Ich bin ein Freund davon, von allem und jedem zu lernen. Das gilt auch für Animes. Wieso also nicht darüber philosophieren, was sich der Macher des legendären Mangas/Animes One Punch Man bei seinem Werk gedacht hat? Lasst uns dafür zu Beginn klären, was Geschichten für eine Bedeutung in unserem Leben haben.

Geschichten sind nicht nur dafür da, uns abends bei einem Lagerfeuer glücklich zu machen, zu trösten oder die Einsamkeit zu vertreiben. Vielmehr sind die Geschichten, die wir kennen, ganz eng an unsere Wahrnehmung geknüpft. Je nach dem, welche Geschichten wir im Leben schon gehört und durchlebt haben, reagieren wir anders auf die Chancen und Möglichkeiten in unserer Gegenwart. Ist deine persönliche Geschichte mit sehr viel Leid durchtränkt, so wirst du vermutlich die Welt anders sehen, als jemand, der immer nur Gutes erlebt und gehört hat.

Es ist kein Wunder, dass in unserem Informationszeitalter Geschichten (bzw. Informationen) die primäre Währung sind. Nachrichten, Hollywood-Filme/Serien, Youtube-Tutorials, Bücher, Musik, soziale Medien, ja sogar unsere Freunde und Familie – sie alle haben eine Geschichte zu erzählen. Gleichzeitig färben sie uns jeden Tag mit ihren Gedanken und Gefühlen und tragen dazu bei, dass wir sind, wie wir sind.

Wer glaubt, dass Geld die Währung unserer Zeit ist, den muss ich enttäuschen. Geld hat auch eine Geschichte, vielleicht sogar die älteste Geschichte der Welt, aber Geld ist nicht das, was unser Leben lebenswert macht. Wir können mit Geld bestimmte Dinge kaufen, die uns Geschichten erzählen sollen. Was wir kaufen, ist jedoch davon abhängig, was wir bereits für Geschichten erlebt haben. Damit ist Geld zwar das Mittel, um neue Geschichten zu erfahren, allerdings kann durch bestimmte Informationen und Geschichten (z.B. Nachrichten) gezielt manipuliert werden, welche Geschichten wir noch hören wollen.

Darum sind Nachrichten übrigens auch nicht ungefährlich: Nachrichten erschaffen einen Drang bzw. eine Sucht nach immer neuen Informationen. Ob diese Informationen positiv oder negativ sind, ist gar nicht unbedingt wichtig, da es bei Nachrichten primär um die Aktualität geht. Wer nicht ständig aktualisiert (wie z.B. auch bei Social Media) fühlt sich abgehängt (und dies kann Urängste triggern, aus der Gemeinschaft ausgestoßen zu werden).

Dieser Trend wird übrigens immer weiter dadurch manifestiert, dass Informationen durch das Internet kostenfrei zur Verfügung stehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Narrativ: Zu unserer Zeit fühlt es sich an, als ob es unendlich viele Geschichten gäbe. Das Internet macht es möglich. Aber was, wenn ich euch sage, dass der Ablauf von Geschichten immer derselbe ist?

Es gibt viele Konzepte darüber, wie die basale Struktur von Geschichten aussieht. Aber vielleicht hat es bisher niemand so gut beschrieben, wie der Philosoph und Theologe Joseph Campbell.

Campbell erklärte in seinem Buch Der Heros in tausend Gestalten (Hero with a Thousand Faces), dass sich eine Geschichte für einen Helden immer nach den gleichen Motiven entwickelt, unabhängig von Religion, Abstammung, oder Zeit. Ein Held einer Geschichte sei somit ein Archetyp, der in jedem Menschen angeboren sei. Im Grunde genommen läuft es so ab: Die Reise beginnt, der Held trifft seinen Mentor, der Held muss „das Unbekannte“ bzw. einen unbekannten Bereich betreten, macht Fehler und steckt Niederlagen ein, lernt aber gleichzeitig Helfer kennen, erlernt neue Fähigkeiten, wandelt an der Schwelle des Todes (und wird manchmal wiedergeboren), erfährt eine Offenbarung und verändert sich, tut Buße, wird beschenkt (durch z.B. äußere Umstände, Gegenstände, die ihm helfen oder Freunde) und kehrt „stärker“ in die normale Welt zurück. Dann beginnt die Reise von Neuem, aber auf einem höheren Niveau. Auf dreidimensionaler Ebene ließe sich dieser Kreislauf auch als Upward Spiral (Aufwärtsspirale) vorstellen.

Eine weitere Art und Weise die Geschichte eines Helden zu beschrieben, hat Dan Harmon, Erfinder der beliebten TV-Serie Rick & Morty entwickelt. Dabei sei jedoch gesagt, dass die Grundzüge seiner Beschreibung auf Campbell zurückzuführen sind, dessen Buch Harmon kennt.

Dan Harmon beschreibt acht Schritte, in denen der Held einer Geschichte sich verändern muss, um die Reise zu bestehen. Die obere Hälfte des Tortendiagramms zeigt dabei Start bzw. Ende der Geschichte an, somit nach Campbell „das Bekannte“, während die untere Hälfte Wachstum und Veränderung anzeigt, nach Campbell „das Unbekannte“. Häufig gehen mit dem bekannten Bereich einer Geschichte Licht, Fröhlichkeit, Ordnung und Heilung/Leben einher (was sich auch filmisch gut darstellen lässt), während mit dem unbekannten Bereich das genaue Gegenteil einhergeht (Dunkelheit, Chaos, Trauer, Tod etc.). Mit dieser Dualität wird in einer Geschichte ganz bewusst gespielt. Wäre diese Dualität nicht vorhanden, wäre auch keine Veränderung zu erwarten. Sowohl in deiner eigenen Geschichte, als auch im Film und TV.

Diese acht Schritte sind: 1. Komfortzone, 2. Bedürfnis oder Wunsch, 3. Ungewohnte Situation, 4. Anpassung, 5. Kriegen, was man wollte, 6. Aber einen Preis dafür zahlen, 7. Zurück zur Gewohnheit 8. Sich geändert haben

„Alles Leben, einschließlich des menschlichen Geistes und der Gemeinschaften, die wir schaffen, marschiert im selben, sehr spezifischen Takt. Wenn Ihre Geschichte auch zu diesem Takt marschiert – ob Ihre Geschichte der große amerikanische Roman oder ein Furzwitz ist – wird sie mitschwingen. Es wird das Ego Ihres Publikums auf eine kurze Reise ins Unbewusste und zurück schicken. Ihr Publikum hat einen instinktiven Geschmack dafür und sie werden „lecker“ sagen.

Dan Harmon

Und glaubt mir nicht, sondern überprüft es. Von Arielle die kleine Meerjungfrau, über Heavy Metal Musik bis hin zu Menschen, die sich in den Urwald nach Peru auf den Weg machen, um Ayahuasca zu trinken: Sie alle machen diesen Story Circle durch.

Wie lässt sich nun die Serie One Punch Man dort einordnen? Grundsätzlich verfügen Serien auch über einen Story Cycle, auch wenn dieser etwas ausgedehnt wird. Zudem spiegelt sich der Story Cycle auch in jeder einzelnen Folge wieder und existiert damit sowohl im Mikrokosmos, als auch im Makrokosmos einer Serie.

Bei One Punch Man geht es um den Helden Saitama, einen übermächtigen Helden, der die Welt vor Monstern schützt. Und ja, Saitama sieht nicht danach aus, aber er ist so stark, dass niemand, wirklich NIEMAND ihm auch nur das Geringste anhaben kann. Selbst den Gebieter des Universums hat er schon in der ersten Staffel besiegt. Tatsächlich ist der Titel der Serie auch so gewählt, weil Saitama jeden Gegner mit nur einem einzigen Schlag platt macht. Saitama kommt eigentlich fast immer zu spät zu den wirklich wichtigen Kämpfen, in denen seine Freunde besiegt wurden, aber am Ende siegen doch immer die Guten. Oder naja, er. Aber er selbst zählt sich zu den Guten.

Und genau hier fängt das Problem an: Saitama bleibt konstant in Phase 1: Die Komfortzone. Er kommt da aber auch einfach nicht raus, so sehr er es versucht. Seine Freunde entwickeln sich im Gegensatz zu ihm weiter, auch wenn sie niemals in ihrem Leben so stark werden können, wie er. Aber Saitama hat durch seine unheimliche Stärke sein Lebensziel erreicht und kann sich nun nicht mehr weiterentwickeln. Niemand kitzelt das aus ihm heraus, was eine gute Geschichte ausmacht: Dass der Held sich verändern und anpassen muss.

Und das merkt Saitama. Versteht mich nicht falsch, die Serie One Punch Man selbst verläuft nach demselben Schema, wie jede andere Geschichte auch. Saitama ist zwar der Hauptcharakter, aber die Serie selbst besteht aus vielen kleinen Nebenhandlungen über Helden, die immer wieder mit Saitama in Kontakt kommen. Insofern sehen wir immer stärkere neue Gegner, an die sich alle Helden anpassen müssen, d.h. sich selbst überwinden müssen, um zu gewinnen. Außer Saitama.

Die Rolle von Saitama könnte also nicht irrwitziger und ironischer sein. Er ist der einzige Charakter, der stets „er selbst bleiben darf.“ Es gibt schlichtweg keinen Antrieb und keine Veränderung mehr für Saitama als Helden. Und hier erhalten wir auch einen Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt. Er hat eine sehr leidvolle Geschichte und wusste nie, wo er hingehört. Eines Tages hat ein Monster seinen Kampfgeist geweckt und er hatte das Ziel, der stärkste Held aller Zeiten zu werden. Daraufhin hat er – laut ihm – so verrückt trainiert, dass er unbesiegbar wurde (und ihm die Haare ausgefallen sind). Seine Leidenschaft für das Heldendasein schien also so extrem zu sein, dass er der Allerbeste wurde. Jedoch für einen Preis, den er zahlen musste, ebenso wie jeder andere Held auch.

Er fühlt sich abgestumpft, leer und völlig angstfrei. Angstfreiheit kann für die einen etwas Gutes bedeuten. Es kann aber auch die totale Gleichgültigkeit bedeuten. Letztlich ist Mut auch nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung trotz Angst zu handeln.

Jeder Mensch verbindet einen Helden mit Mut. Saitama braucht diesen Mut nicht mehr, gerade weil er schon der allerstärkste Held ist. Vielleicht fehlt ihm deshalb die Leidenschaft für seinen Beruf als Held. Wieso anstrengen und mutig sein, wenn er sowieso weiß, dass er gewinnt? Diese Frage bringt ihn in eine tiefe Depression.

Aber, wer die Serie versteht, der merkt, dass Saitama sich doch verändert: Nicht als Held, aber als Mensch. Zu Beginn der Serie war er alleinstehend, ohne Freunde oder Beruf. Inzwischen hat er einen Schüler, einen Freund und wird von der Heldenliga als hauptberuflicher Held eingestuft (wenn auch in einer Klasse, die ihm nicht gerecht wird). Er lernt wieder Gefühle zu fühlen, nicht auf dem Schlachtfeld, aber bei seinen Freunden. Während die anderen Charaktere der Serie noch darum kämpfen, die Stärksten oder Mächtigsten zu sein, lernt Saitama, worauf es wirklich ankommt. Vielleicht ist Saitama in der Serie fehl am Platz – wie ein Gott aus einem anderen Universum – aber genau das macht den Charme der Serie aus.

Übertragen auf das echte Leben wirft die Serie einige ernsthafte Fragen auf, mit denen auch wir im Alltag konfrontiert werden. Exemplarisch:

  • Wozu weiterkämpfen, wenn wir unser Ziel erreicht haben?
  • Liegt der Sinn des Lebens in Macht, Stärke und Überlegenheit oder eher in Ebenbürtigkeit und Austausch?
  • Brauchen wir Ideale, um nicht der Gleichgültigkeit unseres Daseins zu erliegen?
  • Erfahren diejenigen, die stark und machtvoll sind, automatisch einen Gott-Komplex?

Und zum Abschluss findet ihr noch ein Video, in dem sich Saitama über seine Misere klar wird… und durch einen guten Freund eine Anregung erhält, seine Ideale zu überdenken.

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Ich habe diese seltsame Verbindung zu einer Frau namens Flore Celestine Thérèse Henriette Tristán y Moscoso (Flora Tristan). Erstmalig habe ich in meinem Werk „Die wahre Bedeutung der Kommunion – Kommunen als Modell zur spirituellen Weiterentwicklung“ aus gegebenem Anlass über sie geschrieben. Aber auch vorher haben sich schon interessante Parallelen zwischen uns aufgetan:

  • Wir beide haben am 7. April Geburtstag (1801/1998)
  • Wir beide heißen (offensichtlich) Tristan
  • Wir beide interessieren uns für Sozialismus und Frauenrecht
  • Uns beide verbindet die außergewöhnliche Leidenschaft für Peru (auch wenn ich noch nie da war, ich kann es mir kaum erklären)
  • Wir beide sind Schriftsteller (ihr erstes Buch veröffentlichte sie 1837, 37 ist eine Zahl zu der ich eine besondere Verbindung seit der Jugend pflege)
  • Wir beide sind gläubig
  • Die Beschreibungen ihres Charakters sind erstaunlich ähnlich zu meinem Charakter (ungestüm, häufig rational, wenn auch leidenschaftlich, ehrgeizig)

Ich möchte mich mit der Ähnlichkeit zu ihr in keiner Weise hervortun, sondern vielmehr aufzeigen, weshalb ihr Leben und Wirken mich so fasziniert: Ganz einfach, weil mich vieles von dem, was sie schreibt, berührt und ich mich in sie hineinversetzen kann. Und dafür kommen wir nun zu ihr.

Flora Tristan ist weitestgehend aus den deutschen Geschichtsbüchern verschwunden (falls sie je enthalten war), was dazu führt, dass die meisten Menschen sie nicht kennen. Da sie französisch-peruanischer Abstammung ist, ist sie etwas bekannter in Frankreich und Peru. In Lima (der Hauptstadt von Peru) gibt es beispielsweise die Flora Tristan Bibliothek. In Frankreich wurde mit ihr 1984 zu Ehren der Frauen eine Briefmarke bestückt. Wie in Portraitzeichnungen erkennbar, soll Flora Tristan eine recht schöne Frau gewesen sein (was aus Briefen mit Zeitgenossen und ihren Notizen hervorgeht).

