), um die biochemisch-optimale Ernährung oder Diät(Nährstoffzusammensetzung und -timing, Leistungsfähigkeit etc.) oder um den präventiven und therapeutischen Nutzen bestimmter Pflanzen(-bestandteile).

  • Schlichtweg geht es um die Frage: „Was esse ich?“ 
  • Weniger behandelt wird die Frage: „Wie esse ich?“

Der Unterschied zwischen dem „Was“ und dem „Wie“ in Bezug auf die Ernährung wird zunehmend auch von dem Forschungsfeld der Psychosomatik behandelt. Um aber die Sichtweise der Psychosomatik zu verstehen, müssen wir vorab wieder einige Prämissen klären.

Durch die Fokussierung des objektiven Nutzens der Ernährung wird zunehmend der quantitative Aspekt der Lebensmittel in den Vordergrund gerückt. Weniger wird auf die Qualität der Lebensmittel bzw. auf die Beziehung zwischen Mensch und Lebensmittel geachtet. Würde aber tatsächlich darauf geachtet werden, so würden sich plötzlich neuartige Fragen erschließen, die vorher noch nicht behandelt wurden, wie etwa: „Passt das Lebensmittel zu meiner individuellen Situation?“. Andere Fragen, wie z.B. „Welches Lebensmittel ist das Beste?“, würden dann eher in den Hintergrund rücken.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 09/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien

19. September 2020

»Das Thema Pandemie, aber vor allem die aktuelle Corona-Pandemie, ist wohl das emotionalste Thema, das es seit langem in unserer Gesellschaft gab. Einmal mehr sind Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten wichtig, die im Chaos des Internets Fakten verbreiten und somit Ruhe zwischen den sich auftuenden Camps von Befürwortern und Kritikern der aktuellen Maßnahmen stiften.

Mir persönlich sind immer zwei Dinge ganz wichtig, welche die Menschen aus den Informationen mitnehmen können, die ich anbiete:

  • Konstruktive Kritik gegen jede Art von Meinung zu äußern.
  • Sich nicht von Meinungen beeinflussen zu lassen, sondern zu beobachten, unwiderlegbare Fakten zu sammeln und diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzusetzen.

Beides sehe ich leider bei den wenigsten Inhalten im Internet, dabei ist es gerade diese Denkweise, die den Wissenschaftler auszeichnet. Und auch im Metal Health Rx Magazin finde ich diese Denkweise glücklicherweise vor. Damit betrachte ich dich nun auch im folgenden Artikel als Wissenschaftler, der eben diese Denkweise anwendet.

Es ist im Sinne der Wissenschaft ganz wichtig jedes Thema erst einmal mit der nüchternen Klarheit eines Wissenschaftlers zu betrachten. Dadurch erlaubst du dir nämlich nicht von Anfang an zu bestimmten Themen „Nein, das ist unmöglich“ zu sagen, sondern sagst grundsätzlich „Vielleicht ist da was dran“.

Der Religionsphilosoph Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter schrieb ebenso in „Eine philosophische Abhandlung des neuen Coronavirus“ über eine Notwendigkeit zur Meinungsvielfalt, um wissenschaftliches Scheuklappendenken während der aktuellen Pandemie zu vermeiden und gesellschaftliche Konflikte zu minimieren (1). Darum geht es auch schließlich: Die Diversität an Meinungen belebt den Konsens und durch den Konsens finden wir zu Fakten. Darum ist auch keine Meinung auszuschließen.

Dieser Beitrag hat also die Aufgabe zum Konsens beizutragen und nicht etwa Recht für sich zu beanspruchen. Karl Popper, einer der bedeutendsten Denker und Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts sagte einst sehr passend: „Der Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt zu lernen, als recht zu behalten.“ (2)

Dieser Beitrag soll dich also zu einer Perspektive anregen, die aus einem, für die bisherige Diskussion, recht ungewöhnlichen Standpunkt vertreten wird. Nämlich aus einem metaphysischen (ontologischen) Standpunkt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass du eine Menge über die Beziehung zwischen den Themen „Pandemie“ und „Gesundheit“ dazulernst.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 08/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Analyse: COVID-19 (SARS-CoV-2) in Germany

1. November 2020

Passend zum Artikel Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien für das Metal Health Magazin ist auch meine COVID-19 Analyse, welche ich im Oktober auf Englisch übersetzt habe und mit einem 10-seitigen Update versehen habe. Obwohl ich von dem Thema in den letzten Wochen abgewichen bin, da ich gemerkt habe, dass die Emotionen in diesem Thema überhand nehmen, würde ich auch hier gerne nochmal die wichtige Passage am Ende der Analyse einfügen. Die Übersetzung findet ihr auf meinem Blog.

