Andenken an Christian Rätsch

Heute hat mich die Meldung erreicht, dass Christian Rätsch von uns gegangen ist. Er ist wohl im Alter von 65 Jahren einem Magengeschwür erlegen. Auch wenn ich diesen Menschen nie persönlich kennenlernen durfte, hat er mich in meiner spirituellen Entwicklung stark beeinflusst. Ohne ihn wäre mein Leben vielleicht vollkommen anders verlaufen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Christian Rätsch war ein ganz besonderer Mensch, der auch vom Auftreten her eine magische Wirkung bei Menschen entfaltete. Mit bunten, im Stil von Naturvölkern gestickten Outfits und langen grauen Haaren erinnerte er immer ein bisschen an die Hippie-Bewegung der 1960er-Jahre. Die Verbindung ist dabei nicht zu übersehen: Sowohl der Forscher als auch die Hippies waren fasziniert von der Substanz LSD (dessen Urvater, der schweizer Chemiker Albert Hoffmann, er noch persönlich kannte).

Trotz seines eigentümlichen Auftretens war Christian Rätsch Vollblut-Wissenschaftler. Wie kaum ein anderer hat er den Rausch durch bewusstseinserweiternde Substanzen in verschiedenen Kulturen untersucht. Dazu zählen unter anderem auch die Lakandonen-Indianern im südmexikanischen Urwald, bei denen er mehrere Jahre zu Forschungszwecken lebte. Das Ergebnis seiner fruchtbaren Forschung waren unter anderem zahlreiche Bücher, die ich alle nicht missen will: Abgründige Weihnachten, die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, Ayahuasca, Räucherstoffe u.v.m.

Sein Wirken hat ihn vermutlich zu dem bekanntesten Drogenforscher Deutschlands gemacht. Als er kurz vor seinem Tod im September 2022 den zweiten Band von „Die Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen“ vorgestellt hat und gefragt wurde, was nun sein Wunsch sei, antwortete er: Ich muss nie wieder ein Buch schreiben!

Ich habe sein Wissen und seine humorvolle Art das erste Mal schätzen gelernt, als er bei Stefan Raabs TV Total ein Millionenpublikum verzaubert hat. Dass alle Welt Christian Rätsch als Menschen schätzt und sein Andenken ehrt, freut mich wirklich sehr.

Der SPIEGEL schreibt über Rätsch:

Er schrieb zahlreiche Bücher und war ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Schamanismus: der akademischen Gemeinde zu esoterisch – und den Esoterikern zu wissenschaftlich.

Sein Verlag (AT) schreibt:

Christian Rätsch hat sich in herausragender Weise um die Rauschkunde und Drogenaufklärung verdient gemacht. Seine Veröffentlichungen zu Schamanismus, Magie und Mystik indigener Kulturen, zu Botanik, Bewusstseinserweiterung und -veränderung sowie zu Reisen in Anderswelten sind einzigartig, von unerreichter Kompetenz und Qualität.

Christian Rätsch wird für mich immer ein Vorbild bleiben. Er hat wie kaum ein anderer mein Interesse an den Themen Bewusstsein, Psychedelika und Rausch geweckt.

Der SPIEGEL hat ihm mit dem Begriff „Grenzgänger“ in meinen Augen ein großes Kompliment gemacht. Denn er war ein Pionier mit eigenem Kopf, welcher der Welt ein Stück weit dabei geholfen hat, sich selbst besser zu verstehen. Denn für ein wirkliches Verständnis des Menschen, der Natur und des Kosmos sind sowohl Wissenschaft als auch Esoterik gleichermaßen notwendig.

Ich muss gestehen, ich hätte ihn gerne kennengelernt. Aber ich weiß, dass er nicht verschwunden ist. Wachen Auges blickt er auf diese Welt, teilt sein Wissen mit uns und spricht seine Schutzzauber vom Jenseits aus.

Danke, lieber Christian, für alles! Seiner Frau Claudia Müller-Ebeling und den Angehörigen wünsche ich viel Kraft in dieser Zeit des Abschieds.

P. S. Am Montag, den 19. September habe ich angefangen ein Buch zu schreiben, in welchem unter anderem die wichtige Rolle von Christian Rätsch in meinem Leben aufgezeigt wird.

Als hätte ich es irgendwie geahnt.

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