Was viele nicht wissen: Ihr Enkel war der bekannte und eigentümliche Maler Paul Gauguin. Er kannte sie nicht, da sie bereits 1844 in Bordeaux starb, hatte aber auch nicht unbedingt positive Worte für sie übrig: „Wahrscheinlich konnte sie nicht kochen. Ein sozialistischer und anarchistischer Blaustrumpf.“ Dies lag vermutlich auch einfach daran, dass das Leben von Paul und Flora so unterschiedlich war. Einen guten Einblick gibt das Doppelportrait des Romans „Das Paradies ist anderswo“ von Mario Vargas Llosa. Vieles von dem, was Llosa schreibt ist historisch gut belegt, anderes, wie die Begegnung mit dem Finder des Kommunismus Karl Marx, ist wohl eher eine Fiktion.

Nun sollte direkt eine Frage aufflammen: Was war ihre Verbindung zu Marx? Unglaublicherweise hat sie in ihren Büchern den Grundstein für Marx‘ und Engels Kommunismus gelegt. Wenn wir das in der Schule gelernt hätten… aber in der Regel haben wir im Geschichtsunterricht noch nicht mal den Kommunismus in seiner fundamentalen Theorie behandelt, sondern eher im Zuge des Nationalsozialismus am Rande durch die Sowjet-Union mitbekommen.

Und wie kam es dazu? Flora Tristan hatte ein recht anstrengendes und auch gefährliches Leben Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihr Vater Mariano Tristán y Moscoso, ein peruanischer Adeliger, starb schon zu frühen Kindheitstagen. Weil die Ehe mit seiner Frau Anne-Pierre Laisnay nicht anerkannt wurde (ein offizielles Dokument gab es nicht), wurde Flora mit ihrer Mutter mittellos in Paris zurückgelassen. Ihre Mutter drängte sie aufgrund der Armut mit 15 eine Ausbildung in einer Graveurwerkstatt anzufangen und mit 18 eine Vernunftehe mit dem Arbeitgeber André Chazal einzugehen. Kurz und bündig: Chazal war eine toxische Persönlichkeit, die Flora mehrmals misshandelt und vergewaltigt hat. Da die Ehe jedoch gültig war, gab es für Flora keine Möglichkeit ihn anzuzeigen oder sich vor ihm durch das Gesetz zu schützen (Code Napoléon). Darum floh sie vier Jahre später in tiefster Schmach, wissentlich, dass sie damit im Ansehen ihrer Mutter und Zeitgenossen wohl zutiefst fallen würde. Man fragt sich aber auch, was Flora für eine Mutter hatte, denn sie bestand darauf die Ehe mit Chazal aufrechtzuerhalten, obwohl sie vom Missbrauch wusste. Nach dem Ehebruch schienen sich Mutter und Tochter wohl weitestgehend aus dem Weg zu gehen. Armut kann einen wohl weit treiben.

Mit Chazal hatte Flora drei Kinder (wohl unter Höllenqualen geboren), von denen nur Aline Chazal, die Mutter von Paul Gauguin, überlebte. Um sich und ihre Tochter nun über Wasser zu halten (der Sohn, der zu dem Zeitpunkt noch lebte, blieb wohl beim Vater), arbeitete sie 5 Jahre lang als Reisebegleiterin (1825-1830). 1833 fasste sie dann den Entschluss mit dem Schiff nach Peru zu segeln, um von ihrem Onkel Don Pío Tristán y Moscoso etwas von dem Erbe ihres Vaters zu erhalten. Die Schiffsfahrt selbst erscheint für sie als Höllenfahrt: „Ich war völlig allein, verloren mitten im Ozean, krank, jeden Augenblick in Gefahr, einen grässlichen Tod zu erleiden, von den Beschimpfungen der groben Seeleute belästigt, in der abscheulichsten Lage, in der sich ein weibliches Wesen befinden kann“ (Sparre, 2012, S. 139).

Dabei entpuppt sich ihre gefährliche und lange Reise trotz der Mühe (teils) als Farce: Bis auf Höflichkeiten und eine geringe Entschädigung durch den Onkel erhält sie nicht viel. Sie darf ihm eine Zeit lang als Kriegsberaterin dienen (Peru war zu dem Zeitpunkt Kriegsgebiet zwischen den Provinzen Perus und deren Interessen) und hilft ihm später sogar in die Position des Generalgouverneurs. Doch zum Ausgleich erhält sie nur 2500 Francs pro Jahr (eine Umrechnung in heutige Standards gestaltet sich schwierig, die Summe scheint für damalige Verhältnisse jedoch nicht besonders viel gewesen zu sein, vllt. mehrere hundert Euros).

Flora hat jedoch einen ganz anderen Verdienst aus Peru erhalten: Durch die gesellschaftlichen Missstände wurde ihr Interesse für den Sozialismus geweckt. Dies führte dazu, dass sie ihre Notizen über die politischen und gesellschaftlichen Zustände in Peru zu einem Reisebericht ausformulierte und nach ihrer Rückkehr in Paris veröffentlichte. Die Beschreibungen der Frauen Limas („Tapadas“) decken sich mit denen, von dem bekannten Evolutionsbiologen Charles Darwin, der auf seiner Reise ein Jahr nach Flora Peru bzw. Lima besuchte. Laut Katharina Städtler sei Floras Reisebericht „die erste in Westeuropa erschienene kritische Studie der politischen, sozialen und kulturellen Realitäten der außereuropäischen Welt aus der Sicht einer Frau“ (Städtler, 2004, S. 129). Außerdem schrieb sie zeitgleich die Broschüre „Über die Notwendigkeit fremden Frauen einen guten Empfang zu bereiten.“ Der veröffentlichte Reisebericht führte erstmals dazu, dass sie Bekanntheit erlangte und in die „höheren Kreise“ von Paris eingeladen wurde. Dort lernte sie unter anderem George Sand kennen, die sie nicht sonderlich ausstehen konnte, da Sand sich als Mann ausgab, um als Schriftstellerin Erfolg zu haben. Sie lernte aber die Person selbst oder zumindest die Lehren des Charles Fourier, Prosper Enfantin und Victor Hugo kennen.

Sobald Chazal von Flora’s Rückkehr erfuhr, entführte er mehrmals die Tochter Aline (die während Floras Reise bei ihrer Großmutter lebte), ohne, dass Flora sich wehren konnte (sie war ja immer noch offiziell verheiratet). Außerdem wurde bekannt, dass Chazal Aline mehrmals unsittlich anfasste. Flora klagte ihn daraufhin an und erlangte das Sorgerecht für Aline. Am 20. Mai 1838 zeichnet Chazal einen Grabstein mit der Inschrift: „Die Paria. Es gibt eine Gerechtigkeit, vor der du fliehst, die Dich aber einholen wird. Ruhe in Frieden als Beispiel für diejenigen, die sich soweit vergessen, Deinen unmoralischen Geboten zu folgen […]“ (Sparre, 2021, S. 166). Aus Rache an Flora für das entzogene Sorgerecht schoss Chazal am 4. September 1838 mehrmals auf Flora und versuchte sie somit umzubringen. Die Kugeln trafen sie nahe des Herzens, wodurch sie sich kurzzeitig in Lebensgefahr befand und bis an ihr Lebensende unter der Verletzung litt. Ein Portier half ihr, sich zu retten. Glück im Unglück: Der Prozess und die Verurteilung Chazals zu Deportation und 20 Jahren Zwangsarbeit ermöglichten ihr endlich die Scheidung.

Nach ihrer Genesung und dem Gerichtsprozess stürzt sie sich wieder in ihre literarische Arbeit und verfasst weitere sozialkritische Bücher. Darunter auch ein Roman, in dem sie ihre Erlebnisse verarbeitet. Der Roman wird nicht sonderlich erfolgreich. 8 Monate nach dem Mordanschlag, am 10. Mai 1839, reist sie nach England und schreibt ihre Beobachtungen über die Zustände der englischen Arbeiterklasse nieder (noch fünf Jahre vor Friedrich Engels‘ Die Lage der arbeitenden Klasse in England): „Im Dickicht von London„. Ihr Mut in England bringt sie auch in gefährliche Situationen für eine Frau: Sie besucht das Parlament und verschafft sich Eintritt, indem sie sich als Mann verkleidet (Frauen war der Zutritt versagt), außerdem beobachtet sie, wie Arbeiter ihre Freizeit verbringen. Sie kritisiert, dass die harte und lange körperliche Arbeit entwürdigend sei und dazu führe, die freie Zeit damit zu verbringen, den eigenen Frust zu kompensieren. Dies geschehe nur allzu oft durch Demütigung (wie beispielsweise anhand des Beispiels der Freudenhäuser, in dem nicht selten Frauen wie Tiere und schlimmer behandelt werden). Außerdem wäre der Lohn so schlecht, dass viele Familien nicht wüssten, wie sie über die Runden kommen. Eine eingehende Behandlung der Themen Floras findet sich auch in meinem Buch „Die wahre Bedeutung der Kommunion“:

„Für das beginnende 19. Jahrhundert war diese Unternehmung ein Spiel mit dem Feuer, denn damals waren Frauen in ihrer persönlichen Freiheit, durch die auf den Mann ausgelegten Gesetze, sehr stark eingeschränkt. Floras prägnante Beschreibungen über das damalige Dasein von Arbeitern und den Elendsvierteln in Frankreich, England und Peru waren nicht nur äußerst erschreckend, sondern wecken auch heute noch tiefes Mitgefühl. Sie geben nicht nur Denkanstöße für unsere heutige festgefahrene Sichtweise über Themen, die uns in der Schule als eindeutig und wahrhaftig beigebracht werden, sondern ermöglichen eine ungeahnte Dankbarkeit für den heute vielzählig als so selbstverständlich erachteten Lebensstandard. Eines ihrer bedeutendsten Themen war die Gegenüberstellung der Proletarier und Sklaven. Während der Sklave einen Lohn (Nahrung) für eine Dienstleistung erhält, an die er ausweglos gebunden ist, sind Proletarier in dem Glauben frei zu sein, da sie in ihrer Arbeit niemandem gehören, jedoch in den engen und unhygienischen Verhältnissen der Stadt mit ihrem Lohn für die Familie nur sehr geringe Überlebensmöglichkeiten haben und dadurch in ihrer Existenzangst der fortwährenden Apathie (Gleichgültigkeit) unterworfen sind. Flora Tristan beschreibt es als eine agonische Lebensweise (allmählicher Sterbeprozess), denn die Umstände der Proletarier des 19. Jahrhunderts lassen sich nicht mehr nur als Armut beschreiben, sondern vielmehr als grausames Elend. Es kommt nicht selten vor, dass Flora Tristan bei ihren Expeditionen auf Großfamilien trifft, die nicht nur kein Geld für Grundbedürfnisse wie Nahrung und Wasser haben, sondern auch bis auf einige Stofffetzen keine Kleidung besitzen, sich nicht waschen können und letzten Endes unter unhygienischen Bedingungen versterben, ohne den Nachkommen Überlebenschancen zu bieten. Müssten wir heutzutage, als aufgeklärte Menschen, unter diesen genauen Beschreibungen des bürgerlichen Elends, nicht die Schuldfrage stellen? Gab es jemanden, der bewusst die Arbeiter unterdrückt und sie glauben lässt, dass diese Zustände unvermeidlich seien?“

Tristan Nolting, Die wahre Bedeutung der Kommunion, 2020

Für Flora war es zum damaligen Zeitpunkt undenkbar, dass die Arbeiter durch die Politik aus ihren sklavenähnlichen Verhältnissen befreit werden oder zumindest Unterstützung erhalten. Dies führte dazu, dass Flora Ende des Jahres 1843 bis 1844 mit der Postkutsche und mit dem Schiff kreuz und quer durch Frankreich reiste und Vorträge hielt, um die Arbeiter zu bewegen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Für sie ging die Gleichstellung der Frau und die Befreiung der Arbeiter Hand in Hand. Grundlage für ihre Reisen war das Werk „The Workers Union“ (Die Arbeiterunion), welche sie für den Selbstkostenpreis unter den Arbeitern verkaufte. „The Workers Union“ enthielt einen konkreten Plan zur Selbstorganisation der Arbeiter. Ihre Unternehmungen stießen in der Presse auf Spott und auch durch die Polizei musste sie sich schikanieren lassen. Schließlich starb sie am 14. November 1844 in einer Pension in Berdeaux (der Stadt, in der sie mit dem Schiff nach Peru aufbrach) an Typhus. Die Krankheit brach vermutlich durch die Erschöpfung aus, die sich im Laufe ihres Lebens, vor allem aber in den letzten Jahren, angesammelt hat. Ihr Wille war vermutlich stärker als ihr Körper. Sie wurde noch einige Zeit von ihrer Schülerin und späteren Biographin Éléonore Blanc gepflegt, bis sie unter Schmerzen verstarb. Es ist wirklich tragisch und zugleich interessant, wie gut Floras Geschichte dokumentiert ist. Ich kann jedem nur eine Leseempfehlung aussprechen, auch, um sich in die leidvolle Geschichte Floras hineinzuversetzen und ihre Ziele und Träume zu verstehen.

Was lernen wir also aus Floras Geschichte?

Flora hat Zeit ihres Lebens ihren Traum nicht verwirklichen können: Den Traum einer aufrichtigen Gemeinschaft, in der nicht nur die Interessen der Adeligen und Aristokraten zählen, sondern vor allem das Miteinander der Arbeiter / Bürger. Diesen Traum können wir ihr helfen zu erfüllen, indem wir Bekanntes und Beständiges bezweifeln. Ist unsere derzeitige Lage, die derzeitige COVID-19-Krise, nicht ein Aufruf an die Arbeiter sich unabhängiger zu machen? Ist die gesellschaftliche Spaltung nicht ein Aufruf, sich nicht von den Scharlatanen kontrollieren zu lassen, die uns erzählen wollen, was richtig und was falsch ist? Die Geschichte Floras zeigt doch, das wir nicht erwarten können, dass unsere Probleme von „oben“ gelöst werden. Vielmehr sollten wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen und eigenständig Lösungen schaffen, um das Zusammenleben auf dem Planeten Erde ein Stück weit harmonischer zu machen. Wer eine moderne Auffassung von „The Workers Union“ sucht, der wird mit „Die wahre Bedeutung der Kommunion“ gut bedient sein.