[…]

»To me, trusting experts on their opinion cannot be future standard. Every citizen is responsible for informing himself/herself to estimate the current situation. For the lockdown-policy on the 2ndof November, for example, every citizen has to express concerns and considerations, in particular when it comes to one’s own economic existence.[i] And also to question the prevailing opinion of the government and to make them change their political course in the interest of everyone’s health, but especially for kids, as childhood researcher Michael Hüter warns the German policy: „A whole generation has been collectively traumatized.“

I myself started to recognize the importance of Plato’s Trivium, especially when I read news reports, social media posts and watch television narratives about SARS-CoV-2. In his Trivium, Plato defined the logical errors, which are very helpful to weigh others arguments. If, for example, someone is claiming to know something about SARS-CoV-2, just because some scientist said something about it, the logical errors help recognizing it as an appeal to authority. Authority can never replace arguments, otherwise society would not act rational. Another example could be the appeal to fear, which was used many times as an instrument to achieve certain political regulations. There are few more examples and I can just recommend it to use it in relation to question given opinions.

Finally, I want to remind the reader again about the importance of one’s own health. No one else can be responsible for the physical and mental health than the individual who owns the body. We as a society cannot not expect that scientists rescue us if ourselves forget about the importance of a healthy lifestyle and disease prevention. Starting with ourselves, we can also remind other people to go out and enjoy nature, food and our communication with others. If we try to isolate ourselves completely, the situation will get even worse. The immune system should be again at the center of our attention. To not only prevent diseases, but also to make life for everybody highly enjoyable again.«

Hier geht’s zum researchgate Artikel // zur deutschen Übersetzung

Blogbeitrag: Freiheit oder Sicherheit?

13. November 2020

Es sind alte Frage, die jedoch aktueller sind, denn je: Was ist uns wichtiger, Freiheit oder Sicherheit? Was sind wir bereit an Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu erlangen? Kann es so etwas wie Sicherheit überhaupt geben? Und (wann) sind wir bereit, beide Aspekte miteinander in Einklang zu bringen?

Diese Fragen habe ich versucht in meinem aktuellen Blogbeitrag zu beantworten. Ich habe anhand der aktuellen „Pandemie“, aber auch durch das Beispiel von OSHO und seinen Sannyasins gezeigt, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Prioritäten haben. Je nachdem, welcher Typ man selbst tendenziell ist – Sicherheitsfanatiker oder Freiheitsidealist – verhält man sich in Gefahrensituationen anders. Letztendlich geht es jedoch immer um das nackte Überleben:

Die Freiheit dient dazu, das Überleben zum Erleben zu machen, wohingegen die Sicherheit danach strebt, das Überleben grundsätzlich zu sichern. Bei einem anfallenden Risiko ist es klar, dass die Bewertung des Risikos unterschiedlich ausfällt. Und, dass damit die Konflikte beginnen.

Mehr im aktuellen Blogbeitrag

Blogbeitrag: Planton’s Trivium

26. Oktober 2020

Wie können wir Wahrheit erlangen?

Diese Fragen hat viele Philosophen beschäftigt. Besonders aber Platon, wie man an seinen Dialogen mit Sokrates (z.B. Phaidon) oder seinem Höhlengleichnis erkennt. Um seinen Argumentationspartner in seinen Aussagen nach Wahrheitsgehalt zu überprüfen, hat Platon ein ziemlich schlaues Tool entwickelt: Die logischen Irrtümer.

Mehr im Blogbeitrag

Buch: Atmen • Nicht-Atmen

10. Oktober 2020

Ich habe es bereits mehrfach vorgestellt… aber es wird trotzdem nicht alt. Mein Poesie und Geschichtenbuch Atmen • Nicht-Atmen könnt ihr gratis als eBook von mir erhalten, indem ihr meinen Newsletter abonniert. Ich habe von vielen schon sehr positive und inspirierende Rückmeldungen erhalten. Dafür möchte ich mich schon mal bedanken!

Als kleines Dankeschön möchte ich noch eine kleine Geschichte einfügen. Ich hoffe sie gefällt euch. Falls ihr mehr lesen möchtet, abonniert einfach meinen Blog. Dann schicke ich euch mein eBook zu!