Danke fürs Lesen.

Tristan

„Die Gefühle, das Gedankenspiel einer Frau bergen so große Kräfte in sich, eine Frau verfügt über solch immensen geistigen Reichtum!„

Flora Tristan an ihre Freundin Olympe Chodzko

Literatur

Katharina Städtler: Literatura de viaje y género – Flora Tristán, Étienne de Sartiges y Johann Jakob von Tschudi en el Perú (1830-40). In: Sonja Steckbauer, Günther Maihold (Hrsg.): Literatura – Historia – Política. Articulando las relaciones entre Europa y América Latina. Vervuert, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-86527-182-0. S. 127–136. Zitat S. 129.

Susanne Knecht: Flora Tristan und Lady Callcott. Die zweite Entdeckung Lateinamerikas. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2004. ISBN 3-434-50573-3. S. 157.

Florence Hervé (Hrsg.): Flora Tristan oder: Der Traum vom feministischen Sozialismus. Dietz, Berlin 2013, ISBN 978-3-320-02293-8.

Arbeiterunion. Sozialismus und Feminismus im 19. Jahrhundert, ISP-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-88332-128-1.

Im Dickicht von London oder Die Aristokratie und die Proletarier Englands, ISP-Verl., Köln, 1993, ISBN 3-929008-20-3.

SparreSulamith: „Hier bin ich, die Wegweisern“ Flora Tristan (1803-1844), Feministin, Sozialistin, Schriftstellerin. Schneekluth Verlag Kg, 1997. ISBN: 3-936049-60-2.

In jeder Sekunde, an jedem Tag, in jedem Jahr deines Lebens erfindest du deine Wirklichkeit. Das ist der Ansatz des radikalen Konstruktivismus. Diese erkenntnistheoretische Position geht davon aus, dass jedes Subjekt (also du & ich) aufgrund der bisherigen Erfahrungen die Wirklichkeit erschafft.

Diese Idee wird dann erkenntlich, wenn wir bedenken, dass die Erinnerungen an die Kindheit zumeist sehr schwach ausgeprägt sind und wenn wir uns an etwas erinnern, dann weil wir etwas besonders schön oder leidvoll empfanden. Es sind somit die besonderen Momente, ob positiv oder negativ, die das weitere Leben tiefgehend beeinflussen. Außerdem denken Kinder qualitativ anders als Erwachsene, da sie noch nicht so viele Erfahrungen haben, die sie in ihren Reaktionen konditioniert haben. Dies führt dazu, dass sie spontaner, leichtlebiger und eben auch naiver sind.

Das erinnert mich an die folgende Bibelstelle:

1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich? 2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie  3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. 4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich. 
5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.

Matthäus (18, 1-5)

Mit diesem Ausspruch war sicherlich nicht gemeint gebt die Verantwortung von euch; kümmert euch nicht um euch, sondern lasst andere für euch sorgen; seid naiv; tragt wieder Windeln wenn ihr von dieser Welt scheidet oder habt blindes Vertrauen.

Damit war gemeint, dass nur diejenigen, die reinen Herzens sind, Erlösung finden. Und Erlösung meint nicht irgendwo im Jenseits (auch wenn es dies durchaus auch umfassen kann), sondern ganz unmittelbar im Hier und Jetzt. Kinder sind unmittelbar an das Herz angebunden, denn sie sind nicht vom Verstand gelenkt.

Ein Herz ist schwach wie stark. Es kann hell leuchten und genauso kann es verdunkeln. Es kann von Gutherzigkeit erfüllt sein, ebenso wie es mit Bösartigkeit erfüllt sein kann. In gewissem Maße kann das Herz als der Heilige Gral bezeichnet werden, als das Gefäß, dass die Taten des Menschen aufwiegt. Und nur derjenige, der die Absicht hat zu heilen, zu helfen und Frieden zu stiften, gelangt durch das Tor, das nicht mit dem Verstand begriffen werden kann. Wer böses tut, dem wird wiederum böses vergolten (auch von sich selbst!)

In gewissem Maße erlebt jeder Mensch seine ganz eigene Geschichte. Die Geschichte beginnt zumeist in der Kindheit mit der Erziehung, führt über die Sozialisierung in der Schule und schließlich über den Arbeitsplatz in den Ruhestand. Das muss aber nicht so sein. Jeder darf über sich selbst entscheiden. Letztlich muss man sich nur vor sich selbst rechtfertigen.

Was alle gemeinsam haben, ist, dass jede Geschichte Höhen und Tiefen hat. Ob du nun auf dem Land lebst, im Dschungel oder in einer Großstadt. Du als Held deiner Geschichte erfährst Freude und Leid auf deinem Weg zum Ziel. Und dieses Ziel kann nur heißen: So frei zu sein, wie die Kinder und sich nicht mit dem zu quälen, was auf dem Weg passiert ist. Und auch wenn es schwer fällt, das Ziel kann immer nur sein: Loslassen.

Um nun den Bogen zu schlagen: Der radikale Konstruktivismus schlägt vor die eigene Geschichte umzuschreiben, um der Wirklichkeit näher zu kommen und mehr von den schönen Dingen des Lebens zu haben. Und dem stimme ich zu. Ich möchte allerdings ergänzen: Manche Dinge lassen sich nicht vermeiden und sollten auch nicht vermieden werden. Denn auch das Leid macht uns zu dem Menschen, der wir heute sind. Wir sollten nur Lernen alle Facetten des Lebens zu akzeptieren. Denn die Wirklichkeit ist jederzeit da.

Es gibt nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren.

Was auch immer du vor hast, sei dir deiner selbst bewusst.

Und glaube an dich.

Welche Geschichte möchtest du schreiben?

Ich möchte den Beitrag mit einem Verweis auf die Seite meines Freundes Christopher Reusch schließen, der vor kurzem begonnen hat Geschichten zu schreiben. Wer ein wenig Englisch versteht, der wird sich sicherlich an den kleinen Geschichten erfreuen.

Passend zu diesem Beitrag: THE CHILD THAT FORGOT ABOUT HEAVEN

Verlustängste: Jeder von uns hat sie. Und aus gegebenem Anlass möchte ich dieses Thema kurz auf meinem Blog anschneiden.

Verlustängste entstehen aufgrund der Angst vor einem Mangel oder einem Defizit. Das ICH oder SELBST hat demnach Angst davor sich selbst zu verlieren, unvollständig zu sein oder einen Teil von sich selbst abzugeben. Weniger wird mit der Verlustangst die Angst vor dem Verlieren (eines Wettbewerbes) gemeint, auch wenn dies ebenfalls unter Verlustangst gefasst werden kann. Letztlich kann die Verlustangst auch als Angst aufgefasst werden, bei dem das ICH Angst hat, weniger es SELBST zu sein.

Auf geistiger Ebene ist dies natürlich unsinnig, denn auf der Reise unseres Lebens werden wir bzw. unser ICH immer mehr zum SELBST, da wir erkennen, was wir sind und was wir nicht sind. Vollzieht sich ein geistiger Wandel, so merken wir, dass wir nicht unser Körper sind, nicht unsere Freunde sind, nicht die Welt an sich sind, sondern immer ein Teil des Ganzen. Wir sind Geist UND Körper, wir sind ich UND du, wir sind Träumer UND Traum, wir sind Subjekt UND Objekt. Verlustsituationen sind die ersten Erfahrungen, die dem Menschen seine materielle Trennung aufzeigen (eine Erfahrung die erstmals mit der Geburt gemacht wird) und ihn dazu ermutigen, die geistige Gemeinsamkeit zu suchen. Interessanterweise passiert auch häufig das genaue Gegenteil von Trennung, wenn ein Mensch eine Nahtoderfahrung macht (die meisten Menschen berichten von überwältigender Fülle, Liebe und Einheit).

Wird die eigene Angst vor Situationen gepflegt, in denen das ICH sich materiell von anderen/anderem abgrenzen muss und nicht akzeptieren kann, dass es ein autarkes Lebewesen ist, so kann durchaus auch von einer Angst vor Veränderungen gesprochen werden. Und, so schließt sich der Kreis, die wohl größte und jeden Menschen betreffende Veränderung ist die Geburt und der Tod (in der Transpersonalen Psychologie gilt die Geburt als URTRAUMA, der Tod als METAMORPHOSIS)

»Zu leben lernen, muss man über das ganze Leben hin, indes worüber du dich noch mehr wundern magst, das ganze Leben musst Du sterben lernen.«

Seneca

Was wir uns nun aus diesen recht abstrakten Ausführungen merken können:

  • Wir alle müssen leidvolle und schmerzhafte Erfahrungen machen, die uns näher an unser SELBST bringen
  • Einsamkeit ist der Weg in die ALL-EINS-HEIT (Einsam vs. Allein)
  • Wir können uns gegenseitig Trost spenden und uns über unsere Erfahrungen hinweghelfen, indem wir uns zuhören und füreinander da sind

In der jetzigen aufbrausenden und turbulenten Zeit brauchen wir eine starke Gemeinschaft, die sich nicht von falschen Idealen lenken lässt, sondern die die Freude am miteinander und einer wirklich bodenständigen Spiritualität wiederfindet.

Auch spirituelle Menschen sind nicht von Leid ausgenommen. Im Gegenteil: Ich sehe, dass spirituelle Menschen weit häufiger auf eine Vertrauensprobe gestellt werden, die zeigen soll, ob das Vertrauen in den großen Geist noch intakt ist und praktiziert wird. Verlusterfahrungen bringen uns häufig in Zweifel, ob dies überhaupt einen größeren Sinn haben kann und auch, wie Gott (lat. Spiritus) dies überhaupt zulassen kann (s.a. Theodizee-Frage, welche von den meisten Religionen unterschiedlich beantwortet wird).

Und dann fällt mir die Geschichte von Hiob aus der Bibel ein (bekannt auch durch die „Hiobsbotschaft“). Die Geschichte kenne ich noch aus der Zeit als Kind, als ich hin und wieder in der Kirche war und am Kindergottesdienst teilgenommen habe. Ich bin kein Fan des Christentums oder der Bibel, aber manche Geschichten (und Gleichnisse) lassen mich bis heute staunen. Und mit dieser Geschichte möchte ich diesen Blogbeitrag schließen und zum Nachdenken anregen.

Hiobs Prüfung

Bibeltext: Hiob 1-2 (Quelle der Kurzversion)

Das Gute haben wir von Gott angenommen, sollten wir dann nicht auch das Unheil annehmen?

„Wärst du gerne reich? Ich meine, so richtig reich? Hiob war der reichste Mann weit und breit. Er lebte im Land Uz und dort gab es niemanden, der so reich war wie Hiob. Er hatte große Herden an Tieren. 7000 Schafe hatte er, 3000 Kamele, 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Und natürlich hatte er viele Knechte, die sich um diese Tiere kümmern. Hiob ging es gut. Gott hatte Hiob viel Reichtum geschenkt. Und Hiob liebte Gott. Er war Gott dankbar für alles, was er hatte. Für seinen Besitz, aber auch für seine Kinder. Hiob hatte 7 Söhne und 3 Töchter. Hiob liebte Gott und er tat, was Gott gefiel, er war wirklich gottesfürchtig. Manchmal machte er sich Sorgen, dass seine Kinder gesündigt haben könnten. Die Kinder trafen sich oft und feierten zusammen. Hiob wusste ja nicht, was dort geschah. Deshalb opferte er nach ihren Festen immer Brandopfer für jedes seiner Kinder. Er bat Gott: „Falls sie gesündigt haben, dann vergib ihnen bitte.“ So war Hiob. So sehr liebte er Gott. Wie sehr liebst du Gott? Gott hat so viel Gutes für dich getan. Er hat die Welt gemacht, er hat deine Familie gemacht, er hat dich gemacht. Er schenkt dir jeden Tag die Luft zum atmen, er sorgt für dich, er liebt dich. Was tust du? Liebst du Gott? Ist dir Gott wichtig? Hiob liebte Gott.

Aber manche sagten: „Hiob ist nur so gottesfürchtig, weil er so viel Reichtum von Gott bekommen hat.“ Satan selbst behauptete das. Er sagte zu Gott: „Hiob liebt dich nur, weil du ihn so reich beschenkt hast. Wenn er seinen Besitz verlieren würde, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Gott erlaubte Satan, Hiob zu prüfen: „Du kannst tun, was du willst, aber du darfst Hiob selbst nichts tun.“

So kam es, dass ein paar Tage später ein Bote zu Hiob kam. Es war einer seiner Knechte, der auf die Tiere aufpasste. Er kam sehr schnell gerannt. Hiob sah ihn schon von weitem. Er wunderte sich: „Was ist denn mit ihm los. Er sieht ganz verängstigt aus.“ Der Knecht kam näher und blieb schließlich erschöpft vor Hiob stehen. „Hiob“, stammelte er, „Hiob, es ist etwas schreckliches passiert.“ „Was ist denn los?“, wollte Hiob wissen. „Wir waren bei den Weiden“, begann der Knecht zu erzählen. „Wir haben auf die Rinder und auf die Eselinnen aufgepasst. Da kamen plötzlich Feinde aus Saba und haben uns überfallen. Sie haben alle Tiere geraubt und deine Knechte getötet. Nur ich hab es geschafft zu entkommen. Deshalb bin ich sofort zu dir gerannt, um es dir zu erzählen.“

Hiob musste sich setzen. Hiob hatte viele Rinder und Eselinnen, wisst ihr noch, wie viele? 1000 Rinder und 500 Eselinnen. Sie waren jetzt alle weg und die Knechte waren getötet worden. Das war keine gute Botschaft. Es war eine sehr schlechte Botschaft. Eine Hiobsbotschaft. So sagt man dazu, wenn man eine sehr schlechte Nachricht bekommt. Jetzt weißt du auch warum. Hiob hatte eine schlechte Nachricht bekommen. Gerade hatte er sich wieder etwas davon erholt, kam ein anderer Knecht Hiobs angerannt. Schon von weitem rief er aufgeregt: „Hiob!“ Hiob beruhigte ihn: „Was ist denn los?“, fragte er. „Hiob, wir haben auf die Schafe aufgepasst“, stammelte der Knecht. „Da kam plötzlich ein Feuer vom Himmel. Die Schafe und alle Knechte sind gestorben. Alle, nur ich habe überlebt.“ Noch während der Knecht redete, kam schon ein dritter Knecht. Auch er hatte schlechte Nachrichten: „Hiob, wir haben die Kamele gehütet. Aber dann kamen die Chaldäer und haben uns angegriffen. Sie kamen von drei Seiten. Wir hatten keine Chance. Sie haben alle Kamele mitgenommen und alle Knechte getötet. Nur ich konnte entkommen.“

Drei Hiobsbotschaften auf einmal. Das war viel. Stell dir vor, du bekommst schlechte Nachrichten. Vielleicht wird dein Fahrrad geklaut, oder jemand macht dein Lieblingsspielzeug kaputt. Wie reagierst du dann? Wahrscheinlich bist du traurig. Aber was tust du dann noch? Schimpfst du auf Gott? Liebst du Gott nicht mehr? Weist du noch, was Satan über Hiob gesagt hat? Er sagte: „Hiob liebt Gott nur, weil Gott ihm so viel Reichtum geschenkt hat.“ Liebst du Gott nur, weil es dir gut geht? Oder liebst du Gott auch noch, wenn du eine schlechte Nachricht bekommst.

Hiob hörte nicht auf, Gott zu lieben. Er liebte Gott auch im Leid. Er wusste, dass Gott wichtiger war, als aller Reichtum, den er hatte. Aber es ging sogar noch weiter. Kurze Zeit später kam ein vierter Bote. Auch er brachte eine Hiobsbotschaft: „Deine Söhne und Töchter waren im Haus ihres ältesten Bruders. Dort haben sie gefeiert. Aber dann kam ein Orkan. Das ganze Haus ist in sich zusammengestürzt. Alle sind gestorben.“ Erst Hiobs Reichtum, und jetzt auch noch Hiobs Familie. Alles war weg. Hiob war traurig. Er war sehr traurig, er war verzweifelt. Stell dir vor, deine ganze Familie stirbt. Das ist schlimm. Hiob zerriss seine Kleidung um damit seine Traurigkeit zu zeigen. Und dann fiel er auf die Erde nieder. Er fiel vor Gott nieder und er betete.

Wenn du Leid erfährst, dann schimpfe nicht auf Gott. Dann bete zu Gott. Du kannst Gott alles Leid sagen. Du kannst Gott sagen, wie weh es dir tut und wie traurig du bist. Du kannst Gott sogar sagen, wenn du wütend auf ihn bist. Sag Gott alles, aber höre nicht auf, Gott zu lieben. Denn gerade im Leid ist Gott da, gerade im Leid hilft er dir. Gerade im Leid liebt er dich. Liebe Gott auch im Leid.

Hiob betete. Und er war Gott weiter gehorsam, er liebte Gott weiter, auch im Leid. Er sagte: (Hiob 1,21 lesen): „Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ Ich glaube, Hiob konnte das sagen, weil er Gott vertraute. Er wusste, Gott liebte ihn. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiterlieben.

Satan hatte nicht Recht gehabt. Hiob liebte Gott nicht nur wegen seinem Reichtum. Gott zeigte es Satan. Aber der hatte schon wieder eine neue Idee: „Hiob liebt dich doch nur, weil er noch gesund ist, wenn er auch noch krank wäre, dann würde er dich nicht mehr lieben.“ Wieder erlaubte Gott Satan, Hiob zu prüfen. Manchmal erlaubt Gott Dinge in unserem Leben und wir wissen nicht warum. Manchmal will uns Gott etwas durch Leid zeigen. Manchmal leiden wir, weil wir einfach in einer Welt ohne Gott leben und es da viel Schlechtes gibt. Aber immer kannst du Gott vertrauen, weil er dich liebt. Deshalb liebe Gott auch im Leid weiter.

Hiob hatte alles verloren. Und nun wurde er auch noch krank. Vom Kopf bis zu den Füßen bekam er Geschwüre auf der Haut. Es tat weh und es juckte schrecklich. Hiob nahm sich sogar eine Tonscherbe um sich damit zu kratzen. Er litt schrecklich. Es ging ihm wirklich schlecht. Er saß auf der Erde in der Asche und konnte eigentlich gar nichts mehr tun. Hiobs Frau litt auch mit ihrem Mann. Sie hatte gesehen, was alles passiert war. Und sie war natürlich auch traurig über alles. Aber Hiobs Frau war auch sehr wütend auf Gott. Sie schimpfte: „Warum glaubst du immer noch an Gott? Warum liebst du Gott immer noch. Sage Gott ab und dann kannst du in Ruhe sterben.“ Hatte sie nicht Recht? Hatte Hiob überhaupt noch einen Grund, Gott zu lieben? Ja, er hatte es. Wisst ihr noch, was er vorher gesagt hatte: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen; der Name des Herrn sei gelobt.“ Hiob wusste, dass alles, was er vorher hatte, ein Geschenk von Gott war. Aber er wusste auch, obwohl diese Geschenke Gottes nun weg waren, liebte Gott ihn immer noch. Hiob konnte Gott vertrauen. Das sagte er auch seiner Frau: „Du redest Unsinn. Wir haben so viel Gutes von Gott empfangen, warum sollten wir dann jetzt aufhören Gott zu lieben, nur weil es uns schlecht geht?“

Hiob hatte einen starken Glauben, er vertraute Gott. Deshalb konnte er Gott auch im Leid weiter lieben. Hiob war Gott weiter gehorsam und redete nicht schlecht über Gott. Hättest du das auch getan? Bist du bereit, Gott auch im Leid zu lieben? Wenn du weißt, dass er dich immer liebt und immer bei dir ist, dann kannst du Gott auch im Leid lieben.“

Ich sage es immer wieder: Wir leben in einem sehr verwirrenden Zeitalter. Es scheint so, als ob jeder die Wahrheit kennen würde und dennoch falsch liege. Jeder verbreitet Informationen, aber kaum jemand hat die Zeit, diese Informationen zu überprüfen. Dazu fehlt es sowohl an Zeit, als auch an relevanten Vorerfahrungen und dem eigenen Bauchgefühl.

In der allgemeinen Medienlandschaft ist es auch schlichtweg ein wenig wie im Mittelalter – wir sehen Methoden der Diffamierung, Stigmatisierung und Skandalierung, die dazu dienen, Menschen zu verleumden, die eine alternative Meinung besitzen.

Insofern unterscheiden wir uns auch bis auf die angewandten Methoden gar nicht so sehr von der mittelalterlichen Hexenjagd. Möglicherweise verbrennen wir die Andersdenkenden nicht mehr, aber in vielen Fällen verlieren sie ihren Job, was einem Todesurteil gleichkommen würde, wie auch der bekannte deutsche Physiker Hans-Peter Dürr bemerkte.

„Die Wissenschaft ist heute die Inquisition“.

Hans-Peter Dürr

Insofern hat die ursprünglich der Freiheit und Wahrheit verpflichtete Wissenschaft heute die Rolle der Religion eingenommen. Ein Wissenschaftler, der nicht dem allgemeinen Konsens der Wissenschaft folgt, wird belächelt und teilweise sogar aus der wissenschaftlichen Community ausgestoßen. Dabei waren es immer die Querdenker in der Wissenschaft, die für Umbruch und Fortschritt gesorgt haben. Wie sollte sonst auch ein Umdenken entstehen, wenn nicht durch die Akzeptanz, dass die vorherrschenden wissenschaftlichen Theorien nicht ausreichend sind und es womöglich auch niemals sein werden, um die Wirklichkeit zu erklären?

Genauso ist es auch in Politik und Gesellschaft. Was, wenn die Demokratie nicht mehr ausreichend ist und stattdessen eine Reform benötigt werden würde, um die neu entstehenden Bedürfnisse der Gesellschaft zu befriedigen? Was, wenn die Politiker einen fatalen Job in der Krise erledigen? Was, wenn die Intoleranz langsam aber sicher die Oberhand gewinnt und alle Probleme manifestiert, die sich seit Jahrzehnten in uns einbrennen, anstatt, dass die Toleranz unsere Probleme löst?

Einige Beispiele für die Intoleranz des aktuellen Geschehens:

  • Markus Söder spricht von einer Impfpflicht für Pflegepersonal – dies entspricht dem Zwang, der durch die Intoleranz über die aktuellen gesellschaftlichen Zustände geprägt wird. Gleichzeitig warnt er vor einer Terrorzelle, die durch Protestgruppen gegenüber der aktuellen Politik entstehen. Na, wie kommt denn das?
  • Wissenschaftler wie Sucharit Bhakdi, einst wegen seiner Dienste in der Erforschung des Immunsystems geschätzt, werden nun von „faktencheckern“ als Verschwörungstheoretiker diffamiert. Der Höhepunkt: Der Schmähpreis „Goldenes Brett vorm Kopf“ wird Sucharit Bhakdi verliehen. Das Prof. Dr. Bhakdi gleichzeitig auch den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz trägt, wirkt ironisch.
  • Ein Zahnarzt aus Bayern droht mit Gehalts-Aus bei Verweigerung von Corona-Impfung – Kritische Abwägung scheint unerwünscht.
  • Auf die Frage des Journalisten Boris Reitschuster, warum die WHO-Studie von Stanford-Professor Ioannidis nicht in der Politik beachtet werde und welche Studien die aktuelle Lockdown-Politik rechtfertigen, geht die Sprecherin auf der Bundespressekonferenz überhaupt nicht ein (auch nicht nach Rückfrage).
  • Stichwort Cancel Culture: Immer mehr Kabarettisten (wie etwa Lisa Eckhart) werden wegen ihrer „Political Incorrectness“ von Veranstaltern ausgeladen.
  • Karl Lauterbach wird der Apokalyptiker der Jahre 2020 und 2021. Er spricht von 250.000 Toten ohne Maßnahmen. Solche offensichtlich unwissenschaftlichen Aussagen (s. Schweden verhängt keinen Lockdown oder Maskenpflicht und haben trotzdem kein exponentielles Wachstum) führen weiter in die Spaltung, Zwietracht und Intoleranz.

Ich verstehe aber auch die Schwierigkeiten, in denen sich die Politiker aktuell befinden. Bei denen sie alles rechtfertigen müssen, was sie tun. Und falls sie sich mal geirrt haben sollten, dass sie dies auch nur ungern öffentlich kenntlich machen würden. Aber dies bleibt unerlässlich, wenn wir uns eine funktionierende Demokratie in Deutschland nennen wollen. Andernfalls sind wir bestenfalls eine sich selbst erhaltende Wahl-Oligarchie, wie der emeritierte Prof. Dr. Rainer Mausfeld die Politik nannte.

Ich denke, dass wir 2021 an einen Punkt angelangt sind, an dem wir mit unserem Denken nicht mehr weiterkommen. Es gibt so viele Probleme, die sich in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten in unser Denken eingebrannt haben, dass wir entweder ein komplettes Umdenken brauchen oder gar nicht mehr Denken sollten. Etwas ähnliches berichtete auch der Philosoph Alan Watts 1971.

Wir verstehen alles durch Zahlen und Buchstaben, aber was, wenn dies nicht ausreicht?

Wenn diese Kommunikationssysteme nicht ausreichen, um die Welt zu erklären und zu verändern? Und was, wenn die Welt schon gut so ist, wie sie ist?

Vielleicht müssen wir gar nicht ständig etwas verändern und umbauen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir uns ändern?

Sobald diese Einsicht entsteht, dass alles gut so ist, wie es ist, tritt Entspannung ein. Diese Entspannung lehrt uns, dass wir alles haben, was wir brauchen. Sie lehrt uns, dass wir nicht immer noch mehr nehmen müssen, sondern auch etwas zurückgeben können – und, dass dies sogar noch wohltuender ist, als nur zu nehmen.

Der deutsche Psychiater Erich Fromm hat mit seinem Buch Haben oder Sein? (1976) einen ersten Wink mit dem Zaunpfahl unternommen. Seine Konsum- und Gesellschaftskritik beruht im Grunde genommen auf der Verschiebung der menschlichen Bedürfnisse vom Sein in Richtung des Habens (eine Entwicklung, die in den fernöstlichen Ländern genau entgegengesetzt zu sein scheint). Das Ungleichgewicht zwischen Haben und Sein bringt somit nach seinen Beobachtungen eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen hervor.

Nun wird diese Einstellung Fromm’s nachdenklich machen. Vor allem, wenn man selbst beginnt die Gestik und Mimik von Personen in der Öffentlichkeit zu studieren. Dies führt zur Erkenntnis, dass all der Wohlstand und auch die Technologie uns nicht glücklicher machen. Womöglich führt dies sogar zur Erkenntnis, dass wir uns darin verlieren.

Letztlich könnten wir als Gesellschaft sogar feststellen, dass wir den eigentlich Sinn des Lebens verfehlt haben: Zwischenmenschlichkeit, Liebe, Transzendenz. Und wir haben diese Werte durch Ungleichheit, Intoleranz und Internet/Technolgie ersetzt.

Wo wollen wir also hin?

Das kann jeder nur für sich selbst wissen. Einen Anstoß hierzu kann der einfühlsame Naturphilosoph Jochen Kirchhoff liefern. Sein Studium der Wissenschaftsgeschichte machen ihn zu einem wertvollen Denker, der einem wertvolle Impulse liefern kann, wenn man denn nur zuhören kann.

Und zuhören zu können, das ist eine Kunst. Eine Kunst, die vielleicht ein wenig mehr Toleranz in die Welt bringen kann.