Der Brauch

»Ein Muslim, ein Buddhist und ein Jude treffen sich im Schlossgarten, um darüber zu diskutieren, welche Tradition die Wahrheit gefunden hat. Der Muslim argumentiert, dass Gott die eine Wahrheit ist und, dass der heilige Kampf der einzige Weg ist, die Wahrheit (Gott) zu finden. Denn Wahrheit bedeutet Errettung und wer gerettet werden will, der muss bereit sein, für die Rettung zu sterben.

Der Buddhist bestreitet, dass ein materieller Tod wirklich notwendig sei, um zu dem zu finden, der im Koran als „Gott“ dargestellt wird. Ihresgleichen höchstes Ziel sei das Nirwana, das nur durch den noblen Pfad des Buddhas in stiller Meditation gefunden werden kann. 

Schließlich ist der Jude empört und witzelt über des Buddhisten Pfad. Buddha habe nicht einmal Muße gehabt, um eine Schrift zu hinterlassen. Und gerade, als der Jude ausführen wollte, dass sich der echte Gott, Jahve, der Eine, nur den Juden offenbart, unterbrach sie ein Fremder. Und er spricht:

„Wie ich sehe, streitet ihr über eure Herkunft. Aber bevor ihr weiterredet, geht dort vornhin in diese Richtung, dort werdet ihr einen Mann sitzen sehen, der kann euch weiterhelfen.“

Und die drei machen sich auf und wandern entlang des Schlossgartens, bis sie am blumengeschmückten Springbrunnen ankommen. Dort sitzt ein alter Mann mit langem Haar und Robe. Und als sie vor ihm stehen, da bittet er sie, sich zu setzen. Er schaut ihnen tief in die Augen und stößt einen tiefen Seufzer aus.

Und in den nächsten Stunden hören sie Gleichnisse über Leben und Tod, über die rechte Art, sich frei zu machen, über die rechte Atmung und über die Streitschlichtung. Denn laut dem alten Mann gehe es darum, allen Religionen, Lehren und Traditionen Wahrheit zuzugestehen.

Der Muslim, der Buddhist und der Jude waren nicht nur entzückt, sondern lauschten voller Stille und Ehrfurcht. Und als der Mann sich erhob und ging, denn er hatte schließlich nichts mehr hinzuzufügen, da fielen sich die drei Gottesfürchtigen in die Arme. Sie versprachen sich nicht mehr zu streiten. Denn dazu war kein Grund mehr. Sie erkannten, dass sie dieselbe Herkunft hatten, diese Herkunft nur aus anderen Blickwinkeln betrachteten. Von nun an akzeptierten sie den Glauben der anderen.

Aber nicht nur das. Sie zogen sogar umher und verbreiteten die Lehre des alten Mannes. Denn sie wollten die tolerante Lehre weitergeben und allen Streit der Welt lösen.

Aber irgendwo auf ihrem Weg der Erlösung verliefen sie sich. Denjenigen, die ihren Glauben behalten wollten, warfen sie Dummheit und Ignoranz vor. Und ehe sie sich versahen, verkamen ihre Worte in einer Tradition, die nur denen Frieden brachte, die sie praktizierten. Und alle anderen, die die Lehre nicht achteten, wurden zu Übeltätern und Ungebildeten, die es zu bekehren oder auszulesen galt.

Welch ein Jammer. Der Streit der drei Gläubigen wurde zwar geschlichtet, dafür entbrannte jedoch ein viel heftigerer Streit. Ein Streit, der nicht mit der Vergebung aller Menschen endete, sondern einem Exklusivrecht, dass ihrer Tradition galt. Aber nein, eine Tradition kann man es wohl nicht mehr nennen. Ein sinnentleerter Brauch, das kommt dem Ganzen näher.«

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Danke für die Aufmerksamkeit! Ich wünsche reges Interesse beim Lesen. Und natürlich eine unbändige Gesundheit und Lebensfreude für den kalten Winter, der uns bevorsteht.

Seid achtsam,
euer Tristan.

Einigen von euch ist es sicherlich schon aufgefallen. Der Name meiner Webseite und Social-Media Kanäle lautet @tristanstrivium. Aber was hat es damit auf sich?

Als ich mein erstes Buch Odyssee im 21. Jahrhundert geschrieben habe, bin ich bei der Recherche der alten Kulturen auf die Schriften von Platon gestoßen. Platon war unter anderem bekannt für seine erkenntnis-theoretischen Denkansätze, um zwischen Fiktion und Realität unterscheiden zu können.