Herzlich
Tristan

Stehen wir vor einer Wende?

Gestern, am 21. Dezember 2020, wurde vielfach von Medien darüber berichtet, dass Jupiter und Saturn sich sehr nahe ständen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde jedoch nur das „Sichtbare“ geschildert und nicht die geistigen Auswirkungen dieses Events. Beobachtung erfolgt schließlich nicht nur auf visueller Ebene (was sich am 21.12. aufgrund des Wetters sowieso als schwierig gestaltet hat). Dies war mir jedoch klar, da unsere Wissenschaft nicht wirklich Interesse an geistigen und subjektiven Phänomenen hat.

Darum beschäftige ich mich in diesem Beitrag einfach mal mit den geistigen Auswirkungen der „großen Konjunktion“ (Annäherung am Sternenhimmel) von Jupiter und Saturn. Es wird spannend für dich.

Bevor mich nun die ersten Leser in die New-Age Schublade stecken, möchte ich noch einmal die Urteilsfreiheit betonen. Du musst mir nicht glauben, was ich hier schreibe, aber du kannst dir zumindest erlauben, Anregungen von mir zu erhalten. Und es gibt bei diesem Thema ein Argument für mich, das muss ich so klar sagen, welches sofort die Meinung entkräftet, dass die Planeten und deren Konstellation keine Auswirkungen auf den menschlichen Geist haben.

Schau dir mal den Mond an. Der Mond ist laut Forschern winzig klein, er zählt noch nicht einmal als Planet, sondern nur als Satellit (astronomisches Objekt bzw. Trabant, dass ein anderes Objekt mit größerer Masse umkreist). Und obwohl der ☾ so winzig klein ist, hat er trotzdem die Kraft die Gezeiten auf der Welt zu beeinflussen. Ohne Mond entsteht auch kein Ebbe und Flut. Der Mond zieht das Wasser an wie ein Magnet.

Die wissenschaftliche Perspektive geht jedoch durchaus noch weiter: Ohne Mond kein Leben. Wir brauchen den Mond ebenso sehr, wie die Sonne. Der Mond stabilisiert die Rotationsachse und das Klima. Die Sonne sorgt für die notwendige Wärme und das Licht. Außerdem ist, wie wir inzwischen wissen, eine unglaubliche Feinabstimmung notwendig, damit die Planeten und deren Satelliten in ihren jeweiligen Umlaufbahnen bleiben und das Leben auf der Erde weiter existieren kann. Hinzu kommen noch viele andere astronomische Faktoren, allerdings sei an dieser Stelle nur nochmal bekundet, welches Wunder es eigentlich ist, dass wir alle am Leben sind. Die mathematische Wahrscheinlichkeit dafür ist fast gleich 0. Zumindest aus materialistischer Perspektive.

Wer nun glaubt, dass die anderen Planeten keinen Einfluss auf unser Leben haben, der unterliegt lediglich den eigenen Glaubenssätzen. Die Astrologie ist möglicherweise gar nicht so fernab der Wirklichkeit, wie viele bekennende Skeptiker glauben mögen. Schauen wir uns dazu auch einfach mal die Verbindung zwischen Planeten und Erdmetallen an.

Planeten & Metalle

In der römischen Mythologie (wie auch der griechischen Mythologie) erhielten die Planeten die Namen der Götter. Dies schien jedoch nicht wahllos zu geschehen, sondern mit einem intuitiven Gespür dafür, welche Kraft die jeweiligen Planeten auf unseren Geist und unseren Körper ausüben. Dafür gebe ich dir nun eine entsprechende Textpassage aus meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert frei, die sich mit der Verbindung zwischen dem Planeten Mars und dem Mineralstoff Eisen beschäftigt.

„Nehmen wir als Beispiel den Planeten Mars und das dazugehörige Element Eisen: Der Kriegsgott Ares (röm. Mars) ist nach der griechischen Mythologie die Verkörperung für die Willenskraft und des Krieges, welche sich im Leben besonders durch Konfrontationen und Durchhaltevermögen zeigt. Wer keine Willenskraft hat, der fühlt sich auf geistiger Ebene energielos und schlapp. Natürliche Aggressivität ist ein normaler Bestandteil der Natur, der auf das Überleben, das Bewahren der eigenen Dominanz, ausgerichtet ist. Wer die Tapferkeit [als Tugend] erlangen möchte, der muss sich in gewissem Rahmen auch seine angeborene Aggressivität  erhalten. Auf körperlicher Ebene offenbart sich das Fehlen der Aggressivität durch Eisenmangel (Anämie) im Blut. Frauen sind häufiger von Anämien betroffen als Männer.[i] Durchsetzungsvermögen ist eher eine typisch männliche Eigenschaft, weshalb Ares auch als Sinnbild männlicher Kraft und Schönheit gilt.“

Weitere Beispiele für Analogien zwischen Mineralstoffen und deren Verbindungen zu den Planeten findest du in der folgenden Tabelle oder in meinem Buch (z.B. im Falle des Kupfers).

Was geschieht nun aktuell?

Jupiter und Saturn kommen sich sehr nahe. Dies geschieht etwa alle 20 Jahre. So nah, wie am 21. Dezember 2020 waren die Planeten jedoch vermutlich zuletzt im Jahr 1623.

Auf geistiger Ebene haben wir hier zwei Symbole die sich treffen: Das Glück bzw. die Fügung, verkörpert durch Jupiter und die Themen Zeit bzw. Tod verkörpert durch Saturn. Zugleich sind die zugeordneten Organe die Leber (Jupiter) und die Knochen bzw. Haut (Saturn).

Hierbei ist recht interessant, dass die astronomische Begegnung von Jupiter und Saturn auf die Schöpfungsgeschichte der griechischen Mythologie („Theogonie“ von Hesiod) um den Kampf der Götter und Titanen übertragen werden kann. Kurze Zusammenfassung:

Die Anführer beider Lager, Zeus (Jupiter) und Kronos (Saturn), liefern sich in der Geschichte einen erbitterten und zwieträchtigen Kampf, bis Zeus seinen Vater Kronos und die anderen Titanen in den Tartaros (tiefste Region der Unterwelt) einsperrt.

Dieser Mythos ist durchaus auf unsere heutige Zeit übertragbar – wenn auch mit Vorsicht. Wir erleben gerade wieder einmal einen erbitterten Kampf zwischen den verschiedenen Aspekten des menschlichen Geistes, der sich auch auf das Zwischenmenschliche überträgt. Saturn (Kronos) als Herrscher und Sicherheitsgarant, sowie Jupiter (Zeus) als Schützer und Ordner liefern sich alle 20 Jahre einen Kampf über die Vorherrschaft im menschlichen Geist. Nun bleibt die Frage offen – wer gewinnt diesen ständigen metaphorischen Kampf?

Gewinnt Jupiter, so stehen uns glückliche Zeiten bevor, die vielleicht auch entgiftend und reinigend wirken (s. Tabelle, Jupiter als Verbindung zur Leber.). So könnten alte Wunden heilen und eine neue Zeit des Friedens entstehen.

Gewinnt Saturn, werden die Hauptthemen der nahen Zukunft Zeit und Tod. Womöglich wird die Unbarmherzigkeit und das Mistrauen auch stärker ausgeprägt. Das Tod ist aber auch schon jetzt ein Thema, wie wir alle spüren. Die Frage ist nur, ob wir den Tod auch gesellschaftlich annehmen können.

Ich formuliere dies deshalb auch so eindeutig, weil ich den Zwispalt der Menschheit auch in der aktuellen Pandemie sehe. Hierzu hatte ich auch einen Beitrag über das Thema Freiheit oder Sicherheit? verfasst. In der nächsten Zeit wird sich für mich entscheiden, ob wir den Weg der Toleranz und des Gleichgewichts gehen oder, ob wir uns weiter in Extremen verlieren. Und ob wir einmal mehr in der Geschichte der Menschheit entzweit werden.

Es gibt viele astronomische Konstellationen, die in ihrer Bedeutung für den menschlichen Geist höchst interessant sind. Ein Beispiel hierfür ist der Lunisolarkalender. Laut dem Kalender wandern Mond und Sonne genau 33 Jahre, bis sie wieder am selben Punkt zueinanderstehen, wie 33 Jahre zuvor. Nach 33 Jahren sollen sich auch die Geschehen auf der Erde wiederholen – zugleich könnte man diesen Zyklus mit einer neuen menschlichen Generation gleichsetzen. Holger A. L. Faß schreibt hierzu:

Im spirituellen Sinn erscheint mir dieser Jahrgangs-Rhythmus einleuchtender als die sonst häufig zitierte alle 20 Jahre stattfindende Begegnung von Jupiter und Saturn. Während der Jupiter-Saturn-Zyklus mehr die konkreten Verhältnisse zwischen Wachstum und Beschränkung, zwischen Hybris und Meisterschaft anzeigt, weist der 33-Jahre-Rhythmus von Sonne und Mond auf die jeweilige Geist-Seele-Verbindung der entsprechenden Generation hin.

Aus Sicht der Numerologie ist die Zahl 33 als beginnender Generationenwechsel kein Zufall. Viele Kulturen schätzten die 3er-Zahlenfolge (3,6,9) als Zahlen der Harmonie und Natürlichkeit ein. So bilden Numerologen aus Zahlenkombinationen (wie dem Geburtsdatum) Quersummen – so lange, bis eine einzige Ziffer übrig bleibt. Ausnahmen werden bei den Zahlen 11, 22 und 33 gemacht. Dabei gilt die 33 als weiseste und sehr weit fortgeschrittene Zahl. Sie verkörpert hohe Spiritualität und wird daher auch als „Meisterzahl“ bezeichnet.

Bei mehr Interesse an astrophysikalischen Themen empfehle ich dir meinen Freund Dipl. Astrophysiker Robert Sarkis-Karapetians. Er hat in zwei Interviews bei Radio Berg im November über kommende astrophysikalische Ereignisse gesprochen. Und dabei hat er auch noch über den Tellerrand geblickt und die Ereignisse ins große Ganze (z.B. Maya-Kalender) eingebunden. Vielleicht ist es am Anfang nicht ganz leicht zu verstehen, aber dafür empfehle ich dir unbedingt beide Interviews anzuhören. Und auch das Interview mit Dieter Broers ist sehr spannend.


Interview 1

Interview 2


Interview mit Dieter Broers

Hoffen wir auf ein klärendes, friedvolles und empfindsames Jahr 2021.

Bis bald,
dein Tristan.


Literaturverzeichnis

[i]TD Johnson-Wimbley und DY Graham “Diagnosis and management of iron deficiency anemia in the 21st century” Therapeutic advances in gastroenterology vol. 4(3): S. 177-184 (2011).

Liebe Leser,

in letzter Zeit sind einige interessante Beiträge und Artikel von mir erschienen, auf die ich euch mit diesem Blogbeitrag kurz hinweisen möchte. Durch den Lockdown haben wir alle wohl etwas mehr Zeit zum Lesen. Vielleicht besteht also Interesse an meinen Inhalten. Hierzu füge ich jeweils entweder einen Abschnitt als Leseprobe ein und/oder gebe eine kurze Einführung in die Thematik.

Drei Beiträge für das MHRx Magazin

Das Magazin Metal Health Rx von Aesir Sports ist eine renommierte digitale Zeitschrift, die monatlich erscheint. Hierfür schreiben verschiedene Autoren Artikel über die Themen Gesundheit, Kraftsport & Training. Den Zugang zum Magazin erhaltet ihr, indem ihr das Magazin kostenpflichtig abonniert (jährlich/life-time). Inzwischen durfte ich bereits drei Artikel für das Metal Health Rx Magazin schreiben. Eine kurze Einführung in die Artikel findet ihr anbei.

Baue Stress ab & booste Wohlbefinden sowie Erholung: 3 effektive Entspannungstechniken für den Alltag

15. November 2020

»Du kennst dieses Gefühl nach harter Arbeit oder einem anstrengenden Tag genauso gut wie ich: Du bist platt, erschöpft, ausgelaugt und weißt eigentlich ganz genau, dass jetzt Entspannung notwendig ist. Wie handeln aber wohl sehr viele Menschen? Auf die Couch setzen, Fernseher anschalten und dann entweder Nachrichten oder einen Film bzw. Serien angucken.

Warum das so ist, soll an dieser Stelle nicht Gegenstand der Diskussion sein. Viel wichtiger ist, dass bei diesem Verhalten die Entspannung schon mal auf der Strecke bleiben kann. Es gibt zahlreiche, sehr eindrückliche Studien, welche von der Verstärkung negativer Gefühle (1), über Angst (2) und Depressionen (3) (bei hoher Nutzung elektronischer Geräte von >6h), Suchtverstärkung (4) und Beeinflussung des Ernährungsverhaltens (5durch elektronische Geräte sprechen.

6 Stunden mag für den ein oder anderen viel erscheinen – diejenigen, die jedoch auch auf der Arbeit an einen elektronischen Bildschirm gebunden sind, erreichen relativ schnell diesen Wert. Wie auch Twenge et al. (2018) feststellten, waren bei Kindern und Jugendlichen bereits „mehr als 1 Stunde Bildschirmzeit pro Tag mit einem geringeren psychischen Wohlbefinden verbunden, einschließlich weniger Neugier, geringerer Selbstkontrolle, mehr Ablenkbarkeit, größeren Schwierigkeiten, Freunde zu finden, weniger emotionaler Stabilität, schwierigerer Pflege und Unfähigkeit, Aufgaben zu erledigen.“ (6)

Die Assoziationen zwischen Bildschirmzeit und geringerem psychischen Wohlbefinden waren bei Jugendlichen größer, als noch bei jüngeren Kindern (6).«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 10/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Das Gleichgewicht bewahren: Was uns die Psychosomatik über qualitative Ernährung lehren kann

12. Oktober 2020

»Die Ernährung aus dem Standpunkt der Psychosomatik zu betrachten ist relativ ungewöhnlich – speziell auch für mich als Ernährungswissenschaftler.

Meist wird das Thema Ernährung ziemlich einseitig beleuchtet. Ob in der Ernährungswissenschaft, in Medienberichten, in sozialen Netzwerken oder im Fitnessstudio – heutzutage, so habe ich den Eindruck, geht es wesentlich mehr um den körperlichen und objektiven Aspekt der Ernährung. Also um den physikalischen Brennwert (kcal), um die biochemisch-optimale Ernährung oder Diät(Nährstoffzusammensetzung und -timing, Leistungsfähigkeit etc.) oder um den präventiven und therapeutischen Nutzen bestimmter Pflanzen(-bestandteile).

  • Schlichtweg geht es um die Frage: „Was esse ich?“ 
  • Weniger behandelt wird die Frage: „Wie esse ich?“

Der Unterschied zwischen dem „Was“ und dem „Wie“ in Bezug auf die Ernährung wird zunehmend auch von dem Forschungsfeld der Psychosomatik behandelt. Um aber die Sichtweise der Psychosomatik zu verstehen, müssen wir vorab wieder einige Prämissen klären.

Durch die Fokussierung des objektiven Nutzens der Ernährung wird zunehmend der quantitative Aspekt der Lebensmittel in den Vordergrund gerückt. Weniger wird auf die Qualität der Lebensmittel bzw. auf die Beziehung zwischen Mensch und Lebensmittel geachtet. Würde aber tatsächlich darauf geachtet werden, so würden sich plötzlich neuartige Fragen erschließen, die vorher noch nicht behandelt wurden, wie etwa: „Passt das Lebensmittel zu meiner individuellen Situation?“. Andere Fragen, wie z.B. „Welches Lebensmittel ist das Beste?“, würden dann eher in den Hintergrund rücken.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 09/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien

19. September 2020

»Das Thema Pandemie, aber vor allem die aktuelle Corona-Pandemie, ist wohl das emotionalste Thema, das es seit langem in unserer Gesellschaft gab. Einmal mehr sind Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten wichtig, die im Chaos des Internets Fakten verbreiten und somit Ruhe zwischen den sich auftuenden Camps von Befürwortern und Kritikern der aktuellen Maßnahmen stiften.

Mir persönlich sind immer zwei Dinge ganz wichtig, welche die Menschen aus den Informationen mitnehmen können, die ich anbiete:

  • Konstruktive Kritik gegen jede Art von Meinung zu äußern.
  • Sich nicht von Meinungen beeinflussen zu lassen, sondern zu beobachten, unwiderlegbare Fakten zu sammeln und diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzusetzen.

Beides sehe ich leider bei den wenigsten Inhalten im Internet, dabei ist es gerade diese Denkweise, die den Wissenschaftler auszeichnet. Und auch im Metal Health Rx Magazin finde ich diese Denkweise glücklicherweise vor. Damit betrachte ich dich nun auch im folgenden Artikel als Wissenschaftler, der eben diese Denkweise anwendet.

Es ist im Sinne der Wissenschaft ganz wichtig jedes Thema erst einmal mit der nüchternen Klarheit eines Wissenschaftlers zu betrachten. Dadurch erlaubst du dir nämlich nicht von Anfang an zu bestimmten Themen „Nein, das ist unmöglich“ zu sagen, sondern sagst grundsätzlich „Vielleicht ist da was dran“.

Der Religionsphilosoph Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter schrieb ebenso in „Eine philosophische Abhandlung des neuen Coronavirus“ über eine Notwendigkeit zur Meinungsvielfalt, um wissenschaftliches Scheuklappendenken während der aktuellen Pandemie zu vermeiden und gesellschaftliche Konflikte zu minimieren (1). Darum geht es auch schließlich: Die Diversität an Meinungen belebt den Konsens und durch den Konsens finden wir zu Fakten. Darum ist auch keine Meinung auszuschließen.

Dieser Beitrag hat also die Aufgabe zum Konsens beizutragen und nicht etwa Recht für sich zu beanspruchen. Karl Popper, einer der bedeutendsten Denker und Wissenschaftsphilosophen des 20. Jahrhunderts sagte einst sehr passend: „Der Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt zu lernen, als recht zu behalten.“ (2)

Dieser Beitrag soll dich also zu einer Perspektive anregen, die aus einem, für die bisherige Diskussion, recht ungewöhnlichen Standpunkt vertreten wird. Nämlich aus einem metaphysischen (ontologischen) Standpunkt. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen und hoffe, dass du eine Menge über die Beziehung zwischen den Themen „Pandemie“ und „Gesundheit“ dazulernst.«

[…]

Mehr in der Ausgabe MHRx 08/2020 // Hier geht’s direkt zum Artikel

Analyse: COVID-19 (SARS-CoV-2) in Germany

1. November 2020

Passend zum Artikel Die Auswirkungen eines gesunden Lebensstils auf Pandemien für das Metal Health Magazin ist auch meine COVID-19 Analyse, welche ich im Oktober auf Englisch übersetzt habe und mit einem 10-seitigen Update versehen habe. Obwohl ich von dem Thema in den letzten Wochen abgewichen bin, da ich gemerkt habe, dass die Emotionen in diesem Thema überhand nehmen, würde ich auch hier gerne nochmal die wichtige Passage am Ende der Analyse einfügen. Die Übersetzung findet ihr auf meinem Blog.

[…]

»To me, trusting experts on their opinion cannot be future standard. Every citizen is responsible for informing himself/herself to estimate the current situation. For the lockdown-policy on the 2ndof November, for example, every citizen has to express concerns and considerations, in particular when it comes to one’s own economic existence.[i] And also to question the prevailing opinion of the government and to make them change their political course in the interest of everyone’s health, but especially for kids, as childhood researcher Michael Hüter warns the German policy: „A whole generation has been collectively traumatized.“

I myself started to recognize the importance of Plato’s Trivium, especially when I read news reports, social media posts and watch television narratives about SARS-CoV-2. In his Trivium, Plato defined the logical errors, which are very helpful to weigh others arguments. If, for example, someone is claiming to know something about SARS-CoV-2, just because some scientist said something about it, the logical errors help recognizing it as an appeal to authority. Authority can never replace arguments, otherwise society would not act rational. Another example could be the appeal to fear, which was used many times as an instrument to achieve certain political regulations. There are few more examples and I can just recommend it to use it in relation to question given opinions.

Finally, I want to remind the reader again about the importance of one’s own health. No one else can be responsible for the physical and mental health than the individual who owns the body. We as a society cannot not expect that scientists rescue us if ourselves forget about the importance of a healthy lifestyle and disease prevention. Starting with ourselves, we can also remind other people to go out and enjoy nature, food and our communication with others. If we try to isolate ourselves completely, the situation will get even worse. The immune system should be again at the center of our attention. To not only prevent diseases, but also to make life for everybody highly enjoyable again.«

Hier geht’s zum researchgate Artikel // zur deutschen Übersetzung

Blogbeitrag: Freiheit oder Sicherheit?

13. November 2020

Es sind alte Frage, die jedoch aktueller sind, denn je: Was ist uns wichtiger, Freiheit oder Sicherheit? Was sind wir bereit an Freiheit aufzugeben, um Sicherheit zu erlangen? Kann es so etwas wie Sicherheit überhaupt geben? Und (wann) sind wir bereit, beide Aspekte miteinander in Einklang zu bringen?

Diese Fragen habe ich versucht in meinem aktuellen Blogbeitrag zu beantworten. Ich habe anhand der aktuellen „Pandemie“, aber auch durch das Beispiel von OSHO und seinen Sannyasins gezeigt, dass verschiedene Menschen unterschiedliche Prioritäten haben. Je nachdem, welcher Typ man selbst tendenziell ist – Sicherheitsfanatiker oder Freiheitsidealist – verhält man sich in Gefahrensituationen anders. Letztendlich geht es jedoch immer um das nackte Überleben:

Die Freiheit dient dazu, das Überleben zum Erleben zu machen, wohingegen die Sicherheit danach strebt, das Überleben grundsätzlich zu sichern. Bei einem anfallenden Risiko ist es klar, dass die Bewertung des Risikos unterschiedlich ausfällt. Und, dass damit die Konflikte beginnen.

Mehr im aktuellen Blogbeitrag

Blogbeitrag: Planton’s Trivium

26. Oktober 2020

Wie können wir Wahrheit erlangen?

Diese Fragen hat viele Philosophen beschäftigt. Besonders aber Platon, wie man an seinen Dialogen mit Sokrates (z.B. Phaidon) oder seinem Höhlengleichnis erkennt. Um seinen Argumentationspartner in seinen Aussagen nach Wahrheitsgehalt zu überprüfen, hat Platon ein ziemlich schlaues Tool entwickelt: Die logischen Irrtümer.

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Buch: Atmen • Nicht-Atmen

10. Oktober 2020

Ich habe es bereits mehrfach vorgestellt… aber es wird trotzdem nicht alt. Mein Poesie und Geschichtenbuch Atmen • Nicht-Atmen könnt ihr gratis als eBook von mir erhalten, indem ihr meinen Newsletter abonniert. Ich habe von vielen schon sehr positive und inspirierende Rückmeldungen erhalten. Dafür möchte ich mich schon mal bedanken!

Als kleines Dankeschön möchte ich noch eine kleine Geschichte einfügen. Ich hoffe sie gefällt euch. Falls ihr mehr lesen möchtet, abonniert einfach meinen Blog. Dann schicke ich euch mein eBook zu!

Der Brauch

»Ein Muslim, ein Buddhist und ein Jude treffen sich im Schlossgarten, um darüber zu diskutieren, welche Tradition die Wahrheit gefunden hat. Der Muslim argumentiert, dass Gott die eine Wahrheit ist und, dass der heilige Kampf der einzige Weg ist, die Wahrheit (Gott) zu finden. Denn Wahrheit bedeutet Errettung und wer gerettet werden will, der muss bereit sein, für die Rettung zu sterben.

Der Buddhist bestreitet, dass ein materieller Tod wirklich notwendig sei, um zu dem zu finden, der im Koran als „Gott“ dargestellt wird. Ihresgleichen höchstes Ziel sei das Nirwana, das nur durch den noblen Pfad des Buddhas in stiller Meditation gefunden werden kann. 

Schließlich ist der Jude empört und witzelt über des Buddhisten Pfad. Buddha habe nicht einmal Muße gehabt, um eine Schrift zu hinterlassen. Und gerade, als der Jude ausführen wollte, dass sich der echte Gott, Jahve, der Eine, nur den Juden offenbart, unterbrach sie ein Fremder. Und er spricht:

„Wie ich sehe, streitet ihr über eure Herkunft. Aber bevor ihr weiterredet, geht dort vornhin in diese Richtung, dort werdet ihr einen Mann sitzen sehen, der kann euch weiterhelfen.“

Und die drei machen sich auf und wandern entlang des Schlossgartens, bis sie am blumengeschmückten Springbrunnen ankommen. Dort sitzt ein alter Mann mit langem Haar und Robe. Und als sie vor ihm stehen, da bittet er sie, sich zu setzen. Er schaut ihnen tief in die Augen und stößt einen tiefen Seufzer aus.

Und in den nächsten Stunden hören sie Gleichnisse über Leben und Tod, über die rechte Art, sich frei zu machen, über die rechte Atmung und über die Streitschlichtung. Denn laut dem alten Mann gehe es darum, allen Religionen, Lehren und Traditionen Wahrheit zuzugestehen.

Der Muslim, der Buddhist und der Jude waren nicht nur entzückt, sondern lauschten voller Stille und Ehrfurcht. Und als der Mann sich erhob und ging, denn er hatte schließlich nichts mehr hinzuzufügen, da fielen sich die drei Gottesfürchtigen in die Arme. Sie versprachen sich nicht mehr zu streiten. Denn dazu war kein Grund mehr. Sie erkannten, dass sie dieselbe Herkunft hatten, diese Herkunft nur aus anderen Blickwinkeln betrachteten. Von nun an akzeptierten sie den Glauben der anderen.

Aber nicht nur das. Sie zogen sogar umher und verbreiteten die Lehre des alten Mannes. Denn sie wollten die tolerante Lehre weitergeben und allen Streit der Welt lösen.

Aber irgendwo auf ihrem Weg der Erlösung verliefen sie sich. Denjenigen, die ihren Glauben behalten wollten, warfen sie Dummheit und Ignoranz vor. Und ehe sie sich versahen, verkamen ihre Worte in einer Tradition, die nur denen Frieden brachte, die sie praktizierten. Und alle anderen, die die Lehre nicht achteten, wurden zu Übeltätern und Ungebildeten, die es zu bekehren oder auszulesen galt.

Welch ein Jammer. Der Streit der drei Gläubigen wurde zwar geschlichtet, dafür entbrannte jedoch ein viel heftigerer Streit. Ein Streit, der nicht mit der Vergebung aller Menschen endete, sondern einem Exklusivrecht, dass ihrer Tradition galt. Aber nein, eine Tradition kann man es wohl nicht mehr nennen. Ein sinnentleerter Brauch, das kommt dem Ganzen näher.«

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Danke für die Aufmerksamkeit! Ich wünsche reges Interesse beim Lesen. Und natürlich eine unbändige Gesundheit und Lebensfreude für den kalten Winter, der uns bevorsteht.

Seid achtsam,
euer Tristan.

Einigen von euch ist es sicherlich schon aufgefallen. Der Name meiner Webseite und Social-Media Kanäle lautet @tristanstrivium. Aber was hat es damit auf sich?

Als ich mein erstes Buch Odyssee im 21. Jahrhundert geschrieben habe, bin ich bei der Recherche der alten Kulturen auf die Schriften von Platon gestoßen. Platon war unter anderem bekannt für seine erkenntnis-theoretischen Denkansätze, um zwischen Fiktion und Realität unterscheiden zu können.

Dafür hat er nicht nur die Lehrmethode des Triviums (3) definiert, sondern auch die, des Quadriviums (4). Zusammen waren diese beiden Werkzeuge des Wissens an den Universitäten des Mittelalters als 7 freie Künste bekannt. In den letzten hundert Jahren sind die freien Künste aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden und das, obwohl sie wichtiger werden denn je. Die Nutzung ist trivial und dennoch genial.