Dafür hat er nicht nur die Lehrmethode des Triviums (3) definiert, sondern auch die, des Quadriviums (4). Zusammen waren diese beiden Werkzeuge des Wissens an den Universitäten des Mittelalters als 7 freie Künste bekannt. In den letzten hundert Jahren sind die freien Künste aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden und das, obwohl sie wichtiger werden denn je. Die Nutzung ist trivial und dennoch genial.

„Dadurch, dass man lernt, wie man denken sollte – anstatt was man denken sollte – bildet dieser Ansatz die Basis für die Kunst und die Wissenschaft den eigenen Verstand zu nutzen als auch die Basis für das Wissen über die Materie.“

(Auf die Wichtigkeit des WIE, anstatt des WAS, habe ich bereits in einigen Publikationen hingewiesen.)

Dabei besteht das Trivium aus den drei Elementen Rhetorik, Grammatik und Logik, wohingegen das Quadrivium aus den Elementen Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie besteht.

Zum Verständnis der Funktion beider komplementärer Künste (Trivium und Quadrivium) und deren Elemente, habe ich in meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert folgende Erklärung angeführt:

„Der Grund für den Fachjargon in der Wissenschaft ist die Abhebung von der normalen Sprache in komplexere Gebilde von Theorien und Definitionen. Neben der Tatsache, dass in Psychologie, Physik oder Didaktik jeder Wissenschaftler seine ganz eigenen Definitionen für Fachwörter nutzt, ist die Fachsprache die Ausdrucksweise eines Menschen, welcher sich mit höchst anspruchsvollen Themen auseinandersetzt. Und meistens über abstrakte Theorien, welche im Alltag keine Anwendung finden. Die freien Künste nach Platon bringen Licht ins Dunkle und zeigen auf, wie ein Mensch beschaffen ist […] Jedes Experiment [und damit auch notwendigerweise jede Beobachtung] gelangt über unsere fünf Sinne in unseren Verstand. Durch Trivium und Quadrivium hat der Verstand die Möglichkeit, dieses Experiment zu verarbeiten.“ (Nolting, Odyssee im 21. Jahrhundert, 2020)[1]

Um gegenseitiges Kommunizieren und verstehen zu ermöglichen, sollten wir sowohl auf unsere Eigene als auch auf die Rhetorik, Logik und Grammatik des Argumentationspartners achten.

Grammatik ist die Fähigkeit zur Sammlung von Elementen im Sprachgebrauch, um diese als Wissensbasis nutzen zu können. Die Logik dient der Beseitigung von Widersprüchen in der Grammatik, sodass der Zusammenhang verstanden werden kann. Die Rhetorik dient schlussendlich der einfachen Weitergabe des Wissens, sodass die Erkenntnisse ins Alltagsleben integriert werden können.[2]

Die Wichtigkeit des Triviums im Austausch miteinander wird bis heute noch maßgeblich unterschätzt. Dafür möchte ich insbesondere auf den Aspekt der Logik genauer eingehen. Ihr werdet sehen, welche Vorteile die Kenntnis um Platon’s Trivium birgt.

Die Macht der Logik

Habt ihr euch nicht auch einmal gefragt, wie ihr in unserer Zeit zwischen guten und schlechten Argumenten unterscheiden könnt? In unserem Informationszeitalter gibt es leicht ersichtlich so viele Informationen, dass es sehr schwer fällt, zwischen Wahrheit und Ideologie zu unterscheiden. Ob es nun um das Thema Corona, Ernährung oder Sport geht, ist erst einmal egal. Wer einen wissenschaftlichen Anspruch hat, der sollte wissen, wie eine logische Argumentation aufgebaut ist und eben auch, was sie nicht enthalten sollte.