„Dadurch, dass man lernt, wie man denken sollte – anstatt was man denken sollte – bildet dieser Ansatz die Basis für die Kunst und die Wissenschaft den eigenen Verstand zu nutzen als auch die Basis für das Wissen über die Materie.“

(Auf die Wichtigkeit des WIE, anstatt des WAS, habe ich bereits in einigen Publikationen hingewiesen.)

Dabei besteht das Trivium aus den drei Elementen Rhetorik, Grammatik und Logik, wohingegen das Quadrivium aus den Elementen Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie besteht.

Zum Verständnis der Funktion beider komplementärer Künste (Trivium und Quadrivium) und deren Elemente, habe ich in meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert folgende Erklärung angeführt:

„Der Grund für den Fachjargon in der Wissenschaft ist die Abhebung von der normalen Sprache in komplexere Gebilde von Theorien und Definitionen. Neben der Tatsache, dass in Psychologie, Physik oder Didaktik jeder Wissenschaftler seine ganz eigenen Definitionen für Fachwörter nutzt, ist die Fachsprache die Ausdrucksweise eines Menschen, welcher sich mit höchst anspruchsvollen Themen auseinandersetzt. Und meistens über abstrakte Theorien, welche im Alltag keine Anwendung finden. Die freien Künste nach Platon bringen Licht ins Dunkle und zeigen auf, wie ein Mensch beschaffen ist […] Jedes Experiment [und damit auch notwendigerweise jede Beobachtung] gelangt über unsere fünf Sinne in unseren Verstand. Durch Trivium und Quadrivium hat der Verstand die Möglichkeit, dieses Experiment zu verarbeiten.“ (Nolting, Odyssee im 21. Jahrhundert, 2020)[1]

Um gegenseitiges Kommunizieren und verstehen zu ermöglichen, sollten wir sowohl auf unsere Eigene als auch auf die Rhetorik, Logik und Grammatik des Argumentationspartners achten.

Grammatik ist die Fähigkeit zur Sammlung von Elementen im Sprachgebrauch, um diese als Wissensbasis nutzen zu können. Die Logik dient der Beseitigung von Widersprüchen in der Grammatik, sodass der Zusammenhang verstanden werden kann. Die Rhetorik dient schlussendlich der einfachen Weitergabe des Wissens, sodass die Erkenntnisse ins Alltagsleben integriert werden können.[2]

Die Wichtigkeit des Triviums im Austausch miteinander wird bis heute noch maßgeblich unterschätzt. Dafür möchte ich insbesondere auf den Aspekt der Logik genauer eingehen. Ihr werdet sehen, welche Vorteile die Kenntnis um Platon’s Trivium birgt.

Die Macht der Logik

Habt ihr euch nicht auch einmal gefragt, wie ihr in unserer Zeit zwischen guten und schlechten Argumenten unterscheiden könnt? In unserem Informationszeitalter gibt es leicht ersichtlich so viele Informationen, dass es sehr schwer fällt, zwischen Wahrheit und Ideologie zu unterscheiden. Ob es nun um das Thema Corona, Ernährung oder Sport geht, ist erst einmal egal. Wer einen wissenschaftlichen Anspruch hat, der sollte wissen, wie eine logische Argumentation aufgebaut ist und eben auch, was sie nicht enthalten sollte.

Nach Platon gibt es vier Schritte in der Wissenschafstheorie (wissenschaftliche Methode), die erfüllt sein müssen, um als logisch zu gelten. Dazu gehört…

  1. Beobachten: Der zu messende Effekt wird durch Studium der Natur beobachtet
  2. Hypothese aufstellen: Der Effekt wird untersucht und zur Erklärung des Verhaltens werden Thesen aufgestellt
  3. Extrapolieren: Die wahrscheinlichste These wird untersucht, um Vorhersagen über zukünftiges Verhalten zu machen
  4. Verifizieren: Mehrfache Wiederholung des Experiments zur Verifizierung der Reproduzierbarkeit

Je einfacher die Hypothese ist, desto leichter lässt sie sich auch beweisen. Je komplexer das Konstrukt, desto mehr Details, Variablen und somit auch Fehler enthält sie. Sokrates, der Lehrer Platons, wusste beispielsweise, dass eine komplexe Theorie gleichzeitig auch zu einem Verlust der Wirklichkeit führte und wies daher mit seinem Satz: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“, auf die Notwendigkeit zum Hinterfragen des eigenen Wissens hin. Theorien sind nur das, was man zu wissen meint. Um die möglichen Fehler einer Argumentationskette zu überprüfen und sie möglichst nachvollziehbar zu halten, hat Platon die logischen Irrtümer mit ins Spiel gebracht.

Logische Irrtümer

Zur Veranschaulichung werden hier beispielhaft einige logische Irrtümer aufgelistet und mit Beispielen untermauert. Eine vollständige Liste findet sich im Anhang Je häufiger die logischen Irrtümer zur Überprüfung von Argumenten im Alltag verwendet werden, desto leichter erschließt sich der Umgang. Die logischen Irrtümer sind wichtiger denn je, gerade auch um Falschaussagen, von Politiker, Wissenschaftlern und vermeintlichen Experten auf die Spur zu kommen.

  • Ad Hominem: Auf eine sachliche Aussage wird mit einem persönlichen Angriff reagiert. Dies ist der Versuch die Person zu diskreditieren, um zu vermeiden, dass man mit logischen Argumenten reagieren muss, die man eventuell nicht parat hat.
    Beispiel: Person 1: „Donald Trump setzt sich für Friedensverträge ein.“ Person 2: „Donald Trump ist ein Rassist!“
  • Appell an Authorität: In bestimmten Situationen müssen wir uns auf der Suche nach Antworten an Experten wenden. Wenn jemand auf die Meinung eines Experten verweist, ist es wichtig zu prüfen, ob diese Person a) wirklich ein Experte ist und b) ob der Experte unabhängig ist oder ob er finanzielle Interessen bezüglich des Themas hat. Man sollte stets prüfen ob ein Verweis auf eine Expertenmeinung nicht vermieden werden kann
    Beispiel: Person A: „Leonhard Held folgert, dass die Studie von Christian Drosten statistische Fehler enthält.“ Person B: „Aber Christian Drosten ist doch der führende SARS-Experte!“
  • Appell an Glauben: Argumentieren, dass etwas wahr ist, weil die Religion oder Ideologie es vorgibt
    Beispiel: Person A: „Stimmt das?“ Person B: „Ich schwöre auf die Bibel.“ Anmerkung: Religionen sind meist keine Glaubensgemeinschaften, in denen spirituelle Erfahrungen vermittelt werden. Vielmehr sind Religionen sinnentleerter Bräuche und Glaubenssätze, die erzählt werden, um Gemeinschaften zu annektieren und zu erhalten.
  • Appell an Gewohnheit: Argumentieren, dass eine bestimmte Handlung gut und richtig ist – z.B. moralisch korrektes Verhalten – weil sich die Mehrheit so verhält
    Beispiel: Sklaverei & Schwulenfeindlichkeit in der Vergangenheit
  • Appell an Emotionen: Der Versuch Unterstützung für eine Sache zu erhalten, indem man im Gesprächspartner bestimmte Emotionen auslöst statt sich mit objektiven Argumenten auseinander zu setzen
    Beispiel: Verschiedene Emotionen erwecken (Humor, Mitgefühl, Wut, Stolz etc.): „Man selbst könnte jederzeit angegriffen werden. Daher benötigt jeder eine Feuerwaffe!“
  • Appell an Angst: Durch das Aufzeigen und Ausmalen schrecklicher Konsequenzen, die eine Entscheidung haben könnte, wird versucht jegliche positiven Aspekte der Entscheidung als irrelevant abzutun
    Beispiel: Corona-Lockdown
  • Appell an Popularität: Wenn die meisten Menschen etwas gutheißen, muss es wohl gut sein
    Beispiel: Corona-Atemschutzmaske
  • Falsches Dilemma: Es werden nur 2 Optionen präsentiert, um ein Problem zu lösen, obwohl auch noch andere Alternativen möglich wären
    Beispiel Klimawandel: Entweder steigt Deutschland bis 2030 aus dem Kohleabbau aus oder der Klimawandel verschlimmert sich.
  • Deckmantel: Wenn man in einer Diskussion auf ein schwer zu widerlegendes Argument stößt, beginnt man einfach eine lange Liste andere Themen in kurzer Abfolge in die Diskussion einzuwerfen in der Hoffnung, dass das ursprüngliche Argument in Vergessenheit gerät
    Beispiel: Stefan Homburg erklärt die Reproduktionszahl und, dass der Lockdown keinen Einfluss auf die Reproduktionszahl gehabt hat. Ergo sei der Lockdown nicht notwendig um die Anzahl der Infektionen zu reduzieren. Richard Greil erklärt, dass dies eine Fehlinterpretation sei und, dass sich das Verhalten der Menschen bereits vor dem Lockdown geändert hat.
  • Rampenlicht: Die Tatsache, dass viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Thema richten, bedeutet noch nicht automatisch, dass es wirklich relevant ist
    Beispiel: Black-lives-matter – hierbei sei die Verhältnismäßigkeit gegenüber anderen Bedrohungen beachtet und auch die Frage, ob Rassismus die Ursache ist oder nur die Folge eines bestimmten gesellschaftlichen Verhaltens. Sind der Ursprung der Proteste und die Maßnahmen gerechtfertigt oder handelt es sich um ein Massenphänomen?
  • Strohmann (ähnlich auch Roter Hering): Man nimmt eine Position oder Behauptung einer anderen Person, übertreibt und verzerrt sie und greift dann diese verzerrte Behauptung an, weil sie einfacher als falsch entlarvt werden kann
    Beispiel: Person A: „Wieso setzt du dich nicht für ein Abtreibungsgesetz ein?“ Person B: Du scheinst ein Psychopath zu sein. Als nächstes erzählst du auch noch, dass du eine Waffe mit dir herumträgst mich erschießen willst! Ich trete für ein Anti-Waffen-Gesetz ein.“

Mir hat das Trivium beim Verständnis vieler Sachzusammenhänge weitergeholfen. Durch die logischen Irrtümer konnte ich immer wieder auch meine eigenen Argumente überprüfen – und außerdem gestehe auch gerne ein, dass ich einen Argumentationsfehler habe, wenn mich jemand auf den entsprechenden logischen Irrtum hinweist. Zur Erkenntnis der logischen Irrtümer ist die Beachtung der Grammatik (Wortschatz) und Rhetorik (Gestik, Mimik, Stimme) natürlich ebenso wichtig. Darum ist genaues Beobachten und Hinhören unerlässlich.

In den kommenden Tagen werde ich meine Sars-CoV-2 (COVID-19) Analyse vom Mai nochmal auf Englisch veröffentlichen. Am Ende befindet sich ein 5-6 seitiges Update, welches explizit auf das Trivium zur Überprüfung der Argumentation in der Corona-Debatte hinweist. Hier folgt jedoch nochmal ein eigener Blogartikel, auf den ihr euch freuen könnt.

Ihr seht, das Trivium ist für mich so wichtig geworden, dass ich es inzwischen sogar im Künstlernamen trage. Ich wünsche mir, dass ich mehr Menschen für offene Debatten und Argumentationskultur begeistern kann. Und, dass das Trivium eine geeignete Lehrmethode hierfür darstellt.

Damit bedanke ich mich fürs Lesen und sage bis bald!

Herzlich,
Tristan.


Literatur:

[1]Tristan Nolting (2020): Odyssee im 21. Jahrhundert. Tredition, 2. Auflage.
[2]Otfried Höfe (2009): Aristoteles: Die Hauptwerke: Ein Lesebuch. A. Francke Verlag.

Hin und wieder gibt es Tage, an denen ich mich frage, wie stark unser eigenes Verhalten bezüglich Selbstmanipulation ist. Insbesondere frage ich mich das heute, am 14. Oktober, nachdem ich „ausversehen“ meine Publikation COVID-19 holistisch betrachtet mit über 4000 Aufrufen bei researchgate gelöscht habe. Seufz.

Eigentlich lief alles super. Ich habe am 12. Oktober erfolgreich mein drittes Buch veröffentlicht und viel Zuspruch erhalten. Ich übe mich selbst immer weiter in gesunden Gewohnheiten und lese genug. Und im Studium läuft auch alles rund.

Was noch suboptimal läuft, sind hingegen meine überzogenen Ambitionen an mich selbst bezüglich meines Online-Auftritts. Dabei geht es weniger um meine Webseite, meine Bücher oder Podcast-Episoden, sondern eher meine Auftritte, die live und in Farbe stattfinden.

Irgendwie habe ich den perfektionistischen Drang mich selbst optimal darzustellen. Nach gründlicher Erforschung meiner Innenwelt habe ich jedoch festgestellt, dass dies nicht aus narzisstischen Selbstdarstellungsgründen erfolgt, sondern eher an meinem Anspruch liegt, mein Wissen optimal aufbereitet weiterzugeben. Und da glaube ich, dass ich ziemlich viele Dinge gleichzeitig berücksichtigen müsste.

Ich müsste schließlich nicht nur auf meine Rhetorik (Gestik, Mimik) achten, sondern auch auf meine Logik (Argumentation, Präzision, Klarheit), Grammatik (Wortschatz, Fachsprache) und Stimme (Akkustik, Phonetik). Beim Schreiben ist dies kein Problem für mich. Hier habe ich schließlich genügend Zeit, um nachzudenken, auszuholen und mich zu verbessern.

Sicherlich ist dies auch kein Problem bei einem Gespräch mit einem guten Gesprächspartner. Allerdings müsste ich hierfür eben auch selbst so entspannt sein, dass ich keinen Druck verspüre. Und Druck verspüre ich immer, wenn ich das Gefühl habe, dass es um etwas (für mich, aber auch für andere) wichtiges geht.

Wer entspannt ist, der wird alle diese aufgezählten Merkmale einer Gesprächsführung ganz automatisch berücksichtigen. Einfach, weil die Kontrolle abgegeben werden kann und ein freier Redefluss ganz ohne Anforderungen entstehen kann. Dies erinnert mich auch an die Lektüre von Erich Fromm: „Haben oder Sein“:

Wer hat nicht schon einmal die Erfahrung gemacht, mit einem Menschen zusammenzutreffen, der bekannt oder berühmt oder auch durch persönliche Qualitäten ausgezeichnet ist, oder einem Menschen, von dem man etwas bekommen möchte, einen guten Job oder Liebe und Bewunderung? Viele sind unter diesen Umständen nervös und ängstlich und »bereiten sich vor« auf die wichtige Begegnung. Sie überlegen sich, welche Themen den anderen interessieren könnten, sie planen im Voraus die Eröffnung des Gesprächs, manche konzipieren die ganze Unterredung, soweit es ihren Part betrifft. Mancher macht sich vielleicht Mut, indem er sich vor Augen hält, was er alles hat: seine früheren Erfolge, sein charmantes Wesen (oder seine Fähigkeit, andere einzuschüchtern, falls dies mehr Erfolg verspricht), seine gesellschaftliche Stellung, seine Beziehungen, sein Aussehen und seine Kleidung. Mit einem Wort, er veranschlagt im Geiste seinen Wert und darauf gestützt bietet er nun im Gespräch seine Waren an. Wenn er dies sehr geschickt macht, wird er in der Tat viele Leute beeindrucken, wiewohl dies nur zum Teil seinem Auftreten und weit mehr der mangelnden Urteilsfähigkeit der meisten Menschen zuzuschreiben ist. Der weniger Raffinierte wird mit seiner Darbietung nur geringes Interesse erwecken; er wird hölzern, unnatürlich und langweilig wirken.

Im Gegensatz dazu steht die Haltung des Menschen, der nichts vorbereitet und sich nicht aufplustert, sondern spontan und produktiv reagiert. Ein solcher Mensch vergisst sich selbst, sein Wissen, seine Position; sein Ich steht ihm nicht im Wege; und aus genau diesem Grund kann er sich voll auf den anderen und dessen Ideen einstellen. Er gebiert neue Ideen, weil er nichts festzuhalten trachtet. Während sich der »Habenmensch« auf das verlässt, was er hat, vertraut der »Seinstypus« auf die Tatsache, dass er ist, dass er lebt und dass etwas Neues entstehen wird, wenn er nur den Mut hat, loszulassen und zu antworten. Er wirkt im Gespräch lebendig, weil er seine Spontaneität nicht durch ängstliches Pochen auf das, was er hat, abwürgt. Seine Lebendigkeit ist ansteckend, und der andere kann dadurch häufig seine Ichbezogenheit durchbrechen. Die Unterhaltung hört auf, ein Austausch von Waren (Informationen, Wissen, Status) zu sein und wird zu einem Dialog, bei dem es keine Rolle mehr spielt, wer recht hat.

Erich Fromm: Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft, dtv (48. Auflage 2020).

Was wäre, wenn ich diese Kontrolle habe nicht abgeben können?

Ich wäre nicht mehr gewesen, als der Sisyphos. Sisyphos ist eine Figur aus der griechischen Mythologie, die nach Homer eine Strafe in der Unterwelt erhalten hat. Diese Strafe besteht darin, einen Felsblock einen steilen Hang hinaufzurollen. Ihm entgleitet der Stein jedoch stets kurz vor Erreichen des Gipfels und so muss er stets von vorne anfangen. Heute nennt man deshalb eine Aufgabe, die trotz großer Mühen nie abgeschlossen wird, Sisyphusarbeit.

Der Versuch die Kontrolle zu behalten, wenn die eigenen Werke wichtiger erscheinen als der Autor, können durchaus in Selbstmanipulation enden. So war ich in der Position mit einem Menschen über meine Arbeit zu sprechen, der eine sehr hohe Reichweite hat, habe aber kurz dem Gespräch geschafft durch einen winzigen Fehler gleich meine ganze Arbeit (von researchgate) zu löschen. Und damit auch meine Reichweite.

Sicherlich, ich bin mir darüber im Klaren, dass die Reichweite meiner Arbeit nicht das ausschlaggebende Kriterium meines Selbstbewusstseins ist. Vielmehr erfreut es mich, wie viele Menschen ich durch meine Arbeit positiv beeinflussen konnte. Jedoch haben viele Menschen die Arbeit auch einfach deshalb gelesen, weil sie so viele Aufrufzahlen hatte.

Wer in unserer Gesellschaft keinen Doktortitel hat, der wird selten angehört. Greta Thunberg ist da eher eine Ausnahme und wurde auch nur deshalb angehört, weil sie eine Vertreterin einer sehr großen Volksgruppe ist (die sich für das Aufhalten des Klimawandels verantwortlich sehen). Ohne die Menschen, die hinter ihr stehen, wäre sie somit auch niemals angehört worden.

Um sich selbst also Gehör zu verschaffen, braucht man in unserer Zeit definitiv entweder Glaubwürdigkeit (im Sinne wissenschaftlicher Titel und Arbeiten) oder Popularität.

Diese Entwicklung hat natürlich Vor- und Nachteile. Zum einen ist es heutzutage durch Medien wie Social Media (Youtube, Instagram & Co.) möglich, sich selbst Reichweite zu verschaffen. Zum anderen wird man nur ernst genommen, wenn man auch etwas vorweisen kann. Wie würden also heutzutage ein Platon, Aristoteles oder Sokrates bestehen, die alle keine Titel hatten, aber sich immerhin selbst als „Philosophen“ titulierten?

Eine schwierige Frage, auf die ich selbst noch keine Antwort habe. Aber vielleicht hat die Authentizität der eigenen Person doch einen größeren Anteil an der Beantwortung dieser Frage, als ich denke. Vielleicht sind es auch einfach gerade jene Personen, die die Kontrolle abgeben können und sich nicht an dem bemessen, was sie erreicht haben, die aus der Masse hervorstechen?

Womöglich gibt es also ein Licht am Ende des Tunnels. Die stetige Selbsterkenntnis, die ich seit meinem ersten Buch Odyssee im 21. Jahrhundert predige, sorgt für einen Wandel der eigenen Perspektive. Weg von dem Beweis der eigenen Glaubwürdigkeit, hin zur wirklichen Offenbarung, Transparenz und zum Selbstbewusstsein außerhalb materialistischer Errungenschaften.

Ähnlich ist es auch bei der Neuauffassung der Geschichte von Sisyphos durch Albert Camus.

Von Albert Camus wurde diese Geschichte in „Der Mythos des Sisyphos“ anders beschrieben, als von bisherigen Autoren. Entgegen der allgemeinen Auffassung, dass Sisyphos Höllenqualen aufgrund seiner sinnlosen Mühe leidet, da er sein Ziel niemals erreicht und immer wieder von vorne anfangen muss, schreibt Camus in den letzten beiden Sätzen seies Essays:

„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“

Albert Camus: Der Mythos des Sisyphos, Rowohlt TB (25. Auflage 2000).

Vielleicht ist der Weg das Ziel? Und vielleicht kann ich mich auch einfach damit zufriedengeben, dass ich mich auf dem Weg zu meinem Ziel befinde? Schließlich gibt es niemand anderen, der dafür verantwortlich ist, dass ich jetzt gerade zufrieden bin, außer mir selbst.

Die Arbeit an sich selbst sollte schließlich auch niemals zum Erliegen kommen. Sonst werden wir uns immer wieder manipulieren. Und der Felsbrocken wird immer kurz vorm Ziel wieder zum Anfang rollen. Auch ein Sisyphos könnte das gerade durch seine Strafe erkannt haben.

Danke fürs Lesen.

Herzlich,
euer Tristan.


Du willst mehr von mir lesen oder hören? Dann schau doch mal hier:

Diejenigen, die mir auf Instagram und Facebook (@tristanstrivium / @denkmalpodcast) folgen, haben es vermutlich schon mitbekommen. Am 12. Oktober erscheint endlich mein neues und damit drittes Buch! Und diejenigen, die es lesen möchten, erhalten das Buch kostenlos als eBook-Version, wenn sie meinem Blog folgen. Dies ist mein Geschenk an euch. 🙂

Hier eintragen, um mein Buch per Mail zugeschickt zu bekommen. Zusätzlich wirst du immer informiert, wenn neue Beiträge erscheinen.

Wovon handelt das Buch?

Nach meinem ersten Buch Odyssee im 21. Jahrhundert, welches als Apell an die Selbsterkenntnis gedacht war, und meinem zweiten Buch Die wahre Bedeutung der Kommunion, mit welchem ich eine außerordentliche Gesellschaftskritik formuliert habe und an an die Zwischenmenschlichkeit und Empathie appelliert habe, folgt nun mein drittes Buch:

Atmen • Nicht-Atmen

Zeilen über Veränderung

Dieses Werk enthält gesammelte Schriftwerke über die Themen Atmung, Veränderung und Kreativität. Letztlich ist auch dieses Buch wieder als Aufruf an das Selbst gedacht. Du, lieber Leser, bist für dich selbst verantwortlich und hast alle Schmerzen, Wunden und Leiden, die du in deinem Leben zugefügt bekommen hast, zu verarbeiten, um zur Zufriedenheit zu finden. Und glaubt mir, wirklich jeder leidet hin und wieder auf der Welt. Darum wird niemand herumkommen. Was jedoch den weisen Mann vom Narren unterscheidet, ist die Bereitschaft sich dem Leid zu stellen und es zu verarbeiten.

Wie kann man also das eigene Leid verarbeiten?

Und ein möglicher Weg ist der, sich selbst auf kreative Art und Weise auszudrücken. Dies kann in Form von Geschichten, Gedichten, Traumtagebüchern, Lehren, Bildern, Büsten, Tänzen, Musik oder wie auch immer geschehen. Hauptsache ist, den Schmerz emotional frei gehen zu lassen.

Dies ist übrigens auch einer der essentiellen Lehren des Qui-Gong. Diese chinesische Mediations- und Bewegungskunst, die wörtlich „Energieübung“ bedeutet, lehrt den Übenden verbrauchte, „krankmachende“ Energie an die Umwelt abzugeben und heilende Energie aufzunehmen. Angestaute Emotionen (engl. energy motion, dt. Energiebewegung) können somit kanalisiert werden, sodass sie keine langfristige Belastung mehr für den Menschen darstellen.

Ähnlich ist es beim Schreiben, Zeichnen oder Malen. Durch die Verwirklichung innerer Ideen werden natürlicherweise Blockaden gelöst und Glaubenssätze verarbeitet, denn die Probleme werden nicht weiter verdrängt und aufgestaut, sondern können in kreativer Art ausgelebt werden. Ohne Angst, Schuld, Sorge, Reue oä. – was alle Formen des kreativen Ausdrucks gemeinsam haben, ist der Flow, die Erweckung von Kundalini (im Tantra die ätherische Kraft des Menschen) oder einfacher gesagt: der meditative Zustand.

In meinem Buch finden sich zu den Haikus (dreizeilige Gedichte mit einem Aufbau von 5 – 7 – 5 Silben) jeweils sogenannte Zentangles. Zentangles eignen sich wunderbar, um in den meditativen Zustand zu gelangen und die Welt um sicher herum zu vergessen. Zentangles wirken sehr ausdrucksstark und sind durch ihre antithetischen und selbstähnlichen Komponenten (festgesetzte Strukturen in chaotischer Variation, ähnlich wie auch die DNA aufgebaut ist) sehr tiefgründig. Sie eignen sich somit bestens, um Entspannung und Ruhe zu finden (was eine Grundvorraussetzung ist, um zur Zufriedenheit zu gelangen, wie ich in meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert schrieb).

In unserer schnelllebigen Zeit, in der wir uns durch unser Handy jederzeit ablenken können und unsere Arbeit uns mit Aufgaben bombardiert, ist das wortwörtliche Abschalten und Runterkommen wichtiger denn je. Ständiges Überarbeiten und rationales Denken führt zur inneren Unruhe und komplementär dazu, dass wir weniger in den meditativen Zustand gelangen (vgl. meinen Beitrag zu Theta-Gehirnwellen). Nimm dich also dieser Aufgabe an und versuche einfach mal ein wenig langsamer zu machen und zu genießen.

Um dieses Buch gänzlich zu verstehen sind somit 5 Regeln notwendig.

1. Entspannen und Zeit nehmen
2. Genießen und langsam lesen
3. Verstehen und reflektieren
4. Gefühle beobachten und ausdrücken
5. Eigenständig kreativ schreiben

Nimm dir also Zeit, entspanne dich und lass das Gedicht und das Bild auf dich wirken. Hier ein Beispiel für dich aus meinem Buch. Auch wenn es nicht von Anfang an klappt, du möglicherweise nicht direkt die Botschaft verstehst oder zu schnell liest, lass dich davon nicht unterkriegen. Vergiss nicht: Übung macht den Meister und Gut‘ Ding will weile haben.


Tränen

Wenn Tränen fallen
Singen die Krokodile
Sie tauchen unter


Außerdem möchte ich als Inspiration und Vorgeschmack noch eine Seite aus den Lehrschriften meines Buches einfügen. Auch hier gilt wieder: Zeit nehmen, entspannen und langsam lesen.


Erzählungen

Die Meister werden Tugendhaftigkeit predigen
Die Kirche den Sündenfall lehren
Die Propheten die Selbsterkenntnis verkünden
Ich aber sage dir: Atme einfach

Wenn der Atem ein Zeichen des Lebens ist
Und das Nicht-Atmen ein Zeichen des Todes
Dann kannst du jederzeit voller Leben sein
Und doch immer wieder aufs Neue sterben

Der Atem lehrt dich die Furchtlosigkeit
Darum ist Zen eine Lehre von der Angstfreiheit
Zen sagt: Lenke den Geist auf die Atmung
Ich aber sage dir: Der Atem führt dich zum Geist


Ich hoffe, dass du mein Geschenk annimmst und viel Freude an meinem Buch finden wirst. Außerdem würde ich mich freuen, wenn du mich mit einer kleinen Spende (ich verdiene wenige Euros an dem Kauf des Buches) durch den Kauf meines Buch unterstützen würdest. Für Kritik, Feedback und Anregungen bin ich jederzeit offen.

Herzlich,
Tristan.