Nach Platon gibt es vier Schritte in der Wissenschafstheorie (wissenschaftliche Methode), die erfüllt sein müssen, um als logisch zu gelten. Dazu gehört…

  1. Beobachten: Der zu messende Effekt wird durch Studium der Natur beobachtet
  2. Hypothese aufstellen: Der Effekt wird untersucht und zur Erklärung des Verhaltens werden Thesen aufgestellt
  3. Extrapolieren: Die wahrscheinlichste These wird untersucht, um Vorhersagen über zukünftiges Verhalten zu machen
  4. Verifizieren: Mehrfache Wiederholung des Experiments zur Verifizierung der Reproduzierbarkeit

Je einfacher die Hypothese ist, desto leichter lässt sie sich auch beweisen. Je komplexer das Konstrukt, desto mehr Details, Variablen und somit auch Fehler enthält sie. Sokrates, der Lehrer Platons, wusste beispielsweise, dass eine komplexe Theorie gleichzeitig auch zu einem Verlust der Wirklichkeit führte und wies daher mit seinem Satz: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, auf die Notwendigkeit zum Hinterfragen des eigenen Wissens hin. Theorien sind nur das, was man zu wissen meint. Um die möglichen Fehler einer Argumentationskette zu überprüfen und sie möglichst nachvollziehbar zu halten, hat Platon die logischen Irrtümer mit ins Spiel gebracht.

Logische Irrtümer

Zur Veranschaulichung werden hier beispielhaft einige logische Irrtümer aufgelistet und mit Beispielen untermauert. Eine vollständige Liste findet sich im Anhang Je häufiger die logischen Irrtümer zur Überprüfung von Argumenten im Alltag verwendet werden, desto leichter erschließt sich der Umgang. Die logischen Irrtümer sind wichtiger denn je, gerade auch um Falschaussagen, von Politiker, Wissenschaftlern und vermeintlichen Experten auf die Spur zu kommen.

  • Ad Hominem: Auf eine sachliche Aussage wird mit einem persönlichen Angriff reagiert. Dies ist der Versuch die Person zu diskreditieren, um zu vermeiden, dass man mit logischen Argumenten reagieren muss, die man eventuell nicht parat hat.
    Beispiel: Person 1: „Donald Trump setzt sich für Friedensverträge ein.“ Person 2: „Donald Trump ist ein Rassist!“
  • Appell an Authorität: In bestimmten Situationen müssen wir uns auf der Suche nach Antworten an Experten wenden. Wenn jemand auf die Meinung eines Experten verweist, ist es wichtig zu prüfen, ob diese Person a) wirklich ein Experte ist und b) ob der Experte unabhängig ist oder ob er finanzielle Interessen bezüglich des Themas hat. Man sollte stets prüfen ob ein Verweis auf eine Expertenmeinung nicht vermieden werden kann
    Beispiel: Person A: „Leonhard Held folgert, dass die Studie von Christian Drosten statistische Fehler enthält.“ Person B: „Aber Christian Drosten ist doch der führende SARS-Experte!“
  • Appell an Glauben: Argumentieren, dass etwas wahr ist, weil die Religion oder Ideologie es vorgibt
    Beispiel: Person A: „Stimmt das?“ Person B: „Ich schwöre auf die Bibel.“ Anmerkung: Religionen sind meist keine Glaubensgemeinschaften, in denen spirituelle Erfahrungen vermittelt werden. Vielmehr sind Religionen sinnentleerter Bräuche und Glaubenssätze, die erzählt werden, um Gemeinschaften zu annektieren und zu erhalten.
  • Appell an Gewohnheit: Argumentieren, dass eine bestimmte Handlung gut und richtig ist – z.B. moralisch korrektes Verhalten – weil sich die Mehrheit so verhält
    Beispiel: Sklaverei & Schwulenfeindlichkeit in der Vergangenheit
  • Appell an Emotionen: Der Versuch Unterstützung für eine Sache zu erhalten, indem man im Gesprächspartner bestimmte Emotionen auslöst statt sich mit objektiven Argumenten auseinander zu setzen
    Beispiel: Verschiedene Emotionen erwecken (Humor, Mitgefühl, Wut, Stolz etc.): „Man selbst könnte jederzeit angegriffen werden. Daher benötigt jeder eine Feuerwaffe!“
  • Appell an Angst: Durch das Aufzeigen und Ausmalen schrecklicher Konsequenzen, die eine Entscheidung haben könnte, wird versucht jegliche positiven Aspekte der Entscheidung als irrelevant abzutun
    Beispiel: Corona-Lockdown
  • Appell an Popularität: Wenn die meisten Menschen etwas gutheißen, muss es wohl gut sein
    Beispiel: Corona-Atemschutzmaske
  • Falsches Dilemma: Es werden nur 2 Optionen präsentiert, um ein Problem zu lösen, obwohl auch noch andere Alternativen möglich wären
    Beispiel Klimawandel: Entweder steigt Deutschland bis 2030 aus dem Kohleabbau aus oder der Klimawandel verschlimmert sich.
  • Deckmantel: Wenn man in einer Diskussion auf ein schwer zu widerlegendes Argument stößt, beginnt man einfach eine lange Liste andere Themen in kurzer Abfolge in die Diskussion einzuwerfen in der Hoffnung, dass das ursprüngliche Argument in Vergessenheit gerät
    Beispiel: Stefan Homburg erklärt die Reproduktionszahl und, dass der Lockdown keinen Einfluss auf die Reproduktionszahl gehabt hat. Ergo sei der Lockdown nicht notwendig um die Anzahl der Infektionen zu reduzieren. Richard Greil erklärt, dass dies eine Fehlinterpretation sei und, dass sich das Verhalten der Menschen bereits vor dem Lockdown geändert hat.
  • Rampenlicht: Die Tatsache, dass viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema richten, bedeutet noch nicht automatisch, dass es wirklich relevant ist
    Beispiel: Black-lives-matter – hierbei sei die Verhältnismäßigkeit gegenüber anderen Bedrohungen beachtet und auch die Frage, ob Rassismus die Ursache ist oder nur die Folge eines bestimmten gesellschaftlichen Verhaltens. Sind der Ursprung der Proteste und die Maßnahmen gerechtfertigt oder handelt es sich um ein Massenphänomen?
  • Strohmann (ähnlich auch Roter Hering): Man nimmt eine Position oder Behauptung einer anderen Person, übertreibt und verzerrt sie und greift dann diese verzerrte Behauptung an, weil sie einfacher als falsch entlarvt werden kann
    Beispiel: Person A: „Wieso setzt du dich nicht für ein Abtreibungsgesetz ein?“ Person B: Du scheinst ein Psychopath zu sein. Als nächstes erzählst du auch noch, dass du eine Waffe mit dir herumträgst mich erschießen willst! Ich trete für ein Anti-Waffen-Gesetz ein.“

Mir hat das Trivium beim Verständnis vieler Sachzusammenhänge weitergeholfen. Durch die logischen Irrtümer konnte ich immer wieder auch meine eigenen Argumente überprüfen – und außerdem gestehe auch gerne ein, dass ich einen Argumentationsfehler habe, wenn mich jemand auf den entsprechenden logischen Irrtum hinweist. Zur Erkenntnis der logischen Irrtümer ist die Beachtung der Grammatik (Wortschatz) und Rhetorik (Gestik, Mimik, Stimme) natürlich ebenso wichtig. Darum ist genaues Beobachten und Hinhören unerlässlich.

In den kommenden Tagen werde ich meine Sars-CoV-2 (COVID-19) Analyse vom Mai nochmal auf Englisch veröffentlichen. Am Ende befindet sich ein 5-6 seitiges Update, welches explizit auf das Trivium zur Überprüfung der Argumentation in der Corona-Debatte hinweist. Hier folgt jedoch nochmal ein eigener Blogartikel, auf den ihr euch freuen könnt.

Ihr seht, das Trivium ist für mich so wichtig geworden, dass ich es inzwischen sogar im Künstlernamen trage. Ich wünsche mir, dass ich mehr Menschen für offene Debatten und Argumentationskultur begeistern kann. Und, dass das Trivium eine geeignete Lehrmethode hierfür darstellt.

Damit bedanke ich mich fürs Lesen und sage bis bald!

Herzlich,
Tristan.


Literatur:

[1]Tristan Nolting (2020): Odyssee im 21. Jahrhundert. Tredition, 2. Auflage.
[2]Otfried Höfe (2009): Aristoteles: Die Hauptwerke: Ein Lesebuch. A. Francke Verlag.

Hin und wieder gibt es Tage, an denen ich mich frage, wie stark unser eigenes Verhalten bezüglich Selbstmanipulation ist. Insbesondere frage ich mich das heute, am 14. Oktober, nachdem ich „ausversehen“ meine Publikation COVID-19 holistisch betrachtet mit über 4000 Aufrufen bei researchgate gelöscht habe. Seufz.

Eigentlich lief alles super. Ich habe am 12. Oktober erfolgreich mein drittes Buch veröffentlicht und viel Zuspruch erhalten. Ich übe mich selbst immer weiter in gesunden Gewohnheiten und lese genug. Und im Studium läuft auch alles rund.

Was noch suboptimal läuft, sind hingegen meine überzogenen Ambitionen an mich selbst bezüglich meines Online-Auftritts. Dabei geht es weniger um meine Webseite, meine Bücher oder Podcast-Episoden, sondern eher meine Auftritte, die live und in Farbe stattfinden.

Irgendwie habe ich den perfektionistischen Drang mich selbst optimal darzustellen. Nach gründlicher Erforschung meiner Innenwelt habe ich jedoch festgestellt, dass dies nicht aus narzisstischen Selbstdarstellungsgründen erfolgt, sondern eher an meinem Anspruch liegt, mein Wissen optimal aufbereitet weiterzugeben. Und da glaube ich, dass ich ziemlich viele Dinge gleichzeitig berücksichtigen müsste.

Ich müsste schließlich nicht nur auf meine Rhetorik (Gestik, Mimik) achten, sondern auch auf meine Logik (Argumentation, Präzision, Klarheit), Grammatik (Wortschatz, Fachsprache) und Stimme (Akkustik, Phonetik). Beim Schreiben ist dies kein Problem für mich. Hier habe ich schließlich genügend Zeit, um nachzudenken, auszuholen und mich zu verbessern.

Sicherlich ist dies auch kein Problem bei einem Gespräch mit einem guten Gesprächspartner. Allerdings müsste ich hierfür eben auch selbst so entspannt sein, dass ich keinen Druck verspüre. Und Druck verspüre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, dass es um etwas (für mich, aber auch für andere) wichtiges geht.

Wer entspannt ist, der wird alle diese aufgezählten Merkmale einer Gesprächsführung ganz automatisch berücksichtigen. Einfach, weil die Kontrolle abgegeben werden kann und ein freier Redefluss ganz ohne Anforderungen entstehen kann. Dies erinnert mich auch an die Lektüre von Erich Fromm: „Haben oder Sein“:

Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, mit einem Menschen zusammenzutreffen, der bekannt oder berühmt oder auch durch persönliche Qualitäten ausgezeichnet ist, oder einem Menschen, von dem man etwas bekommen möchte, einen guten Job oder Liebe und Bewunderung? Viele sind unter diesen Umständen nervös und ängstlich und »bereiten sich vor« auf die wichtige Begegnung. Sie überlegen sich, welche Themen den anderen interessieren könnten, sie planen im Voraus die Eröffnung des Gesprächs, manche konzipieren die ganze Unterredung, soweit es ihren Part betrifft. Mancher macht sich vielleicht Mut, indem er sich vor Augen hält, was er alles hat: seine früheren Erfolge, sein charmantes Wesen (oder seine Fähigkeit, andere einzuschüchtern, falls dies mehr Erfolg verspricht), seine gesellschaftliche Stellung, seine Beziehungen, sein Aussehen und seine Kleidung. Mit einem Wort, er veranschlagt im Geiste seinen Wert und darauf gestützt bietet er nun im Gespräch seine Waren an. Wenn er dies sehr geschickt macht, wird er in der Tat viele Leute beeindrucken, wiewohl dies nur zum Teil seinem Auftreten und weit mehr der mangelnden Urteilsfähigkeit der meisten Menschen zuzuschreiben ist. Der weniger Raffinierte wird mit seiner Darbietung nur geringes Interesse erwecken; er wird hölzern, unnatürlich und langweilig wirken.

Im Gegensatz dazu steht die Haltung des Menschen, der nichts vorbereitet und sich nicht aufplustert, sondern spontan und produktiv reagiert. Ein solcher Mensch vergisst sich selbst, sein Wissen, seine Position; sein Ich steht ihm nicht im Wege; und aus genau diesem Grund kann er sich voll auf den anderen und dessen Ideen einstellen. Er gebiert neue Ideen, weil er nichts festzuhalten trachtet. Während sich der »Habenmensch« auf das verlässt, was er hat, vertraut der »Seinstypus« auf die Tatsache, dass er ist, dass er lebt und dass etwas Neues entstehen wird, wenn er nur den Mut hat, loszulassen und zu antworten. Er wirkt im Gespräch lebendig, weil er seine Spontaneität nicht durch ängstliches Pochen auf das, was er hat, abwürgt. Seine Lebendigkeit ist ansteckend, und der andere kann dadurch häufig seine Ichbezogenheit durchbrechen. Die Unterhaltung hört auf, ein Austausch von Waren (Informationen, Wissen, Status) zu sein und wird zu einem Dialog, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wer recht hat.

Erich Fromm: Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, dtv (48. Auflage 2020).

Was wäre, wenn ich diese Kontrolle habe nicht abgeben können?

Ich wäre nicht mehr gewesen, als der Sisyphos. Sisyphos ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die nach Homer eine Strafe in der Unterwelt erhalten hat. Diese Strafe besteht darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet der Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und so muss er stets von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb eine Aufgabe, die trotz großer Mühen nie abgeschlossen wird, Sisyphusarbeit.

Der Versuch die Kontrolle zu behalten, wenn die eigenen Werke wichtiger erscheinen als der Autor, können durchaus in Selbstmanipulation enden. So war ich in der Position mit einem Menschen über meine Arbeit zu sprechen, der eine sehr hohe Reichweite hat, habe aber kurz dem Gespräch geschafft durch einen winzigen Fehler gleich meine ganze Arbeit (von researchgate) zu löschen. Und damit auch meine Reichweite.

Sicherlich, ich bin mir darüber im Klaren, dass die Reichweite meiner Arbeit nicht das ausschlaggebende Kriterium meines Selbstbewusstseins ist. Vielmehr erfreut es mich, wie viele Menschen ich durch meine Arbeit positiv beeinflussen konnte. Jedoch haben viele Menschen die Arbeit auch einfach deshalb gelesen, weil sie so viele Aufrufzahlen hatte.

Wer in unserer Gesellschaft keinen Doktortitel hat, der wird selten angehört. Greta Thunberg ist da eher eine Ausnahme und wurde auch nur deshalb angehört, weil sie eine Vertreterin einer sehr großen Volksgruppe ist (die sich für das Aufhalten des Klimawandels verantwortlich sehen). Ohne die Menschen, die hinter ihr stehen, wäre sie somit auch niemals angehört worden.

Um sich selbst also Gehör zu verschaffen, braucht man in unserer Zeit definitiv entweder Glaubwürdigkeit (im Sinne wissenschaftlicher Titel und Arbeiten) oder Popularität.

Diese Entwicklung hat natürlich Vor- und Nachteile. Zum einen ist es heutzutage durch Medien wie Social Media (Youtube, Instagram & Co.) möglich, sich selbst Reichweite zu verschaffen. Zum anderen wird man nur ernst genommen, wenn man auch etwas vorweisen kann. Wie würden also heutzutage ein Platon, Aristoteles oder Sokrates bestehen, die alle keine Titel hatten, aber sich immerhin selbst als „Philosophen“ titulierten?

Eine schwierige Frage, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Aber vielleicht hat die Authentizität der eigenen Person doch einen größeren Anteil an der Beantwortung dieser Frage, als ich denke. Vielleicht sind es auch einfach gerade jene Personen, die die Kontrolle abgeben können und sich nicht an dem bemessen, was sie erreicht haben, die aus der Masse hervorstechen?

Womöglich gibt es also ein Licht am Ende des Tunnels. Die stetige Selbsterkenntnis, die ich seit meinem ersten Buch Odyssee im 21. Jahrhundert predige, sorgt für einen Wandel der eigenen Perspektive. Weg von dem Beweis der eigenen Glaubwürdigkeit, hin zur wirklichen Offenbarung, Transparenz und zum Selbstbewusstsein außerhalb materialistischer Errungenschaften.

Ähnlich ist es auch bei der Neuauffassung der Geschichte von Sisyphos durch Albert Camus.

Von Albert Camus wurde diese Geschichte in „Der Mythos des Sisyphos“ anders beschrieben, als von bisherigen Autoren. Entgegen der allgemeinen Auffassung, dass Sisyphos Höllenqualen aufgrund seiner sinnlosen Mühe leidet, da er sein Ziel niemals erreicht und immer wieder von vorne anfangen muss, schreibt Camus in den letzten beiden Sätzen seies Essays:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Rowohlt TB (25. Auflage 2000).

Vielleicht ist der Weg das Ziel? Und vielleicht kann ich mich auch einfach damit zufriedengeben, dass ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde? Schließlich gibt es niemand anderen, der dafür verantwortlich ist, dass ich jetzt gerade zufrieden bin, außer mir selbst.

Die Arbeit an sich selbst sollte schließlich auch niemals zum Erliegen kommen. Sonst werden wir uns immer wieder manipulieren. Und der Felsbrocken wird immer kurz vorm Ziel wieder zum Anfang rollen. Auch ein Sisyphos könnte das gerade durch seine Strafe erkannt haben.

Danke fürs Lesen.

Herzlich,
euer Tristan.


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